Stuttgart https://die-deutsche-buehne.de/taxonomy/term/644 de John Adams: Nixon in China https://die-deutsche-buehne.de/kritiken/nixon-als-held-der-kulturrevolution <span>John Adams: Nixon in China</span> <span><span lang="" about="/user/49" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Detlef Brandenburg</span></span> <span>Mo., 08.04.2019 - 12:17</span> <div><p><span><span>Der republikanische US-Präsident Richard Nixon genießt nicht gerade den besten Ruf. Aber sein heutiger Nachfolger Donald Trump wird es sicher noch schaffen, diesen Ruf durch eigenes Tun in den Schatten zu stellen. Gezielte innenpolitische Desinformations-Kampagnen, außenpolitische Intrigen gegen seine Konkurrenten im Land, unsägliche verbale Ausfälle, das kriminelle Ausspionieren des Gegners im Rahmen der Watergate-Affäre – für vieles von dem, was Donald Trump heute seinen Gegnern und der ganzen Welt zumutet, hat Richard Nixon im Laufe seiner politischen Karriere von 1946 bis 1974 die Blaupause geliefert. Nur leider nicht für das Ende der Ära Trump: Unter dem Eindruck eines drohenden Impeachment-Verfahrens trat Nixon 1974 als Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika zurück. Davon ist Donald Trump gerade jetzt weiter entfernt denn je.</span></span></p> <p><span><span>Heißt das, dass eine Oper über Richard Nixon zwangsläufig eine „Watergate-Oper“ sein muss? Nein, natürlich nicht. Denn dieser Präsident hatte viele Seiten. Er gründete die erste nationale Umweltbehörde der USA und setzte das Umweltthema auch auf die internationale Agenda, war der Initiator des ersten Abrüstungsvertrags mit der UdSSR, reiste 1972 nach China und fand sich mit Mao Zedong zu einem berühmten Händedruck, gab Geld für den Kampf gegen Krebs. Wenn etwas an diesem Mann interessant ist, dann ist das nicht „Watergate“ allein, sondern diese eigenartige Ambivalenz.</span></span></p> <p><span><span>Insofern ist schon der Titel von John Adams’ Oper „<a href="https://www.youtube.com/watch?v=DXXmjR0aCug&amp;list=PLEGKOC7mvop8-OtN3OmVZkz__bixf1FES" title="Nixon in China an der Houston Grand Opera, 1987">Nixon in China“</a> nach einer Idee von Peter Sellars und einem Libretto von Alice Goodman eine programmatische Aussage: Hier solle es eben <em>nicht</em> um den Watergate-Nixon gehen, sondern um den anderen, den versöhnenden Nixon, der 1972 China aus der Isolation befreite und damit auch die Fronten der US-amerikanischen Südostasien-Kriege gegen „rotchinesische Vertreterstaaten“ wie Nordvietnam oder Nordkorea (so schwarz-weiß wurden damals die Weltbilder gemalt) ein Stück weit auflöste. Soll man diese Oper also als Versuch der Neubewertung eines zu oft zu einseitig wahrgenommenen Präsidenten interpretieren? Dann bliebe aber dennoch irritierend, dass das Nixon-Bild von Adams und Goodman seinerseits arg einseitig geraten ist – so, als sei bei Nixon außer chinesischen Reisespesen nichts gewesen. Gerade unter dem Eindruck der aktuellen US-Präsidentschaft fällt es schwer, sich damit zufriedenzugeben. Auch die etwas verblasenen Meta-Interpretationen, mit denen die Autoren ihr Werk beweihräuchert haben, helfen nicht wirklich. Eine „heroische Oper“ solle es sein, keinesfalls eine Karikatur. Nixon und Mao Helden also, nun ja. Und die indifferent preziöse Sprache, die Goodman diesen Helden mit ins Bühnenleben gegeben hat: Wird hier nicht „Poesie“ zur Lizenz für verschwurbelte Unentschiedenheit?</span></span></p> <p><span><span>Macht aber ja nichts: Die Musik, die einen tollkühnen Kreuzspagat zwischen Minimalismus, Musical-Drive und großer romantischer Oper hinlegt, ist äußerst attraktiv. Und wie ein Werk auf der Bühne herüberkommt, steht ja auch in der Macht des Regisseurs, der ihm szenisch genau die aktuelle Entschiedenheit geben kann, die Text und Dramaturgie verweigern. Anfangs vermittelte <a href="https://www.staatsoper-stuttgart.de/spielplan/18-19/nixon-in-china/369/marco-storman/">Marco Štorman</a> an der Staatsoper Stuttgart tatsächlich den Eindruck, er wäre der richtige Mann für so einen Zugriff. Wir sehen, wie die silbern uniformierten Mao-Jünger eines sehr absichtsvoll artifiziellen Fantasy-Chinas (Bühne: Frauke Löffel, Kostüme: Sara Schwartz) mit Magazinen und roten Mao-Bibeln zum eigenen Besten indoktriniert werden. Wenn dann Nixon landet (die <em>Air Force One</em> ist lediglich eine bühnenhohe Metallgitterwand), ist der US-Präsident schier verzückt von der Aussicht auf die mediale Präsenz, die diese Reise ihm in den heimischen Medien verschaffen wird. Doch er hat die Rechnung ohne den Gastgeber gemacht. Denn Propaganda: Das können Maos kulturrevolutionäre Rote (hier silberne) Garden unter der Führung seiner Gattin Jian Qing auch! </span></span></p> <p><span><span>Bei Štorman können sie es sogar weit besser als Nixon und seine Frau Pat, die sich alsbald als Laiendarsteller einer vogelwilden kommunistischen Volksbeglückungs-Show wiederfinden, in der Komparsen und Choristen ein ganzes Feuerwerk aus Tableaux Vivants im Geiste kulturrevolutionärer Volksheldenglorifizierung abbrennen. In seiner stilisierten Bewegungschoreographie, seiner verfremdenden Künstlichkeit und mit den bis auf die Ränge ausgreifenden Aktionen ist das ein brillantes und äußerst unterhaltsames Raumtheater. Und man muss es Štorman und seinem Team hoch anrechnen, das es sich hier allen Realismus versagt. Einmal, als Mao auf der Bühne erschienen ist, informiert uns sogar ein Schriftband: „Ceci n’est pas Mao Tse Tung“. Mit den besten Empfehlungen von Meister B.B.. In der Tat: Durch die Umkehrung der Vorzeichen gerät die Handlung in die Nähe zu Trumps desaströser Nordkorea-Diplomatie, mit der der sich zum propagandistischen Handlanger von Kim Jong-un gemacht hatte, und zu einem modernen China, das mit digitaler Zensur und multimedialer Propaganda der Welt seine eigene Fake Reality präsentiert. Nur leider hat sich diese Pointe ziemlich bald verbraucht, man weiß schon nach dem ersten Bild, wie der Hase läuft. Und ab dann läuft er mit immer neuen Bildern immer weiter in dieselbe Richtung. Abgesehen vom letzten Akt, wo die Oper in etwas zielloser <em>The-Show-is-Over</em>-Melancholie vor sich hin menschelt und die Inszenierung die Figuren halb aus ihren Rollen heraustreten lässt – und die Zuschauer damit überrascht, dass das Orchester fort ist und sein Klang per Lautsprecher zugespielt wird. </span></span></p> <p><span><span>Adams’ Musik, wie gesagt, die macht einem ja auch Freude, was <a href="https://www.staatsoper-stuttgart.de/spielplan/18-19/nixon-in-china/369/andre-de-ridder/">André de Ridder</a> durch sein mitreißend animierendes Dirigat gut herüberbringt. Der Drive fiel allerdings bei der Premiere recht pauschal aus. Adams’ schillernde Vielschichtigkeit klang etwas breiig und laut, weil die Konturen nicht klar gezeichnet, die Farben nicht subtil abgetönt, die Motive nicht fein geschliffen waren. Manchmal wackelte sogar die Koordination. Großartig dagegen die Sängerbesetzung: <a href="https://www.staatsoper-stuttgart.de/spielplan/18-19/nixon-in-china/369/matthias-klink/">Matthias Klink</a> war ein tenorheller, klar konturierter und bestechend scharf charakterisierter Mao. <a href="https://www.staatsoper-stuttgart.de/spielplan/18-19/nixon-in-china/369/jarrett-ott/">Jarett Ott</a> gab dem chinesischen Außenminister Chou En-lai eine wunderschöne Legato-Lyrik mit ins Bühnenleben, in den vielen wortreichen Dialog-Passagen dann aber auch einen perfekten rhetorischen Schliff. <a href="https://www.staatsoper-stuttgart.de/spielplan/18-19/nixon-in-china/369/michael-mayes/">Michael Mayes</a> stellte den Nixon brillant dar als vierschrötigen weißen Mann aus der US-Provinz und gab ihm einen weich-wuchtigen, sehr raumfüllenden Bariton. Und <a href="https://www.staatsoper-stuttgart.de/spielplan/18-19/nixon-in-china/369/katherine-manley/">Katherine Manley</a> sang die nicht unbedingt dankbare Rolle der Pat Nixon – sie firmiert als das Dekorations-Blondine an seiner Seite – mit einem bezaubernd leuchtenden, klar fokussierten und technisch perfekt geführten lyrischen Sopran. Shigeo Ishino war ein Henry Kissinger von charakteristischer Kantigkeit, Gan-ya Ben-gur Akselrods Madame Mao hätte dagegen ein bisschen mir Brillanz und Biss haben dürfen. Der Chor brachte seinen Riesenpart nicht ganz ohne koordinatorische Kursabweichungen, aber ausgesprochen klangvoll über die Bühne.</span></span></p> <p><span><span>Das Publikum war schier aus dem Häuschen. Der attraktive Musical-Appeal sowohl des Werkes wie auch der Inszenierung tat seine Wirkung, der Schlussjubel für alle Beteiligten hätte auch jeder „Aida“ zur Ehre gereicht. Entertainment at it’s best. So schön kann Propaganda sein.