Theaterpreis des Bundes 2019: Auszeichnung für 11 Bühnen

Von Detlef Brandenburg am 24.04.2019

Die Jury hat entschieden: Elf Theater werden mit dem Theaterpreis des Bundes ausgezeichnet und können sich neben der bundesweiten Aufmerksamkeit für diese Auszeichnung auch über das Preisegeld von 75.000 € freuen, das für künstlerische Vorhaben zur Verfügung steht. Die Sieger sind:

Theater Thikwa in Berlin für die laut Jury „in der Theaterszene herausragende Beschwörung von gesellschaftlicher Diversität bei gleichzeitiger Lust an künstlerischer Radikalität“.

Piccolo Theater in Cottbus, das laut Jury „für ein demokratisches, offenes und buntes Cottbus“ und für die Freiheit der Kunst stehe.

Theater Erlangen, das „mit 14 Regisseurinnen bei 25 Produktionen einen wichtigen Beitrag zur Geschlechtergerechtigkeit im deutschen Theaterbetrieb“ leiste und im Regie-Nachwuchswettbewerb neue Talente entdeckt und fördere.

Theaterwerkstatt Pilkentafel in Flensburg, die sich „als eines der wenigen freien Theater in Schleswig-Holstein aktiv für den Ausbau der freien Szene engagiert“ und „mit ihrer Strahlkraft als produktiver Denk- und Verhandlungsort gesellschaftspolitischer Fragen weit über die Stadt hinausweist.“

Boat People Project in Göttingen, weil es was realisiert, „was in vielen Debatten des Theaterbetriebs immer wieder eingefordert, aber selten gewagt wird: Ein Kollektiv aus Menschen verschiedener Hintergründe leitet das Haus. Es konzipiert eigene Produktionen und Kooperationen mit Ensembles und Institutionen im In- wie Ausland.“

Oper Halle, in deren experimentellen Musiktheater die Jury eine „höchst bemerkenswerte Innovation“ sieht, „die nicht von den Reibungen ausgespielt werden kann, die sie auch erzeugt hat, sowohl in der Belegschaft der Oper als auch in der Stadtgesellschaft.“

HELIOS Theater in Hamm, an dem die Jury besonders den programmatischen Fokus auf ein Theater für die Allerkleinsten (2+) hervorhebt, „bei dem das HELIOS Vorreiter ist, und den es in Kooperation mit anderen EU-Ländern wissenschaftlich-forschend begleitet.“

Puppentheater Magdeburg, das laut Jury „mit dem Figurentheaterfestival Blickwechsel als internationalem Branchentreff, der großen Figurenspielsammlung in der angegliederten villa p., einem breiten theaterpädagogischen Angebot sowie der Vernetzung in die Stadtgesellschaft hinein … zentraler Anker des deutschen Figurentheaters“ ist.

Landestheater Schwaben in Memmingen, dem die Jury „eine umfassende Erneuerung und Wiederbelebung“ bescheinigt: „mit einem leidenschaftlichen und politischen Spielplan, einer großangelegten Öffnung in die Stadt und über sie hinaus und mit einem starken Fokus auf das Junge Theater.“

Ringlokschuppen Ruhr in Mülheim, in dem die Jury „eines der wichtigsten freien Produktionshäuser der Republik“ erkennt. „In den vergangenen 15 Jahren hat er sich von einem soziokulturell geprägten Ort, an dem es immer auch Theater gab, zu einem fixen Knotenpunkt im Netzwerk der Performing Arts entwickelt.“

Theater Rampe in Stuttgart, laut Jury ein „Stadttheater neuen Typs im besten Sinne“, dem es gelinge, „vielfältige Verbindungslinien herzustellen, zu staatlichen Theatern ebenso wie vor allem zur lokalen und überregionalen Szene der freien darstellenden Künste, für die es vitaler Impulsgeber ist.“

Der Preis, der zum dritten Mal vergeben wird, unterscheidet sich von den meisten anderen Preisen durch sein sehr spezielles und inzwischen auch klar definiertes Profil: Er richtet sich ausdrücklich nicht an die Größten und Schönsten und Reichsten, sondern an kleine und mittlere Theater jenseits der Metropolen, die mit ihren Theaterproduktionen, Gastspielen und partizipativen Projekten in die Stadtgesellschaft hineinwirken. Organisatorisch betreut wird die Preisvergabe vom Internationalen Theaterinstitut – Zentrum Deutschland (ITI), Mitglieder der Jury waren diesmal: Jörg Albrecht (Leitung Burg Hülshoff – Center for Literature), Sophie Diesselhorst (Redaktion nachtkritik.de), Dorte Lena Eilers (Redaktion Theater der Zeit), Bettina Jahnke (Intendanz Hans Otto Theater Potsdam), Ulrike Kolter (Redaktion DIE DEUTSCHE BÜHNE), Matthias Schulze-Kraft (Künstlerische Leitung Lichthof Theater Hamburg). Die ausführlichen Begründungen der Jury, aus denen oben zitiert wurde, stehen hier.

Die Preisverleihung findet am 27. Mai 2019 im Theater Gera (Gewinner des Theaterpreises 2017) statt. Sie wird umrahmt von der Theatertagung Dialog mit der Stadtgesellschaft. Organisiert in Kooperation mit dem Deutschen Bühnenverein und dem Bundesverband Freie Darstellende Künste, bringt die Tagung Stadt- und Staatstheater, Gastspiel-Theater der INTHEGA (Interessengemeinschaft der Städte mit Theatergastspielen) sowie freie Spielstätten und Theaterschaffende zusammen. Darunter auch Preisträger aller drei Theaterpreis-Jahrgänge 2015, 2017 und 2019.