Kaiserslautern https://die-deutsche-buehne.de/taxonomy/term/703 de James Sutherland, Francesco Nappa: Tanz3: FeMale https://die-deutsche-buehne.de/kritiken/tanz-der-individualisten <span>James Sutherland, Francesco Nappa: Tanz3: FeMale</span> <span><span lang="" about="/user/35" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Björn Hayer</span></span> <span>Sa., 17.11.2018 - 14:20</span> <div><p>Da ist kein Halten und kein Bleiben. Alle Körper sind in permanenter Bewegung, sie schwirren bis zur völligen Erschöpfung durch den Raum, versuchen einander zu umfassen, um sich im nächsten Moment schon wieder zu lösen. Wovon die aktuell am Pfalztheater zu sehende Choreografie „Tanz.3: FeMale“ erzählt, ist das Ringen um Identität. Und obgleich der Titel unmittelbar an die virulente Gender-Debatte erinnern mag, setzt sich das Stück zunächst nicht dezidiert mit den Fragen um #Metoo auseinander.</p> <p>Am Anfang präsentiert uns James Sutherland in seiner Einstudierung die Idee einer Gesellschaft im Geist der Gleichheit. Drei Männer und drei Frauen (Vittoria Carpegna, Daniela Castro Hechavarría, Carlotta Squeri, Davide Degano, Ricardo Campos Freire, Ermanno Sbezzo) treffen aufeinander, alle tragen Hosen und Hemden. Die binären Denkmuster aus Mann und Frau spielen also keine Rolle mehr. Stattdessen steht der bzw. die Einzelne innerhalb einer individualisierten Gesellschaft im Vordergrund. Jeder übt sich in eigener Leibesakrobatik und eigenen Figuren. Mal berühren sich die Tänzer fast, mal entfernen sie sich, gleiten unter den Armen des anderen hinweg. Führt man hier Tinder auf? Sucht man nach einer Sprache für eine Gesellschaft, die ihre inneren Bindungskräfte verloren hat? Möglicherweise. Für eindeutige Bilder und Interpretationen ist diese offene Choreografie zu wilden Sounds aus Bass, Percussion, verzerrtem Gesang und bisweilen auch ohne Musik nicht zu haben.</p> <p>Statt banaler Gesten bestimmen Blicke die Vorgänge, Blicke des Begehrens oder der Eifersucht. Als sich eine Frau in einer sehr expressiven Szene in den Duett-Tanz zweier Männer einmischt, beginnt ein Ringen um Besitz und Vorherrschaft. Zu beobachten sind zwei, die verführen wollen, und einer, der verführt wird. Es geht um Sehnsucht und Macht und stets um Berührungen. Erst spät fällt dem Zuschauer die dazu passende und anfangs kaum ausgeleuchtete Kulisse auf: Das gesamte Studioquarre ist umrahmt mit Detailaufnahmen menschlicher Häute. Nicht zu unterscheiden ist wiederum, welche Fotografien auf eine weibliche und welche auf eine männliche verweisen.</p> <p>Entzieht sich Sutherland durch solcherlei Mittel sowie seiner sensiblen Bewegungsdramaturgie dem gerade wieder entfachten Kampf der Geschlechter, bricht erst eines der Schlussbilder die subtile Gestaltung des Abends auf. Nun sind es drei Männer, die eine Frau durch den Raum wirbeln und schubsen. Mit offener Bluse endet sie am Boden in einer Ecke. Die bereits angedeutete Utopie von der Gesellschaft der Gleichheit wird somit letztlich als Illusion entlarvt – eine drastische Plakativität, welche die sonstige Differenziertheit der Inszenierung empfindlich konterkariert. Am Ende erscheinen Männer nun doch als die Täter und Frauen als die Opfer – eine für beide Seiten traurige und unzureichende  Festschreibung!</p> </div> <div> <div>Stück</div> <div>Tanz3: FeMale</div> </div> <div> <div>Überschrift der Kurzkritik</div> <div>Tanz der Individualisten</div> </div> <div> <div>Autor/Komponist/Choreograf</div> <div>James Sutherland, Francesco Nappa</div> </div> <div> <div>Premierendatum</div> <div><time datetime="2018-11-16T12:00:00Z">16.11.2018</time> </div> </div> <div> <div>Stadt</div> <div><a href="/taxonomy/term/703" hreflang="de">Kaiserslautern</a></div> </div> <div> <div>Theater</div> <div><a href="/taxonomy/term/1706" hreflang="de">Pfalztheater Kaiserslautern</a></div> </div> <div> <div>Genre</div> <div>Tanz</div> </div> <div> <div>Bild</div> <div><div> <div>Sa., 17.11.2018 - 14:20</div> <div><span lang="" about="/user/35" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Björn Hayer</span></div> <div> <img src="/sites/default/files/styles/thumbnail/public/female_kaiserslautern.png?itok=ZTWf3-L_" width="100" height="66" alt="Thumbnail" title="James Sutherland, Francesco Nappa: Tanz3: FeMale" typeof="foaf:Image" /> </div> <div> <div>Bild-Datei</div> <div> <img src="/sites/default/files/styles/banner/public/female_kaiserslautern.png?itok=UsPLuijX" width="1800" height="1200" alt="Szene aus &quot;FeMale&quot;" title="Szene aus &quot;FeMale&quot;" typeof="foaf:Image" /> </div> </div> <div> <div>Urheber/Copyright</div> <div>Pfalztheater Kaiserslautern</div> </div> <div> <div>Beschreibung</div> <div>Szene aus &quot;FeMale&quot;</div> </div> </div> </div> </div> Sat, 17 Nov 2018 13:20:45 +0000 Björn Hayer 10716 at https://die-deutsche-buehne.de Manuel Penella: El Gato Montés https://die-deutsche-buehne.de/kritiken/liebe-ueber-den-tod-hinaus <span>Manuel Penella: El Gato Montés</span> <span><span lang="" about="/user/103" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Konstanze Führlbeck</span></span> <span>Mo., 28.05.2018 - 11:00</span> <div><p>Eine Frau zwischen zwei Männern – diese Konstellation ist der dramatische Motor der Oper „El Gato Montes“ („Die Wildkatze“) – des spanischen Komponisten <a href="https://www.youtube.com/watch?v=ml4_1vDorZk" target="_blank">Manuel Penella </a>(1880-1939) aus dem Jahr 1917, die das Pfalztheater Kaiserslautern als deutsche Erstaufführung in einer Inszenierung von Alfonso Romero Mora zeigt. </p> <p>Die Zigeunerin Solea (<a href="https://www.youtube.com/watch?v=sp7288RjTgM" target="_blank">Andiswa Makana</a>) wird von dem erfolgreichen Stierkämpfer Rafael (Antonio Carlos Moreno) umworben, der sie von der Straße geholt und ihr ein Zuhause gegeben hat. Heimlich liebt sie aber Juanillo (Daniel de Vicente), der ihretwegen zum Banditen El Gato Montes geworden ist. Sie kann sich nicht zwischen den beiden Männern entscheiden – bis Rafael nach düsteren Prophezeiungen und Drohungen in der Stierkampfarena stirbt und sie dort ebenfalls den Tod sucht.