</span></span></p> </div> <div> <div>Stück</div> <div>Nixon in China</div> </div> <div> <div>Überschrift der Kurzkritik</div> <div>Nixon als Held der Kulturrevolution</div> </div> <div> <div>Autor/Komponist/Choreograf</div> <div>John Adams</div> </div> <div> <div>Premierendatum</div> <div><time datetime="2019-04-07T12:00:00Z">07.04.2019</time> </div> </div> <div> <div>Medialink</div> <div><a href="https://www.staatsoper-stuttgart.de/spielplan/18-19/nixon-in-china/">Fotos, Videos und weitere Informationen auf der Homepage der Staatsoper Stuttga…</a></div> </div> <div> <div>Regie</div> <div>Marco Štorman</div> </div> <div> <div>Stadt</div> <div><a href="/taxonomy/term/644" hreflang="de">Stuttgart</a></div> </div> <div> <div>Theater</div> <div><a href="/taxonomy/term/1806" hreflang="de">Staatsoper Stuttgart</a></div> </div> <div> <div>Musikalische Leitung</div> <div>André de Ridder</div> </div> <div> <div>Genre</div> <div>Musiktheater</div> </div> <div> <div>Bild</div> <div><div> <div>Mo., 08.04.2019 - 12:39</div> <div><span lang="" about="/user/49" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Detlef Brandenburg</span></div> <div> <img src="/sites/default/files/styles/thumbnail/public/Bild-gross/11693_5_stutt_nixon_hpk_0432_CUT.jpg?itok=jVHkQ4LA" width="100" height="67" alt="Thumbnail" title="Brüder, zur Fahne, zur Freiheit: Jarrett Ott als Chou En-lai mit Maos silbernen Garden" typeof="foaf:Image" /> </div> <div> <div>Bild-Datei</div> <div> <img src="/sites/default/files/styles/banner/public/Bild-gross/11693_5_stutt_nixon_hpk_0432_CUT.jpg?itok=UHswxwdh" width="1800" height="1200" alt="Brüder, zur Fahne, zur Freiheit: Jarrett Ott als Chou En-lai mit Maos silbernen Garden" typeof="foaf:Image" /> </div> </div> <div> <div>Urheber/Copyright</div> <div>Matthias Baus</div> </div> <div> <div>Beschreibung</div> <div>Brüder, zur Fahne, zur Freiheit: Jarrett Ott als Chou En-lai mit Maos silbernen Garden</div> </div> </div> </div> </div> Mon, 08 Apr 2019 10:17:15 +0000 Detlef Brandenburg 11965 at https://die-deutsche-buehne.de Nach E. T. A. Hoffmann: Der goldene Topf https://die-deutsche-buehne.de/kritiken/surreale-bilderwelten <span>Nach E. T. A. Hoffmann: Der goldene Topf</span> <span><span lang="" about="/user/109" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Manfred Jahnke</span></span> <span>So., 19.05.2019 - 12:21</span> <div><p>Landauf, landab werden in Baden-Württemberg derzeit dramatische Fassungen zu <a href="https://www.uni-giessen.de/fbz/fb05/germanistik/abliteratur/ndlk/publikationen/pubdateien/Der-goldene-Topf">„Der goldene Topf“ von E.T.A. Hoffmann</a> entwickelt. Der 85jährige Maler und Bühnenbildner <a href="https://www.achimfreyer.com/achim-freyer/achim-freyer/">Achim Freyer</a> hat nun für das Schauspiel Stuttgart ein großes Bildertheater, nein Totaltheater geschaffen, das schon vor der Vorstellung mit einem Leierkastenauftritt vor dem Theater beginnt und sich im Foyer fortsetzt. Wenn man den Zuschauerraum betritt, wird man von einer Akkordeonspielerin mit überdimensionierter Maske (Anna-Maria Hölscher) geleitet. Auf der Bühne, eigentlich einem Spiegelkabinett, laufen merkwürdige Gestalten herum, die der <a href="http://www.theater-info.de/commedia_dell_arte.html">Commedia dell’arte</a> entsprungen sein könnten, aber aus der Ferne manchmal auch an <a href="https://www.deutschlandfunkkultur.de/media/thumbs/e/eaa0dfa05961476cb7827984860a7fabv1_max_635x357_b3535db83dc50e27c1bb1392364c95a2.jpg?key=fa7d54">die triadischen Figuren von Oskar Schlemmer</a> erinnern.</p> <p>Es ist gut, dass man sich vor Beginn ein bisschen einsehen kann. Der Zuschauerraum wird von zig kleinen farbigen Linien erleuchtet. Nach vorne hin wird die Bühne durch einen Gazevorhang abgeschlossen, davor hockt in einem Sessel eine schwarzgekleidete Marionette, die, wie sich später zeigen wird, der Student Anselmus ist. Der hat sich in ein grünes Schlänglein verguckt, in die Tochter des Archivarius beziehungsweise des Salamanderkönigs. Ganz links außen steht, hinter dem Standort der Percussion von Bernd Settelmeyer, eine Plastik, von einer Möwe gekrönt. Und links sitzt David Müller, der eine Micky-Mouse-Puppe vor sich hält.</p> <p>Ja, und dann beginnt ein rasantes Theater der Bilder. Freyer erzählt die Geschichte des Anselmus in 12 „Vigilien“. Er nimmt diesen altertümlichen Begriff wörtlich: Sein „goldener Topf“ ist eine „Nachtwache“, der „Vorabend eines großen Festes“, ein Rausch, der alles zusammenbringt, was wir über die Romantik wissen: Traum, Groteske, romantische Ironie, die Überschreitung des Realen hin zum Irreal-Mythischen. Ein Spiel der Masken, die in ganz unterschiedlichen Ausformungen fungieren, als Großmaske, als Commedia-Maske, als Brutalo-Maske voller Blut, als Flachmasken, wenn die Schlänglein auftreten; und bisweilen auch ohne Maske. Ebenso bunt gemischt ist die Kleidung, von angedeuteten Commedia-Kostümen bis hin zu weißen Schleiern. Ein Fest fürs Auge – unmöglich, auf einen Blick alles zu erfassen. Mit jeder „Vigilie“, die von den Spielern angesagt wird, gehen Lichtwechsel einher, nicht nur auf der Bühne, sondern auch im Zuschauerraum. Felix Dreyer schafft es, mit der Beleuchtung magische Wirkungen zu zaubern.</p> <p>Wenn sich in dieser Welt die neun Spieler durch dieses Kabinett bewegen, im Spiegel vervielfachen und dazu noch die Videos von Jakob Klaffs und Hugo Reis neue Szenerien vom Wald, dem Feuerwerk über der Elbe, den Strukturen eines Kristalls bis hin zu flüchtigen Zitaten aus Disney-Filmen zaubern, tauchen merkwürdige Figuren auf. Hasenähnlich auf einem Stangengerüst etwa, oder da ist ein Frosch, der explodiert, oder ein Lastwagen, beladen mit einem Feuerlöscher, der dann in die Luft geht, oder, oder, oder… Da entfaltet sich die ganze Magie einer surrealistischen Welt des Traums mit alptraumhaften Zügen, eine Welt, die zugleich real und irreal ist. Auf jeden Fall irre schön! Der Sog der Bilder ist so mitreißend, dass man beginnt, diese wie ein Kind mit offenem Mund zu bestaunen.</p> <p>Erstaunlich ist auch, dass in dieser Traumwelt der blauen Blume dennoch die Geschichte deutlich wird, der Kampf der metaphysischen Kräfte um den Studenten des Anselmus, auch die Geschichte von Veronika, die vergeblich auf ihn wartet und einen anderen heiratet, die Geschichte des Archivarius als Salamanderkönig. Dieses „Märchen aus neuester Zeit“ endet, nachdem Anselmus und Serpentina nach vielen Umwegen zueinandergekommen sind, im fahlen Nebel des Aufwachens. Der Traum ist zu Ende, verliert seine Farben. Nach und nach bilden die sich in den Hintergrund zurückziehenden Spieler eine Kette, um dann ganz im Grau zu entschwinden. „Nebel“, „Der Hauch“, „Sind es Blicke?“, „Sind es Worte?“ „Ist es Gesang?“ sind die letzten Worte des Texts und das Publikum wartet eine Weile benommen, bevor es zu klatschen beginnt.</p> <p>An diesem Abend haben die Schauspieler keine Rollen, sie wechseln beständig. Im Programmheft gibt es zu jedem Spieler eine Bildagenda, die die jeweiligen Figuren, die sie darstellen, oder besser: bespielen, aufführt. Achim Freyer führt sie in einer strengen Choreografie zusammen, wobei insbesondere die Bewegungsregie der Hände und Arme eine entscheidende Bedeutung zukommt, die bewusst manieristisch wirkt (und ein wenig von der Bewegungssprache in alten Schlemmer-Videos hat). In einem so beschaffenen Totaltheater lassen sich keine Einzelleistungen beschreiben, das Ensemble ist einfach großartig: Ohne das feine Zusammenspiel von Boris Burgstaller, Gabriele Hintermaier, Ulrich Hoppe, Amina Merai, David Müller, Valentin Richter, Sven Prietz, Paula Skorupa und Felix Strobel hätte diese Aufführung nicht gelingen können. Nicht zu vergessen die Musikkompositionen von Alvin Curran, der zunächst mit Zitaten aus der Volks- und Kirmesmusik arbeitet und dann immer mehr in sphärische Akzentuierungen übergeht. Überglücklich nahm am Ende Freyer, in jeweils einem blauen und einem gelben Schuh, den Beifall entgegen und holte sogar die Technik auf die Bühne. Lange nicht mehr so gestaunt im Theater!</p> </div> <div> <div>Stück</div> <div>Der goldene Topf</div> </div> <div> <div>Überschrift der Kurzkritik</div> <div>Surreale Bilderwelten</div> </div> <div> <div>Autor/Komponist/Choreograf</div> <div>Nach E. T. A. Hoffmann</div> </div> <div> <div>Premierendatum</div> <div><time datetime="2019-05-18T12:00:00Z">18.05.2019</time> </div> </div> <div> <div>Medialink</div> <div><a href="https://www.schauspiel-stuttgart.de/spielplan/a-z/der-goldene-topf/">Fotogalerie und weiterführende Informationen zur Inszenierung</a></div> </div> <div> <div>Regie</div> <div>Achim Freyer</div> </div> <div> <div>Stadt</div> <div><a href="/taxonomy/term/644" hreflang="de">Stuttgart</a></div> </div> <div> <div>Theater</div> <div><a href="/taxonomy/term/1766" hreflang="de">Schauspiel Stuttgart</a></div> </div> <div> <div>Genre</div> <div>Schauspiel</div> </div> <div> <div>Bild</div> <div><div> <div>So., 19.05.2019 - 12:52</div> <div><span lang="" about="/user/24" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Antonia Ruhl</span></div> <div> <img src="/sites/default/files/styles/thumbnail/public/Bild-gross/12885_der_goldene_topf_13_foto_monika_rittershaus%20%282%29.jpg?itok=Kka8axzz" width="100" height="65" alt="Thumbnail" title="Rasantes Bildertheater zwischen Realem und Irreal-Mythischem. Hier das Ensemble von &quot;Der goldene Topf&quot; am Schauspiel Stuttgart" typeof="foaf:Image" /> </div> <div> <div>Bild-Datei</div> <div> <img src="/sites/default/files/styles/banner/public/Bild-gross/12885_der_goldene_topf_13_foto_monika_rittershaus%20%282%29.jpg?itok=owBEJkjF" width="1800" height="1200" alt="Rasantes Bildertheater zwischen Realem und Irreal-Mythischem. Hier das Ensemble von &quot;Der goldene Topf&quot; am Schauspiel Stuttgart" typeof="foaf:Image" /> </div> </div> <div> <div>Urheber/Copyright</div> <div>Monika Rittershaus</div> </div> <div> <div>Beschreibung</div> <div>Rasantes Bildertheater zwischen Realem und Irreal-Mythischem. Hier das Ensemble von &quot;Der goldene Topf&quot; am Schauspiel Stuttgart</div> </div> </div> </div> </div> Sun, 19 May 2019 10:21:39 +0000 Manfred Jahnke 12027 at https://die-deutsche-buehne.de Dekoltas Handwerk: Imprint (Versuche zur Abwesenheit) https://die-deutsche-buehne.de/kritiken/im-zwischenreich-der-untoten <span>Dekoltas Handwerk: Imprint (Versuche zur Abwesenheit)</span> <span><span lang="" about="/user/109" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Manfred Jahnke</span></span> <span>Sa., 04.05.2019 - 14:52</span> <div><p>Beim Publikumseinlass stehen die Spieler Anne Brüssau, Gildas Coustier und Sonia Franken schon direkt an der Rampe. Sie starren in den Zuschauerraum, halten sich dann die Hände vor die Augen, in immer neuen Variationen – wie Kinder, die, wenn sie sich die Augen zuhalten, glauben, nicht gesehen zu werden und verschwunden zu sein. In der Tat erforscht der junge Figurentheatermacher <a href="https://www.dekoltashandwerk.com/en/about/">Jan Jedenak</a> in seiner Produktion „Imprint (Versuche zur Abwesenheit)“, (womit bei ihm auch ein Verschwinden in der Anderswelt gemeint ist): Was geschieht, wenn ich nicht mehr hier im Präsenz bin, sondern auf mich herabschauen kann als ein Gewesener? Quasi im Imperfekt?