UNICEF macht Theater

Von Ute Grundmann am 12.05.2019 • Bild: Ela Raetz
Das Bild zeigt: Bundesweiter Flashmob: Das "Theater der 10000", hier am Leipziger Hauptbahnhof

Die Menschen von der blauen Linie laufen aggressiv auf ihre Gegenüber zu, werfen (symbolisch) mit Steinen. Die von der gelben Linie weichen zunächst zurück, gehen dann aber zum Gegenangriff über. Das war eine Schlüsselszene in dem UNICEF-Projekt „Theater der 10000“. In 100 deutschen Städten sollten sich eben so viele Menschen an öffentlichen Orten einfinden und, von ihren Handys „gesteuert“, ein Schauspiel aufführen. Letztlich machten 80 Städte mit. In Leipzig traf man sich in der Eingangshalle des Hauptbahnhofes, um als Zeitreisende ins Jahr 2019 zurückzukehren und die zerstörte Welt wieder zu heilen. So wollte UNICEF ein Zeichen gegen alle Kriege, besonders den in Syrien, setzen.

Punkt 12.19 Uhr hoben alle Mitspieler erst die rechte Hand, dann den Blick nach oben, stellten sich an der gelben Linie auf. Ein stummes Stück sollte es werden, doch die sonoren Stimmen des Hörspiels, dem die Akteure folgten, waren über einen Lautsprecher zu hören. Mal hieß es „3, 2, 1 – gebückt auf die andere Seite gehen“, dann ging es in ziemlich pathetischen Texten vor allem um Kinder in Krisengebieten.

Auch der laute Knall einer Explosion war zu hören, doch die Mitspieler schritten langsam umher, als ginge sie das nichts an, „furchtlos“ war die Anweisung. Bayern München-Anhänger, gerade in Leipzig angekommen,  staunten nicht schlecht, die sie bewachenden Polizisten guckten interessiert, eine junge Frau mit RB Leipzig-Schal machte konzentriert bei der Theateraktion mit. Den Nachmittag verbrachten die Fußballfans dann im Stadion.

Auffallend war, dass, zumindest in Leipzig, vor allem junge und ältere Menschen mitmachten, die „Mittelschicht“ fehlte fast ganz. Die Akteure, mit Kopfhörern oder Handy am Ohr, gingen sehr aufrecht, nahmen die Hände hoch, bildeten mit ihnen einen Kreis vor den Augen wie ein Fernrohr. Und während laut Telefonierende achtlos vorbeigingen, lächelte man sich im UNICEF-Karree an, ging aufeinander zu, schwärmte über die ganze Fläche aus, hielt wieder still.

Und während noch einmal die Botschaft „Ihr müsst die Welt verändern, das ist eure Mission“ zu hören war, breiteten die Menschen ihre Arme aus und nahmen sie wieder runter. Längere Zeit hielten alle die Augen geschlossen, ehe sich, nach 30 Minuten, die Mitspieler laut applaudierten.