Nürnberg https://die-deutsche-buehne.de/taxonomy/term/609 de David Bowie/Enda Walsh: Lazarus https://die-deutsche-buehne.de/kritiken/gut-sortierte-reize <span>David Bowie/Enda Walsh: Lazarus</span> <span><span lang="" about="/user/52" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Dieter Stoll</span></span> <span>So., 03.02.2019 - 12:01</span> <div><p>Würde der Zuschauer den Besuch dieser Vorstellung mit einem Kopfstand eröffnen, könnte er nur das in aller Einsamkeit verkehrt auf den Zwischenvorhang gekritzelte Wort „Hope“ als Leitmotiv für den Einstieg bestimmen. Gelenkt hoffnungsvoll ist also der erste Blick auf das Musical „Lazarus“ von David Bowie und Enda Walsh im Staatstheater Nürnberg. Was auch heißt: Jenseits der Ordnung und gerne auch gegen sie. In der besenreinen, von Nebelschwaden bedrohten Airport-Abfertigungshalle verteilt eine wenig später auch singende Reinigungsfachkraft zunächst sorgfältig Müll aus der Tüte, damit der normale Verwüstungszustand der Zivilisation glaubwürdig hergestellt ist. Auf der Wartesaal-Bank kämpft derweil ein einsamer Mann namens Newton eigentlich mit dem großen Ganzen, zunächst jedoch kleinteilig mit seiner defekten Musikkassette, drückt die klemmende Taste, zerrt am durchhängenden Tonband, horcht auf die eiernden Anfangstöne eines Hits, der gleichzeitig Nerven tötet und Erinnerung weckt: „Hello, Mary Lou“.</p> <p>Eine verflossene Liebe, fremdgeschämt im Zitat der Evergreen-Schnulze, beutelt das Gemütsleben des Mannes. Aus der Zeit gefallen und, wie der wahre Fan von David Bowie seit 1976 weiß, auch aus dem Himmel. Ein Außerirdischer also, bei der Suche nach dem Überleben trotz Energiekrise einst auf Erden gelandet, nun der Schwerkraft und den eigenen Halluzinationen ausgeliefert. Seit seiner cineastischen Geburt ist der Leasing-Star zum Alter Ego der Pop-Kunstfigur mit dem wechselnden Existenz-Design mutiert: Bowie, ein Chamäleon als Ikone. Was ihn so sehr prägte, dass die 40 Jahre später mit dem Autor Enda Walsh beschlossene Schaffung des ersten und einzigen eigenen Musicals entlang am Spalier der Song-Auslese geradezu zwangsläufig wie ein Vermächtnis wirken muss. Mary Lou gehört nicht zum Bowie-Erbe, eher zu den Dämonen, die seine theatralische Auftrags-Figur quälen. Eine Liebe, die wahrhaftig sein und zugleich Illusion bleiben kann – wie alles, was hier den Anspruch auf Realität erhebt.</p> <p>Die deutschen Bühnen greifen derzeit geradezu gierig nach dem Angebot vom Off-Broadway und die ersten „Lazarus“-Inszenierungen (Düsseldorf, Hamburg, Bremen) kollidierten gleich mit der Grundsatzfrage, ob man eher den Albtraum-Thriller oder die Nummernrevue erwarten oder ein Mosaik aus atmosphärischen Skizzen erhoffen soll. Eins ist klar: Die künstlerische Ambition übertrifft alles, was da in den letzten Jahrzehnten aus Abbas und unserer beiden Udos Archiven als massentaugliches Showspiel aus zweiter Hand entstand.</p> <p>Tilo Nest, der in Nürnberg inszenierende Schauspieler vom Berliner Ensemble, hatte bei seinem Konzept wohl ein Requiem im Sinn. Bühnenbildner Stefan Heyne entwarf dafür die weitläufige Kathedralen-Dunkelkammer, die sich mühelos zum Konzertraum öffnet und zur Geisterbahn schließt, reizte die Hydraulik des Hauses aus und blieb irgendwann doch in der Totalen als denkbar großzügigstem Blickfang hängen. Grell lackierte Girls tupfen sich selbst als mobile Farbkleckse ins Trübe, es wird von Leben und Tod gemunkelt, die Metaphern spielen Versteck. Lauter Reizmomente, die mithalten wollen beim Freigang einer Pop-Legende.</p> <p>Wenn dann, nach jeweils zeitlich überschaubarem Poeten-Intermezzo (nein, den Autor Enda Walsh mit seinen gestreuten Verästelungen wird kein Zuschauer in Erinnerung behalten wollen), der nächste Song kommt, öffnen sich Aha-Momente anderer Welten. An der portionierten Bildrausch-Ästhetik kommt der Regisseur der Nürnberger Aufführung sowieso nicht vorbei, was sicher auch an den gnadenlosen Vorgaben der Rechte-Inhaber liegt, also gibt es statt Requiem eher ein Clip-Oratorium. Viel gut sortiertes Reizmaterial, das sich nicht recht zum großen Bild verdichten mag.</p> <p>Den grauen Mann, der nicht sterben kann, spielt Sascha Tuxhorn mit eigenartiger Innen-Dynamik. Keine Imitation des Originals, sondern die souveräne Entwicklung des Newton als gebrochener Alien-Autist, manchmal geradezu demonstrativ zur hilflosen Randfigur verschoben und erdrückt von der eigenen Melancholie, dann wieder explosiv aus dem Stand. Sein Umgang mit dem Song-Material ist typisch fürs ganze Ensemble. Er sucht nicht die Imitation, nimmt jede „Nummer“ als andere Interpretations-Herausforderung und entgeht somit allen glättenden Karaoke-Mühen. Das gelingt nicht jedem singenden Schauspieler so gut, aber mit Lea Sophie Salfeld (Elly), Amadeus Köhli (Zach), Nicolas Frederick Djuren (Valentine) und Yascha Finn Nolting (Ben, der auch Gitarrist in der Bowie-Band des Abends ist) wird die Zahl der Könner ansehnlich. Kostia Rapoport und Vera Mohrs (sie auch als „Teenage Girl 1“ unterwegs) leiten von Keyboard und Klavier aus sechs weitere Musiker, die den Stimmen gelegentlich arg zusetzen. Erst bei „Absolute Beginners“, als erblühendes Kollektivprojekt umgesetzt, entsteht ein langer Augenblick jener abgehobenen Theater-Träumerei, die aus Bowies gesammelten Werken die von ihm immer erstrebte neue Kunstform machen könnte.</p> <p>Beim Schlussjubel hat das Nürnberger Publikum in einem der Bowie-Songs den Hinweis auf die „Nürnberger Straße“ registriert (auch wenn die in seinen jungen Jahren in Berlin liegt) und ein Finale mit Science-Fiction-Lichtspiel wie für E.T. geschaffen erlebt. Auf dem Pavillon-Podest, das am Anfang stilisierte Wolken als tapezierte Himmelsverheißung zeigte, ist ein strahlender Schacht entstanden, die Hoffnungskammer fürs Beamen in die bessere Welt hinter den Sternen. Sie bleibt ungenutzt, ist blanke Illusion. Der erste Eindruck stimmte also, die Hoffnung steht Kopf.</p> </div> <div> <div>Stück</div> <div>Lazarus</div> </div> <div> <div>Überschrift der Kurzkritik</div> <div>Gut sortierte Reize</div> </div> <div> <div>Autor/Komponist/Choreograf</div> <div>David Bowie/Enda Walsh</div> </div> <div> <div>Premierendatum</div> <div><time datetime="2019-02-02T12:00:00Z">02.02.2019</time> </div> </div> <div> <div>Medialink</div> <div><a href="https://staatstheater-nuernberg.de/spielplan-18-19/lazarus/06.02.2019/1930">Fotos auf der Homepage des Theaters</a></div> </div> <div> <div>Regie</div> <div>Tilo Nest</div> </div> <div> <div>Stadt</div> <div><a href="/taxonomy/term/609" hreflang="de">Nürnberg</a></div> </div> <div> <div>Theater</div> <div><a href="/taxonomy/term/1831" hreflang="de">Staatstheater Nürnberg</a></div> </div> <div> <div>Musikalische Leitung</div> <div>Vera Mohrs, Kostia Rapoport</div> </div> <div> <div>Genre</div> <div>Crossover</div> </div> <div> <div>Bild</div> <div><div> <div>So., 03.02.2019 - 12:09</div> <div><span lang="" about="/user/50" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Detlev Baur</span></div> <div> <img src="/sites/default/files/styles/thumbnail/public/Bild-gross/StaatstheaterN%C3%BCrnberg_2018_19_Schauspiel_Lazarus_1564_c_Konrad%20Fersterer.jpg?itok=phZLaarC" width="100" height="67" alt="Thumbnail" title="&quot;Lazarus&quot; am Staatstheater