</p> <p>Dafür hat Jedenak lange Recherchen unternommen. Er hat sich mit <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Totenfotografie">Post-mortem-Fotografien</a>, Totenmasken und Totenritualen beschäftigt. Alle drei Momente tauchen im Spiel auf: Die Spieler posen, tragen weiße Masken, die sie wieder abnehmen und prüfend einander reichen. Anklänge eines Lamentos, einer Totenklage strukturieren die Atmosphäre der Handlung. Mithilfe von sphärischen Klängen (Musik: Julian Siffert) und einer raffinierten Beleuchtungsregie, die mit starken Hell-Dunkel-Kontrasten arbeitet und nie die ganze Bühne ausleuchtet (Licht: Marius Alsleben), wird die „Anderswelt“ als eine fremde greifbar. Nur ein einziges, multifunktional eingesetztes Mobiliarstück ist im szenischen Raum zu sehen, eine Art Truhe auf Rollen, die auch mal einen Sarkophag darstellen kann. Von den Spielern wird diese immer wieder neu positioniert.</p> <p>In dieses merkwürdige, mit grellen Lichtblitzen markierte Zwischenreich dringen die „untoten“ Spieler ein, nachdem sie ihre Gesichter immer wieder in zwei große, mit Wasser gefüllte Glasgefäße eingetaucht haben. Es entstehen wieder und wieder Versuche, sich abwesend zu machen. In der anderen Welt treffen sie auf eine merkwürdige, mannshohe Puppe (Puppenbau: Janusz Debinski), deren Gesicht ein hohles Loch ist. Die drei Darsteller agieren mit großer Selbstverständlichkeit: Das „Andere“ macht keine Angst, sondern wird zu einem (wissenschaftlichen) Experiment. Kurz, wie diese Begegnung zwischen untoten Lebenden und toter Materie gestaltet wird, gehört zu den stärksten Momenten der Inszenierung, die sich am Unsagbaren abzuarbeiten versucht. In der Tat lassen sich die Bilder vom Betrachter kaum beschreiben: Denn sie wirken unmittelbar, entwickeln eine starke Emotion, die sich gleich wieder in der nächsten Situation auflöst und neu konstituiert. Am Ende wird das Publikum durch einen grellen Lichtblitz geblendet und die drei stehen wie am Anfang wieder direkt an der Rampe: Sie sind aus ihrer Abwesenheit wieder im Hier und Jetzt.</p> <p>Auf diese Reise in die Anderswelt werden die Suchenden zu Performern, die ihre Stärken ausspielen können. Anne Brüssau gelingen sehr berührende Momente dabei, Sonia Franken prägt ihre Figur durch tänzerische Momente und Gildas Coustier entwickelt in seiner Gesichtmimik maskenhafte Züge. Das Unsagbare in einer ausgefeilten Bildersprache darzustellen, das ist Jan Jedenak hinreißend gelungen. Eine emotionale Reise in die „Anderswelt“, die das Publikum mitzieht.</p> </div> <div> <div>Stück</div> <div>Imprint (Versuche zur Abwesenheit)</div> </div> <div> <div>Überschrift der Kurzkritik</div> <div>Im Zwischenreich der Untoten</div> </div> <div> <div>Autor/Komponist/Choreograf</div> <div>Dekoltas Handwerk</div> </div> <div> <div>Premierendatum</div> <div><time datetime="2019-05-03T12:00:00Z">03.05.2019</time> </div> </div> <div> <div>UA/DE/DSE</div> <div>UA</div> </div> <div> <div>Medialink</div> <div><a href="https://www.fitz-stuttgart.de/programm/inszenierungen/imprint-versuche-zur-abwesenheit/">Fotogalerie und weiterführende Informationen zur Inszenierung</a></div> </div> <div> <div>Regie</div> <div>Jan Jedenak</div> </div> <div> <div>Stadt</div> <div><a href="/taxonomy/term/644" hreflang="de">Stuttgart</a></div> </div> <div> <div>Theater</div> <div><a href="/taxonomy/term/2067" hreflang="de">FITZ! Zentrum für Figurentheater</a></div> </div> <div> <div>Genre</div> <div>Schauspiel</div> </div> <div> <div>Bild</div> <div><div> <div>Sa., 04.05.2019 - 15:50</div> <div><span lang="" about="/user/24" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Antonia Ruhl</span></div> <div> <img src="/sites/default/files/styles/thumbnail/public/Bild-gross/Imprint10_DekoltasHandwerk_Foto_Thilo_Neubacher.jpg?itok=RZ-Nn1ui" width="100" height="67" alt="Thumbnail" title="Imprint10_DekoltasHandwerk_Foto_Thilo_Neubacher.jpg" typeof="foaf:Image" /> </div> <div> <div>Bild-Datei</div> <div> <img src="/sites/default/files/styles/banner/public/Bild-gross/Imprint10_DekoltasHandwerk_Foto_Thilo_Neubacher.jpg?itok=IetRKwew" width="1800" height="1200" alt="Begegnung von untoten Lebenden und toter Materie" typeof="foaf:Image" /> </div> </div> <div> <div>Urheber/Copyright</div> <div>Thilo Neubacher</div> </div> <div> <div>Beschreibung</div> <div>Begegnung von untoten Lebenden und toter Materie</div> </div> </div> </div> </div> Sat, 04 May 2019 12:52:12 +0000 Manfred Jahnke 12010 at https://die-deutsche-buehne.de William Shakespeare: Othello https://die-deutsche-buehne.de/kritiken/studie-ueber-die-weisse-zivilisation <span>William Shakespeare: Othello</span> <span><span lang="" about="/user/109" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Manfred Jahnke</span></span> <span>So., 28.04.2019 - 07:35</span> <div><p>Auf der Drehbühne steht eine einfache Wand mit Türen rechts und links, darüber eine Decke aus vier Teilen. Hier findet eine Hochzeit statt: Desdemona und Othello heiraten. Desdemona erzählt vor einer Live-Videokamera von ihrer Liebe zu dem „Fremden“, dann wechselt der Raum zu einer Sicherheitskonferenz. Am Tisch sitzen die Großkopfeten in Weiß und die niederen militärischen Ränge in Schwarz (Kostüme: Ute Lindenberg) vor einer Videowand, die eine auf den Kopf gestellte Karte von Zypern zeigt; auf Fotos werden mögliche Ziele demonstriert. Und dann sind Videos zu sehen von den Kriegen dieser Welt, Kämpfer in Wüstenlandschaften wie Syrien (Video: Sebastian Pircher).</p> <p><a href="https://www.schauspiel-stuttgart.de/spielplan/monatsplan/othello-schauspiel/856/intendant-burkhard-c-kosminski/">Burkhard C. Kosminski</a> entwirft in seiner Inszenierung das Bild einer modernen Kriegsführung. Das gelingt, weil er Shakespeares „Othello“ total verschlankt und auf zwei Handlungsebenen konzentriert: den Krieg gegen andere und den gegen sich selbst. Mit dem militärischen Sieg – und nicht wie bei Shakespeare, wo die Flotte der Feinde im Sturm untergeht – wird der Krieg unwichtig und das Geschehen wird ganz auf den Fokus der „privaten“ Beziehungen zwischen Desdemona, Cassius, Othello und Jago gelegt. Nur, weil Jago keine weiße Jacke tragen darf, hasst er den „Fremden“ und entwickelt eine Intrige, an deren Ende drei Menschen tot sind. Da Kosminski den „Schwarzen“, wie <a href="https://www.dtv.de/buch/william-shakespeare-frank-guenther-othello-12482/">Othello in der Übersetzung von Frank Günther</a> genannt wird, durch den „Fremden“ ersetzt, bekommt die alte Tragödie einen ungeheuer aktuellen Bezug: Der „Fremde“ wird gehasst – und es wird alles unternommen, um die Integration zu verhindern, obschon die Herrschaft den „Fremden“ braucht. Aber außerhalb seiner militärischen Funktion wird er nicht anerkannt, selbst Brabantio missbilligt die Wahl seiner Tochter.</p> <p>Während Jago der Worte Gift in Othellos Ohr einflößt und sich dabei dessen Liebe zu Desdemona in sich steigernde Anfälle von Eifersucht verwandelt, bis er endgültig die Kontrolle über sich verliert, spielt auch der Raum von Florian Etti eine bedeutsame Rolle. Die vier Deckenteile senken sich, werden zu Projektionswänden, lasten dann wieder niedriger über dem Geschehen, machen den Raum enger. Eigentlich käme Itay Tiran als Othello auch ohne diese szenische Unterstützung aus. Er liefert die atemberaubende psychologische Studie eines Menschen, der um sein „Fremd-Sein“ weiß, sein Glück zunächst nicht glauben kann und dann mit der angestachelten Eifersucht wie ein kleines Kind alles kaputt machen muss, bis zur eigenen Selbstzerstörung. Tiran braucht dafür keine großen Gesten, er wirkt introvertiert, obschon immer wieder kleine aggressive Akte – wie das Würgen des Jago – davon zeugen, wie es tief in ihm drinnen brodelt. Bis er schließlich so explodiert, dass die Decken in Bewegung geraten und auf dem Höhepunkt (kurz vor dem Erwürgen Desdemonas) Blut wie feiner Sprühregen von der Decke herabrieselt.</p> <p>Die militärisch-bürgerliche Gegenwelt ist erschreckend normal. Jago ist kein Bösewicht. Matthias Leja spielt ihn als gekränkten Mann, der sich mit krimineller Energie rächt. Er hat keine Freude an der Manipulation, er macht es geschäftsmäßig als guter Psychologe, der mit den Schwächen des Othello spielt. Leja führt einen Beamten vor, der hinter der Maske der Freundlichkeit sein eigenes Ding durchzieht. Er geht dabei über Leichen, ohne sich die Hände schmutzig zu machen. Kosminski lässt – anders als im Text – Jago seine Intrige vor seiner Frau (Marietta Meguid, ebenfalls in militärischer Uniform) gestehen, ohne Schuldgefühl. Deshalb ist auch keine Flucht nötig, keiner zieht ihn zur Rechenschaft. Michael Stiller spielt den Cassio, der es, deutlich durch die weiße Uniform, in das Establishment geschafft hat, als jovialen Kumpel; ein wenig eitel und gar nicht bemerkend, wie mit ihm gespielt wird. Auch er bewegt sich in den Bahnen des Selbstdünkels, der sich in der Angst vor dem sozialen Abstieg gegen das „Fremde“ wehrt. Deutlich wird das in der Szene, in der er Bianca erschießt, weil sie auf Heirat pocht. Die „Gefangene“, wie Bianca hier genannt wird, wird von Myriam Quintana Galleguillos gespielt, die auch für das „Fremde“ einsteht, das man am besten fernhält. Wenn es sein muss, auch mit Gewalt. Katharina Hauter führt Desdemona als selbstbestimmte junge Frau vor, die sich für den Fremden entschieden hat, ihn liebt, aber sich ungern bevormunden lässt. Sie hat die Freiheit gewählt, aber nicht mit der Macht der Normalität gerechnet. Bis zum bitteren Schluss hält sie an ihrer Vision fest, dass die Liebe zwischen Menschen unterschiedlicher Kulturen möglich ist. Elmar Roloff spielt ihren Vater Brabantio, der zwischen Vorurteilen, Wut und Enttäuschung hin- und herschwankt. Peer Oscar Musinowski, Marco Massafra und Robert Rožić ergänzen das militärische Personal.