</p> <p><a href="http://www.alfonso-romero.com/Alfonso_Romero/Home.html" target="_blank">Alfonso Romero Mora</a> setzt in seiner Inszenierung auf klare, aussagekräftige Symbole und eine stringente, psychologisch stimmige Personenführung. Die dominierenden Farben auf der Einheitsbühne von Ricardo Sanchez Cuerda sind rot und schwarz, so wie sich auch die Handlung zwischen den Polen Liebe und Tod bewegt. Während die Protagonisten farbenprächtige Trachten tragen, hat Kostümbildnerin Rosa Garcia Andujar die Dorfgemeinschaft beziehungsweise das Volk in der Arena in einfache, doch bunte Kostüme gekleidet. </p> <p>Die Handlung setzt naturalistisch im Haus von Rafaels Mutter Frasquita (Polina Artsis) ein. Hier steht ein großer Tisch auf einem leicht schräg gekippten Kreis, über dem eine große Dornenkrone hängt. Die Besucher gruppieren sich außerhalb dieser exponierten Fläche. Hier wird der siegreiche Torero Rafael von seinen Freunden und Padre Anton (Bartolomeo Stasch) gefeiert, hier umwirbt er Solea, hier trifft er mit Juanillo zusammen, hier prophezeit ihm eine Zigeunerin (Rosario Chavez) den Tod bei seinem nächsten Kampf. </p> <p>Hier findet auch der tödliche Stierkampf statt – ein von Elena Iglesias Galan stilisiert durchchoreografierter Todestanz zwischen Rafael auf der einen, einem Tänzer und einer Tänzerin auf der anderen Seite; große leuchtend rotgelbe Speere, die sich in die Szene herabsenken, unterstreichen die Gefahr. Der bruchlose Wechsel von der naturalistischen zur symbolischen Regie ist eine der Stärken dieser Inszenierung. </p> <p>Die Welt als Bühne, der Kreis des Lebens – Romero Mora greift Symbole des Barocktheaters auf. Denn auch der dritte Protagonist findet hier seinen Tod. Die Gräber von Rafael und Solea liegen auf diesem Kreis, und vor Soleas Grab bricht Juanillo in einer zutiefst ergreifenden Szene zusammen. Hier lässt er sich von seinem Gefolgsmann Caireles (Radoslaw Wielgus) erschießen, um seiner Gefangennahme zu entgehen und wenigstens im Tod mit Solea vereint zu sein. </p> <p>Nicht nur das Stierkämpfermilieu, sondern vor allem auch die Musik verorten „El Gato Montes“ im Verismo, ein spanischer Zwilling von Pietro Mascagnis „Cavalleria Rusticana“. Die Kraft, Frische und Farbigkeit dieser Musik fängt das Orchester des Pfalztheaters Kaiserslautern unter dem schwungvollen, packenden Dirigat von Rodrigo Tomillo hervorragend ein. Auch die Hauptdarsteller brillieren, allen voran die junge Südafrikanerin Andiswa Makana, deren mühelos strömender Sopran lyrische Feinheit mit dramatischer Kraft verbindet und die als echte Entdeckung an die junge Michele Crider erinnert. Carlos Morena als Rafael steuert einen kraftvollen Heldentenor mit leuchtender Höhe bei. Darstellerisch wie musikalisch facettenreich reiht sich Bariton Daniel de Vicente als Juanillo in das Sängertrio ein. Chor und Kinderchor des Pfalztheaters runden ein stimmiges Ensemble in dieser spannenden Neuentdeckung ab.</p> </div> <div> <div>Stück</div> <div>El Gato Montés</div> </div> <div> <div>Überschrift der Kurzkritik</div> <div>Liebe über den Tod hinaus</div> </div> <div> <div>Autor/Komponist/Choreograf</div> <div>Manuel Penella</div> </div> <div> <div>Premierendatum</div> <div><time datetime="2018-05-26T12:00:00Z">26.05.2018</time> </div> </div> <div> <div>Regie</div> <div>Alfonso Romero Mora</div> </div> <div> <div>Stadt</div> <div><a href="/taxonomy/term/703" hreflang="de">Kaiserslautern</a></div> </div> <div> <div>Theater</div> <div><a href="/taxonomy/term/1706" hreflang="de">Pfalztheater Kaiserslautern</a></div> </div> <div> <div>Musikalische Leitung</div> <div>Rodrigo Tomillo</div> </div> <div> <div>Genre</div> <div>Musiktheater</div> </div> <div> <div>Bild</div> <div><div> <div>Mo., 28.05.2018 - 11:00</div> <div><span lang="" about="/user/103" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Konstanze Führlbeck</span></div> <div> <img src="/sites/default/files/styles/thumbnail/public/gato_monte__s.jpg?itok=EcpbBOc6" width="100" height="67" alt="Thumbnail" title="Manuel Penella: El Gato Montès" typeof="foaf:Image" /> </div> <div> <div>Bild-Datei</div> <div> <img src="/sites/default/files/styles/banner/public/gato_monte__s.jpg?itok=_euN66lK" width="1800" height="1200" alt="Wie einst im politisch inkorrekten Mai..." title="Wie einst im politisch inkorrekten Mai..." typeof="foaf:Image" /> </div> </div> <div> <div>Urheber/Copyright</div> <div>Pfalztheater Kaiserslautern</div> </div> <div> <div>Beschreibung</div> <div>Wie einst im politisch inkorrekten Mai... Andiswa Makana (Solea) und Carlos Moreno (Stierkämpfer) in der Rarität &quot;El Gato Montés&quot; in Kaiserslautern</div> </div> </div> </div> </div> Mon, 28 May 2018 09:00:20 +0000 Konstanze Führlbeck 10565 at https://die-deutsche-buehne.de Christian Jost/Toshio Hosokawa: Heart Sutra/The Raven https://die-deutsche-buehne.de/kritiken/gemalte-musik <span>Christian Jost/Toshio Hosokawa: Heart Sutra/The Raven</span> <span><span lang="" about="/user/103" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Konstanze Führlbeck</span></span> <span>Mo., 19.06.2017 - 19:54</span> <div><p>Das Pfalztheater Kaiserslautern überrascht zum Saisonende mit einem fesselnden Doppelabend aus den Kammeropern „Heart Sutra“ von Christian Jost, 2013 in Taipeh uraufgeführt (in Kaiserslautern in deutscher Erstaufführung) und „The Raven“ des japanischen Komponisten Toshio Hosokawa, die erstmals 2012 in<em> La Raffinerie</em> in Brüssel gezeigt wurde. Im Zentrum beider Werke stehen abwesende Protagonisten. In „Heart Sutra“ nach einer Erzählung der chinesischen Autorin Aileen Zhang dreht sich alles um den Vater der jungen, attraktiven Hsu Xiao-han (Aoife Gibney). Deren uneingestandene, fast schon inzestuöse Liebe wird auf eine harte Probe gestellt, als der Vater sich von der Mutter Mrs. Hsu (Polina Artsis) abwendet und ein Verhältnis mit ihrer Freundin Ling-chin (Monika Hügel) beginnt. Da sie sich für ihren Vater bewahren will, weist sie auch ihren Verehrer Gong Hai-li (Peter Floch) ab.</p> <p>Die Bühne von Christl Wein besteht aus einer weißen Wand mit Stangen, die der Künstler Freddy Engel durch Life-Zeichnungen auf einem Overhead-Projektor füllt. Das Großstadtpanorama  des Shanghai der 1930er Jahre kommt so auf die Werkstattbühne des Pfalztheaters, aber auch der kleine Garten auf dem Balkon der Familienwohnung im achten Stock eines Hochhauses. Regisseurin Martina Veh konzentriert sich in ihrer psychologisch durchdachten Personenführung auf das komplexe Beziehungsgeflecht zwischen den Darstellern, das immer um den abwesenden Vater kreist. Genau so bewegt sich auch die Musik von Christian Jost in flächigen Streicherklängen um tonale Zentren und macht – ebenso wie die Dramaturgie des Werkes – Anleihen beim Film. Der junge Dirigent Johannes Witt meistert den Spagat zwischen der trotz des chinesischen Sujets eher westlichen Musik und den gelegentlichen exotischen Anleihen durch die Instrumentierung sehr stilsicher.</p> <p>Auch für die mystisch-unheimliche Grundstimmung von Toshio Hosokawas „The Raven“ mit ihrer komplexen Klangwelt findet der junge Dirigent eine ansprechende Lösung. Düsteres Grollen klingt immer wieder aus dem von dunklen Farben überschatteten Klangbild, das die Seelenregungen eines trauernden Mannes nachempfindet. Die Stimme in seinem Kopf, die Stimme des Raben, Geisterbote aus einer anderen Welt, und auch die Stimme des Erzählers übernimmt in dieser Monooper nach einem Gedicht von Edgar Allen Poe die Mezzosopranistin Polina Artsis. Und auch hier ist Freddy Engel mit von der Partie, diesmal als Medium, bei dem alle Fäden zusammenlaufen: Den Gedanken und den Stimmen im Kopf des Mannes verleiht er durch seine Schwarz-Weiß-Zeichnungen bildliche Gestalt, er verschmilzt dabei fast mit dieser imaginären Figur. Sehr konzentriert verdichtet Polina Artsis den musikalischen Bewusstseinsstrom, dem sie in immer wechselnden Rollen Gestalt und Klang gibt, mit ausdrucksstarkem, volltönendem und doch sehr flexibel geführtem Mezzosopran. Das „Nevermore“ des Raben schwillt an zu einer beschwörenden Intensität und zieht den trauernden Maler immer mehr „zu den plutonischen Ufern“, in seine Depression hinein – in einer atmosphärisch unglaublich dichten, in ihrer Beklemmung szenisch wie musikalisch packenden Interpretation!