Wenn die Chemie nicht stimmt, nützt die beste Struktur nichts

Von Joachim Lange am 22.01.2019

Für eine Diskussion über „Kunst und Geschäft als Herausforderung für Kulturbetriebe“ ist die aktuelle Raumbühne in der Oper Halle derzeit ein geradezu authentischer Ort. Die Intendanten der Oper, Florian Lutz, und des Schauspiels, Matthias Brenner, (Kunst) und der Geschäftsführer der Theater, Opern und Orchester GmbH Stefan Rosinski (Geschäft) haben sich so öffentlich wie hoffnungslos verhakt. Wäre es eine Ehe, müsste man Zerrüttung konstatieren. Der OB Bernd Wiegand übt sich qua Amt und als Aufsichtsratsvorsitzender als Mediator. Natürlich lodern schwelende Konflikte auf, wenn demnächst über die (Nicht-)Verlängerung der Verträge entschieden werden muss.

Dass es dabei auch um Abbruch oder Fortsetzung eines künstlerischen Aufbruchs geht, kam im Pro und Contra aus dem Publikum nach der ausgesprochen konstruktiven Podiumsdiskussion zur Sprache. Dazu hatte die Oper neben dem OB, gleichsam als externen Sachverstand, den Bühnenvereinspräsidenten Ulrich Khuon und den ehemaligen kaufmännischen Geschäftsführer des Thalia Theaters Hamburg, Ludwig von Otting, geladen. Die Zusammenarbeit der beiden hatte nämlich in Hamburg bestens funktioniert. Im Grunde bestärkten beide Gäste den OB in seiner Überlegung, erst die GmbH-Struktur zu überdenken und dann die Personalfragen zu klären.

Dabei waren die Rahmenbedingungen für die TOOH schon mal deutlich schlechter als nach der jetzt gerade auf mehrere Jahre gesicherten Finanzierungszusage des Landes. Ein Fazit des betont sachlich  und konstruktiv argumentierenden Podiums: Wenn man es wollte, dann könnte man in jeder Organisationsstruktur produktiv zusammenarbeiten. Wenn die Chemie aber nicht stimmt, dann nützt auch die beste Struktur nichts. In Halle hat die Struktur (so die Gäste) deutliche Tücken zu Lasten der künstlerischen Intendanten. Dass die Chemie nicht stimmt, ist seit langem bekannt. Dass der Aufsichtsrat zum Teil eine Stadtpolitik widerspiegelt, die dem OB öffentlich die Teilnahme an dem Podium verwehren wollte, macht die kulturpolitische Gemengelage in Halle nicht einfacher.