Nürnberg" typeof="foaf:Image" /> </div> <div> <div>Bild-Datei</div> <div> <img src="/sites/default/files/styles/banner/public/Bild-gross/StaatstheaterN%C3%BCrnberg_2018_19_Schauspiel_Lazarus_1564_c_Konrad%20Fersterer.jpg?itok=lRQmWZTV" width="1800" height="1200" alt="&quot;Lazarus&quot; am Staatstheater Nürnberg" typeof="foaf:Image" /> </div> </div> <div> <div>Urheber/Copyright</div> <div>Konrad Fersterer</div> </div> <div> <div>Beschreibung</div> <div>&quot;Lazarus&quot; am Staatstheater Nürnberg</div> </div> </div> </div> </div> Sun, 03 Feb 2019 11:01:05 +0000 Dieter Stoll 11861 at https://die-deutsche-buehne.de Paul Abraham: Ball im Savoy https://die-deutsche-buehne.de/kritiken/bummeln-gehn-ist-so-schoen <span>Paul Abraham: Ball im Savoy</span> <span><span lang="" about="/user/52" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Dieter Stoll</span></span> <span>So., 20.01.2019 - 13:44</span> <div><p>Aus dem Orchestergraben wächst ein Palmenwald, die Revuetreppe aus diesem besonderen Souterrain ist auf den zweiten Blick bloß der breite Lieferanteneingang fürs Entertainment-Personal, aber auf der Bühne weiß man sofort Bescheid über die wahren Werte – da wird in der allerersten Szene zur Vorsorge ein halbes Dutzend Champagnerflaschen geköpft. Treibstoff für die verwirrenden Dinge, die da unvermeidlich kommen müssen. Dann marschieren die gemischten Paare auf und durch zum Sturm der Séparées, wo die Moral Erholungsurlaub macht und Frivolität zur theoretischen Grundausstattung gehört. Am Ende wird sowieso alles geordnet und das Finale dementiert schmissig-spießig die Freizügigkeit, die vorher als heimliches Ideal in Umlauf gesetzt wurde. Es könnte also auch „Wiener Operette“ sein, was da in der Nürnberger Erstaufführung (!) von Paul Abrahams „Ball im Savoy“ zu erleben ist.</p> <p>Das Ausrufezeichen betrifft die wunderliche Tatsache, dass die ehemalige (längst geschleifte) Sparten-„Hochburg“, die das Nürnberger Musiktheater war und die in ihren Spielplänen von Robert Stolz bis Nico Dostal gefühlte Ewigkeiten keine Berührungsängste kannte, die Sonderstellung der Werke als verkappte Berliner Frechheiten verkannte. Bei den Uraufführungen in den 1930er-Jahren war das angejazzte Spektakel zu modern für die Provinz, beim Comeback in der Nachkriegszeit hatten die Arrangeure mit schmalzgebackenem Zeitgeschmack so „nachgebessert“, dass man sich den Geschmacksnerv daran verrenken konnte. Der Mut zum Übermut blieb einzelnen Schauspieler-Projekten vorbehalten, also unvergesslichen Zugriffen wie Alfred Kirchners bis in die Wurzel der Kitsch-Seele greifende „Blume von Hawaii“ in Stuttgart mit der legendären Ortrud Beginnen oder Hansjörg Utzeraths Nürnberger Weltkriegs-Menetekel „Viktoria und ihr Husar“ um 1979. Erst 35 Jahre später holte <a href="https://www.komische-oper-berlin.de/programm/a-z/ball-im-savoy/">Barrie Kosky an der Komischen Oper Berlin</a> das Original triumphal zurück und die dafür entstandene Rekonstruktion von Kai Tietje ist die sichere Basis der aktuellen Premiere am zuletzt eher an Broadway-Oldies interessierten Staatstheater Nürnberg.</p> <p>Die Handlung ist mittelgrober Unfug, aber als Anlass für turbulente Musiknummern herzlich willkommen. Ein turtelndes Ehepaar kommt nach einem Jahr „Flitterwochen“ zurück nach Nizza, wo sich beim Savoy-Ball sogleich die Gelegenheiten für Verwechslungen bündeln. Der Mann würde gern in aller Heimlichkeit wieder „ein bisschen ledig sein“, die Frau bibbert vor Eifersucht, ein früheres Verhältnis wird aufgefrischt und ein türkischer Diplomat mit mobilem Gebetsteppich lässt sechs Ex-Ehefrauen als Referenz-Kollektiv antreten, um die siebte zu erobern. Und weil die betrogene Madeleine ihrem Fremdgänger Aristide öffentlich „Revanche“ schwört, sieht das Ganze für Momente sogar wie eine Emanzipationsfanfare aus. Kleine Hochstapelei zwischendurch.</p> <p>Regisseur Stefan Huber ist Facharbeiter fürs Leichte. Mit den vorübergehend zur Trend-Größe heranwachsenden Experimenten, in denen die Beschwörung von Zeitgeist aus der Analyse von  Amüsement versucht wurde, hat er nichts am Hut. In seinen Inszenierungen wird nirgends an Fassaden gekratzt, aber immer mit ausgefahrenem Temperament gespielt und in der Besetzung gerne die Ordnung der Geschlechter durcheinander gekegelt. Dafür sind seit Jahren die drei „<a href="http://geschwister-pfister.de/hp/">Geschwister Pfister</a>“ treue Partner, also das Kunstfiguren-Triumvirat von Ursli und Toni mit Fräulein Schneider, die über ihre herrlichen Schlager-Revuen hinaus die Operette als Trivialitäten-Treibhäuschen entdeckten. Beim „Ball im Savoy“ wird daraus wieder eine neue Gender-Mischung. Christoph Marti alias „Ursli“ tritt als hüftschwingende Jazzkomponistin Daisy auf, Andreja Schneider alias „Fräulein“ ist der dick ausgepolsterte Türken-Attaché mit dem Hang zur geordneten Vielweiberei und den unendlichen Ü-Tüpfelchen im Dialog, also mit „vielen Nüllen“ am Scheck.  Als Paar sind sie unwiderstehlich, auch weil sie die Travestie lässig aus den Ärmeln schütteln. Tobias Bonn alias „Toni“ im Part des seriösen Tenors schmettert die Töne des Marquis wie eine Heesters-Hommage in Dauerschleife. Nur Musical-Star Frederike Haas, auf gleicher Bühne schon „Funny Girl“ und hier die betrogene rachsüchtige Ehefrau, kann mit der subtilen Persiflage einer ausflippenden Diva, die das Modell <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Fledermaus">„Fledermaus“-Rosalinde</a> aufträgt, nicht viel bewirken. Das Besondere am Umgang mit dem Sujet ist ja, wie souverän Parodie im Schutzschirm der Verehrung abgefangen und dennoch ausgekostet wird. Die Regie bewältigt das mit einem süffisanten Achselzucken für die Handlung und lodernder Begeisterung für jede Musiknummer. Wie die garantiert falschen, aber fabelhaft glitzernden Perlen einer Kette aus der Wundertüte sind die Szenen-Miniaturen aufgereiht, angefeuert vom lange unsichtbar bleibenden Orchester unter Volker Hiemeyers inspirierter Leitung. Wie es da im Känguru-Tanz hüpft, in den Liebesschnulzen blubbert und der Ensemble-Aufruhr knapp am Marsch vorbeigelenkt wird, wie da „Türken küssen müssen“ und Tangolitos eckige Figuren stellen – alles zum wertfreien Staunen. Und die absolute Philosophie dieser mit Berliner Luft vollgepumpten Gesellschaft in Nizza könnte am Ende nicht schlüssiger sein: Es ist so schön, am Abend bummeln zu geh‘n.</p> <p>Ein Herrenballett springt durch die Szenen, der etwas weniger bewegliche Chor versucht es manchmal auch und am schönsten sind Entdeckungen wie die des Jungschauspielers Cem Lukas Yeginer vom Haus nebenan, der seine Tschechow-Rolle liegen lässt, um erst als mondäne Modeschöpferin und dann gleich als bebrillter Nerd krähend durch den Tumult zu schreiten. Zu diesem Zeitpunkt hat die anfangs holpernde, beim Einfädeln der flach gehaltenen Charaktere mit einer wackeligen Tonfilm-Adaption noch unsicher wirkende Regie bereits gewonnen. „Mein Herz braucht Glück“, schreit aus voller Kehle der Herr Marquis, also Toni Pfister, melodienselig ins Opernhausparkett. Den Schrittmachern sei Dank, Nürnbergs Operette hat Glück gehabt.