</p> </div> <div> <div>Stück</div> <div>Heart Sutra/The Raven</div> </div> <div> <div>Überschrift der Kurzkritik</div> <div>Gemalte Musik</div> </div> <div> <div>Autor/Komponist/Choreograf</div> <div>Christian Jost/Toshio Hosokawa</div> </div> <div> <div>Premierendatum</div> <div><time datetime="2017-06-18T12:00:00Z">18.06.2017</time> </div> </div> <div> <div>Regie</div> <div>Martina Veh</div> </div> <div> <div>Stadt</div> <div><a href="/taxonomy/term/703" hreflang="de">Kaiserslautern</a></div> </div> <div> <div>Theater</div> <div><a href="/taxonomy/term/1706" hreflang="de">Pfalztheater Kaiserslautern</a></div> </div> <div> <div>Musikalische Leitung</div> <div>Johannes Witt</div> </div> <div> <div>Autor der Vorlage</div> <div>Zhang Ailing/Edgar Allan Poe</div> </div> <div> <div>Genre</div> <div>Musiktheater</div> </div> <div> <div>Bild</div> <div><div> <div>Mo., 19.06.2017 - 19:54</div> <div><span lang="" about="/user/103" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Konstanze Führlbeck</span></div> <div> <img src="/sites/default/files/styles/thumbnail/public/probenfoto_aoife_gibney__monika_hu__gel_in_der_kammeroper__heart_sutra__pfalztheater_kaiserslautern__juni_2017.jpg?itok=IJaowypj" width="100" height="56" alt="Thumbnail" title="Christian Jost/Toshio Hosokawa: Heart Sutra/The Raven" typeof="foaf:Image" /> </div> <div> <div>Bild-Datei</div> <div> <img src="/sites/default/files/styles/banner/public/probenfoto_aoife_gibney__monika_hu__gel_in_der_kammeroper__heart_sutra__pfalztheater_kaiserslautern__juni_2017.jpg?itok=e70Nnexj" width="1800" height="1200" alt="probenfoto_aoife_gibney__monika_hu__gel_in_der_kammeroper__heart_sutra__pfalztheater_kaiserslautern__juni_2017.jpg" title="probenfoto_aoife_gibney__monika_hu__gel_in_der_kammeroper__heart_sutra__pfalztheater_kaiserslautern__juni_2017.jpg" typeof="foaf:Image" /> </div> </div> <div> <div>Urheber/Copyright</div> <div>Jörg Heieck</div> </div> <div> <div>Beschreibung</div> <div>Szene mit Aoife Gibney und Monika Hügel in Christian Josts „Heart Sutra“ am Pfalztheater Kaiserslautern</div> </div> </div> </div> </div> Mon, 19 Jun 2017 17:54:36 +0000 Konstanze Führlbeck 10306 at https://die-deutsche-buehne.de Nader Mashayekhi: Neda - Der Ruf https://die-deutsche-buehne.de/kritiken/was-kann-das-wort-bewirken <span>Nader Mashayekhi: Neda - Der Ruf</span> <span><span lang="" about="/user/103" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Konstanze Führlbeck</span></span> <span>Mo., 24.04.2017 - 18:05</span> <div><p>Diese Frage stellt ausgerechnet ein Werk des Musiktheaters, „Neda“ von Nader Mashayekhi. Das Werk des in Wien ausgebildeten iranischen Komponisten wurde 2010 in Osnabrück uraufgeführt; das <a title="Pfalztheater Kaiserslautern" href="http://www.pfalztheater.de" target="_blank">Pfalztheater Kaiserslautern</a> stellt die zweite Produktion vor.</p> <p>Die Inszenierung von Holger Müller-Brandes zeigt den Protagonisten, den persischen Dichter Nizami (Wieland Satter), als Professor in einem durch ein flexibel deutbares Stahlgerüst evozierten modernen Hörsaal neben einem Hauptbahnhof, einem Ort der Begegnungen; vorne links steht ein Schreibtisch. Dadurch entsteht ein Rahmen, die Geschichten des mittelalterlichen Dichters Nizami (1141-1209) werden im Vortrag des Professors verbunden. Verbunden werden auch Rezitation und Musik, Gegenwart und Vergangenheit, Realität und Fiktion, verschiedene Musikkulturen – Mashayekhis Oper erzählt keine „Story“, sondern wirft in einem vielschichtigen Gesamtkunstwerk anhand von Episoden Schlaglichter auf das Verhältnis des Dichters zu Frauen und die Antwort der Gesellschaft in einer islamisch geprägten Kultur darauf.</p> <p>Für eine gelungene Geschichte belohnte ein Fürst Nizami mit der Sklavin Apak (Monika Hügel), die ihn durch ihre Schönheit, aber auch durch ihr Selbstbewusstsein und ihren Intellekt beeindruckte. Da sie dadurch aber gegen religiöse Gesetze verstieß, verurteilten Männer sie zum Tod – und Nizami konnte es nicht verhindern. In seiner Verzweiflung erfand der Dichter Frauengestalten, die sich durch Eigenwillen und Freiheitsliebe auszeichnen – wie die mitfühlende Fitna (Arlette Meißner), die Amazone Nuschabe (Xiaoyi Xu) und Turandot (Adelheid Fink), die durch ihre unlösbaren Rätsel Männer zum Tod verurteilt – ein Kosmos weiblicher Charaktere, den er der dominanten Männerwelt, aber auch den anonymen Frauen entgegensetzt.</p> <p>Der Fragmentcharakter der Oper mit ihren Zeitsprüngen, die das Leben des Dichters und der realen Apak mit seinen literarischen Figuren verwebt, wird durch die puristische Inszenierung von Müller-Brandes noch forciert: Nizami hat einen Doppelgänger (Mohammed Alshathily), der ihn immer wieder mit sich selbst konfrontiert in diesem zersplitterten Kaleidoskop aus Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft, in dem nur die Musik in der ureigenen Klangwelt Mashayekhis Einheit stiftet.</p> <p>Einer der Höhepunkte ist Apaks Ruf zum Gebet. Monika Hügel gestaltet sie in schwarzen Hosen und Rollkragenpullover mit klangschönem und volltönendem Sopran als emanzipierte Frau ohne Schleier, die damit ein den Männern vorbehaltenes Ritual ausübt, die Frauen fallen nur zögerlich; mit abgebrochen-zischenden Lauten ein. Wieland Satters Bariton schattiert den Dichter Nizami darstellerisch wie musikalisch unaufdringlich, aber in eindringlichen Nuancen aus; Tenor Daniel Kim als sein Freund sowie Arlette Meißner, Xiaoyi Xu und Adelheid Fink runden ein stimmiges Ensemble ab.</p> <p>Dirigent Rodrigo Tomillo und dem Orchester des Pfalztheaters gelingt es, die durch orientalische Intervalle, Blechbläser und Schlagzeug geprägten Klänge in facettenreichen Farben mit der europäischen Avantgarde zu einem ausdrucksvollen Ganzen zu verschmelzen, das durch seine fremdartigen Klangwelten fasziniert und Kontraste bruchlos vereint. Dabei interagiert die Musik mit dem gesprochenen Text, sie geben sich wechselseitig Impulse. Denn beide sollen als Appell für Freiheit Menschen eine Stimme geben – entsprechend dem Titel der Oper: „Neda“, zu deutsch „Der Ruf“ oder „Die Stimme“.</p> </div> <div> <div>Stück</div> <div>Neda - Der Ruf</div> </div> <div> <div>Überschrift der Kurzkritik</div> <div>Was kann das Wort bewirken?