Von Maldeghem zieht in Köln zurück

Von Detlef Brandenburg am 01.02.2019 • Bild: Ute Boeters
Das Bild zeigt: Carl Philip von Maldeghem will mehr Schauspiel-Intendant in Köln werden

Ob U-Bahn-Bau, Theatersanierung oder Intendantenfindung: Köln bleibt Köln, wie es singt und lacht. Vor einigen Stunden erreichten Pressemeldungen aus Salzburg die Öffentlichkeit, wonach Carl Philip von Maldeghem, designierter Intendant des Schauspiels  der Domstadt am Rhein, in Salzburg bleiben will. Erst am vergangenen Freitag hatten die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker und Kulturdezernentin Susanne Laugwitz-Aulbach den Intendanten des Salzburger Landestheaters als Nachfolger für den amtierenden Intendanten Stefan Bachmann präsentiert. Über die Gründe für von Maldeghems Flucht vor dem neuen Amt  muss man nicht spekulieren. Seine Berufung war auf massive Kritik gestoßen: Er sei für eine Weltstadt wie Köln mindestens eine Nummer zu klein, er stehe für einen Rückfall in die Provinz. Im Kölner Stadtanzeiger erschien ein geharnischter Artikel des Autors Navid Kermani, der die Wahl von Maldeghems gar als „Demütigung“ für die Stadt wertete.

Gedemütigt ist Köln jetzt in der Tat. In Salzburg dagegen zeigt man sich hocherfreut. Der ORF zitiert den Salzburger Landeshauptmann Wilfried Haslauer (ÖVP) mit den Worten: „Ich bin sehr erfreut, dass es sich Carl Philip von Maldeghem noch einmal überlegt hat. Unter seiner Führung hat sich das Salzburger Landestheater hervorragend entwickelt - wir sind stolz auf dieses Haus“. Von Maldeghem selbst zeigte sich in einem offenen Brief „schockiert“ von dem Mangel an Offenheit und Respekt und von den „Vorurteilen, die von einigen Pressevertreter*innen über meine Arbeit in Salzburg und mich in die Welt gesetzt wurden, und über die ahnungslosen und neiderfüllten Angriffe und Vorverurteilungen aus der Branche von Kolleg*innen.“ Er brauche als Theaterleiter verlässliche Grundbedingungen. „Insbesondere das deutliche Bekenntnis des Landeshauptmanns, die Arbeit in Salzburg und deren internationale Perspektive in Zukunft weiter steigern zu können, haben mich überzeugt, in Salzburg zu bleiben.“

Ob von Maldeghem wirklich der Falsche für Köln war, wird jetzt offenbleiben müssen. Aber eines war an der öffentlichen Kritik an ihm von vorn herein auffällig: Kaum einer der vollmundig Empörten verwendete allzu viele Gedanken an die keineswegs rosige Situation, in der sich das Schauspiel Köln derzeit befindet. Es immer noch nicht absehbar, wann es wieder zurück in sein Haus am Offenbachplatz ziehen kann, die Termine für den Abschlusstermin der völlig entgleisten Sanierung sind in den letzten Jahren gepurzelt wie die Dominosteine. Unter diesen Umständen eine Top-Größe der Branche bekommen zu wollen, ist ambitioniert. Gerade einen Tag zuvor hatte der Berliner Kultursenator Klaus Lederer nach Barrie Koskys Rückzugs-Ankündigung als Intendant der Komischen Oper erklärt, dass während der auch dort bevorstehenden Sanierung ab 2022 eine Interims-Intendanz das Haus leiten werde. Köln hätte in einer ähnlichen Situation immerhin einen Mann gehabt, der in Salzburg gezeigt hat, wie kreativ er mit On-Location-Spielorten auch außerhalb seines Hauses umgehen kann. Er hätte eine Chance verdient gehabt.

Für die Kölner Kulturpolitik ist das alles ein einziges Desaster. Die schälen Reaktionen auf von Maldeghem waren absolut vorhersehbar. Als man sich dennoch für ihn entschied, hätte man sich eine sehr gute Kommunikation-Strategie zurechtlegen müssen. Nichts davon war erkennbar. Was aus der Pressekonferenz zu seiner Vorstellung verlautete, war an Plattitüden kaum zu überbieten. Und bei allem Respekt: Auch von Maldeghem selbst hätte sich vielleicht  rechtzeitig überlegen sollen, wofür er sich zur Verfügung stellt. Damit hätte er sich selbst den Schock, den er beklagt, ersparen können.

Köln muss jetzt wieder auf die Suche gehen. Zweifelt etwa jemand daran, dass sich die Spitzenkandidaten der Schauspielkunst nach diesem Reinfall um den Posten reißen werden?