</p> </div> <div> <div>Stück</div> <div>Ball im Savoy</div> </div> <div> <div>Überschrift der Kurzkritik</div> <div>Bummeln geh&#039;n ist so schön</div> </div> <div> <div>Autor/Komponist/Choreograf</div> <div>Paul Abraham</div> </div> <div> <div>Premierendatum</div> <div><time datetime="2019-01-19T12:00:00Z">19.01.2019</time> </div> </div> <div> <div>Medialink</div> <div><a href="https://www.staatstheater-nuernberg.de/spielplan-18-19/ball-im-savoy/10.02.2019/1900">Fotogalerie und weiterführende Informationen zur Inszenierung</a></div> </div> <div> <div>Regie</div> <div>Stefan Huber</div> </div> <div> <div>Stadt</div> <div><a href="/taxonomy/term/609" hreflang="de">Nürnberg</a></div> </div> <div> <div>Theater</div> <div><a href="/taxonomy/term/1831" hreflang="de">Staatstheater Nürnberg</a></div> </div> <div> <div>Musikalische Leitung</div> <div>Volker Hiemeyer</div> </div> <div> <div>Genre</div> <div>Musiktheater</div> </div> <div> <div>Bild</div> <div><div> <div>So., 20.01.2019 - 13:50</div> <div><span lang="" about="/user/24" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Antonia Ruhl</span></div> <div> <img src="/sites/default/files/styles/thumbnail/public/Bild-gross/StaatstheaterN%C3%BCrnberg_2018_19_Oper_Ball%20im%20Savoy_130_c_Bettina%20Stoess.JPG?itok=e2E0_ebC" width="100" height="67" alt="Thumbnail" title="In Feierlaune: Andreja Schneider (Mustapha Bei), Dominique Lepeudry, Joanna Limanska, Raquel Luis, Eun-Joo Ham, Ntombizodumo Mahlaba, Stephanie Gröschel-Unterbäumer (Mustaphas geschiedene Ehefrauen)" typeof="foaf:Image" /> </div> <div> <div>Bild-Datei</div> <div> <img src="/sites/default/files/styles/banner/public/Bild-gross/StaatstheaterN%C3%BCrnberg_2018_19_Oper_Ball%20im%20Savoy_130_c_Bettina%20Stoess.JPG?itok=fKazZW6M" width="1800" height="1200" alt="In Feierlaune: Andreja Schneider (Mustapha Bei), Dominique Lepeudry, Joanna Limanska, Raquel Luis, Eun-Joo Ham, Ntombizodumo Mahlaba, Stephanie Gröschel-Unterbäumer (Mustaphas geschiedene Ehefrauen)" typeof="foaf:Image" /> </div> </div> <div> <div>Urheber/Copyright</div> <div>Bettina Stöß</div> </div> <div> <div>Beschreibung</div> <div>In Feierlaune: Andreja Schneider (Mustapha Bei), Dominique Lepeudry, Joanna Limanska, Raquel Luis, Eun-Joo Ham, Ntombizodumo Mahlaba, Stephanie Gröschel-Unterbäumer (Mustaphas geschiedene Ehefrauen)</div> </div> </div> </div> </div> Sun, 20 Jan 2019 12:44:39 +0000 Dieter Stoll 11832 at https://die-deutsche-buehne.de Goyo Montero (nach William Shakespeare): A Midsummernight's Dream https://die-deutsche-buehne.de/kritiken/durch-nacht-und-wind <span>Goyo Montero (nach William Shakespeare): A Midsummernight&#039;s Dream</span> <span><span lang="" about="/user/52" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Dieter Stoll</span></span> <span>So., 16.12.2018 - 13:29</span> <div><p>Sollte ein spontaner Besucher in diese Nürnberger Tanztheater-Uraufführung „nach Shakespeare“ geraten, nur weil sie so verlockend original als „A Midsummernight's Dream“ angekündigt ist, könnten die ersten Minuten der Vorstellung zur Herausforderung des eigenen Bildungsbewusstseins werden. Der Vorhang geht hoch über Nacht und Wind, man sieht auf der Bühne hinter einer schattigen Gestalt und einer sich windenden Puppe (<a href="http://users.telenet.be/gaston.d.haese/goethe_erlkonig.html">„Es ist der Vater mit seinem Kind“</a>) die beinahe unsichtbaren Trikots des Schwarzen Theaters und vernimmt die von Schubert in den Stand des Kunstlieds erhobene Frage „Wer reitet so spät…?“. Bedrohlich schwillt die Ballade an zum <a href="https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/f/f4/The_Scream.jpg/300px-The_Scream.jpg">Munch-Schrei</a>, harter Schnitt in Klang und Optik, ehe Mendelssohn-Bartholdys tosender Hochzeitsmarsch eine bleiche Gesellschaft namens „The Society“ (Station Zwei von 14 portionierten Szenen, in die das Stück very british mit Titeln wie „Entering the Forest“ aufgeteilt wird) überspült. Die Formationen uniformierter Gesellschaft sind vergebliche, mit großer Kunstfertigkeit umgesetzte Bemühungen um Haltung, brechen im hochgereckten Stolz immer wieder in sich zusammen und würden jeden Ballsaal beim „<a href="https://www.stage-entertainment.de/musicals-shows/tanz-der-vampire-berlin.html">Tanz der Vampire</a>“ schmücken.</p> <p>Choreograph Goyo Montero, der als einziger Spartenchef den Nürnberger Intendanzwechsel von Peter Theiler zu Jens Daniel Herzog überhaupt und sogar glänzend überstanden hat, führt nach der ersten Dekade seine Programmatik weiter. Das ist, wenn es um die jährliche Großproduktion mit Neuigkeitsanspruch geht, stets der Griff ins Sortiment der populären Titel (von „<a href="http://www.goyomontero.com/romeo-and-juliet/">Romeo und Julia</a>“ über „<a href="http://www.die-deutsche-buehne.de/Kurzkritiken/Tanz/Goyo+Montero+Faust/+Mephisto+mir+graut+vor+dir">Faust</a>“ bis „<a href="http://www.die-deutsche-buehne.de/Kritiken/Tanz/Goyo+Montero/Don+Qijote/Gral">Don Quijote</a>“), der die wesentlichen Teile bekannter Geschichten in überraschende Zusammenhänge gliedert. Sein „Sommernachtstraum“ ist ein Trauma. Die vergebliche Suche nach dem Glück, die Angst vor dem Verlust, die Aggression gegen das Unbekannte überlagert die komödiantischen Elemente, versperrt den Ausweg ins Romantische. Der todbringende „Erlkönig“ wird Impulsgeber für das Stück, er lässt dunkle Ahnungen ins Ungefähre sprießen. Der Sound übernimmt – in der Mixtur aus Auftragskomposition (der ständige Begleiter Owen Belton sorgt mit raffiniertem Elektro-Soundtrack für sichere zeitgenössische Basis), Kunstlied-Konserve und Live-Klassik der Staatsphilharmonie (Dirigent Lutz de Veer hält die montierten Elemente souverän zusammen) steckt permanent der Reiz der Irritation.</p> <p>Die Zauberwald-Bühne von Goyo Montero und Eva Adler lässt Assoziationen rattern. Die ersten Seile aus dem Himmel machen die Szene zur Turnhalle, aber dann folgen hunderte dieser hängenden Stricke mit Leuchtspur-Ende, verdichten sich zu kafkaesk unentwirrbarer Bedrohung, können Natur repräsentieren oder auch die Leitung, die irgendwo den Anschluss braucht. Die Plattform darunter ist beweglich, teilt die Welt in Etagen, kippt die Rampe zur Rutschbahn. Dort sind die Akteure krabbelnde Monster oder hochgereckte Traumgestalten, werden vom Sog der eigenen Gefühle aus der Bahn geworfen oder in Zwischenwelten von Illusion und Wirklichkeit eingefroren. Sie tanzen und schreien, äffen dem Wohlklang hinterher und liefern selbst ästhetische Perfektion.</p> <p>Goyo Montero gab im Programmheft-Interview bereitwillig Auskunft über die Sorge um seinen kleinen Sohn als Anstoß für das Stück, wie er es sieht, aber man kann auch jenseits der Privatsphäre starke Verbindungen finden. Schließlich war einst der Puck, Shakespeares Kobold mit Publikumslieblings-Garantie, eine Vorzugsrolle für den Tänzer Montero in der Berliner Version von Heinz Spoerli, und das unverbrauchte Interesse für dieses sprunghafte Schelmenwesen prägt auch die aktuelle Produktion. Alexsandro Akapohi ist dieses körperlich wie charaktermäßig biegsame Gespinst, geradezu ein Labortriumph aus allen durchs Bild huschenden Götter- und Menschengestalten. Kindlich altklug, alterslos weise, rücksichtslos vital – alles steckt da drin. Er tanzt nicht nur grandios, seine Präsenz ist wunderbar.