</div> </div> <div> <div>Autor/Komponist/Choreograf</div> <div>Nader Mashayekhi</div> </div> <div> <div>Premierendatum</div> <div><time datetime="2017-04-23T12:00:00Z">23.04.2017</time> </div> </div> <div> <div>Regie</div> <div>Holger Müller-Brandes</div> </div> <div> <div>Stadt</div> <div><a href="/taxonomy/term/703" hreflang="de">Kaiserslautern</a></div> </div> <div> <div>Theater</div> <div><a href="/taxonomy/term/1706" hreflang="de">Pfalztheater Kaiserslautern</a></div> </div> <div> <div>Musikalische Leitung</div> <div>Rodrigo Tomillo</div> </div> <div> <div>Genre</div> <div>Musiktheater</div> </div> <div> <div>Bild</div> <div><div> <div>Mo., 24.04.2017 - 18:05</div> <div><span lang="" about="/user/103" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Konstanze Führlbeck</span></div> <div> <img src="/sites/default/files/styles/thumbnail/public/kk_mt_kaiserslautern_neda.jpg?itok=O8vDU4p8" width="100" height="67" alt="Thumbnail" title="Nader Mashayekhi: Neda - Der Ruf" typeof="foaf:Image" /> </div> <div> <div>Bild-Datei</div> <div> <img src="/sites/default/files/styles/banner/public/kk_mt_kaiserslautern_neda.jpg?itok=R0FdTfHZ" width="1800" height="1200" alt="Der Chor des Pfalztheaters" title="Der Chor des Pfalztheaters" typeof="foaf:Image" /> </div> </div> <div> <div>Urheber/Copyright</div> <div>Marco Piecuch</div> </div> <div> <div>Beschreibung</div> <div>Der Chor des Pfalztheaters</div> </div> </div> </div> </div> Mon, 24 Apr 2017 16:05:24 +0000 Konstanze Führlbeck 10258 at https://die-deutsche-buehne.de Maria Milisavljevic: Beben https://die-deutsche-buehne.de/kritiken/es-kommt-der-mann-der-kante-von-ulro <span>Maria Milisavljevic: Beben</span> <span><span lang="" about="/user/35" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Björn Hayer</span></span> <span>Do., 13.04.2017 - 11:58</span> <div><p>Eine behagliche Welt im Kleinformat: Wohnblöcke aus Holz, Autos auf winzigen Pappaufstellern, Playmobilfiguren. Um daran teilzunehmen, muss man nicht das Haus verlassen. Den Figuren in Maria Milisavljevics Stück „Beben“, welches nun in einer ausgezeichneten Uraufführung am Pfalztheater zu sehen ist, genügt ein Bildschirm oder der Blick vom Balkon hinunter, um sich über das Kleinklein ihrer Mitmenschen zu amüsieren. Gäbe es da nur nicht diese neuerdings auftretenden und titelgebenden Erderschütterungen (man vernimmt einen grassen Basssound). Während die namenlosen Protagonisten des Dramas (Marie Scharf, Marsha Zimmermann, Oliver Burkia, Daniel Mutlu, Luca Zahn) zwischen TV- und Youtubekonsum noch ein weitestgehend sorgloses Dasein führen, ahnt der Zuschauer längst, was ihnen blüht. Denn eine so allmächtige wie ominöse Gottesgestalt namens der „Mann an der Kante von Ulro“ (ein großartiger Stefan Kiefer) wird die Wände ihrer saturierten Existenzen zum Einsturz bringen.</p> <p>Da sich der virtuose Text als eine Collage von Assoziationen und unterschiedlichsten Episoden darbietet, in dem sich Einsamkeit, Verdrängung und Selbstverblendung der Figuren vermischen, kann die Regisseurin Fanny Brunner in ihrer Realisierung aus dem Vollen schöpfen. Wir schauen auf einen Tisch mit weißer Decke, darauf jene Mikrowelt, die bald einem Schlachtfeld gleichen wird. An den Seiten des Spielfelds prangt in großen Lettern Ludwig Wittgensteins bekanntes Bekenntnis „Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt“. Dazwischen huschen die Protagonisten mit ihren Träumen und Ängsten, die mal als Karikatur, mal in bewegenden Kleinporträts erscheinen. Zum Beispiel erzählt eine der Frauen von ihrer Furcht vor der Welt oder legt berührend und verstörend zugleich dar, wie gern sie vergewaltigt werden würde, um anschließend in den Genuss einer öffentlichen Anteilnahme zu gelangen. Zutiefst traurig mutet diese intime Selbstausstellung in einer Fülle an Bildern und Metaphern an.</p> <p>Als wenig später dann der Mann von Ulro (als rot gekleideter Schelm) aus seiner Tasche grüne Gummisoldaten zieht und sie auf die inzwischen eingestürzte Stadt wirft, bricht ein grotesker Krieg um Leben und Tod aus. Was hilft da noch? Richtig: die Liebe, entfesselt in einer urkomischen Farce. Die Fliehenden nehmen sich mit aufgesetzten Blumenkränzen an die Hände und verhelfen dem Hippiezeitalter zu einer kurzen Renaissance. Was kann man da noch sagen? Nichts, man lächelt und ist zugleich melancholisch. Der Aufführung dieses zivilisationskritischen und in jeder Sekunde starken Wachmachers kann man nur viele Zuschauer wünschen!</p> </div> <div> <div>Stück</div> <div>Beben</div> </div> <div> <div>Überschrift der Kurzkritik</div> <div>Es kommt der Mann an der Kante von Ulro</div> </div> <div> <div>Autor/Komponist/Choreograf</div> <div>Maria Milisavljevic</div> </div> <div> <div>Premierendatum</div> <div><time datetime="2017-04-13T12:00:00Z">13.04.2017</time> </div> </div> <div> <div>UA/DE/DSE</div> <div>UA</div> </div> <div> <div>Regie</div> <div>Fanny Brunner</div> </div> <div> <div>Stadt</div> <div><a href="/taxonomy/term/703" hreflang="de">Kaiserslautern</a></div> </div> <div> <div>Theater</div> <div><a href="/taxonomy/term/1706" hreflang="de">Pfalztheater Kaiserslautern</a></div> </div> <div> <div>Genre</div> <div>Schauspiel</div> </div> <div> <div>Bild</div> <div><div> <div>Do., 13.04.2017 - 11:58</div> <div><span lang="" about="/user/35" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Björn Hayer</span></div> <div> <img src="/sites/default/files/styles/thumbnail/public/beben09.jpg?itok=Xq3EvqbB" width="100" height="67" alt="Thumbnail" title="Maria Milisavljevic: Beben" typeof="foaf:Image" /> </div> <div> <div>Bild-Datei</div> <div> <img src="/sites/default/files/styles/banner/public/beben09.jpg?itok=xQhdaMYP" width="1800" height="1200" alt="beben09.jpg" title="beben09.jpg" typeof="foaf:Image" /> </div> </div> <div> <div>Urheber/Copyright</div> <div>Pfalztheater Kaiserslautern</div> </div> <div> <div>Beschreibung</div> <div>Szene aus der Uraufführung von Maria Milisavljevics &quot;Beben&quot; am Pfalztheater Kaiserlautern</div> </div> </div> </div> </div> Thu, 13 Apr 2017 09:58:20 +0000 Björn Hayer 10259 at https://die-deutsche-buehne.de Stanislaw Moniuszko: Halka https://die-deutsche-buehne.de/kritiken/zu-viel-schmackes <span>Stanislaw Moniuszko: Halka</span> <span><span lang="" about="/user/68" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Frank Pommer</span></span> <span>Do., 21.05.2015 - 09:40</span> <div><p>Als am 8. September 1945 im völlig zerstörten Wroclaw (Breslau) das Opernhaus nach den Kriegswirren wiedereröffnet wurde, stand Stanislaws Moniuszkos „Halka“ auf dem Programm, ein Werk, das nicht nur deshalb als polnische Nationaloper gilt. Das Pfalztheater in Kaiserslautern hat nun diese in einer ersten, zweiaktigen Fassung 1848 uraufgeführte Oper in einer Inszenierung von Michael Sturm präsentiert. Es setzt damit seine Entdeckungsreise in dieser Spielzeit fort, die mit „Friedenstag“ von Richard Strauss und Franz Schrekers „Irrelohe“ begonnen hat. Die dritte Spielplanüberraschung fiel nun im Vergleich dazu bei der Premiere szenisch wie sängerisch und musikalisch dagegen etwas ab. </p> <p>Im Zentrum der Oper wird die traurige Geschichte des Bauernmädchens Halka erzählt. Diese liebt den Adligen Janusz und erwartet auch ein Kind von ihm. Doch zu Beginn der Oper sehen wir, wie Janusz standesgemäß Verlobung mit Zofia feiert. Halka, begleitet und beschützt von dem sie heimlich liebenden Jontek, platzt in die Feier, wird von Janusz vertröstet und muss schließlich einsehen, dass sie um ihre Liebe betrogen wurde. Sie plant zunächst einen Brandanschlag auf die Hochzeitgesellschaft in der Kirche, wählt dann aber doch