</p> <p>Kosminski ist eine dichte Inszenierung gelungen, die am Beispiel des Othello vorführt, wie dünn die Firnisschicht der weißen Zivilisation ist: eine Lesart, die überzeugt. Zwanglos verbindet sich aktuelle Gesellschaftsanalyse mit der Geschichte einer „privaten“ Eifersucht, ja, sie bedingen sich gegenseitig, weil das „Fremde“ argwöhnisch macht. In seiner dramatischen Intensität löst dieser Abend eine tiefe Betroffenheit aus, die am Ende in die Bravorufe des Publikums übergeht.</p> </div> <div> <div>Stück</div> <div>Othello</div> </div> <div> <div>Überschrift der Kurzkritik</div> <div>Studie über die weiße Zivilisation</div> </div> <div> <div>Autor/Komponist/Choreograf</div> <div>William Shakespeare</div> </div> <div> <div>Premierendatum</div> <div><time datetime="2019-04-27T12:00:00Z">27.04.2019</time> </div> </div> <div> <div>Medialink</div> <div><a href="https://www.schauspiel-stuttgart.de/spielplan/monatsplan/othello-schauspiel/856/">Fotogalerie und weiterführende Informationen zur Inszenierung</a></div> </div> <div> <div>Regie</div> <div>Burkhard C. Kosminski</div> </div> <div> <div>Stadt</div> <div><a href="/taxonomy/term/644" hreflang="de">Stuttgart</a></div> </div> <div> <div>Theater</div> <div><a href="/taxonomy/term/1766" hreflang="de">Schauspiel Stuttgart</a></div> </div> <div> <div>Genre</div> <div>Schauspiel</div> </div> <div> <div>Bild</div> <div><div> <div>So., 28.04.2019 - 07:41</div> <div><span lang="" about="/user/24" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Antonia Ruhl</span></div> <div> <img src="/sites/default/files/styles/thumbnail/public/Bild-gross/12295_othello_9_fotograf_david_baltzer%20%282%29.jpg?itok=zh9T6ewH" width="100" height="66" alt="Thumbnail" title="Othello (Itay Tiran) mit Jago (Matthias Leja) - im Video Desdemona (Katharina Hauter)" typeof="foaf:Image" /> </div> <div> <div>Bild-Datei</div> <div> <img src="/sites/default/files/styles/banner/public/Bild-gross/12295_othello_9_fotograf_david_baltzer%20%282%29.jpg?itok=VO8883ap" width="1800" height="1200" alt="Othello (Itay Tiran) mit Jago (Matthias Leja) - im Video Desdemona (Katharina Hauter)" typeof="foaf:Image" /> </div> </div> <div> <div>Urheber/Copyright</div> <div>David Baltzer</div> </div> <div> <div>Beschreibung</div> <div>Othello (Itay Tiran) mit Jago (Matthias Leja) - im Video Desdemona (Katharina Hauter)</div> </div> </div> </div> </div> Sun, 28 Apr 2019 05:35:39 +0000 Manfred Jahnke 11997 at https://die-deutsche-buehne.de William Shakespeare: Wie es euch gefällt https://die-deutsche-buehne.de/kritiken/abstrakter-spielraum <span>William Shakespeare: Wie es euch gefällt</span> <span><span lang="" about="/user/109" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Manfred Jahnke</span></span> <span>Sa., 27.04.2019 - 14:10</span> <div><p>Zurück zur Natur – so könnte das Motto zu <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Wie_es_euch_gef%C3%A4llt">„Wie es Euch gefällt“</a> von Shakespeare lauten. Aber Shakespeare ist kein Anhänger von Rousseau, sondern einer, der sehr akribisch untersucht, was Liebenden alles passieren kann; hier gleich in dreifacher Spiegelung. Aber das interessiert den Stückbearbeiter und Regisseur Carl Philip von Maldeghem weniger, hier steht die Metapher von <a href="https://gutenberg.spiegel.de/buch/wie-es-euch-gefallt-2187/11">„Die ganze Welt ist eine Bühne“</a> im Zentrum. Andreas Klaue steht im Mittelpunkt als ein Jacques, der schon zu Beginn vorgibt, dass alles nur Spiel ist.</p> <p><a href="https://www.schauspielbuehnen.de/ensemble/regie/carl-philip-von-maldeghem">Von Maldeghem</a>, der von 2002 bis 2009 die Schauspielbühnen in Stuttgart leitete, dann nach Salzburg ans Landestheater ging und <a href="https://die-deutsche-buehne.de/von-maldeghem-zieht-koeln-zurueck">von den Kölnern kürzlich leidenschaftlich als möglicher Intendant abgelehnt</a> wurde, entwickelt keine wirklich neue Sicht auf das Stück. In seiner Bearbeitung konzentriert sich die Handlung auf die Figur des Jacques (der am Schluss gar mit einem riesigen Geweih auftreten muss) und auf Cornelia Gröschel als Rosalind. Klaue und Gröschel machen das großartig. Wie ersterer mit seinem massigen Körper Melancholie in Energie verwandelt und so gar nicht melancholisch wirkt, sondern jemanden spielt, der nicht nur philosophiert, sondern aktiv in die Handlung eingreift, das ist wirklich sehenswert.</p> <p>Cornelia Gröschel, neue Dresdener Tatortkommissarin im deutschen Fernsehen übrigens, überrascht durch sehr persönliche Töne. Ihr glaubt man, dass sie liebt und aus dieser Liebe heraus Orlando prüft. Das würde wunderbar aufgehen, wenn Daniel Tille als selbstbewusster Jüngling nicht so selbstverliebt agierte. Allerdings hat diese Inszenierung ein ganz anderes Hemmnis, und das sind die Kostüme von Thomas Pekny. Wenn Rosalind durch den Ardenner Wald irrt, steckt er sie einfach in ein Holzfällerhemd – und Marthe Lola Deutschmann als Celia verpasst er auf der Flucht vor ihrem Vater einen derart sexy Hosenanzug, dass alles, was im Text als Tarnung beschrieben wird, zu Makulatur wird.</p> <p>Pekny hat auch das Bühnenbild entworfen. Die Hofszenen spielen vor einem weißgrauen Vorhang, bei den Waldszenen hängen Dutzende Stangen vom Schnürboden herab, die in meist blauem Licht eingetaucht sind. In diesem abstrakten Spielraum, der die Theaterhaftigkeit der Vorgänge betont, wird (wie auch durch die Kostüme) die Handlung des Schäferspiels, das schon zu Shakespeares Zeiten nicht mehr „in“ war, in der Gegenwart verortet. Dazu trägt auch die Sprache in der Bearbeitung von Maldeghem bei, die nahe im umgangssprachlichen Slang mit vielen Anglizismen bleibt. Die Musikeinspielungen von Julius von Maldeghem übernehmen zudem die Vorbereitung der „dramatischen“ Szenen, so dass die Auftritte und Atmosphären recht vorhersehbar werden. Sie überspielen die Live-Auftritte von Claudia Carus als Clown Touchstone, die mit der Gitarre die Lieder begleitet, allesamt Originaltexte.</p> <p>Ein solcher Spielraum fordert das Spiel von exzellenten Schauspielern. Cornelia Gröschel, Andreas Klaue und Gunnar Blume als der ältere Bruder Oliver machen das toll. Armin Jung hingegen, der sowohl den verbannten Herzog Ferdinand als auch den gewaltsam an die Macht gekommenen Herzog Frederik spielt, bleibt in beiden Rollen merkwürdig blass. Antonia Leichtle und Daniel Kozian spielen mit Sinn für Komik ein schwäbelndes Schäferpaar. In seiner Regie konzentriert sich Carl Philip von Maldeghem auf das „Making of“ – Verwandlungen und Umzüge werden auf offener Bühne vorgeführt. Dennoch bleibt das Spieltempo behäbig. Das erstaunt.</p> </div> <div> <div>Stück</div> <div>Wie es euch gefällt</div> </div> <div> <div>Überschrift der Kurzkritik</div> <div>Abstrakter Spielraum</div> </div> <div> <div>Autor/Komponist/Choreograf</div> <div>William Shakespeare</div> </div> <div> <div>Premierendatum</div> <div><time datetime="2019-04-26T12:00:00Z">26.04.2019</time> </div> </div> <div> <div>Medialink</div> <div><a href="https://www.schauspielbuehnen.de/programm/s-2018-19/wie-es-euch-gefaellt">Fotogalerie und weiterführende Informationen zur Inszenierung</a></div> </div> <div> <div>Regie</div> <div>Carl Philip von Maldeghem</div> </div> <div> <div>Stadt</div> <div><a href="/taxonomy/term/644" hreflang="de">Stuttgart</a></div> </div> <div> <div>Theater</div> <div><a href="/taxonomy/term/1768" hreflang="de">Schauspielbühnen Stuttgart</a></div> </div> <div> <div>Genre</div> <div>Schauspiel</div> </div> <div> <div>Bild</div> <div><div> <div>Sa., 27.04.2019 - 15:05</div> <div><span lang="" about="/user/24" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Antonia Ruhl</span></div> <div> <img src="/sites/default/files/styles/thumbnail/public/Bild-gross/Gef%C3%A4llt_Presse_3.jpg?itok=suuolGeg" width="100" height="67" alt="Thumbnail" title="Spitzenreiter des Abends: Rosalind (Cornelia Gröschel) und Jacques (Andreas Klaue)" typeof="foaf:Image" /> </div> <div> <div>Bild-Datei</div> <div> <img src="/sites/default/files/styles/banner/public/Bild-gross/Gef%C3%A4llt_Presse_3.jpg?itok=326sjy03" width="1800" height="1200" alt="Spitzenreiter des Abends: Rosalind (Cornelia Gröschel) und Jacques (Andreas Klaue)" typeof="foaf:Image" /> </div> </div> <div> <div>Urheber/Copyright</div> <div>Tobias Metz</div> </div> <div> <div>Beschreibung</div> <div>Spitzenreiter des Abends: Rosalind (Cornelia Gröschel) und Jacques (Andreas Klaue)</div> </div> </div> </div> </div> Sat, 27 Apr 2019 12:10:30 +0000 Manfred Jahnke 11994 at https://die-deutsche-buehne.de Europa Ensemble: Imaginary Europe https://die-deutsche-buehne.de/kritiken/das-entsetzen-des-engels <span>Europa Ensemble: Imaginary Europe</span> <span><span lang="" about="/user/109" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Manfred Jahnke</span></span> <span>Do., 11.04.2019 - 09:58</span> <div><p>Bei seinem Antritt als Intendant des Schauspiels Stuttgart kündigte Burkhard C. Kosminski zu Beginn dieser Spielzeit die Gründung eines internationalen Europa-Ensembles unter der Leitung von Oliver Frljic mit jeweils zwei Darstellern vom Nowy Teatr aus Warschau, vom Zagreb Youth Theatre und vom Staatstheater Stuttgart an. Und nun hatte das erste Projekt der Gruppe Premiere. In „Imaginary Europe“ verbinden sich Texte von Peter Weiss, Walter Benjamin oder Heiner Müller mit biographischen Geschichten der Schauspielerinnen und Schauspielern zu einer trashigen Revue von hoher Theatralität. Wobei Provokationen nicht fehlen dürfen: Über weite Strecken agieren die Akteure nackt. Das tun sie in einer solchen Selbstverständlichkeit, dass die Blöße kaum als solche wahrgenommen wird. Provokanter wirkt da schon, wie das Abbild des gekreuzigten Jesus ins Spiel gebracht und  als Kommentator gegenwärtiger gesellschaftlicher Verwerfungen benutzt wird.