</p> <p>Die anderen Solisten-Rollen (allesamt imponierend: Oscar Alonso, Luis Tena, Rachelle Scott, Nuria Fau) verblassen dagegen samt ihrer Verwechslungs-Dramatik etwas, aber der unheimlich starke Gegenpol für die nötige Balance steckt ohnehin im Kollektiv. Tatsächlich war die Nürnberger Compagnie der zwei Dutzend Solisten schon lange stark, aber noch nie so homogen wie bei diesem Einsatz, in dem traumhaft schöne Gruppenbilder wie für eine Galerie gemacht sind. Montero, der mit Shakespeares Komik der sarkastischen Theaterparodie nicht viel anfangen kann, entfaltet im großen Auftritt depressiver Gruselwelten kontrolliert wuchernde Phantasie. Faszinierend, wie da Gefühle fixiert, auf die Spitze getrieben und in Bewegung übersetzt werden. Nacht und Wind gehören immer dazu. Die Verknüpfung der Szenen bleibt allerdings für den Betrachter problematisch, sollte er der zusammengepflückten Auswahl der Einzelteile nicht vorbehaltlos folgen. Da würde sich dann die Frage stellen, ob während der von Goethe, Schumann, Schubert und Brahms umstellten Shakespeare-Proben nicht eine Entspannungsübung mit <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Eine_Sommernachts-Sexkom%C3%B6die">Woody Allens Verfilmung</a> hilfreich gewesen wäre. Zumindest der Puck in diesem „Midsummernight's Dream“ hatte das nicht nötig. Er schlich am Ende staunend wie ein großer Junge durchs Opernhaus-Parkett und schüttelte dem Publikum die Hände. Kommunikation ist in der Kunst der halbe Weg zum Erfolg. Der Beifall war entsprechend.</p> </div> <div> <div>Stück</div> <div>A Midsummernight&#039;s Dream</div> </div> <div> <div>Überschrift der Kurzkritik</div> <div>Durch Nacht und Wind</div> </div> <div> <div>Autor/Komponist/Choreograf</div> <div>Goyo Montero (nach William Shakespeare)</div> </div> <div> <div>Premierendatum</div> <div><time datetime="2018-12-15T12:00:00Z">15.12.2018</time> </div> </div> <div> <div>UA/DE/DSE</div> <div>UA</div> </div> <div> <div>Stadt</div> <div><a href="/taxonomy/term/609" hreflang="de">Nürnberg</a></div> </div> <div> <div>Theater</div> <div><a href="/taxonomy/term/1831" hreflang="de">Staatstheater Nürnberg</a></div> </div> <div> <div>Musikalische Leitung</div> <div>Lutz de Veer</div> </div> <div> <div>Genre</div> <div>Tanz</div> </div> <div> <div>Komponist</div> <div>Owen Bealton (UA), Felix Mendelssohn-Bartholdy, Franz Schubert, Robert Schumann, Johannes Brahms</div> </div> <div> <div>Bild</div> <div><div> <div>So., 16.12.2018 - 13:29</div> <div><span lang="" about="/user/52" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Dieter Stoll</span></div> <div> <img src="/sites/default/files/styles/thumbnail/public/staatstheaternuernberg_2018_19_ballett_a_midsummernights_dream_8715_c_jesus_vallinas.jpg?itok=--JAvQRa" width="100" height="67" alt="Thumbnail" title="Goyo Montero nach William Shakespeare: A Midsummernight&#039;s Dream" typeof="foaf:Image" /> </div> <div> <div>Bild-Datei</div> <div> <img src="/sites/default/files/styles/banner/public/staatstheaternuernberg_2018_19_ballett_a_midsummernights_dream_8715_c_jesus_vallinas.jpg?itok=RalgfHqK" width="1800" height="1200" alt="Der Sommernachtstraum wird zum Trauma: das herausragende Tanz-Ensemble in Goyo Monteros Shakespeare-Adaption." title="Der Sommernachtstraum wird zum Trauma: das herausragende Tanz-Ensemble in Goyo Monteros Shakespeare-Adaption." typeof="foaf:Image" /> </div> </div> <div> <div>Urheber/Copyright</div> <div>Jesús Vallinas</div> </div> <div> <div>Beschreibung</div> <div>Der Sommernachtstraum wird zum Trauma: das herausragende Tanz-Ensemble in Goyo Monteros Shakespeare-Adaption.</div> </div> </div> </div> </div> Sun, 16 Dec 2018 12:29:05 +0000 Dieter Stoll 11788 at https://die-deutsche-buehne.de Georg Friedrich Händel: Xerxes https://die-deutsche-buehne.de/kritiken/romantiker-im-freizeit-treff <span>Georg Friedrich Händel: Xerxes</span> <span><span lang="" about="/user/52" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Dieter Stoll</span></span> <span>So., 25.11.2018 - 10:49</span> <div><p><span>Auf der Halfpipe herrscht Hochbetrieb. Links grüßt die Flagge von Griechenland, rechts erkennt man die Farben der Türkei, mittendrin posiert verkehrswidrig ein Girlie mit Roller, artistische Radfahrer der durchweg jüngeren Generation sind auch schon in Sicht. Der persische König, der in der Nürnberger Aufführung von (genau genommen: nach) Georg Friedrich Händels Oper „Xerxes“ die Titelfigur gibt, scheint sich weder über die nicht weiter erläuterten Nationalitäten noch über sportliche Fahrgelegenheiten zu wundern. Wozu auch, er ist allenfalls der King vom Jugendfreizeit-Treff, und hier geht es nicht um die große höfische Intrige, sondern ums aufgeregte Teenie-Herzklopfen ohne Gewähr. Frauen und Männer sind Mädchen und Jungen, die wie Frauen und Männer fühlen. Aufgeheizt vom „Feuer der Liebe“, das noch vom Original herüberlodert, stürzen sie sich in behauptungsfreudig hochgewirbelten  Beziehungsstress im öffentlichen Raum, wo mit der geballten Weisheit eines sportiven Endlos-Workshops nach Gegenwartsspuren in der Opern-Konvention gebohrt wird. GRIPS-Theater lupft Händel-Perücken, der Lehrer Doktor Specht hat grade keine Sprechstunde. </span></p> <p><span>Das französische Kollektiv „Le Lab“ um Jean-Philippe Clarac und Olivier Deloeuil (Regie, Bühne, Kostüme) beruft sich auf die eigenen Wurzeln in der Politikwissenschaft, wenn es mit der Zeit der Handlung auch den Ort ändert. Blankes Entertainment wäre den ambitionierten Herren ausdrücklich  zu wenig, was man durchaus als Distanzierung von den ehemaligen Münchner Händel-Pop-Spektakeln oder Stefan Herheims jüngerer, mindestens so amüsanter Umschlingung von Barock und Muppetshow bei „Xerxes“ in Düsseldorf und Berlin lesen darf. Der Nürnberger Gegenentwurf vom Skateboarding als überwölbendes Lebensgefühl mit beschränkter Haftung ist direkt der städtischen Szene der Stadt abgelauscht, was eine hochfahrende Videowand mit Rundreisen an der nahen Stadtmauer und Interview-Einspielungen aus dem Alltag der Rollbrett-Philosophen zwischen den Arien dokumentiert. Die Jungs, auf der Besetzungsliste unter „Skateboard/BMX“ zusammengefasst, sind doppelt präsent, rollern live durch die Lücken im Irrgarten der Opernhandlung und werden immer wieder als überlebensgroße Filmkonserve vorgeführt. „Riesenromatiker“ nennen sie sich da selbst in strahlender Naivität, das „Mädchen-Beeindrucken“ geben sie auf drängende Nachfrage gerne als Motivationsschub an und überhaupt: „Macht Spaß in der Gruppe, es ist immer was los“. Und: „Freiheit“ sei das passende Wort zum herrschenden Gefühl. An dieser Stelle rief ein ungeduldig werdender Premierenbesucher einfach mal seins dazwischen: „Musik“. Doch da wäre erst noch das Solo eines eigendynamischen Skatebretts zu bewältigen („Mein geliebtes Stück Holz, durch dich scheint das Glück“, liest man in den Übertiteln), das mit perfektem Animationskino erfreut. Wie von Geisterhand bewegt kullert es immer wieder durch Straßengräben, über Rolltreppen und Parkbänke bis zu den Marmorstufen im Opernhaus, wo man als Zuschauer allmählich zu zweifeln beginnt, ob der Markenname „Xerxes“ noch den König oder schon den Werbefeldzug für den Prototyp eines neuen Spielzeug-Modells repräsentiert. Händels Ironie („Wer gerade da ist, wird geliebt“), im Programmheft schlüssig analysiert, bewirkt in der Umsetzung des Regie-Konzepts wenig. Die pauschale Charakteristik der Jugend-Figuren kommt nicht weit über „Hänsel und Gretel“-Standards hinaus. Die Frivolität der