Meldung: Zum Tod des Regisseurs Hans Neuenfels

Von Detlev Baur am 07.02.2022

Hans Neuenfels ist tot. Der Regisseur starb im Alter von 80 Jahren. Der gebürtige Krefelder studierte am Wiener Max-Reinhardt-Seminar Schauspiel und Regie. Dort lernte er auch seine spätere Frau kennen, die Schauspielerin Elisabeth Trissenaar. Er setzte sein Studium an der Essener Folkwang Universität fort, wurde dann Assistent des Malers Max Ernst in Paris. 1964 begann Neuenfels mit ersten Inszenierungen, unter anderem in Wien, seiner Heimatstadt Krefeld, Trier und Heidelberg. Von Anfang an provozierte er leidenschaftlich gern, in Trier etwa verteilte der 25-Jährige in der Fußgängerzone ein Manifest, das zum Abriss des Doms aufrief und „auch alte Nazis“ willkommen hieß.

Neuenfels war mit seiner Leidenschaft und seinem gesellschaftspolitischen Furor der ideale Regisseur des politisch engagierten Theaters der 70er Jahre. Ab 1972 prägte er zusammen mit Peter Palitzsch das Mitbestimmungsmodell am Frankfurter Schauspiel und zeigte dort mit „Medea“ (1975) oder „Iphigenie in Tauris“ (1979) wirkungsstarke Inszenierungen. Bald inszenierte er mit Protagonisten wie Ulrich Wildgruber oder Klaus Maria Brandauer, auch mit seiner Frau Elisabeth Trissenaar an den Schauspielhäusern in Wien, Berlin oder Hamburg.

Seit 1974 inszenierte Hans Neuenfels Opern, auch hier erfolgreich und oft sehr umstritten – ganz besonders die Frankfurter „Aida“ von 1981. „Die Entführung aus dem Serail“ wurde 1998 an der von Klaus Zehelein geleiteten Stuttgarter Staatsoper ein Erfolg. Ein großer Skandal und eine Absetzung nach Handfesten Drohungen folgte auf die Inszenierung von Mozarts „Idomeneo“ 2003 an der Deutschen Oper Berlin, in der Neuenfels unter anderem den abgeschlagenen Kopf Mohammeds zeigte. 2010 inszenierte er bei den Bayreuther Festspielen Wagners „Lohengrin“ mit einem Chor aus Rattengestalten.

Auch als Filmregisseur und Autor war Neuenfels tätig. Vor zehn Jahren erschienen seine Memoiren, „Das Bastardbuch“. Als Intendant der Freien Volksbühne in West-Berlin war er von 1986 bis 1990 nicht sonderlich erfolgreich. Neuenfels war ein hervorragender Vertreter des sogenannten Regietheaters westdeutscher Prägung. Er befragte die – oft alten – Stoffe radikal, stieß dabei dem bürgerlichen Publikum vor den Kopf, wollte nie gefälliges Theater zeigen. 2016 wurde ihm für sein Lebenswerk der Deutsche Theaterpreis DER FAUST verliehen.