Werkstattbericht zum Musiktheaterprojekt „BORIS“ an der Staatsoper Stuttgart

Von Detlef Brandenburg am 31.10.2019 • Bild: Detlef Brandenburg
Das Bild zeigt: Die Bühnenbildnerin Jana Findeklee und der Regisseur Paul-Georg Dittrich bei der Bauprobe zum Musiktheater-Projekt „Boris“ an der Staatsoper Stuttgart

In unserem gerade erschienenen Novemberheft geben sich die Werkstattberichte sozusagen die Klinke in die Hand. Dort finden Sie nicht nur den letzten Teil unserer Artikel-Reihe zur „Schneekönigin“, die am 22. November an Deutschen Oper Berlin Premiere hat, sondern auch gleich den Start unserer Serie zu dem Projekt „BORIS“ an der Staatsoper Stuttgart.

Materialien zu Boris, fotografiert von Paul-Georg-Dittrich

Materialien zu Boris, fotografiert von Paul-Georg-Dittrich

Auch hier handelt es sich um ein hybrides Musiktheater unter Verwendung historischen Materials, nun allerdings nicht unbedingt für alle Zuschauer ab acht, sondern eher für ein erwachsenes Publikum. Schon der Titel lässt ja ahnen, worum es geht: um Modest Mussorgskis Oper „Boris Godunow“, die – in der Urfassung von 1869 – auch erklingen wird. Aber nicht so, wie man sie kennt. Denn in Mussorgskis Werk wird der 1982 in Moskau geborene, heute in der Berlin lebende Komponist Sergej Newski seine Komposition „Secondhand-Zeit“ integrieren.

Bühnenbild-Modell im Foyer des Stuttgarter Theaters – die Schokoladenherzchen gab’s für das Ensemble

Bühnenbild-Modell im Foyer des Stuttgarter Theaters – die Schokoladenherzchen gab’s für das Ensemble

„Secondhand-Zeit“ nimmt seine Texte aus dem gleich betitelten, 2013 erschienen Roman der 1948 im westukrainischen Stanislaw (heute Iwano-Frankowsk) geborenen Literaturnobelpreis-Trägerin Swetlana Alexijewitsch. Ihr Roman versammelt ein vielstimmiges Panorama der russischen Geschichte, in dem die Berichtenden aus der post-sowjetischen Zeit zurückschauen auf ihre Leben – auf eine Vergangenheit, die geprägt war von Leid, Terror und Enttäuschung, die sie ihrer Ideale beraubt hat. Damit überlagern sich in „BORIS“ zwei unterschiedliche Musik- und Zeitebenen. Wie diese beiden Ebenen zueinander in Beziehung stehen und welches Geschichtsverständnis dieser Beziehung zugrunde liegt, darüber schreibt der Regisseur Paul-Georg Dittrich im ersten Teil unseres Werkstatberichts.

as echte Bühnenbild, aber noch im Rohzustand, bei der Bauprobe

Das echte Bühnenbild, aber noch im Rohzustand, bei der Bauprobe

In den folgenden Teilen wird es dann darum gehen, wie sich diese geschichtliche Doppelperspektive im Bühnenbild und in der Musik wiederspiegelt, und wie die Sänger und der hier stark geforderte Chor die Situation es erleben, dass sie zwischen zwei sehr unterschiedlichen musikalischen Strukturen hin und her wechseln zu müssen. Nach Paul-Georg Dittrich kommen die beiden (letztes Jahr mit dem Deutschen Theaterpreis DER FAUST ausgezeichneten) Bühnenbildnerinnen Joki Tewes und Jana Findeklee zu Wort, dann werden Swetlana Alexijewitsch und Sergej Newski über ihre Arbeit schreiben, und zu guter Letzt werden zwei der Stuttgarter Sänger über ihre Proben berichten. Der Werkstattbericht zu „BORIS“ endet im Februarheft, kurz vor der Uraufführung des Projekts am 2. 2. 2020 an der Staatsoper Stuttgart.

Bauprobe heißt: Ausprobieren, ob alles funktioniert, wie es soll

Bauprobe heißt: Ausprobieren, ob alles funktioniert, wie es soll

Im April hatte mit die Staatsoper bei der Bauprobe Gelegenheit gegeben, das „BORIS“-Projekt und seine Beteiligten authentisch kennenzulernen. Daher stammen auch die hier verwendeten Fotos. Inzwischen ist die Arbeit natürlich viel weiter fortgeschritten, demnächst werden die Proben beginnen. Den wunderbaren Text von Joki Tewes und Jana Findeklee für den zweiten Teil des Berichts, der davon handelt, was ihr Bühnenbild erzählt, habe ich gerade fertig fürs Layout gemacht. Denn wenn das Novemberheft mit dem 1. Teil erscheint, ist das Dezemberheft längst in Arbeit. Ich bin sehr neugierig auf das, was, was mich, zusammen mit all den anderen Zuschauern, im Februar in Stuttgart erwarten wird. Dem Opernhaus und den Beteiligten an der Produktion bin ich sehr dankbar, dass sie uns den Werkstattbericht zu diesem spannenden und anspruchsvollen Musiktheaterprojekt ermöglichen und uns mit ihren Beiträgen dazu unterstützen.
Detlef Brandenburg