Zum Tod des Schauspielers Peter Matić

Von Andreas Falentin am 21.06.2019 • Bild: Reinhard Maximilian Werner/Burgtheater Wien
Das Bild zeigt: Peter Matić

Schließen Sie die Augen und stellen Sie sich den Schauspieler Ben Kingsley in seinen großen Filmrollen vor. Und Sie hören den Schauspieler Peter Matić. Eine fokussierte Stimme, schlank geführt mit durchaus scharfen Kanten. Der Wiener Peter Matić war eine singuläre Erscheinung im deutschsprachigen Theater, ein Intellektueller, der die großen, vor allem die österreichischen Klassiker intellektuell durchdrang. Er gewann ihnen sinnliche, differenzierte Charakterstudien ab, war in den Tiefen und Untiefen des Wiener Dialektes mit all seinen Nuancen zuhause wie kaum ein anderer. Und er war jederzeit in der Lage, mit einem Lächeln im richtigen Moment seine Kunst zum Volkstheater hin zu öffnen. Woran er offensichtlich großes Vergnügen fand.

Peter Matić wurde 1937 in Wien geboren. Nach Anfängerjahren am Theater in der Josefstadt spielte er große Rollen am Theater Basel, an den Münchner Kammerspielen und am Berliner Schillertheater. 1994 kam er ans Burgtheater, dem er  25 Jahre die Treue hielt. In der nächsten Woche wollte er sich mit einem Soloabend in den Ruhestand verabschieden. Gestern ist Peter Matić vollkommen überraschend gestorben.

Seine auch in zahlreichen Kino- und Fernsehfilmen dokumentierte Schauspielkunst wird in Erinnerung bleiben. Mehr – vielleicht – noch seine Stimme. Seine ungekürzte, 156 Stunden lange Lesung von Prousts „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit"“von 2010 gehört sicher zum besten, was in diesem Jahrhundert auf Tonträger gepresst worden ist.