Partnertausch-Bereitschaft, die sich wie im Wechselschritt von Witz und Drama ganz in der Nähe von Mozarts „Cosí fan tutte“ bewegt, ist eher ein knutschendes Zwischenspiel. </span></p> <p><span>Dabei gibt Händels Musik, mit der die Nürnberger Oper bislang nur sehr zurückhaltend Umgang pflegte, reichlich Gelegenheit zu vokaler Hochseilartistik. Dirigent Wolfgang Katschner hat die Staatsphilharmonie erweitert, setzt eine historisch ausgestattete Continuo-Gruppe als gerne auch ratternden Schrittmacher ein und entwickelt damit seinen vitalen, ständig vorwärts drängenden Sound der Song-Spaliere. Latente Herausforderung für die Sänger, die mit viel kämpferischer Energie antreten und die Koloratur-Serpentinen oft brillant, durchweg achtbar bewältigen. Mezzosopranistin Almerija Delic in der Titelrolle steigert sich ständig aus gewisser Defensiv-Elegie bis zur finalen Furien-Arie, der Counter Zvi Emanuel-Marial (Arsamene) gewinnt nach und nach an Profil,  die jungen Sopranistinnen Julia Grüter (Romilda) und Andromahi Raptis (Atlanta) klingen nach Versprechen für die Zukunft. </span></p> <p><span>„Geht jetzt vergnügt durchs Leben“ wird am Ende dringlich empfohlen, wenn die Skater-Jugend ihre Verhältnisse einigermaßen geordnet hat, aber der Zuschauer immer noch nicht ganz sicher ist, wer denn da wen wirklich liebt – und warum bloß. Aber da hagelten auch schon Buh-Rufe auf das Regie-Team.</span></p> </div> <div> <div>Stück</div> <div>Xerxes</div> </div> <div> <div>Überschrift der Kurzkritik</div> <div>Romantiker im Freizeit-Treff</div> </div> <div> <div>Autor/Komponist/Choreograf</div> <div>Georg Friedrich Händel</div> </div> <div> <div>Premierendatum</div> <div><time datetime="2018-11-24T12:00:00Z">24.11.2018</time> </div> </div> <div> <div>Regie</div> <div>le lab</div> </div> <div> <div>Stadt</div> <div><a href="/taxonomy/term/609" hreflang="de">Nürnberg</a></div> </div> <div> <div>Theater</div> <div><a href="/taxonomy/term/1831" hreflang="de">Staatstheater Nürnberg</a></div> </div> <div> <div>Musikalische Leitung</div> <div>Wolfgang Katschner</div> </div> <div> <div>Genre</div> <div>Musiktheater</div> </div> <div> <div>Bild</div> <div><div> <div>So., 25.11.2018 - 10:49</div> <div><span lang="" about="/user/52" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Dieter Stoll</span></div> <div> <img src="/sites/default/files/styles/thumbnail/public/staatstheaternuernberg_2018_19_oper_xerxes_4958_c_pedro_malinowski.jpg?itok=J_OWvtxH" width="100" height="60" alt="Thumbnail" title="Georg Friedrich Händel: Xerxes" typeof="foaf:Image" /> </div> <div> <div>Bild-Datei</div> <div> <img src="/sites/default/files/styles/banner/public/staatstheaternuernberg_2018_19_oper_xerxes_4958_c_pedro_malinowski.jpg?itok=mR0YUKxq" width="1800" height="1200" alt="&quot;Xerxes&quot; am Staatstheater Nürnberg" title="&quot;Xerxes&quot; am Staatstheater Nürnberg" typeof="foaf:Image" /> </div> </div> <div> <div>Urheber/Copyright</div> <div>Pedro Malinowski</div> </div> <div> <div>Beschreibung</div> <div>&quot;Xerxes&quot; am Staatstheater Nürnberg. Andromahi Raptis (Atalanta) und Skater</div> </div> </div> </div> </div> Sun, 25 Nov 2018 09:49:02 +0000 Dieter Stoll 10722 at https://die-deutsche-buehne.de Jonathan Sayer, Henry Lewis und Henry Shields: Komödie mit Banküberfall https://die-deutsche-buehne.de/kritiken/das-boese-lacht-immer-und-ueberall <span>Jonathan Sayer, Henry Lewis und Henry Shields: Komödie mit Banküberfall</span> <span><span lang="" about="/user/52" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Dieter Stoll</span></span> <span>So., 21.10.2018 - 12:12</span> <div><p>„Ist er rabiat?”, will einer der Gauner über die Kampfkraft des Gegners wissen. „Nein, er ist kein Rabbi, er ist Katholik“, antwortet ihm sein Partner. Muss man sich erst mal trauen, so einen Dialog. In der diesbezüglich also mutigen Deutschland-Premiere der britischen „Komödie mit Banküberfall“, die auf alle Fälle das Ideal erfüllt, schon im Titel unterzubringen, was man mitzuteilen gedenkt, gibt es reichlich Nachschlag von dieser Qualitätsklasse. „Schikanieren?“ „Mein Vater ist Metzger, ich schicke gerne Nieren.“ Es geht eigentlich um die Planung eines Raubzugs in der US-Provinzbank mit 67jährigem Praktikanten (späte 1950er Jahre, Cha-Cha-Cha, Rock`n Roll, eine Elvis-Gedächtnisnummer ist unvermeidlich), wo unter Beteiligung aller auftretenden Personen der Millionen-Diamant geklaut werden soll, den eigentlich ein ungarischer Prinz abholen will – aber das ist egal. Alles andere auch. Beispielsweise das Bekenntnis einer Angestellten: „Was ich aufm Strich verdiene, äh, unterm Strich.“</p> <p>„Turbulenten Unfug á la Monty Python“ hat das Nürnberger Theater mit der ziemlich deutschen Adaption des britischen Lustspiel-Erfolgs angekündigt, und damit eine Symbiose von Verheißung und Schutzschild geschaffen. Die erweckte Lust auf eine späte Ehrenrunde des legendären Flying Circus, vom Autoren-Trio des Mischief Theatre aus London mit begehrlichen Seitenblicken auf den mehr oder weniger geordneten Nachlass der Marx Brothers sowie von Abbott und Costello unterfüttert, ist gleichzeitig der Rückzug aufs umzäunte Improtheater-Biotop, in dem der Kalauer-Wildwuchs unter Naturschutz steht. Henry Lewis, Jonathan Sayer und Henry Shields sind als Team feste Juniorgrößen im Königreich der Comedy-Majestäten, spezielle Handwerksburschen dieser Spontan-Kleinkunst, und klopfen zur Stabilisierung des wankenden Humors alle Pointen zur Sicherheit mit dem großen Hammer fest. Zusammen mit den deutschen Übersetzern Maria Harpner und Anatol Preissner, die bei ihren Ergänzungsabgaben die sachkundige Hymne vom „Ba-Ba-Banküberfall“ offenbar schlichtweg übersehen haben, rührten also fünf Autoren in der Suppe, und ihre gemeinsame Erfahrung lautet, dass es bei einer Kette von Sketchen nicht immer Perlen sind, was da klimpert. Aber: Fröhliches Scheitern ist kein beklagenswertes Unglück, sondern nun mal die Philosophie dieser Truppe, die damit bereits zum weltweit gebuchten Exportartikel geworden ist. Brexit hin oder her, das Böse lacht immer und überall.</p> <p>„Okay, ihr Drecksäcke“, ruft es in den Raum, und der Jux kann beginnen. Hinter Gefängnisgittern aus Knetgummi mit durchscheinendem Show-Himmel planen Wächter und Gauner im vereinigten Spalier den großen Raubzug. Spezialagenten stoßen dazu, Trickbetrüger und Bankdirektoren tun ihre schwer unterscheidbare Pflicht, die Kassiererin am Schalter verlangt vom maskierten Räuber das rosa Auszahlungsformular. Ein Trottel mit Chloroform-Ausrüstung betäubt nach dem Zufallsprinzip, alle rennen gegen Wände, werden niedergeschlagen oder vom Klappbett eingeklemmt und ein Sortiment unwahrscheinlichster Klebebärte in Unter- und Über-Größen begleitet uns kitzelnd durch den Abend, bis der schlimmste Verbrecher seine Opfer gnadenlos abknallt – nicht ohne sie zur anschließenden Premierenfeier einzuladen. Der nackte Wahnsinn. Ach nee, der ist es leider wirklich nicht.