</p> <p> „Imaginary Europe“ führt die Stärken der Frljic’schen Ästhetik vor: grandiose Bilder, eine selbstreflexive Fähigkeit zur Selbstironie, manchmal im bilderbuchhaften Trash, wenn Adrian Pezdirc als Entertainer mit der Pappkrone auftritt, manchmal auch bloß als kabarettistische Einlage. Aber eines steht immer im Zentrum: das Spielen selbst. Es gelingt der Regie, Spielenergien des Ensembles nicht nur frei zu setzen, sondern auch zu bündeln. Claudia Korneev, Tina Orlandini, Tenzin Kolsch, Adrian Pezdirc, Jan Sobolewski und insbesondere Jasmina Polak überzeugen durch ihr Engagement. Ihre Fähigkeit, mit dem Plunder, der an den Seiten liegt, herumzuspielen, in Strapsen und abgerissenen Nylonstrümpfen aufzutreten (Kostüme: Sandra Dekanic) und dabei direkt mit dem Publikum zu kommunizieren; das wirkt so leicht wie gekonnt.</p> <p> Frljic schickt sich und sein Ensemble auf die Suche nach Utopien für diesen Kontinent. Zunächst aber gilt es zu klären, was das denn ist, der „europäische Gedanke“? Frljic greift dabei auf eine Struktur zurück, die Peter Weiss in seiner „Ästhetik des Widerstands“ (1975 ff.) entwickelt hat: Nämlich anhand der Beschreibung von Gemälden, die gewichtige historische Ereignisse symbolisch festhalten, deren widerständiges Potential zu deuten. Die Inszenierung tut es in der Reihung: „Schwarzes Quadrat“ von Malewitsch (1915) als Ausdruck der Aufgabe von Gegenständlichkeit (was bei Weiss nicht vorkommt) und dann an den Gemälden „Das Floß der Medusa“ von Géricault (1816) und „Die Freiheit führt das Volk“ von Delacroix. Beide Gemälde liegen als Puzzle auf dem Boden, einzelne Puzzleteile werden von den Spielerinnen und Spielern demonstrativ gezeigt. Wobei das Ensemble kurz vor der Pause das Puzzle einsammelt und stapelt und sich dann in langen Gewändern auf diesen Podesten präsentiert: ein archaisches Bild von bezaubernder Schönheit.</p> <p> Apropos Pause. Das Publikum wird gebeten auf die Bühne zu kommen und beim Aufbau des nächsten Puzzles, die Reproduktion des Bildes von Delacroix, mit zu helfen. Während auf der Bühne partizipativ herumgewuselt wird, sind, wo sonst die Übertitelungen laufen, News des Tages zu lesen. Wenn bei Weiss die Gemälde Stationen des janusköpfigen europäischen Bürgertums widerspiegeln, werden sie hier zu dystopisches Material gewendet. „Das Floß der Medusa“ zum Beispiel, steht hier nicht nur für die Flüchtlingsfrage im Mittelmeer, sondern wird noch verschärft durch einen Text von Savigny und Corréard „Der Schiffbruch der Fregatte Medusa“, in dem davon erzählt wird, wie der Kannibalismus durch die schwache Firnis europäischer Zivilisation wieder zum Ausbruch kommt. Um die realen und die symbolischen Bedeutungen der Bilder und ihrer Geschichten zu bündeln, wird der Engel der Geschichte, der „Angelus Novus“ von Walter Benjamin, herbeizitiert, der mit weit aufgerissenen Augen auf die Vergangenheit starrt und vom Sturm in die Zukunft getrieben wird. Er mutiert dabei zu jenem „glücklosen Engel“ von Heiner Müller, der in der „Versteinerung“ ausharren muss.</p> <p> Diese geschichtsphilosophische Konstruktion wirkt schlüssig, wird aber im Spiel immer wieder unterlaufen. Besonders zum Schluss hin, wenn die persönlichen Geschichten der Darstellerinnen und Darsteller erzählt werden – und das noch in grotesken Lederhosen – zerfasert die Inszenierung. Das ist einerseits sympathisch, weil immer wieder eingestanden wird, dass die Versuche Utopien zu entwickeln an der Realität scheitern, andererseits aber auch ärgerlich, weil immer nur an der Oberfläche gekratzt wird. Man darf auf die nächsten Projekte gespannt sein. In „Imaginary Europe“ wird übrigens mit wenigen Ausnahmen Englisch gesprochen, aber Deutsch untertitelt. Die Texte von Peter Weiss sind im Original gelassen, ansonsten ist auch Russisch, Polnisch oder Kroatisch zu hören.</p> <p> </p> </div> <div> <div>Stück</div> <div>Imaginary Europe</div> </div> <div> <div>Überschrift der Kurzkritik</div> <div>Das Entsetzen des Engels</div> </div> <div> <div>Autor/Komponist/Choreograf</div> <div>Europa Ensemble</div> </div> <div> <div>Premierendatum</div> <div><time datetime="2019-04-10T12:00:00Z">10.04.2019</time> </div> </div> <div> <div>UA/DE/DSE</div> <div>UA</div> </div> <div> <div>Medialink</div> <div><a href="https://www.schauspiel-stuttgart.de/spielplan/a-z/imaginary-europe/">Informationen zur Inszenierung auf der Homepage des Theaters</a></div> </div> <div> <div>Regie</div> <div>Oliever Frljic</div> </div> <div> <div>Stadt</div> <div><a href="/taxonomy/term/644" hreflang="de">Stuttgart</a></div> </div> <div> <div>Theater</div> <div><a href="/taxonomy/term/1766" hreflang="de">Schauspiel Stuttgart</a></div> </div> <div> <div>Genre</div> <div>Schauspiel</div> </div> <div> <div>Bild</div> <div><div> <div>Do., 11.04.2019 - 10:16</div> <div><span lang="" about="/user/50" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Detlev Baur</span></div> <div> <img src="/sites/default/files/styles/thumbnail/public/Bild-gross/11756_imaginary_europe__ua__7_neu.jpg?itok=-6SH3qAo" width="100" height="67" alt="Thumbnail" title="Das erste Projekt des Europa Ensembles am Schauspiel Stuttgart" typeof="foaf:Image" /> </div> <div> <div>Bild-Datei</div> <div> <img src="/sites/default/files/styles/banner/public/Bild-gross/11756_imaginary_europe__ua__7_neu.jpg?itok=1fXDQk_w" width="1800" height="1200" alt="Das erste Projekt des Europa Ensembles am Schauspiel Stuttgart" typeof="foaf:Image" /> </div> </div> <div> <div>Urheber/Copyright</div> <div>Björn Klein</div> </div> <div> <div>Beschreibung</div> <div>Das erste Projekt des Europa Ensembles am Schauspiel Stuttgart</div> </div> </div> </div> </div> Thu, 11 Apr 2019 07:58:01 +0000 Manfred Jahnke 11969 at https://die-deutsche-buehne.de Katarzyna Kozielska/Edward Clug/Nanine Linning: Aufbruch! https://die-deutsche-buehne.de/kritiken/zurueck-die-zukunft <span>Katarzyna Kozielska/Edward Clug/Nanine Linning: Aufbruch!</span> <span><span lang="" about="/user/181" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Vesna Mlakar</span></span> <span>Fr., 29.03.2019 - 16:11</span> <div><p>Drei Stationen – drei Handschriften – drei Erlebnisparcours: Der neue Ballettabend „Aufbruch!“ des Stuttgarter Balletts ist ein Wurf. Künstlerisch unterhaltsam und visuell abwechslungsreich. Allerdings beladen mit Inhalten, die sich per se eigentlich totaler Abstraktion oder allzu konkreter Narrativität verweigern: Schließlich hätte die den Uraufführungen von Ballettintendant Tamas Detrich zugrunde gelegte Auftragsidee, der radikalen Aufbruchsstimmung durch die Verabschiedung der Weimarer Verfassung und Gründung des Staatlichen Bauhauses in Weimar vor 100 Jahren choreografisch nachzuspüren, auch Sprödheit und den Charme formal-beseelter Nüchternheit verströmen können. Davon jedoch keine Spur!</p> <p> </p> <p><strong>Nanine Lanning: „Revolt“</strong></p> <p>Die Niederländerin Nanine Linning – bis Ende letzter Spielzeit Ballettchefin am Theater Heidelberg, seither als Freelancerin unterwegs – nahm sich der Revolte hinter dem am 31. Juli 1919 im Weimarer Nationaltheater beschlossenen Manifest parlamentarischer Demokratie an. Ausgehend von der Frage, wie solch sozialpolitische Bewegungen eigentlich entstehen, und sich nachhaltig bzw. zielführend entfalten. Das Resultat sind eindrückliche Bildevolutionen in graublau für lawinenartiges Brodeln in einem von drei Wänden begrenzten Raum.</p> <p>Kein bisschen dröge oder gar langweilig – wie sicherlich für die meisten die Lektüre von Verfassungsparagrafen – begeistern Linnings Bewegungscluster, die sich innerhalb von 30 Minuten in Tänzerzahl und Schrittverkettungen kontinuierlich steigern. Voll von hyperschönen, flüchtigen Bewegungsskulpturen, die die sieben barfüßigen Tänzerinnen und neun Tänzer immer wieder urplötzlich aus dem Fließen von Paarkonstellationen, Trios oder kleineren Gruppierungen herauszaubern. Nebst ständig untergründig schwelenden Kraftexplosionen und expressiven Richtungswechseln. Markant der Umgang mit dem Boden und Einsatz schnell vom Körper weggedrückter, mal aufgebracht, mal aufgeregt-gereizt wirkender Arm- und Handaktionen. Herrlich prägnante, symbolhaft stilisierte Argumente gegen einen unsichtbaren Widerstand.</p> <p>Unbeirrbare Anführerin ist Angelina Zuccarini. Sechs Paare in kobaltblau (Kostüme: Irina Shaposhnikova) gesellen sich ihr hinzu. Dann bricht die Atmosphäre. Ein Männertrio mit verstärkten Schuppen auf schwarzen Trikots sorgt für aufwieglerisch-irritierende Gegenmomente. Auch hier schließen sich bald andere dem ins Plié tiefergelegten athletischen Oberkörper- und Kopfkreisen von Louis Stiens an – einem Tänzerkaliber, das – die Gruppe hinter sich – besonders dynamisch nach vorne prescht. Man beobachtet und taxiert sich. Am Ende tragen alle raffiniert geflochtene Röcke und Helmmasken, stellen sich geschlossen einer Projektion von Schatten – bis die Mauern sich zu heben beginnen.</p> <p>Interessant ist Linnings Themenwahl in Stuttgart gleich doppelt. Detrich hatte gerade erst mit dem vorangegangen Premierenabend am 22. Februar Jiří Kyliáns dreiteiligen Abendfüller „One of a Kind“ (was übersetzt „einzigartig“ bedeutet) ins Repertoire übernommen – ursprünglich 1998 im Auftrag der niederländischen Regierung zum 150-jährigen Jubiläum der Landesverfassung kreiert. Zuvor war in „Shades of White“ an die Grazie, Anmut und Schönheit weißer Akte und Ballerinen in weißen Tutus erinnert worden. So könnte man den Aufbruch des Stuttgarter Ensembles in eine Ära unter neuer Führung aktuell als „rückwärtsgewandt nach vorne schauend“ zusammenfassen. </p> <p>Mit „Revolt“ von Nanine Linning klingt der kurz und bündig „Aufbruch!“ überschriebene Ballettabend zeitgenössisch höchst ästhetisch und inhaltlich vortrefflich zeitlos-aufwühlend aus. Es ist das einzige Stück, das vom Staatsorchester Stuttgart unter emphatischer Leitung von Wolfgang Heinz live aus dem Orchestergraben begleitet wird. Eine gute Chance, die Komposition „Weather“ des US-Amerikaners Michael Gordon, der beeinflusst von Minimal Music mit unterschiedlichen Klangmöglichkeiten experimentiert, in szenisch kongenialer Umsetzung zu erleben.