Theatervirus

Von Detlev Baur am 18.03.2020 • Bild: Wilfried Hösl
Das Bild zeigt: Geschlossene Bayerische Staatsoper - mit Ersatzspielplan per Online-Streaming

Liebe Leserinnen und Leser,


das Corona-Virus bringt das gesellschaftliche Leben zum Erliegen und damit auch das Theaterleben. Die Theaterwelt in Deutschland und den Nachbarländern ist zu einer abrupten Unterbrechung der Spielzeit gezwungen. Womöglich werden wir in dieser Saison auch gar keine Premieren oder Aufführungen mehr sehen.
Was in der Schweiz begann und zunächst nur die großen Häuser betraf, erstreckt sich nun auf alle Theater. Gerade kleine Theater ohne oder fast ohne staatliche Unterstützung sind damit in ihrer Existenz bedroht, genauso wie frei schaffende Künstlerinnen und Künstler, aber auch Journalistinnen und Journalisten, desgleichen Gastronomen oder Geschäftsleute.
Auch unsere Redaktion wurde durch den Virus ausgeknockt, in einer Situation, in der wir ohnehin durch zwei längere gesundheitliche Ausfälle von Redakteuren (einer davon ich) mitgenommen waren. Die große Kollegialität und Hilfsbereitschaft in unserem kleinen Team hat in dieser Krisensituation gezeigt, dass durch eine solidarische Grundhaltung auch schwierigste Probleme bewältigt werden können. Ich hoffe, dass diese vor kurzem noch unvorstellbare Gesundheitskrise, die unsere gesamte Gesellschaft lahmlegt, jetzt und womöglich auch in Zukunft den Gemeinschaftssinn aller miteinander stärkt.
Zudem sollten von politischer Verwaltungsseite schnelle und kluge Schritte ergriffen werden, um das wirtschaftliche Überleben aller Häuser, freien Künstlerinnen und Künstler genauso zu sichern wie das von Wirtschaftsunternehmen.
Unsere nächsten Hefte müssen nun weitgehend im miteinander abgestimmten Homeoffice entstehen; wir beraten gerade, welche Artikel  noch kommen sollen, welche Schwerpunktthemen noch angemessen sind.
So ergibt sich eine seltsame Mischung aus Hektik, schnellem Umdenken und Innehalten. Und der Wunsch, dass aus dieser ungeplanten Theaterfastenzeit eine noch bessere Theaterwelt entstehen möge. Wir in der Redaktion der Deutschen Bühne wollen dazu mit unserer Phantasie, Sensibilität und Solidarität unseren Teil dazu beitragen.
Bleiben Sie gesund, kreativ und munter.


Mit freundlichen Grüßen,
Detlev Baur