</p> <p>Regisseur Christian Brey, ein Mann mit bewegter Vergangenheit in der Harald-Schmidt-Show, mag auch in der Theatergegenwart die Grauzone zwischen Persiflage und Imitation. Entlarvt wird da nichts und niemand, jeder reingeschriebene Witz über real existierenden Finanzbetrug verpufft durchschlagend wirkungslos. Wenn Brey die reichlich eingepflanzten Filmzitate ausbaut (die Rentner-Gehhilfe im öffentlichen Verkehr kennen wir nicht nur von Monty Python, nein, auch von „Mord mit Aussicht“ – gibt das Extra-Punkte?), darf es der Zuschauer immer als Einladung zum Ratespiel verstehen, als Prösterchen zur Party-Charade. Ansonsten setzt die Inszenierung auf den Akrobatiktrainer Ingo Schweiger, der das sportive Zehn-Personen-Ensemble sogar die Wände hoch jagt. Die Schauspieler mit Maximilian Pulst (Taschendieb nach Slapstick-Modell) und Lea Salfeld (Trickbetrügerin mit tickender Bombe um den Baby-Bauch) an der Spitze sind allesamt  noch besser gelaunt, noch höher motiviert und noch lauter gestimmt als die Zuschauer, deren sachkundiger Teil womöglich verstummend darüber nachsinnt, ob der krähende Bankdirektor mit dem Wichtigtuer-Gen (Pius Maria Cüppers) wirklich Klaus Breimann heißt, oder doch mit voller Absicht nur so ähnlich.</p> <p>Am Ende wird die Kassiererin der Minneapolis City Bank (Vertrauensbeweis für Adeline Schebesch, sie darf exklusiv für Nürnberg einen Scherz über Fürth machen) den balzenden Polizisten mit seinen eigenen Handschellen ans Heizungsrohr ketten und mit dem erbeuteten Diamanten abmarschieren. Warum auch nicht! „Alles nur Gauner in dieser Stadt“, ruft sie dann in den Saal. Muss man wohl noch mal drüber nachdenken. Wer die Beurteilung von „Komödie mit Banküberfall“ womöglich etwas „barsch“ findet, sei auf die Autoren zurück verwiesen. Sie reagieren im Dialog auf einen Vorwurf in dieser Formulierung mit der Antwort: „Ich mag Fisch.“</p> </div> <div> <div>Stück</div> <div>Komödie mit Banküberfall</div> </div> <div> <div>Überschrift der Kurzkritik</div> <div>Das Böse lacht immer und überall</div> </div> <div> <div>Autor/Komponist/Choreograf</div> <div>Jonathan Sayer, Henry Lewis und Henry Shields</div> </div> <div> <div>Premierendatum</div> <div><time datetime="2018-10-20T12:00:00Z">20.10.2018</time> </div> </div> <div> <div>UA/DE/DSE</div> <div>DSE</div> </div> <div> <div>Regie</div> <div>Christian Brey</div> </div> <div> <div>Stadt</div> <div><a href="/taxonomy/term/609" hreflang="de">Nürnberg</a></div> </div> <div> <div>Theater</div> <div><a href="/taxonomy/term/1831" hreflang="de">Staatstheater Nürnberg</a></div> </div> <div> <div>Genre</div> <div>Schauspiel</div> </div> <div> <div>Bild</div> <div><div> <div>So., 21.10.2018 - 12:12</div> <div><span lang="" about="/user/52" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Dieter Stoll</span></div> <div> <img src="/sites/default/files/styles/thumbnail/public/staatstheaternuernberg_2018_19_schauspiel_komoedie_mit_bankueberfall_06.jpg?itok=57eBwugu" width="100" height="67" alt="Thumbnail" title="Jonathan Sayer, Henry Lewis und Henry Shields: Komödie mit Banküberfall" typeof="foaf:Image" /> </div> <div> <div>Bild-Datei</div> <div> <img src="/sites/default/files/styles/banner/public/staatstheaternuernberg_2018_19_schauspiel_komoedie_mit_bankueberfall_06.jpg?itok=6-6bmJzK" width="1800" height="1200" alt="&quot;Komödie mit Banküberfall&quot; in Nürnberg" title="&quot;Komödie mit Banküberfall&quot; in Nürnberg" typeof="foaf:Image" /> </div> </div> <div> <div>Urheber/Copyright</div> <div>Konrad Fersterer</div> </div> <div> <div>Beschreibung</div> <div>&quot;Komödie mit Banküberfall&quot; in Nürnberg</div> </div> </div> </div> </div> Sun, 21 Oct 2018 10:12:59 +0000 Dieter Stoll 10690 at https://die-deutsche-buehne.de Euripides / Konstantin Küspert: Die Troerinnen / Poseidon-Monolog https://die-deutsche-buehne.de/kritiken/verfluchte-menschenbrut <span>Euripides / Konstantin Küspert: Die Troerinnen / Poseidon-Monolog</span> <span><span lang="" about="/user/52" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Dieter Stoll</span></span> <span>Mo., 08.10.2018 - 11:45</span> <div><p>Gott ist ja bekannt für seinen Zorn, aber wann hat er schon öffentlich je so direkt jenseits aller Bibelfestigkeit „diese verfluchte Menschenbrut“ verdammt. Diese „Massaker an Massaker reihenden“ Machtmonster-Geschöpfe, die – je nach Reifegrad der gerade gültigen zeitgeschichtlichen Ego-Trips – „wegen Öl oder Stolz oder einer einzelnen Frau“ die Welt der Andern in Schutt und Asche legen. „Ihr Idioten seid doch selber sterblich“ ruft der hohe Herr seiner geschwundenen Autorität hinterher in den leeren Raum – gleich nachdem er sich erst mal mit irritiertem Blick auf die steil abfallende abstrakte Bühne etwas gewundert hat: „Wer hat denn das hier gebaut?“. Ausstatterin Marie Roth war es, und die zwanghaft abschüssige, sozusagen untergangsaffine  Strecke mit Figuren ausspuckender Klapptür ganz oben und alles verschlingendem  Höllenschlund weit unten, ist als Raum und Metapher schon für sich ein starkes Stück. Der Meeresgott, mit offener Smokingschleife und knitterndem Gesichtsausdruck offenbar direkt von einer überirdischen Party zur sarkastischen Trauerbegleitung in die Ruinen seiner Lieblingsstadt Troja geeilt,  holt  zum „Poseidon-Monolog“ aus: Michael Hochstrasser setzt zielsicher die Worte wie Giftpfeile für offene Wunden. Diese Einstimmung ins Unfassbare ist die ergänzende Uraufführung in Jan Philipp Glogers Nürnberger Euripides-Projekt um „Die Troerinnen“, im Kern eine Adaption der Karlsruher Produktion vom April 2016. Monolog-Autor <a href="https://www.suhrkamp.de/autoren/konstantin_kuespert_8721.html">Konstantin Küspert </a>war da bereits für die von lakonischem Witz in ständiger Explosionsgefahr unterminierte Übersetzung und Verknappung zuständig, ergänzte jetzt mit minimalistischer Maximal-Resignation aus berufenem Mund: „Da kann ich nur sagen, hoffentlich wars das wert!“. Eine Neuaufbereitung mit Umbesetzungen ist es auf alle Fälle, denn abgesehen davon, dass der neue Schauspieldirektor am Staatstheater Nürnberg mit dem Ausbau des eigenen Spielplans eine tief klaffende Antiken-Lücke im lokalen Repertoire schließt (nur Georg Schmiedleitners „Orestie“ von 2010 blieb da aus Jahrzehnten eine Erinnerung), wäre es schade um das Verschwinden dieser maßstabsetzenden Inszenierung. Sie ist und bleibt atemberaubend.</p> <p>Die Zivilisation und das, was man dafür hält, sind schon rettungslos verloren, wenn die alte Königin von Troja noch mit gerafftem Pathos um Fassung ringt. Die kämpferische Dame in eleganter Design-Verpackung, die Hermès-Handtasche nach Thatcher-Technik wie eine Handfeuerwaffe an den Busen gedrückt, stimmt das Klagelied an als wär´s die letzte Chance zur großen Rechtfertigungs-Arie. Und das ist es ja auch. <a href="https://www.staatstheater-nuernberg.de/kuenstler/annette-bueschelberger">Annette Büschelberger</a>, die wohl schon bei ihrer zweiten Premiere weit auf dem Weg ist, ein Nürnberger Bühnen-Star zu werden, lässt als Hekabe übungshalber ein räusperndes Krächzen hören, quasi die Heiserkeit der Macht, ehe sie gewaltsam den Aufschwung zum Absturz packt. Sie rafft die Reste dessen, was sie amtlich für Würde hält und bricht dabei immer wieder, immer krachender in sich zusammen. Tochter Kassandra im Verzweiflungs-Brautkleid (Pauline Kästner baut einen Schutzwall von hysterischem Gelächter) klammert sich an Rache-Ahnungen. Die eher pragmatisch ums Irgendwie-Überleben kämpfende Schwiegertochter Andromache (Julia Bartolome zeigt gekonnt impulsiv eingesetztes Verzweiflungs-Drama) wirft sich auf ihren todgeweihten Jungen wie auf die letzte Erinnerung an bessere Zeiten. Vom Kind, dem schrecklichsten aller Menschen-Opfer, bleibt für herzende Abschiedsumarmungen letztlich nur der gefüllte Leichensack. Ein Bild, das man nicht mehr los wird.