Zum Tod von Franz Mazura

Von Andreas Falentin am 24.01.2020 • Bild: Bernd Uhlig
Das Bild zeigt: Franz Mazura 2015 bei einem Interview an der Berliner Staatsoper im Schillertheater

Im Alter von 95 Jahren ist der Sänger Franz Mazura gestorben. Wer ihn live erlebt hat, wird ihn kaum vergessen können, obwohl seine Stimme nicht im engeren Sinne schön war. Bühnenpräsenz und darstellerische Intelligenz machten seine Ausnahmestellung im Opernbetrieb aus. Selten war die Bezeichnung „Sängerdarsteller“ passender.

Franz Mazura wurde 1924 in Salzburg geboren, studierte an der Musikhochschule Detmold und verdiente sich als Schauspieler am dortigen Landestheater etwas dazu. Als Sänger – vermutlich ist Bass-Bariton die richtige Bezeichnung für seine Stimmlage, aber sein Repertoire dehnte sich weit über alle Fachgrenzen – debütierte er 1949 in Kassel. Bald machte er sich einem Namen im sogenannten Charakterrepertoire mit Rollen wie Don Pizarro, Baron Scarpia oder Alberich. International bekannt wurde er durch die Zusammenarbeit mit Patrice Chereau und Pierre Boulez, als Gunther im Bayreuther „Jahrhundert-Ring“ und als Dr. Schön in der Pariser Uraufführung der dreiaktigen, von Friedrich Cerha vervollständigten Fassung von Alban Bergs „Lulu“.

Meine intensivste persönliche Erinnerung an Franz Mazura ist ein szenisch eher verunglückter „Parsifal“ an der Kölner Oper, für die der Regisseur Günther Krämer aber eine große Eingebung hatte. Am Ende des ersten Aktes vertauschte er die Räume, wir waren nicht im Kuppelsaal, sondern im Keller, bei Titurel. Als Franz Mazura in dieser Rolle sein Gesicht enthüllte, stand die Welt still. Uralte – man verzeihe das Pathos, aber andere Worte greifen nicht – erbarmungslose, geradezu körperliche und doch vom Körper losgelöste Allmacht sandte dieser Mann in den Zuschauerraum, der eigentlich nur aufrecht stand und seine wenigen Noten sozusagen mit eiserner Faust versandte. Und dabei trotzdem immer musikalisch blieb und nie brüllte. Ein Musiktheaterwunder.

Immer spürte man, wie sehr der Mensch Franz Mazura auf und mit der Bühne lebte. Wohl auch deshalb trat er fast bis zum Ende seines Lebens weiter auf. Und weil er es eben so großartig konnte. Als Moses in „Moses und Aron“, als Sprecher in Schönbergs „Gurre-Liedern“ oder als Charon Hans-Werner Henzes „Floß der Medusa“ brauchte er keine Konkurrenz zu fürchten. 2015 wurde Franz Mazura als erster Sänger mit dem Deutschen Theaterpreis DER FAUST für sein Lebenswerk ausgezeichnet. 2017 prägte er als Abraham in „Lot“ von Giorgio Battistelli an der Staatsoper Hannover noch einmal eine große Uraufführung. Selbst seinen 95. Geburtstag im letzten Jahr feierte er auf der Bühne – als Hans Schwarz in den „Meistersingern von Nürnberg“ an der Staatsoper unter den Linden. Deren westlichem Schwesterhaus, der Deutschen Oper Berlin, war Franz Mazura, wie auch dem Nationaltheater Mannheim, über 50 Jahre eng verbunden.

Wir werden diesen einzigartigen Bühnenkünstler nicht vergessen.