</p> <p><strong>Katarzyna Kozielska: „It.Floppy.Rabbit”</strong></p> <p>Das ästhetische Zersprengen alter Strukturen durch Walter Gropius’ 1919 formuliertes Konzept einer revolutionären Kunsthochschule, in der Meister und Studierende, Frauen wie Männer und der Handwerker ohne wertende Abgrenzung zum Künstler miteinander arbeiteten, steht dagegen im Fokus der beiden ersten Teile. Zu Beginn gibt es ein Wiedersehen mit Katarzyna Kozielska. Gerade erst hat sie ihre aktive Tänzerkarriere als Ensemblemitglied des <a href="https://www.stuttgarter-ballett.de">Stuttgarter Balletts</a> beendet. „It.Floppy.Rabbit“ – den Titel muss man nehmen, wie er ist: ein Wortgedanken-Splitter aus den Proben – ist ihr origineller, durchaus griffiger, jedoch schwer in verbale Entsprechungen zu packender Neustart als freischaffende Choreografin.</p> <p>Sie wagt einen Flashback in jene kreative Zeit, wo am Bauhaus die unterschiedlichsten Materialien miteinander in Beziehung gesetzt wurden und Interdisziplinarität hohen Stellenwert innerhalb der künstlerischen Lebenshaltung hatte. Alles spiegelt sich wunderbar in der retrofindigen Ausstattung von Katharina Schlipf wider. Gebrauchsgegenstände – so drei mobile, innen begehbare unterschiedlich große Schrankteile mit einer Oberfläche aus braunen Bändern, die aus der Ferne an dunkles Holzfurnier erinnern – bekommen hier ein Eigenleben. Projektionen auf den aus geometrischen Flächen zusammengesetzten Hintergrund nehmen gedruckte Stoffmuster raffinierter Kostüme vorweg, deren Clou eine Schleppe ist, die die tanzenden Partner bzw. Solist und Gruppe miteinander verbindet. Auf so ungewöhnliche Ideen musste man vor 100 Jahren und muss man bis heute noch kommen.</p> <p>Mal gebogen, mal eckig, insgesamt recht dynamisch zackig, darüber hinaus recht kess und sogar komisch geht es in Kozielskas Erkundungen der Bauhaus-Werkstätten zu. Den Sound, der die 12 Tänzer auch mal zu Zitaten aus dem Salontanzvokabular animiert, hat Benjamin Magnin de Cagny eigens mit Anklängen an Steve Reich dem Stück angepasst. Es wird akustisch gehobelt, und Stuhlbeine werden verrückt. Dazu finden sich die Interpreten in immer wieder neuen Konstellationen aus Chaos und Ordnung zusammen. Handwerklich haben Kozielskas prompte Formationsanordnungen Hand und Fuß! </p> <p>Die junge Diana Ionescu wird zu einer Art Leitfigur. Mittendrin landet sie – völlig unterwartet – den Kopf voran in einer der Boxen. Ihre Beine ragen wie eine Schere quer in die Luft, während eine gefilmte Hand in aller Eile den Rest des Körpers als Skizze einer Schlemmer-Figurine aus dessen „Triadischem Ballett“ ergänzt. Es gibt sogar eine Rolle für Wilhelm Wagenfelds berühmte Leuchte WA 24 – eines der ersten ikonischen Objekte der Weimarer Werkstätten. Keine selbstverständliche Aufgabe für die im Latexdress unter dem riesigen milchglasgewölbten Lampenschirm in XXL mit funktionierendem Schalterschnürchen durchgehend quasi kopflos agierende Tänzerin. Partnerlos bleiben ihre Auftritte trotzdem nicht.</p> <p>Bei Katarzyna Kozielska tanzen die Frauen auf Spitze. Sie flirten in Attitüden und schwingen immer wieder bedeutsam ihre Zeigefinger. Etwas weniger verspielt verpulvern die Männer in sporadischen Sprüngen Energie. Man durchmisst den Raum in zerhäckselten Schrittsequenzen. Beim Schlussabgang durch die Mitte nimmt Diana Ionescu ihren Partner mit sich. Die tatendrang-nervös-flirrende Hommage an die Bauhaus-Künstler kulminiert in einem intimen, von lauter kleinen Lampen erhellten Wohnambiente. Unerreichbar für den Zuschauer.</p> <p><strong>Edward Clug: „Patterns in ¾“</strong></p> <p>Ganz in die geradlinige Architektur des Bauhauses mit ihrem Faible für Balkone entführt danach in „Patterns in ¾“ Edward Clug. Der gebürtiger Rumäne und seit 15 Jahren Chef des Slowenischen Nationalballetts Maribor ist im Stuttgarter Repertoire bereits mit vier Werken vertreten. Aber so puristisch reduziert und wirkungsvoll steif, so absurd humorvoll heruntergebrochen auf das Wesentliche von Bewegung im Raum war seine Sprache bisher selten. Ihm gelingt es, den Zuschauer in eine neutrale Atmosphäre zu versetzen, wie sie manche Bilder von Oskar Schlemmer und dessen emotionsfreie Figuren ausstrahlen.</p> <p>Auf einer grauen Fläche vor grauem Hintergrund beginnen seine Interpreten – drei Frauen und vier Männer in schwarzen Hosen und weißen Oberteilen, über die sich hinten ein roter Strich zieht – taktgenau zu Steve Reichs „Tokyo/Vermont Counterpoint“ mit vor dem Körper herabgestreckten Armen zu pendeln. Es sieht ein bisschen so aus, als würden ihre Hände dicke Luft durchkämmen. Später, wenn die sich wiederholenden Schrittmuster an Drive und Komplexität gewinnen, kommen serielle Marimba- und Klavierklänge des Slowenen Milko Lazar hinzu. Bald schwingen – stets auf geradlinigen Wegen – weitere Körperpartien. Paare verhaken sich mit angewinkelten Ellenbogen zu Pirouetten im Duett. Diesen voll Ernsthaftigkeit schematisierten Spaß könnten sie, adrett wie sie anmuten, auch unter einer Pyramide aus dem Erzgebirge vollführen. Im schlicht funktionalen Bühnenbild von Marko Japelj verschmelzen Tanz und Klang zu einem Räderwerk an Präzision.</p> <p>Die trippelnde, schlurfende, im Paar nebeneinander einfach nur hoch hüpfende oder sich variationsfreudig hin- und herschiebende Crew strahlt famose Leichtigkeit aus. Demonstrativ gewandt: ihre Kunstfertigkeit, flexibel mit Stand- und Spielbein umzugehen. Das ist aber bei Weitem noch nicht alles, was Clug aufzubieten hat. Urplötzlich lässt er Japeljs überdimensionale Kulissenwinkel von der linken Bühnenseite Richtung Zentrum fahren – einen nach dem anderen, mit einer Palette an choreografischen Ideen dazwischen. Tänzer verschwinden und tauchen wieder auf. Dann sieht man nur mehr ihre Oberkörper, bis sie im Quartett mal vor und mal hinter oder spontan quer über den fahrbaren Elementen agieren.</p> <p>Der kurze, bodengelagerte Schenkel des rechten Winkelelements wird zur Brüstung, auf der Frauen sitzend fix mal die Beine übereinander schlagen. Alltagsgebaren. Als erst ein, dann zwei Köpfe – Bowlingkugeln gleich – über den Balkonrand rutschen, erreicht das findige Sichtbeschneiden seinen Höhepunkt. Die aus Reduktion aufgebaute Spannung entlädt sich humorvoll, bevor sich das abstruse Betonarrangement wieder schließt. „Patterns in ¾“ endet fast, wie es begonnen hat. Bloß die Arme schwingen jetzt heftiger. Im Kreis komplett um die Köpfe herum. Der Abend birgt Potenzial für Lieblingstücke. Als Triple Bill wurde er verdientermaßen bejubelt. So unterschiedlich wie die drei Gastchoreografen Aufbruchsstimmung in Tanz übertrugen, war einfach – wie die Schwaben sagen: starke Kunscht.<br />  </p> </div> <div> <div>Stück</div> <div>Aufbruch!</div> </div> <div> <div>Überschrift der Kurzkritik</div> <div>Zurück in die Zukunft</div> </div> <div> <div>Autor/Komponist/Choreograf</div> <div>Katarzyna Kozielska/Edward Clug/Nanine Linning</div> </div> <div> <div>Premierendatum</div> <div><time datetime="2019-03-28T12:00:00Z">28.03.2019</time> </div> </div> <div> <div>UA/DE/DSE</div> <div>UA</div> </div> <div> <div>Stadt</div> <div><a href="/taxonomy/term/644" hreflang="de">Stuttgart</a></div> </div> <div> <div>Theater</div> <div><a href="/taxonomy/term/1851" hreflang="de">Stuttgarter Ballett</a></div> </div> <div> <div>Genre</div> <div>Tanz</div> </div> <div> <div>Bild</div> <div><div> <div>Fr., 29.03.2019 - 16:12</div> <div><span lang="" about="/user/173" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Ulrike Kolter</span></div> <div> <img src="/sites/default/files/styles/thumbnail/public/Bild-gross/Stuttgarter%20Ballett%20Aufbruch.jpg?itok=QDZagxth" width="100" height="67" alt="Thumbnail" title="„AUFBRUCH!” Eine Koproduktion des Deutschen Nationaltheaters Weimar und des Stuttgarter Balletts" typeof="foaf:Image" /> </div> <div> <div>Bild-Datei</div> <div> <img src="/sites/default/files/styles/banner/public/Bild-gross/Stuttgarter%20Ballett%20Aufbruch.jpg?itok=sRIh4ci2" width="1800" height="1200" alt="„AUFBRUCH!” Eine Koproduktion des Deutschen Nationaltheaters Weimar und des Stuttgarter Balletts" typeof="foaf:Image" /> </div> </div> <div> <div>Urheber/Copyright</div> <div>Monica Menez</div> </div> <div> <div>Beschreibung</div> <div>„AUFBRUCH!” Eine Koproduktion des Deutschen Nationaltheaters Weimar und des Stuttgarter Balletts</div> </div> </div> </div> </div> Fri, 29 Mar 2019 15:11:24 +0000 Vesna Mlakar 11943 at https://die-deutsche-buehne.de Sivan Ben Yishai: Die tonight, live forever oder Das Prinzip Nosferatu https://die-deutsche-buehne.de/kritiken/aus-der-welt-der-untoten <span>Sivan Ben Yishai: Die tonight, live forever oder Das Prinzip Nosferatu</span> <span><span lang="" about="/user/109" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Manfred Jahnke</span></span> <span>Mi., 27.03.2019 - 13:02</span> <div><p>Den sagenhaften Film „Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens“ von Friedrich Wilhelm Murnau (1922) in die Gegenwart als einer Welt der Untoten überschreiben zu wollen, trifft einen wesentlichen Kern gegenwärtiger Befindlichkeiten. Sivan Ben Yishai, die vornehmlich am Maxim Gorki arbeitet, hat für das Theater Lübeck, <a href="https://www.backsteinhausproduktion.de">backsteinhaus produktion</a> und das <a href="https://theaterrampe.de">Theater Rampe</a>, gefördert durch den <a href="https://www.kulturstiftung-des-bundes.de/fileadmin/user_upload/download/download/20180911_FAQ_DOP.PDF">Fonds Doppelpass</a> der Kulturstiftung des Bundes, eine poetische Fassung des Stoffes geschaffen: „Die tonight, live forever oder Das Prinzip Nosferatu“.  </p> <p>An drei „biografischen“ Beispielen aus einer „postkapitalistischen“ Gesellschaft werden die Formen eines neuen Vampyrismus untersucht. Da ist zum einen der Hausmakler, in eine mythologische Provinz „Rennes“ versetzt, der aber hier nicht seine sexuelle Identität ausleben kann und endlich bei den Untoten in den Katakomben von Paris ankommt. Niko Eleftheriadis spielt diesen Zwiespalt zwischen Verkaufenmüssen und eigenem Begehren intensiv aus. Sophie Pfenningstorf spielt eine Frau mit goldenem Motorradhelm, die sich ständig vor sich selbst versteckt, auf der Flucht vor dem eigenen Ich. Oder Rachel Behringer, in rosa Tüll gekleidet, die in einem atemberaubenden Sprechtempo ihre Geschichte erzählt.</p> <p>In ihrer Inszenierung setzt Marie Bues auf die durchrhythmisierte Sprache von Yishai in der Übersetzung von Maren Kames. Schnelle Sprechtempi wechseln mit den chorischen Einlagen der Untoten, aus denen Astrid Färber herausragt. Auch Heiner Kock und Will Workman verkörpern ihre Parts mit hoher Konzentration. Für die Inszenierung von Marie Bues und der Choreografin Nicki Liszta wird diese Gegenüberstellung von monologischem Einzelschicksal und chorischem Kollektiv strukturbildend im Raum von Claudia Irro. Dieser ist zunächst zweigeteilt durch eine sechsgliedrige Fensterfront mit 18 Scheiben, die zwischen leerer Vorbühne und einer Hinterbühne trennt und nach hinten durch eine vierteilige Wand abgeschlossen ist, die in ihrer Oberflächengestaltung an ein überdimensioniertes Ledersofa erinnert. Zu dem sich diese Wand in der Tat nach der Pause verwandelt.</p> <p>Im ersten Teil agieren die Darsteller und Darstellerinnen mit ihren Monologen vor der Wand und der Chor auf oder hinter der Wand. So entsteht eine eindringliche Linie zwischen den dystopischen Welten der Lebenden und der Untoten – allerdings wirkt dieser Kunstgriff auf Dauer monoton. Deshalb wird im zweiten Teil der Raum aufgerissen, die hintere Wand verwandelt sich in ein Sofa und alle Spieler werden zu einem einheitlichen Ensemble.</p> <p>Ein besonderes Merkmal dieser Inszenierung ist die Einbeziehung des Tanzes. Zwei Tanzpaare, zunächst Chloé Beillevaire und Steven Chotard, später dazu Andreia Rodrigues und David Ledger, versuchen in der Choreografie von <a href="https://theaterrampe.de/personen/nicki-liszta/">Nicki Liszta</a>, den Expressionismus des Murnau-Films in Tanzbilder umzusetzen. Andererseits stellen sie auch die Grundsituationen dar, die in den Monologen manifest werden. Zu der Musik von Heiko Giering, der mit harten Rhythmen und schnellem Beat arbeitet, entwickelt Liszta expressive Bilder von brutalen Beziehungen des Stoßens und des Fallens. Videos von Christopher Bühler ergänzen das Gesamtbild, das vom Gegensatz aus Sprache und Bewegung getragen wird, die im Verlaufe der Vorstellung immer mehr zur Übereinstimmung kommen. Bues und Liszta haben ein fragiles Kunstwerk geschaffen, das mit starken Bildern arbeitet. Aber leider vor der Pause einen Durchhänger hat, weil die Kunstgriffe durchschaubar werden, die Klangbilder der rasend schnell gesprochenen Monologe sich wiederholen. </p> </div> <div> <div>Stück</div> <div>Die tonight, live forever oder Das Prinzip Nosferatu</div> </div> <div> <div>Überschrift der Kurzkritik</div> <div>Aus der Welt der Untoten</div> </div> <div> <div>Autor/Komponist/Choreograf</div> <div>Sivan Ben Yishai</div> </div> <div> <div>Premierendatum</div> <div><time datetime="2019-03-26T12:00:00Z">26.03.2019</time> </div> </div> <div> <div>UA/DE/DSE</div> <div>UA</div> </div> <div> <div>Regie</div> <div>Marie Bues </div> </div> <div> <div>Stadt</div> <div><a href="/taxonomy/term/644" hreflang="de">Stuttgart</a></div> </div> <div> <div>Theater</div> <div><a href="/taxonomy/term/1951" hreflang="de">Theater Rampe</a></div> </div> <div> <div>Autor der Vorlage</div> <div>Sivan Ben Yishai</div> </div> <div> <div>Genre</div> <div>Crossover</div> </div> <div> <div>Bild</div> <div><div> <div>Mi., 27.03.2019 - 13:07</div> <div><span lang="" about="/user/173" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Ulrike Kolter</span></div> <div> <img src="/sites/default/files/styles/thumbnail/public/Bild-gross/Rampe_Das%20Prinzip%20Nosferatu.jpg?itok=sqz_S1kI" width="100" height="67" alt="Thumbnail" title="Ensembleszene „Die tonight, live forever oder Das Prinzip Nosferatu”" typeof="foaf:Image" /> </div> <div> <div>Bild-Datei</div> <div> <img src="/sites/default/files/styles/banner/public/Bild-gross/Rampe_Das%20Prinzip%20Nosferatu.jpg?itok=C5EDOpH_" width="1800" height="1200" alt="Ensembleszene" typeof="foaf:Image" /> </div> </div> <div> <div>Urheber/Copyright</div> <div>Kerstin Schomburg</div> </div> <div> <div>Beschreibung</div> <div>Ensembleszene</div> </div> </div> </div> </div> Wed, 27 Mar 2019 12:02:17 +0000 Manfred Jahnke 11941 at https://die-deutsche-buehne.de Hans Werner Henze: Der Prinz von Homburg https://die-deutsche-buehne.de/kritiken/utopie-durch-koerperarbeit <span>Hans Werner Henze: Der Prinz von Homburg</span> <span><span lang="" about="/user/10" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Andreas Falentin</span></span> <span>Mo., 18.03.2019 - 11:26</span> <div><p>Hans Werner Henzes „Prinz von Homburg“ wird nicht häufig gespielt. Die Musik gilt als spröde, hochkomplex und extrem fordernd, besonders für die Gesangssolisten. Zudem erscheint der Stoff als schwer zugänglich, vor allem wegen des, in Zeiten von Political Correctness hoch brisanten, bewussten Umgangs mit Patriotismus. Dabei hat Ingeborg Bachmann Kleists Dramentext besonders in dieser Hinsicht ge- wie entschärft. Henze und Bachmann, die sich dem „Prinzen“ auf Anregung Luchino Viscontis zuwandten, wollten gerade der aus ihrer Sicht in ihrer Vergangenheit, ihrer geistigen Enge und ihrer Profitsucht gefangenen deutschen Wirtschaftswundergesellschaft eine Staatsidee entgegenstellen, in der Vernunft regieren und Freiheit dennoch herrschen kann.</p> <p>Es ist eine Stärke von Stephan Kimmigs Stuttgarter Inszenierung, dass er diese Idee konsequent nach heute weiterdenkt. Zur Bewusstmachung scheut er sogar das Plakative nicht und reiht sein großes Ensemble – Henze hat auf einen Chor verzichtet und den acht Solo-Rollen dafür drei „Hofdamen“ und drei „Offiziere“ zugesellt – am Schluss an der Rampe auf. „Welt“, „Wir“ und „Freiheit“ kann man da auf den Oberbekleidungen lesen und auf bunten Schals, die jeder Mitwirkende individuell um sich herum drapiert, scheinen Schlagwörter auf wie „Optimismus“, „Empathie“ oder „Mitgefühl“. Dieses Bild alleine verheißt Gesinnungskitsch, wird aber durch die vorhergehenden zwei Stunden Theater beglaubigt und vor allem stringent aus diesen entwickelt.</p> <p>Kimmigs Mittel der Wahl hierfür ist eines, das auf unseren Musiktheaterbühnen häufig extrem vernachlässigt wird: die Körperarbeit. Diese Theaterfiguren scheinen während der Handlung ihre Körperlichkeit sogar zu trainieren, manchmal sogar an der Ballettstange. Am Anfang wird der Traum des Prinzen in Armbewegungen und subtile Körperzuckungen übersetzt. Die Figuren gewinnen, manchmal mit fast tanztheatralischer Intensität, menschliche Substanz durch ihre Körper, ihre Haltungen von Kopf und Rumpf, ihre Bewegungsmuster. Und durch die Kostüme von Anja Rabes, die hochintelligent die Entstehungszeit mit heutigem Modebewusstsein verschränken, die Offiziere im Retro-Trainingsanzug ihre Befehle entgegennehmen lassen oder Prinzessin Natalie zum Gesamtkunstwerk machen, mit Existenzialisten-Pullover, Marlene-Anzug, Piaf-Ausstrahlung und roten Boxhandschuhen. Ihre Szenen mit dem Prinzen erhalten so eine sinnlich ausufernde und doch strukturell gebändigte Erotik, genau wie die Szenen des Prinzen mit dem allein durch sein Strizzi-Hütchen vom Rest abgehobenen Grafen Hohenzollern durch die entfesselte Körperarbeit fast Beckett’sche Intensität gewinnen. Nur dass hier die Erfüllung der stetig um sich kreisenden Sehnsüchte noch möglich scheint. So entwickelt diese Inszenierung nach und nach, aus Traum und Krieg, ein utopisches Gesellschaftsbild. Selbstbewusste Menschen handeln aneinander und miteinander, ohne den Eigennutz oder eine abstrakte Staatsräson über Mitmenschlichkeit zu stellen. Im Zentrum dieser Handlung und Idee steht der Kurfürst, ein alter Mann, dessen welker Körper gnadenlos gezeigt wird, über den aber ein klarer, vernünftiger und empathischer Geist herrscht. <a href="http://stefanmargita.com/en/" target="_blank">Stefan Margita</a> zeigt das großartig, ist ungeheuer präsent, artikuliert klar und verschmilzt in seinen Gesangslinien schwerelos schöne Tonkaskaden mit rhetorisch gehärten, wie an der Melodieführung festgetackerten Wortreihen.</p> <p>Wie überhaupt der Abend von den Sängern lebt, von einem Ensemble, dass sich den ungewöhnlichen Anforderungen des musikalischen Schauspielregisseurs offenbar willig, vielleicht sogar freudig ausgeliefert hat. Seien es die homogen besetzten Hofdamen- und Offiziers-Trios, Friedemann Röhlig als fast buddhistisch ausgeglichener Kottwitz oder die Stuttgart-Veteranen Michael Ebbecke (Dörfling) und Helene Schneidermann (Kurfürstin). Umwerfend, durch Charme wie (Körper-)Präsenz und Koloraturvirtuosität erspielt sich <a href="https://www.operamusica.com/artist/vera-lotte-boecker/video/7618" target="_blank">Vera-Lotte Böcker</a> die Prinzessin Natalie. Die Entdeckung des Abends ist dennoch der junge Tenor Moritz Kallenberg als Hohenzollern, der noch dem Opernstudio der Oper Stuttgart angehört: fein timbriert, hochmusikalisch mit bestechender Wortbehandlung und mit gewaltiger Ausstrahlung begabt.</p> <p>Cornelius Meister gelingt es mit dem Staatsorchester hervorragend, die musikalische Besonderheit von Henzes Komposition heraus zu modellieren. Wir hören eine Musik, die kaum noch eine Verbindung zur Tonalität hält und dennoch nicht wirklich von ihr fortstrebt, einen schwebenden Klang, der durch ins Geräuschhafte spielende Bläserfanfaren, extensiven Einsatz von Schlagwerk und in allen Lagen sichelnde Streicher immer wieder fast brutal gehärtet wird. Allerdings fährt Meister häufig, vor allem im Kriegsbild, den Lautstärkeregler zu schnell zu hoch, so dass es gelegentlich an farblicher Differenzierung fehlt und die großformatigen Ensembles flächig, momentweise fast breiig geraten. Auch Robin Adams in der Titelrolle kommt durch die geforderte Expansion an Grenzen. Sein Bariton ist deutlich lyrisch timbriert, die Eindringlichkeit seines Gesangsvortrags steigt dramatisch mit der Transparenz von Komposition und Dirigat. Seine fast tänzerisch anmutende Körperlichkeit hingegen fasziniert in jedem Moment.