den Weg in die Verzweiflung, indem sie sich das Leben nimmt: ein geschundenes, betrogenes unschuldiges Opfer, das eine grausame Gesellschaft in den Tod getrieben hat. </p> <p>Wenn es nur die eine Nationaloper gibt, dann ist dies immer auch ein Hinweis darauf, dass das Musiktheaterrepertoire im überschaubaren Umfang bleibt und sich zudem auch aus einer Position des Zuspätgekommenen heraus entwickelt hat. Dies gilt auch für „Halka“, deren vieraktige Endfassung 1858 uraufgeführt wurde. Moniuszko hat eine Oper komponiert, die auf der Höhe der Zeit der Frühromantik ist, die von Lortzing und Weber ebenso beeinflusst sein könnte wie von Rossini und Donizetti. Sie wechselt zwischen dem süffigem Melos der deutschen Romantik und dem glanzvollen Belcanto der italienischen Oper des frühen 19. Jahrhunderts. </p> <p>Wer jedoch Moniuszko ein Zuspätkommen vorwirft, wiederholt quasi begangenes Unrecht am polnischen Volk. Denn diese Oper ist für unsere deutschen Bühnen tatsächliche eine lohnenswerte Entdeckung und dramaturgisch wie vor allem musikalisch großartig funktionierendes Musiktheater. Denn Moniuszko hat ja keineswegs nur von den deutschen und italienischen Vorbildern gelernt, sondern er hat mindestens ebenso viel unverstellte, sich aus der polnisch-slawischen (Volks-)Musiktradition speisende Originalität einfließen lassen. </p> <p>Daraus leitet sich eine Art Anforderungsprofil an die musikalische und stimmliche Umsetzung ab – dem die Kaiserslauterer Produktion nicht wirklich gerecht wird. Wenn in Zuschauer-Reihe Drei Sänger nur als Pantomime-Darsteller wahrnehmbar sind, dann sollte sich der Dirigent schon mal hinterfragen. Es kann an den Sängern selbst liegen. Wenn es aber schon in der Ouvertüre eher etwas unsensibel vor ich hinscheppert und lärmt im Graben, dann liegt es vielleicht doch auch am Orchester und dessen Dirigenten, dem zweiten Kapellmeister des Pfalztheaters, Rodrigo Tomillo. Er nimmt, salopp gesagt, die Partitur mit ordentlich Schwung und Schmackes, bügelt dabei aber auch so manches Detail glatt. Das Hauptproblem vor der Pause bleiben die Ensembleszenen, in denen man zwar einen stimmlich wie tänzerisch großartig aufgelegten Chor erleben kann, die Einsätze der Solisten aber schlichtweg nicht wahrnehmbar sind, das sie in dem gewaltigen Furor des Orchesters untergehen. </p> <p>Neben dem Chor gehören sicherlich Arlette Meißner in der Titelpartie und der phantastische Alexander Geller als Jontek zu den stimmlichen Gewinnern des Abends. Arlette Meißner kennt man in Kaiserslautern als Soubrette, als Ännchen im „Freischütz“ etwa. Es ist nun faszinierend zu beobachten, wie sich diese Stimme weiterentwickelt hat. Jennifer Feinstein als Sophie bleibt ebenso solide wie Bernd Valentin in der Rolle des Janusz, der allerdings auch ein einige intonatorische Probleme hat und dessen Stimme in der Höhe flach und kehlig klingt. Grenzwertig bis, pardon, indiskutabel dagegen die Leistung von Daniel Böhm als Dziemba und Alexis Wagner als Stolnik. Letzterem versagt in der Tiefe mitunter die Stimme komplett. Da ist dann rein gar nichts mehr zu hören. Und Daniel Böhm hat jenen bereits geschilderten nicht hörbaren ersten Auftritt. Es ist leider nicht sein einziger… </p> <p>Die Regie von Michael Sturm vermag sich nicht so wirklich zu entscheiden, ob sie sich auf die Geschichte von der verführten Unschuld oder aber auf den politisch-historischen Hintergrund konzentrieren soll. Die Kostüme von Stefan Rieckhoff, der auch für die Bühne zuständig ist, verweisen ins 20. Jahrhundert. Janusz und Dziemba tragen Uniformen, die durchaus an die deutschen Besatzer während des Zweiten Weltkriegs erinnern. Die Bauern um Halka und Jontek sind in einer Massenunterkunft untergebracht, die aussieht wie ein Internierungslager der Nazis. </p> <p>Doch dieser Gedanke wird nicht weiter verfolgt. Das wäre dann vielleicht auch doch zu platt. Es gibt in Sturms Regie zwar so etwas wie ein leises Aufbegehren der Unterdrückten, aber am Ende bringen doch wieder nur die Bauern das Opfer. Die wilde Bergwelt der Goralen im polnisch-slowakischen Grenzgebiet, denen auch Halka entstammt, ist als Ölgemälde im prachtvollen Salon des Adels präsent – und als ferne Sehnsucht im Leben Halkas und der anderen Leibeigenen. Diese Natur steht für Freiheit, vielleicht sogar für Glück. Für ein Glück, das in einer Gesellschaft nicht möglich ist, die aussieht wie jene, die Moniuszko in seiner Oper schildert: Hier die Reichen und Schönen, dort die Armen und Entstellten, Entrechteten. Die Liebe könnte diese Grenzen überwinden, diese Ketten sprengen. Doch mit Halka stirbt die Liebe – auch für den vermeintlichen Übeltäter Janusz, der sich im Schlussbild die Pistole an den Kopf hält …</p> </div> <div> <div>Stück</div> <div>Halka</div> </div> <div> <div>Überschrift der Kurzkritik</div> <div>Zu viel Schmackes</div> </div> <div> <div>Autor/Komponist/Choreograf</div> <div>Stanislaw Moniuszko</div> </div> <div> <div>Premierendatum</div> <div><time datetime="2015-05-23T12:00:00Z">23.05.2015</time> </div> </div> <div> <div>Regie</div> <div>Michael Sturm</div> </div> <div> <div>Stadt</div> <div><a href="/taxonomy/term/703" hreflang="de">Kaiserslautern</a></div> </div> <div> <div>Theater</div> <div><a href="/taxonomy/term/1706" hreflang="de">Pfalztheater Kaiserslautern</a></div> </div> <div> <div>Musikalische Leitung</div> <div>Rodrigo Tomillo</div> </div> <div> <div>Genre</div> <div>Musiktheater</div> </div> <div> <div>Bild</div> <div><div> <div>Do., 21.05.2015 - 09:40</div> <div><span lang="" about="/user/68" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Frank Pommer</span></div> <div> <img src="/sites/default/files/styles/thumbnail/public/halka01.jpg?itok=8sV41rMh" width="100" height="67" alt="Thumbnail" title="Stanislaw Moniuszko: Halka " typeof="foaf:Image" /> </div> <div> <div>Bild-Datei</div> <div> <img src="/sites/default/files/styles/banner/public/halka01.jpg?itok=COJsvu0o" width="1800" height="1200" alt="Arlette Meißner und Bernd Valentin in &quot;Halka&quot; am Pfalztheater Kaiserslautern" title="Arlette Meißner und Bernd Valentin in &quot;Halka&quot; am Pfalztheater Kaiserslautern" typeof="foaf:Image" /> </div> </div> <div> <div>Urheber/Copyright</div> <div>Hans-Jürgen Brehm-Seufert</div> </div> <div> <div>Beschreibung</div> <div>Arlette Meißner und Bernd Valentin in &quot;Halka&quot; am Pfalztheater Kaiserslautern</div> </div> </div> </div> </div> Thu, 21 May 2015 07:40:54 +0000 Frank Pommer 9742 at https://die-deutsche-buehne.de Franz Schreker: Irrelohe https://die-deutsche-buehne.de/kritiken/maennliche-begierden <span>Franz Schreker: Irrelohe</span> <span><span lang="" about="/user/103" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Konstanze Führlbeck</span></span> <span>Mo., 09.03.2015 - 13:32</span> <div><p><span>In die Tiefen des psychoanalytisch aufgeladenen Verhältnisses von Mann und Frau begibt sich Franz Schrekers Oper „Irrelohe“ aus dem Jahr 1924 in der Erstaufführung des Pfalztheaters Kaiserslautern.