</p> <p>Den Männern ist in diesem 90-Minuten-Reflex von berstender Frauen-Power in Abwicklung nur jämmerliche Anmaßung und die alles überwuchernde institutionalisierte  Gewalt vorbehalten. Thomas Nunner reflektiert mit wankender Körpersprache als schnaubender Menelaos diese Melange aus Barbarei und Hilflosigkeit fabelhaft genau. Unübertrefflich aber Sascha Tuxhorn, wie er den Boten Talthybios zum Repräsentanten der jederzeit elastischen Fremdmeinung macht, zum überzeitlich lachhaften „Behördenkasper“ mit dem Achselzucken im öffentlichen Dienst. Ein Entschuldigungen murmelnder Schreibtischtäter für den Außen-Einsatz, durchpulst von untrennbar verbundener Tragik und Komik, als sei er das personifizierte Trafohäuschen dieser wunderbar auf den Energiepunkt gebrachten Inszenierung.</p> <p>Alle Personen aus der Antike sind Figuren, an deren Gegenwärtigkeit nie Zweifel aufkommen. Von daher ist die Kostümierung in aktuellen Mode-Standard so wenig problematisch wie die noch im Ausbruch zum Schnodder-Slang („Mutti, das ist jetzt aber Quatsch“) ganz bei der Sache bleibende  Übersetzung. Regisseur Gloger jagt mit den Schattenspiel-Videos von Sami Bill, in denen auch massenhaft Kakerlaken wimmeln, traumatische Effekte über die Oberflächen des Unterbewusstseins, aber der Sprache und den Schauspielern gehört dabei immer seine uneingeschränkte Aufmerksamkeit. Jeder Darsteller ein eigenes Kunstwerk, alle zusammen ein mächtiges Denkmal-Bild. Daraus entsteht nervenkitzelnde Thriller-Spannung, die bis zum finalen Sturz in den unwiderstehlichen Sog des Untergangs anhält. Man konnte es bei der Premiere auch in Schrecksekunden messen, am Schock, also daran, wie lang die Pause nach dem Blackout bis zum einsetzenden Beifall war.</p> </div> <div> <div>Stück</div> <div>Die Troerinnen / Poseidon-Monolog</div> </div> <div> <div>Überschrift der Kurzkritik</div> <div>Verfluchte Menschenbrut</div> </div> <div> <div>Autor/Komponist/Choreograf</div> <div>Euripides / Konstantin Küspert</div> </div> <div> <div>Premierendatum</div> <div><time datetime="2018-10-07T12:00:00Z">07.10.2018</time> </div> </div> <div> <div>Regie</div> <div>Jan Philipp Gloger</div> </div> <div> <div>Stadt</div> <div><a href="/taxonomy/term/609" hreflang="de">Nürnberg</a></div> </div> <div> <div>Theater</div> <div><a href="/taxonomy/term/1831" hreflang="de">Staatstheater Nürnberg</a></div> </div> <div> <div>Genre</div> <div>Schauspiel</div> </div> <div> <div>Bild</div> <div><div> <div>Mo., 08.10.2018 - 11:45</div> <div><span lang="" about="/user/52" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Dieter Stoll</span></div> <div> <img src="/sites/default/files/styles/thumbnail/public/troer.jpg?itok=p7yoXNWW" width="100" height="67" alt="Thumbnail" title="Euripides / Konstantin Küspert: Die Troerinnen / Poseidon-Monolog" typeof="foaf:Image" /> </div> <div> <div>Bild-Datei</div> <div> <img src="/sites/default/files/styles/banner/public/troer.jpg?itok=J7EoXgSG" width="1800" height="1200" alt="Szenenbild aus den &quot;TroerinnenG&quot; am Staatstheater Nürnberg" title="Szenenbild aus den &quot;TroerinnenG&quot; am Staatstheater Nürnberg" typeof="foaf:Image" /> </div> </div> <div> <div>Urheber/Copyright</div> <div>Konrad Fersterer</div> </div> <div> <div>Beschreibung</div> <div>Szenenbild aus den &quot;TroerinnenG&quot; am Staatstheater Nürnberg. Im Vordergrund Annette Büschelberger als Hekabe</div> </div> </div> </div> </div> Mon, 08 Oct 2018 09:45:23 +0000 Dieter Stoll 10655 at https://die-deutsche-buehne.de Sergej Prokofjew: Krieg und Frieden https://die-deutsche-buehne.de/kritiken/mit-putin-auf-dem-roten-teppich <span>Sergej Prokofjew: Krieg und Frieden</span> <span><span lang="" about="/user/52" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Dieter Stoll</span></span> <span>Mo., 01.10.2018 - 12:33</span> <div><p>Der kleine Mann mit dem herausfordernden Blick kommt uns bekannt vor: Wenn 1809 beim Petersburger Hochadel, einer heutzutage wohl anders genannten Bevölkerungsschicht,  der rote Teppich für den staatstragenden Silvesterball ausgerollt ist, taucht  ein von Bodyguards geschützter Herr mit freier Heldenbrust auf – das Pferd bleibt draußen – und grüßt lupenrein ins imaginäre Volk. Ehe die Kronleuchter schweben und der berauschende Sog der Walzerklänge allen verfügbaren Pärchen erst den Atem und dann den Verstand raubt, verlässt er die Gala schon wieder, muss wohl regieren oder posieren, womöglich die Psyche des anrückenden Napoleon Bonaparte im Staatsfernsehen studieren.  Den Kaiser mit der breiten Mütze entdeckt man irgendwann auf dem Monitor. Schon im zweiten Bild dieser Aufführung von Sergej Prokofjews wahrhaft kolossaler Oper „Krieg und Frieden“ nach Leo Tolstois Roman, dem bis zum patriotischen Schmetter-Finale elf weitere folgen werden, blitzt in der Nürnberger Inszenierung süffisant die Gegenwart dazwischen. Den Donner hat Regisseur Jens-Daniel Herzog ins Programmheft verlegt, wo er den „Möchtegern-Stalin namens Putin“  und seine „Verklärung der Vergangenheit, um das Volk ruhig zu stellen und seine Geschäfte zu machen“ attackiert. Eine Gastspiel-Einladung nach Moskau wird es für Nürnberg also nicht geben.</p> <p>Was der feinfühlige Tolstoi über das Schicksal seiner Landsleute und die Widersprüche ihrer Existenz zu Zeiten von Napoleons Überfall auf Russland um 1812 zu sagen hatte, war dem Komponisten ein am eigenen Leib erspürtes Déjà-vu-Menetekel für den 130 Jahre später einsetzenden „vaterländischen Krieg“  zur Abwehr von Hitler-Deutschland. Sein plakatives Schmerzenswerk, das als eines der größten und unbekanntesten der Musiktheater-Geschichte gilt, hat einen Makel, der auch von Vorteil ist. Weil über ein Jahrzehnt hinweg bei den vielen Korrektur-Versionen zu Prokofjews Lebzeiten  nie eine „authentische“ Uraufführungs-Fassung entstand, kann jeder mutige Opernchef auch heute an seiner eigenen basteln. Es passiert ja nicht allzu oft, aber der neue Nürnberger Intendant Jens-Daniel Herzog  war auf der Suche nach dem unverwechselbaren Amtszeit-Auftakt verwegen genug. Er verlängerte, überwiegend  in Gedanken und Requisiten, das ohnehin schon in Bewegung gesetzte Stationen-Drama weiter in die Regie-Gegenwart, ohne dabei das Original zu beschädigen. Zusammen mit Generalmusikdirektorin Joana Mallwitz, die in Fleißarbeit einen trittfesten Pfad durch wucherndes Notenmaterial aus russischen Archiven schlug, braute er das Konzentrat einer Schlankheitskur für die unmäßige Vorlage. Knapp 30 der 70 Rollen verschwanden, bei verbliebenen 3 Stunden reiner Spieldauer sind mindestens 75 Minuten abgeschmolzen. Die Rarität ist immer noch monströs genug.</p> <p>Der Bilderbogen, wie er in Nürnberg aufgeblättert wird, kommt dem Zuschauer weit entgegen. Vor den Übertiteln der Dialoge haben alle Szenen Einführungstexte wie Erleuchtungsspuren, die neben Zeit und Ort auch die Charakteristik der Beteiligten skizzieren. Man weiß also über die Protagonisten immer schon Bescheid, noch ehe sie auftreten, und kann die Bestätigung überprüfen.  