</p> <p>So ist, trotz des gewollt neutralen, aber doch etwas reizarmen Einheitsbühnenbildes von Katja Haß und den rätselhaften, vielleicht der Traumkomponente der Story zugedachten Videos von Rebecca Riedel, in Stuttgart ein spannender, vor allem: sehr ungewöhnlicher Opernabend entstanden. Der zudem geeignet scheint, Henzes Meisterwerk wieder etwas näher ans Repertoire zu führen.</p> <p> </p> </div> <div> <div>Stück</div> <div>Der Prinz von Homburg</div> </div> <div> <div>Überschrift der Kurzkritik</div> <div>Utopie durch Körperarbeit</div> </div> <div> <div>Autor/Komponist/Choreograf</div> <div>Hans Werner Henze</div> </div> <div> <div>Premierendatum</div> <div><time datetime="2019-03-10T12:00:00Z">10.03.2019</time> </div> </div> <div> <div>Medialink</div> <div><a href="https://www.staatsoper-stuttgart.de/spielplan/a-z/der-prinz-von-homburg/">Videotrailer und Programmheftauszüge auf der Homepage der Staatsoper Stuttgart</a></div> </div> <div> <div>Regie</div> <div>Stephan Kimmig</div> </div> <div> <div>Stadt</div> <div><a href="/taxonomy/term/644" hreflang="de">Stuttgart</a></div> </div> <div> <div>Theater</div> <div><a href="/taxonomy/term/1806" hreflang="de">Staatsoper Stuttgart</a></div> </div> <div> <div>Musikalische Leitung</div> <div>Cornelius Meister</div> </div> <div> <div>Autor der Vorlage</div> <div>Heinrich von Kleist</div> </div> <div> <div>Genre</div> <div>Musiktheater</div> </div> <div> <div>Vorlage</div> <div>Prinz Friedrich von Homburg</div> </div> <div> <div>Bild</div> <div><div> <div>Mo., 18.03.2019 - 11:47</div> <div><span lang="" about="/user/10" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Andreas Falentin</span></div> <div> <img src="/sites/default/files/styles/thumbnail/public/Bild-gross/Homburg_10.jpg?itok=mZwDH6zU" width="100" height="66" alt="Thumbnail" title="Stefan Margita (Kurfürst, v.) und Robyn Adams in der Titelrolle" typeof="foaf:Image" /> </div> <div> <div>Bild-Datei</div> <div> <img src="/sites/default/files/styles/banner/public/Bild-gross/Homburg_10.jpg?itok=KW9lYKgT" width="1800" height="1200" alt="Stefan Margita (Kurfürst, v.) und Robyn Adams in der Titelrolle" typeof="foaf:Image" /> </div> </div> <div> <div>Urheber/Copyright</div> <div>Wolf Silveri / Staatsoper Stuttgart</div> </div> <div> <div>Beschreibung</div> <div>Stefan Margita (Kurfürst, v.) und Robyn Adams in der Titelrolle</div> </div> </div> </div> </div> Mon, 18 Mar 2019 10:26:52 +0000 Andreas Falentin 11931 at https://die-deutsche-buehne.de Federico García Lorca: Bernarda Albas Haus https://die-deutsche-buehne.de/kritiken/der-wahn-einer-heilen-welt <span>Federico García Lorca: Bernarda Albas Haus</span> <span><span lang="" about="/user/109" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Manfred Jahnke</span></span> <span>So., 17.03.2019 - 13:55</span> <div><p>Wie es unter dem Schein einer heilen Welt, die ihre Akteure zum Schweigen verdammt, brodelt, das führt <a href="http://dibb.de/garcia-lorca.php">Federico García Lorca</a> modellhaft vor in „Bernarda Albas Haus“, seiner „Frauentragödie in spanischen Dörfern“. Seine Intentionen eines „photographischen dokumentarischen Berichts“ verdeutlichen dabei, dass es ihm nicht nur um das Erzählen einer Familiengeschichte geht, sondern mehr noch um eine Untersuchung des unvermeidlichen Bruchs zwischen Tradition und Moderne in Zeiten des <a href="http://www.bpb.de/politik/hintergrund-aktuell/231078/1936-spanischer-buergerkrieg-14-07-2016">Spanischen Bürgerkriegs</a>. Nach dem Tod ihres Mannes verhängt Bernarda über ihre fünf Töchter, die bis auf die jüngste, Adela, das Heiratsalter schon überschritten haben, eine achtjährige Trauer. In dieser Zeit dürfen sie keinen Mann ansehen, mit Ausnahme der ältesten Tochter Angustias. Sie soll Pepe heiraten, dummerweise sind aber auch zwei ihrer Schwestern in ihn verliebt. Und so kommt es zur Katastrophe, die Bernarda nicht wahrhaben will. Am Ende gibt es einen Fehlschuss und dann doch eine Tote, Adela, die sich erhängt. Und Bernarda befiehlt Schweigen: Der wahre Sachverhalt soll nicht nach draußen dringen.</p> <p>Der katalanische Regisseur <a href="https://www.schauspiel-stuttgart.de/spielplan/a-z/bernarda-albas-haus/calixto-bieito/">Calixto Bieito</a> hat „Bernanda Albas Haus“ 2011 schon einmal inszeniert, am Nationaltheater Mannheim, wo der jetzige Stuttgarter Intendant Burkhard C. Kosminski Schauspielchef war. Dabei waren damals auch schon Nicole Heesters als Bernarda Alba, Elke Twieselmann als deren Mutter und Anke Schubert als die Magd La Poncia. Die Töchter sind nun in diesem ausschließlich weiblichen Ensemble neu besetzt, ebenso gibt es mit Alfons Flores einen neuen Bühnenbildner. Der hat einen ziemlich kahlen Raum geschaffen: In die schwarz ausgeschlagene Bühne setzt er mittig einen langen weißen Aushang, davor einen weißen Tanzboden als Spielfläche, an den Seiten Batterien von Scheinwerfern, links sind sechs schwarze Stühle zu sehen. Andere Dekorationsteile wie die Stühle für die Trauergäste, eine Nähmaschine oder ein langer Tisch werden aus dem Schnürboden herabgelassen und auch wieder hochgezogen.</p> <p>Die Inszenierung beginnt aus einer Stille heraus, in der die Artistin Kaatie Akstinat auftritt, sich an einem herabhängenden Seil sichert und dann langsam hochgezogen wird, ein Motiv, das sich durchzieht, ein Menetekel, das konkret schon den Erhängungstod von Adela vorwegnimmt, aber auch an den Gekreuzigten erinnert. Erst nachdem die Artistin im Bühnenboden verschwunden ist, beginnt das eigentliche Spiel, eröffnet von der Magd, dann stürmen Bernarda und ihre Töchter herein, schwarz verhüllt. Nicole Heesters lässt da schon mal die Peitsche niedersausen, wie überhaupt dann Bieito für die unterdrückte Sexualität viele kleine Bilder findet, wie das die Schwester der anderen die Brust streichelt, Röcke sich hochschieben, Stöhnen ertönt. Abgesehen davon, dass durch den Wegfall zweier Nebenfiguren die Handlung gestrafft wird, hält sich die Regie eng an die Vorlage, setzt nur verdeutlichende Zeichen, vor allen Dingen in einer genauen Choreografie, wenn Stühle umgeworfen werden, im Kreis gehetzt oder sich mit dem Sprungseil in Bewegung gesetzt wird. Und manchmal, wie am Schluss, werden Gegenstände wie das Gewehr auch nur pantomimisch angedeutet.</p> <p>Entstanden ist ein grandioser Theaterabend, der durch einen genauen Rhythmus und im Zentrum mit den Schauspielerinnen besticht. Heesters und Schubert sind ein eingespieltes Paar. In ihrem Schlagabtausch voller Humor wird Schubert im Verlaufe des Abends die Widerständige, die das Unglück kommen sieht. Heesters hingegen pflegt mit Lächeln und Peitsche die Wahnvorstellung einer heilen Welt, immer überlegen und so engstirnig wie erschreckend klarsichtig. Dabei blitzt auch bei ihr die Sehnsucht auf, Sexualität ausleben zu wollen. Von den Töchtern ragen Paula Skorupa als Martirio und Nina Siewert als Adela heraus, die beiden Konkurrentinnen um Pepe, die sich nichts schenken. Während Siewert ihre Rolle emotional-impulsiv anlegt, spielt Skorupa die Überlegene, die ihre Stiche gezielt setzt. Juliane Köhler ist als die Älteste verhuscht-melancholisch. Anne-Marie Lux als Magdalena und Jelena Kurz als Amelia bleiben unauffällig im Hintergrund, eher schon in einer Beobachterinnen-Position. Und Elke Twieselmann, die eingesperrte Mutter Bernardas, spielt den Wechsel von „irren“ und „lichten“ Momenten groß und anrührend heraus. Toll!</p> </div> <div> <div>Stück</div> <div>Bernarda Albas Haus</div> </div> <div> <div>Überschrift der Kurzkritik</div> <div>Der Wahn einer heilen Welt</div> </div> <div> <div>Autor/Komponist/Choreograf</div> <div>Federico García Lorca</div> </div> <div> <div>Premierendatum</div> <div><time datetime="2019-03-16T12:00:00Z">16.03.2019</time> </div> </div> <div> <div>Medialink</div> <div><a href="https://www.schauspiel-stuttgart.de/spielplan/a-z/bernarda-albas-haus/">Fotogalerie und weiterführende Informationen zur Inszenierung</a></div> </div> <div> <div>Regie</div> <div>Calixto Bieito</div> </div> <div> <div>Stadt</div> <div><a href="/taxonomy/term/644" hreflang="de">Stuttgart</a></div> </div> <div> <div>Theater</div> <div><a href="/taxonomy/term/1766" hreflang="de">Schauspiel Stuttgart</a></div> </div> <div> <div>Genre</div> <div>Schauspiel</div> </div> <div> <div>Bild</div> <div><div> <div>So., 17.03.2019 - 14:22</div> <div><span lang="" about="/user/24" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Antonia Ruhl</span></div> <div> <img src="/sites/default/files/styles/thumbnail/public/Bild-gross/11286_bernarda_albas_haus_10_fotograf_thomas_aurin%20%282%29.jpg?itok=fmYJAVVx" width="100" height="66" alt="Thumbnail" title="Überzeugendes Frauenensemble am Schauspiel Stuttgart in &quot;Bernarda Albas Haus&quot;" typeof="foaf:Image" /> </div> <div> <div>Bild-Datei</div> <div> <img src="/sites/default/files/styles/banner/public/Bild-gross/11286_bernarda_albas_haus_10_fotograf_thomas_aurin%20%282%29.jpg?itok=mJon8UVd" width="1800" height="1200" alt="Überzeugendes Frauenensemble am Schauspiel Stuttgart in &quot;Bernarda Albas Haus&quot;" typeof="foaf:Image" /> </div> </div> <div> <div>Urheber/Copyright</div> <div>Thomas Aurin</div> </div> <div> <div>Beschreibung</div> <div>Überzeugendes Frauenensemble am Schauspiel Stuttgart in &quot;Bernarda Albas Haus&quot;</div> </div> </div> </div> </div> Sun, 17 Mar 2019 12:55:29 +0000 Manfred Jahnke 11927 at https://die-deutsche-buehne.de