</span></p> <p><span>Die „irre Lohe“ ist der völlig unkontrolliert ausbrechende, rauschhafte Geschlechtstrieb, der sich nur in Gewalt erfüllen kann und in Wahnsinn eskaliert. Etwa um das 30. Lebensjahr befällt er wie eine unheilbare Krankheit, ein „Fluch“ die Grafen von Irrelohe, die dann ein Mädchen aus dem Dorf vergewaltigen. Das letzte Mal ist das bei der Hochzeit der Schankwirtin Lola (Katja Boost) passiert, ihr Bräutigam Christobald (Uwe Eikötter) ließ es, entsetzt, untätig geschehen. Ihr Sohn Peter (Wieland Satter) ist der Halbbruder des jetzigen Grafen Heinrich von Irrelohe (Heiko Börner). Und die jungen Männer begehren beide die Försterstochter Eva (Adelheid Fink). Sie ist die einzige, die durch das freiwillige Bejahen ihrer Sexualität und ihre offen bekannte Liebe zu Heinrich den Fluch brechen kann. Ein dramatischer Showdown nimmt seinen Lauf. </span></p> <p><span>Was wie ein mit mittelalterlicher Schauerromantik im Stil von Verdis „Troubadour“ verbrämter Psychokrimi klingt, wird in der Inszenierung von Holger Müller-Brandes am Pfalztheater eine lose Folge von Bildern voller Assoziationen auf einer offenen Bühne von Thomas Dörfler, auf der hinten das Orchester platziert ist. Trotz stimmiger Personenführung im Detail mit berührenden Momenten voll packender Dramatik bleibt in dieser szenischen Reduktion die stringente Entwicklung des Dramas mit einer konsequenten Personenregie leider oft auf der Strecke: Die Handlung wird fragmentiert und auf die Innenschau der Protagonisten konzentriert, in der sich die Regie zu verlieren droht; die Spannung wird dann in erster Linie von der Musik getragen, in der sich das Drama entfaltet. </span></p> <p><span>Einen breiten Raum nimmt dabei das Verhältnis von Mann und Frau ein, vor allem das Verständnis der Frau als Objekt männlicher Projektionen und Begierden, fast schon überdeutlich veranschaulicht durch den catwalkmäßigen Auftritt junger Frauen in Modelkostümen und die Zerstückelung der Frauenkörper von Schaufensterpuppen. Dieses Schema durchbricht Eva, die selbst aus freien Stücken zu Heinrich geht – nicht zu dem Gutsherren, sondern zu dem Mann, den sie liebt. Doch um Eva zu retten, muss Heinrich seinen dem Fluch verfallenen Halbbruder Peter töten. </span></p> <p><span>Neben beeindruckenden sängerisch-darstellerischen Leistungen von Heiko Börner (Graf Heinrich), Wieland Satter (Peter) und Katja Boost (Lola) fällt Adelheid Fink (Eva) leider trotz spannender Gestaltung durch einige unüberhörbare Schärfen in der Höhe etwas ab. Der unbestrittene Star des Abends ist das Orchester des Pfalztheaters: Unter dem höchst differenzierten, ungemein nuancenreichen Dirigat von Uwe Sandner zaubert es Klangmomente von berührender Subtilität und Schönheit in den oszillierenden Harmonien von Franz Schreker, lässt aber auch hochdramatische Entwicklungen dieser reich schattierten, ganz in der Tradition der Spätromantik stehenden tonalen Partitur so lebendig werden, als ob es die Musik atmen würde.</span></p> </div> <div> <div>Stück</div> <div>Irrelohe</div> </div> <div> <div>Überschrift der Kurzkritik</div> <div>Männliche Begierden</div> </div> <div> <div>Autor/Komponist/Choreograf</div> <div>Franz Schreker</div> </div> <div> <div>Premierendatum</div> <div><time datetime="2015-03-07T12:00:00Z">07.03.2015</time> </div> </div> <div> <div>Medialink</div> <div><a href="http://pfalztheater.de/cms/?f=2&amp;id=528&amp;p=293&amp;s=pt_schedule">Fotostrecke auf der Homepage des Pfalztheaters</a></div> </div> <div> <div>Regie</div> <div>Holger Müller-Brandes</div> </div> <div> <div>Stadt</div> <div><a href="/taxonomy/term/703" hreflang="de">Kaiserslautern</a></div> </div> <div> <div>Theater</div> <div><a href="/taxonomy/term/1705" hreflang="de">Pfalztheater</a></div> </div> <div> <div>Musikalische Leitung</div> <div>Uwe Sandner</div> </div> <div> <div>Genre</div> <div>Musiktheater</div> </div> <div> <div>Bild</div> <div><div> <div>Mo., 09.03.2015 - 13:32</div> <div><span lang="" about="/user/103" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Konstanze Führlbeck</span></div> <div> <img src="/sites/default/files/styles/thumbnail/public/irrelohe_10.jpg?itok=iw8XUPU-" width="100" height="67" alt="Thumbnail" title="Franz Schreker: Irrelohe" typeof="foaf:Image" /> </div> <div> <div>Bild-Datei</div> <div> <img src="/sites/default/files/styles/banner/public/irrelohe_10.jpg?itok=TWOZoiGK" width="1800" height="1200" alt="Franz Schrekers &quot;Irrelohe&quot; am Pfalztheater" title="Franz Schrekers &quot;Irrelohe&quot; am Pfalztheater" typeof="foaf:Image" /> </div> </div> <div> <div>Urheber/Copyright</div> <div>Stephan Walzl</div> </div> <div> <div>Beschreibung</div> <div>Franz Schrekers &quot;Irrelohe&quot; am Pfalztheater. Adelheid Fink (Eva), Heiko Börner (Heinrich)</div> </div> </div> </div> </div> Mon, 09 Mar 2015 12:32:46 +0000 Konstanze Führlbeck 9681 at https://die-deutsche-buehne.de Boris Vian: Die Reichsgründer oder Das Schmürz https://die-deutsche-buehne.de/kritiken/letzte-auswege <span>Boris Vian: Die Reichsgründer oder Das Schmürz</span> <span><span lang="" about="/user/180" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Vanessa Renner</span></span> <span>Fr., 23.01.2015 - 12:12</span> <div><p>Das Schmürz ist ein am ganzen Körper in weiße Mullbinden einbandagiertes Wesen. Es wird geschlagen, gequält und erniedrigt. Aus einem Grund: seine bloße Anwesenheit. Der Verband verfärbt sich blutrot. Das Schmürz schlägt nicht zurück, aber es bleibt. Mit leerem Blick sieht es in die Menschen, die Figuren auf der Bühne und in die Zuschauer, hinein.</p> <p>Ein beunruhigendes Bild entwirft Boris Vian in seinem 1959 in Paris uraufgeführtem Stück „Die Reichsgründer oder Das Schmürz“. Schauspieldirektor Harald Demmer bringt es im Pfalztheater Kaiserslautern auf die Werkstattbühne. Die Zuschauer finden sich inmitten eines 50er-Jahre Interieurs wieder, detailreich und phantasievoll von Manfred Schneider gestaltet. Ein angestaubter, grün-brauner Teppich. Eine Rückwand aus aufeinandergestapelten Einbauschränken, aus denen allerlei Getier, ausgestopfte Füchse und Plüschhasen, hervorlugen. Auf einem Servierwagen ein Balkonkasten, in dem eine kümmerliche Blume überlebt hat.</p> <p>Wahrscheinlich waren es einmal viele, blühende Blumen. Damals in der Sechszimmerwohnung in sonniger Lage, in der die kleine Familie gewohnt hat: Vater Léon, Mutter Anna, Tochter Zénobie samt Dienstmädchen Cruche. Doch ein mysteriöses Geräusch – blechern und in einem bedrängenden Crescendo anschwellend – zwingt sie, Stockwerk um Stockwerk nach oben zu ziehen. In immer kleinere Wohnungen. Für das Publikum spürbar, da die Schrankwand nach vorne fährt und den Bühnenraum verkleinert. Zénobie hängt an der Vergangenheit und stellt die zentrale Frage: „Wovor sind wir auf der Flucht?“. Das bleibt unbeantwortet. Denn Zénobies Eltern spielen ein Spiel. Dessen Regeln sind: wegsehen, verschweigen, vergessen. „Ich kann nicht sehen, was dich quält“, erwidert Anna ihrer Tochter. Dabei rutscht ihr die Pelzmütze über die Augen. Ein scharfsinnig greifbares Bild, von denen es einige in dem temporeichen Stück gibt. Je rascher die Familie Koffer ein- und auspackt, desto weniger muss sie zurückblicken auf das, was war. Doch bald wird deutlich: das Ehepaar spielt um sein Leben. Léon beginnt zu stottern, Anna tippelt nervös auf den Boden. Wenn beide keine Ausreden finden, misshandeln sie das Schmürz mit Tritten, einer Peitsche oder einem Korkenzieher.