Umbesetzung in Bayreuth - an ungewöhnlicher Stelle und aus traurigem Anlass

Von Wolf-Dieter Peter am 14.08.2019 • Bild: Enrico Nawrath/Bayreuther Festspiele
Das Bild zeigt: Manni Laudenbach als hinzuerfundener "Oskar" in Tobias Kratzers "Tannhäuser"-Inszenierung, der diesjährigen Neuproduktion der Bayreuther Festspiele

Bayreuther Festspiele, die dritte Vorstellung „Tannhäuser“, der in der Premierenübertragung und Fernsehausstrahlung reichlich wackelig und wenig inspiriert klang – obwohl offiziell Bayreuth-Debütant Valery Gergiev zu allen musikalischen Proben anwesend war. Nun trat Katharina Wagner vor den Vorhang – das verhieß nichts Gutes. Tatsächlich sprach sie Valery Gergiev zunächst ihr Mitgefühl für einen Todesfall im engen Familienkreis aus. Doch als sie dann ansagte, dass Christian Thielemann die Vorstellung übernehmen würde, tobte ein Jubelsturm durch das Festspielhaus, ohne dass ein Ton erklungen war. Katharina Wagner meldete weiter, dass Thielemann sich unten im verdeckten Orchestergraben soeben gerührt verbeugt habe – und dann erlebte das Publikum die musikalisch wohl bisher überzeugendste der drei „Tannhäuser“-Aufführungen der diesjährigen Festspielzeit am Grünen Hügel: bestens durchhörbar, Feinzeichnung in den orchestralen Nebenstimmen und in dem oft so fahlen Piano der leidenden Figuren und ein überwältigend tosender Orchesterstrom der übergroßen Gefühle. Erneute Ovationen am Schluss – ein wahrer Festspielabend in Bayreuth.