Zum Tod von Theo Adam

Mit 92 Jahren ist Theo Adam in seiner Heimatstadt Dresden gestorben Von Andreas Falentin am 14.01.2019 • Bild: Erwin Göring /Sächsische Staatsoper Dresden

Als Theo Adam 30 war, hatte er bereits in London, New York und Buenos Aires, in München, Hamburg und Wien gastiert, sämtlich in großen Rollen. Hört man seine Aufnahmen heute, erschließt sich nicht unbedingt, warum. Da klingt sein, das hört man sofort, eminent musikalisch geführter Bass-Bariton streng und oft ein wenig blass. Wer Theo Adam aber einmal auf der Bühne erlebt hat, stellt sich die Frage nicht mehr, ob er wirklich zu den großen Sängern des 20. Jahrhunderts gehört. Theo Adam war ein außergewöhnlicher Sängerdarsteller, eine Bühnenpersönlichkeit von gewaltiger Ausstrahlung. Dazu schien er geradezu mit seinen Rollen zu verschmelzen und schuf ganz eigenständige Figuren, viele davon in einer Zeit, als Regie führen in der Oper, zumindest aus heutiger Sicht, eher mit Verkehrspolizei als mit Kunst zu tun zu haben schien.

1926 in Dresden geboren begann er seine Karriere bereits mit 23 Jahren am Opernhaus seiner Heimatstadt und beendete sie dortselbst als Eremit im „Freischütz“ sagenhafte 57 Jahre danach. Dazwischen war die Berliner Staatsoper Adams künstlerische Heimat. Sein wohl größter künstlerischer Erfolg war der Wotan in Wieland Wagners letztem Bayreuther „Ring“ unter dem Dirigat von Karl Böhm. Wohl auch deshalb verbindet man mit Theo Adam vor allem die Bass- und Bass-Bariton-Rollen Richard Wagners, neben Wotan vor allem den „Fliegenden Holländer“ und Hans Sachs, König Heinrich und Königmarke, Amfortas und Gurnemanz. Darüber wird oft vergessen, dass Adam oft und gerne in Uraufführungen mitgewirkt hat, von Paul Dessaus „Einstein“ bis Luciano Berios „un re ascolta“. Er war einer der wenigen DDR-Künstler, die nahezu unbegrenzte Reisefreiheit genossen, blieb aber seiner Heimat immer verbunden, was sich auch in immens erfolgreichen, wenn auch vielleicht nicht immer absolut stilsicheren Ausflügen in die Volks- und Unterhaltungsmusik äußerte. Nun ist dieser einzigartige Künstler im Alter von 92 Jahren nach langer, schwerer Krankheit in seiner Heimatstadt Dresden verstorben.