</p> <p>Doch das Schmürz bleibt. Es ist die Familie, die sich auflöst. Verbarrikadiert unter dem Dach, allein, erkennt der Vater, dass ihm weder seine Uniform noch seine Pistole Schutz bieten. Diesen Kampf mit sich selbst, in dem die Realität immer stärker in die Fassade aus Lügen einbricht, spielt Henning Kohne als Léon eindringlich. „Verzeihung, ich wusste das nicht“, ist Léons letzte Ausflucht, bevor er sich aus dem Fenster stürzt.</p> <p>Eine Gesellschaft, die vor ihrer dunklen Vergangenheit in den Aufbruch flieht, die schweigt. Nicht erst Léons Monolog, den Sprachduktus Hitlers imitierend, über die Gründer früherer Reiche erinnert an Nachkriegsdeutschland. Doch scheint zugleich Zeitloses auf: die Angst vor etwas, das nur in den Köpfen existiert. Angst, die instrumentalisiert wird, um Menschen zu Feinden zu erklären, auszugrenzen und Mitgefühl zu ersticken. Das macht das Stück beunruhigend aktuell.</p> </div> <div> <div>Stück</div> <div>Die Reichsgründer oder Das Schmürz</div> </div> <div> <div>Überschrift der Kurzkritik</div> <div>Letzte Auswege</div> </div> <div> <div>Autor/Komponist/Choreograf</div> <div>Boris Vian</div> </div> <div> <div>Premierendatum</div> <div><time datetime="2015-01-22T12:00:00Z">22.01.2015</time> </div> </div> <div> <div>Regie</div> <div>Harald Demmer</div> </div> <div> <div>Stadt</div> <div><a href="/taxonomy/term/703" hreflang="de">Kaiserslautern</a></div> </div> <div> <div>Theater</div> <div><a href="/taxonomy/term/1706" hreflang="de">Pfalztheater Kaiserslautern</a></div> </div> <div> <div>Genre</div> <div>Schauspiel</div> </div> <div> <div>Bild</div> <div><div> <div>Fr., 23.01.2015 - 12:12</div> <div><span lang="" about="/user/180" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Vanessa Renner</span></div> <div> <img src="/sites/default/files/styles/thumbnail/public/reichsgru__nder_10.jpg?itok=pw44hT8D" width="100" height="67" alt="Thumbnail" title="Boris Vian: Die Reichsgründer oder Das Schmürz" typeof="foaf:Image" /> </div> <div> <div>Bild-Datei</div> <div> <img src="/sites/default/files/styles/banner/public/reichsgru__nder_10.jpg?itok=iOYDH89v" width="1800" height="1200" alt="&quot;Die Reichsgründer oder Das Schmürz&quot; am Pfalztheater Kaiserslautern" title="&quot;Die Reichsgründer oder Das Schmürz&quot; am Pfalztheater Kaiserslautern" typeof="foaf:Image" /> </div> </div> <div> <div>Urheber/Copyright</div> <div>Jörg Heieck</div> </div> <div> <div>Beschreibung</div> <div>&quot;Die Reichsgründer oder Das Schmürz&quot; am Pfalztheater Kaiserslautern. Henning Kohne, Nikola Norgauer, Markus Penne, Monke Ipsen</div> </div> </div> </div> </div> Fri, 23 Jan 2015 11:12:32 +0000 Vanessa Renner 9639 at https://die-deutsche-buehne.de Richard Strauss: Friedenstag https://die-deutsche-buehne.de/kritiken/schillernde-politshow <span>Richard Strauss: Friedenstag</span> <span><span lang="" about="/user/103" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Konstanze Führlbeck</span></span> <span>Mo., 29.09.2014 - 10:16</span> <div><p>Tragisch, heroisch, human – mit diesen Schlagworten des ursprünglich vorgesehenen jüdischen Librettisten Stefan Zweig kann man Richard Strauss' Oper „Friedenstag“ etikettieren, die das Pfalztheater Kaiserslautern zum 150. Geburtstag des Komponisten am Samstag in einer Neuinszenierung von Kerstin Maria Pöhler zeigte. Doch passen diese Zuweisungen wirklich? Diese Frage stellt sich auch Regisseurin Pöhler, die das auf den ersten Blick spröde anmutende Werk, das 1648 kurz vor Ende des 30-jährigen Krieges verortet ist, zusammen mit Bühnen- und Kostümbildner Herbert Murauer in einer zeitlosen beziehungsweise zeitenthobenen Stadt im Belagerungszustand angesiedelt hat.</p> <p>Grau und trostlos ist alles hier; Bewohner und Verteidiger können nur noch zäh ausharren und warten – warten auf das Ende. Das aber kann sich der Kommandant der Festung (Karsten Mewes) nur als einen heroischen Akt des kollektiven Freitods mit den verbliebenen Verteidigern vorstellen: Er weiß, dass er die Stadt nicht länger halten kann und will alle gehen lassen, die sich dem Feind ergeben wollen; er selbst will sich mit der Festung in die Luft sprengen, getreu seinem Eid auf Kaiser und Fahne. Für die hungernden Einwohner ist das Ende dagegen die Übergabe an die Belagerer. Düster-dräuende Orchesterklänge, plastisch und farbenreich interpretiert vom Pfalzorchester unter Leitung von Uwe Sandner, greifen die albtraumhafte Tonsprache von Elektra auf; melodische Wärme in der rohen Welt der Soldateska steuern nur ein junger italienischer Bote und Maria (Maria Lobanova) bei, die Frau des Kommandanten, die seine Absicht errät und in einer Todeshochzeit mit ihm zu sterben bereit ist. Sie wird auch zur Vermittlerin zwischen ihrem Mann und dem gegnerischen Kommandanten, dem Holsteiner (Wieland Satter), als ihr Mann die Nachricht vom Frieden gar nicht glauben kann. Auch Regisseurin Pöhler zeigt sich der an Fidelio erinnernden messianischen Euphorie der C-Dur Hymne am Schluss der Oper gegenüber skeptisch: Die Ambivalenz dieses Endes, die in der Rezeption des 1938 am Vorabend des Zweiten Weltkrieges in München uraufgeführten Werkes und seiner Vereinnahmung durch die nationalsozialistische Propaganda eine Parallele fand, betont sie durch die Inszenierung einer schillernden Politshow mit Reportern und Beratern wie durch eine weitere Besonderheit der Kaiserslauterer Produktion: Zu den Klängen von Richard Strauss' Studie „Metamorphosen“, 1945-46 unter den Eindrücken der materiellen wie ideellen Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges komponiert, zerbröckelt das Bild des Friedens wieder: Desillusioniert nehmen die Mitglieder des Chores in einer Leinwandinstallation einer nach dem anderen langsam die weißen Friedensbinden vom Arm und verschwinden im Dunkel, gefangen im Albtraum des Krieges, der sie verschlingt – ein Bild voll beklemmender Aktualität. Zurück bleibt nur Maria, vor deren Augen sich diese Prozesse abgespielt haben – real oder visionär?</p> <p>Auch diese Frage lässt Kerstin Maria Pöhlers intelligente, reflektierte Inszenierung offen, die durch ein stimmiges Gesamtkonzert und eine psychologisch durchdachte Personenführung sowohl der engagiert agierenden Hauptdarsteller wie auch des individuell gezeichneten Chores überzeugt und zutiefst berührt. Musikalisch ist diese Produktion des Pfalztheaters ebenfalls ein Glanzlicht: Karsten Mewes gestaltet den Kommandanten, der sich in auswegloser Lage unbeirrbar an seine Prinzipien hält und kaum noch aus dieser Erstarrung ausbrechen kann, mit kraftvollem und doch nuanciertem Bariton; Maria Lobanova als seine Frau Maria ist mit ihrem wundervoll aufblühenden jugendlich-dramatischen Sopran trotz einiger Schärfen die Lichtgestalt des Abends. Als Protagonist tritt auch der Chor des Pfalztheaters in Erscheinung und rundet zusammen mit einem stimmigen Ensemble einen zutiefst bewegenden Theaterabend ab.</p> </div> <div> <div>Stück</div> <div>Friedenstag</div> </div> <div> <div>Überschrift der Kurzkritik</div> <div>Schillernde Politshow</div> </div> <div> <div>Autor/Komponist/Choreograf</div> <div>Richard Strauss</div> </div> <div> <div>Premierendatum</div> <div><time datetime="2014-09-27T12:00:00Z">27.09.2014</time> </div> </div> <div> <div>Regie</div> <div>Kerstin Maria Pöhler</div> </div> <div> <div>Stadt</div> <div><a href="/taxonomy/term/703" hreflang="de">Kaiserslautern</a></div> </div> <div> <div>Theater</div> <div><a href="/taxonomy/term/1706" hreflang="de">Pfalztheater Kaiserslautern</a></div> </div> <div> <div>Musikalische Leitung</div> <div>Uwe Sandner</div> </div> <div> <div>Genre</div> <div>Musiktheater</div> </div> <div> <div>Bild</div> <div><div> <div>Mo., 29.09.2014 - 10:16</div> <div><span lang="" about="/user/103" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Konstanze Führlbeck</span></div> <div> <img src="/sites/default/files/styles/thumbnail/public/kk_mt_kaiserlautern_friedenstag.jpg?itok=UWdIoX6g" width="100" height="67" alt="Thumbnail" title="Richard Strauss: Friedenstag " typeof="foaf:Image" /> </div> <div> <div>Bild-Datei</div> <div> <img src="/sites/default/files/styles/banner/public/kk_mt_kaiserlautern_friedenstag.jpg?itok=nqeNMd_D" width="1800" height="1200" alt="Richard Strauss&#039; &quot;Friedenstag&quot; am Pfalztheater Kaiserslautern" title="Richard Strauss&#039; &quot;Friedenstag&quot; am Pfalztheater Kaiserslautern" typeof="foaf:Image" /> </div> </div> <div> <div>Urheber/Copyright</div> <div>Jörg Heieck</div> </div> <div> <div>Beschreibung</div> <div>Richard Strauss&#039; &quot;Friedenstag&quot; am Pfalztheater Kaiserslautern. Maria Lobanova, Karsten Mewes</div> </div> </div> </div> </div> Mon, 29 Sep 2014 08:16:25 +0000 Konstanze Führlbeck 9535 at https://die-deutsche-buehne.de Christoph Willibald Gluck: Iphigenie in Aulis https://die-deutsche-buehne.de/kritiken/muede-opferfehde <span>Christoph Willibald Gluck: Iphigenie in Aulis</span> <span><span lang="" about="/user/35" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Björn Hayer</span></span> <span>Mo., 24.02.2014 - 11:49</span> <div><p>Wie ist das Schicksal zu begnügen? Am besten, indem man sich ihm voll und ganz ausliefert. Doch damit haben die Mitglieder des Königshauses in Christoph Willibald Glucks klassizistischer Oper „Iphigenie auf Aulis“ zunächst so ihre Probleme. Zwar bedarf es der Gunst des Fatums, um die Winde für Agamemnons (Bernd Valentin) Kriegsflotte gen Troja auszurichten. Doch als die Göttin Diane dafür das Opfer seiner Tochter Iphigenie (Adelheid Fink) einfordert, stürzt das Herrschergeschlecht in eine Krise.</p> <p>Von großen Gefühlen und berührender Tragik ist in der aktuellen Inszenierung des barocken Klassikers im Pfalztheater Kaiserslautern unter der Regie von Benjamin Schad jedoch nichts zu spüren. Eingekleidet in beigen Uniformkostümen erscheinen die elegisch Klagenden als zeitlose Gefangene des Schicksals, wirkliche Akzente lassen die Figuren hingegen kaum erkennen. Selbst wenn Achill (Bernhard Berchtold) eigentlich unter zeremonieller Tonfeier mit Pauke und Trompete Iphigenie vor den Augen der Bevölkerung zum Traualtar führt, beraubt das passionslose Spiel die Szenerie jedweder Pathetik und Vitalität. Ebenso das minimalistische Bühnenbild erstarrt in Einfallslosigkeit: Die dunklen Holzwänden schaffen von Anfang an eine monolithische Kargheit, welche der ansonsten feinstimmig-überlegten Leichtfüßigkeit der Gluck’schen Melodieführung ungewollt entgegenwirkt. Auf dem Parkett regt sich hingegen wenig, die Musik erhebt sich ins Leere.</p> <p>Lediglich zwei Kulissenbewegungen brechen den Stillstand: So lässt beispielsweise das allmähliche Sinken der Hinterwand, das spiegelbildlich die Schicksalsgefangenschaft der Todgeweihten veranschaulicht, zumindest den Versuch erkennen, aus der gedankenlosen Einfalt verzweifelt eine inszenatorische Idee herauszuquetschen. Gleiches gilt für das einzige Szenenrequisit, eine mit Rissen versehene Sitzmauer, die sich in gebogener Form zum Publikum hin öffnet. Nachdem Iphigenies Gatte Achill wie ihre Mutter auf die bevorstehende Hinrichtung die Nemesis prophezeien, wird das weiße Steinelement in den Himmel gehoben und ragt als Menetekel des Fluches wie ein schweres Damoklesschwert über der sich entzweienden Herrscherfamilie. Solcherlei Bildsprache hätte man sich von dieser unambitionierten Fehde mehr erhofft. Während Markus Bieringer mit seinem exzellenten Orchester stets um Enthusiasmus und Kraft im klanglichen Ausdruck bemüht ist, versinkt das Bühnengeschehen in einem ermüdenden Lamento. Dass sich die Heldin, mit der pflichtgemäßen Ergebenheit in ihr Schicksal den Götter genehm macht und schließlich das Geschenk der Begnadigung erhält, hinterlässt zwar ein Trauma. Tiefe vermag dieser nachhallende Schock jedoch nicht zu erzeugen. Auch die gezückten Holzschwerter der sich am Ende euphorisch auf die Schlacht in Troja vorbereitenden Truppen Agamemnons kann die allgemeine Mutlosigkeit nicht mehr wettmachen.</p> </div> <div> <div>Stück</div> <div>Iphigenie in Aulis</div> </div> <div> <div>Überschrift der Kurzkritik</div> <div>Müde Opferfehde</div> </div> <div> <div>Autor/Komponist/Choreograf</div> <div>Christoph Willibald Gluck</div> </div> <div> <div>Premierendatum</div> <div><time datetime="2014-02-22T12:00:00Z">22.02.2014</time> </div> </div> <div> <div>Regie</div> <div>Benjamin Schad</div> </div> <div> <div>Stadt</div> <div><a href="/taxonomy/term/703" hreflang="de">Kaiserslautern</a></div> </div> <div> <div>Theater</div> <div><a href="/taxonomy/term/1706" hreflang="de">Pfalztheater Kaiserslautern</a></div> </div> <div> <div>Musikalische Leitung</div> <div>Markus Bieringer</div> </div> <div> <div>Genre</div> <div>Musiktheater</div> </div> <div> <div>Bild</div> <div><div> <div>Mo., 24.02.2014 - 11:49</div> <div><span lang="" about="/user/35" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Björn Hayer</span></div> <div> <img src="/sites/default/files/styles/thumbnail/public/kk_mt_kaiserslautern_iphigenie.jpg?itok=TIAucfCp" width="100" height="72" alt="Thumbnail" title="Christoph Willibald Gluck: Iphigenie in Aulis" typeof="foaf:Image" /> </div> <div> <div>Bild-Datei</div> <div> <img src="/sites/default/files/styles/banner/public/kk_mt_kaiserslautern_iphigenie.jpg?itok=Rh2H_Pl_" width="1800" height="1200" alt="Glucks &quot;Iphigenie in Aulis&quot; in Kaiserlautern" title="Glucks &quot;Iphigenie in Aulis&quot; in Kaiserlautern" typeof="foaf:Image" /> </div> </div> <div> <div>Urheber/Copyright</div> <div>Thomas Brenner</div> </div> <div> <div>Beschreibung</div> <div>Glucks &quot;Iphigenie in Aulis&quot; in Kaiserlautern. v. l. Bernd Valentin (Agamemnon), Michael Hauenstein (Kalchas), Mitglieder des Chors</div> </div> </div> </div> </div> Mon, 24 Feb 2014 10:49:23 +0000 Björn Hayer 9360 at https://die-deutsche-buehne.de