Das mag manchmal die Spannung relativieren, macht aber den Blick frei für komplexe Zusammenhänge, die sich (in der Inszenierung schlüssiger als in der Vorlage) aus der Verschlingung von Liebeswirren und Staatsaktionen ergeben. Die raffiniert schlichte Bühne von Mathis Neidhardt schafft visuelle Tatsachen: Angestoßene Holzwände wie Nachlässe aus „besseren Zeiten“ verwandeln die Räume geräuschlos in immer anders wirkende Treibhäuschen. Im Unterstand an der Kriegsfront, Markierung zwischen den gewalttätigen Eindringlingen und den verzweifelt zurückschlagenden Verteidigern, entsteht ein niederschmetterndes Allzeit-Arrangement für Heldentod in Käfighaltung.</p> <p>Jens-Daniel Herzog zwingt den Krieg, der den zweiten Teil der Oper beherrscht, in beklemmende Trauma-Bilder. Soldaten-Chöre brechen durch die Wand, stürmen an die Rampe, kriechen ins Schlachtfeld. Das  Schicksal der drei Hauptfiguren ist dagegen ein einziges Suchen nach dem unauffindbaren Glück, von der eigenen Konvention so bedroht wie von den feindlichen Waffen, wunderbar inszeniert als leise tastender Individualismus im Kontrast zum tobenden  Gefühlsaufstand. Im großen Ensemble (auffällig interessant: Sangmin Lee als bullig dissonanter Napoleon), das wie der aufgestockte Chor starken Eindruck macht, fallen die führenden Solisten dennoch aus dem Rahmen. Zurab Zurabishvili ist mit darstellerisch wie stimmlich zunehmender Präsenz der noch als Front-Tourist vernünftig scheinende Graf Pierre, der stoische Ruhe als russische Philosophie des Achselzuckens trainiert, während das unglückliche Liebespaar (Jochen Kupfer mit geradezu unheimlich wachsender vokaler Strahlkraft und Eleonore Marguerre in etwas verhangen bleibenden Tönen) die Reste der erlöschenden Beziehung wie im Hauch von Schmerz durchlebt.</p> <p>Als verkannten Geniestreich wird GMD Joana Mallwitz trotz ihrer intensiven, in großen Teilen absolut überzeugenden  Interpretationsarbeit die Prokofjew-Oper sicher nicht bezeichnen wollen. Sie gibt dieser an Ambitions-Hochdruck leidenden Partitur Zunder und viel Farbe, schafft mit weit ausholender, beflügelnder Dirigier-Technik jede Menge Freiraum für die Durchlüftung schwitziger Klangballungen und lockt das Philharmonische Orchester in schwebende Verästelungen, wo eiserne Opern-Klischees keinen Nistplatz haben.  Freilich, Mallwitz kann auch Effekt. Das stilistische Sortiment der Möglichkeiten, das der Komponist zwischen Tänzchen, Liedchen und durchkomponierten Tableaus reichlich bietet, ist tadellos bewältigt. Am Ende freilich, wenn die Franzosen in Unterhosen vor den rächenden Siegern stehen und das russische Volk im drastisch notierten Chor-Gebrüll die frohe Zukunft aus ewigem Ruhm und einem Feldmarschall einfordert, kapitulieren Regisseur wie Dirigentin. Während  Graf Pierre, der Klügste im öffentlichen Überlebenstraining, bei aufkommendem Hauruck-Patriotismus kopfschüttelnd die Stätte besinnungsloser Euphorie verlässt, befeuert die musikalische Leiterin den Chor zum finalen Kehlkopf-Hochleistungssport. Beim  Blackout folgte bei der Premiere keine Schockstarre, es prasselten nahtlos Bravo-Rufe.</p> </div> <div> <div>Stück</div> <div>Krieg und Frieden</div> </div> <div> <div>Überschrift der Kurzkritik</div> <div>Mit Putin auf dem roten Teppich</div> </div> <div> <div>Autor/Komponist/Choreograf</div> <div>Sergej Prokofjew</div> </div> <div> <div>Premierendatum</div> <div><time datetime="2018-09-30T12:00:00Z">30.09.2018</time> </div> </div> <div> <div>Regie</div> <div>Jens-Daniel Herzog</div> </div> <div> <div>Stadt</div> <div><a href="/taxonomy/term/609" hreflang="de">Nürnberg</a></div> </div> <div> <div>Theater</div> <div><a href="/taxonomy/term/1831" hreflang="de">Staatstheater Nürnberg</a></div> </div> <div> <div>Musikalische Leitung</div> <div>Joana Mallwitz</div> </div> <div> <div>Autor der Vorlage</div> <div>Leo Tolstoi</div> </div> <div> <div>Genre</div> <div>Musiktheater</div> </div> <div> <div>Bild</div> <div><div> <div>Mo., 01.10.2018 - 12:33</div> <div><span lang="" about="/user/52" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Dieter Stoll</span></div> <div> <img src="/sites/default/files/styles/thumbnail/public/szenenbild-krieg-und-frieden-prokofjew-staatstheater-nuernberg-104__h-558_v-img__16__9__xl_w-994_-e1d284d92729d9396a907e303225e0f2d9fa53b4.jpg?itok=13iVujFI" width="100" height="56" alt="Thumbnail" title="Sergej Prokofjew: Krieg und Frieden" typeof="foaf:Image" /> </div> <div> <div>Bild-Datei</div> <div> <img src="/sites/default/files/styles/banner/public/szenenbild-krieg-und-frieden-prokofjew-staatstheater-nuernberg-104__h-558_v-img__16__9__xl_w-994_-e1d284d92729d9396a907e303225e0f2d9fa53b4.jpg?itok=mvX6sxIG" width="1800" height="1200" alt="Szenenfoto mit Tadas Girininkas (Dolochow) und Tadeusz Szlenkier" title="Szenenfoto mit Tadas Girininkas (Dolochow) und Tadeusz Szlenkier" typeof="foaf:Image" /> </div> </div> <div> <div>Urheber/Copyright</div> <div>Ludwig Olah</div> </div> <div> <div>Beschreibung</div> <div>Szenenfoto mit Tadas Girininkas (Dolochow) und Tadeusz Szlenkier</div> </div> </div> </div> </div> Mon, 01 Oct 2018 10:33:05 +0000 Dieter Stoll 10665 at https://die-deutsche-buehne.de Boris Nikitin, Malte Scholz: Aufführung einer gefälschten Predigt über das Sterben https://die-deutsche-buehne.de/kritiken/sterben-lernen <span>Boris Nikitin, Malte Scholz: Aufführung einer gefälschten Predigt über das Sterben</span> <span><span lang="" about="/user/65" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Florian Welle</span></span> <span>Mo., 01.10.2018 - 09:37</span> <div><p>Achtzehn lange Jahre war Klaus Kusenberg Schauspieldirektor des Staatstheaters Nürnberg. In dieser Zeit pflegte er die Klassiker, vor allem aber entwickelte er ein Faible für das Well Made Play und zuletzt, etwas kurios, für ein Genre, das in der Theaterlandschaft wirklich sehr randständig ist: das Fußball-Drama. Um zu erkennen, dass unter seinem Nachfolger Jan Philipp Gloger nun alles anders werden wird, genügte am Eröffnungswochenende mit wuchtigen vier Premieren bereits der Besuch der Uraufführung von Boris Nikitins „Aufführung einer gefälschten Predigt über das Sterben“. So eine Arbeit hätte es unter Kusenberg niemals gegeben. Arbeit deshalb, weil der 1979 in Basel als Sohn russisch-slowakisch-französisch-jüdischer Einwanderer geborene Nikitin bewusst offenlässt, ob der Zuschauer in den Kammerspielen eineinhalb Stunden lang einer Performance, einem Projekt, einem Schauspiel oder wirklich einer Predigt beiwohnt. Nikitin ist ein gerne mit biografisch-dokumentarischem Material arbeitender Grenzgänger, den die Gesetze und Regeln interessieren, die jedes theatrale Format besitzt. Diese gelte es solange durchzuarbeiten – vor nicht allzu langer Zeit hätte man wohl noch gesagt: zu dekonstruieren –, bis nur noch eine Frage im Raum steht: „Ist das überhaupt noch Theater?“</p> <p>Ja, natürlich ist es noch Theater. Schließlich wohnt man einer Inszenierung an einem Haus bei, das eigens dafür gebaut wurde. Erlebt man auf einer Bühne das neue Ensemblemitglied Yascha Finn Nolting am Klavier und einen fulminanten Gospelchor (eine Fusion aus dem Nürnberger Gospelchor und den Veitsbronner „Vo!ces“), wie sie beide den Gastdarsteller Malte Scholz bei seiner Predigt in fünf Teilen musikalisch begleiten: „We all need somebody to lean on“. Dazu steht auf der Bühne noch ein Fernseher herum. Darin zu sehen sind fahrende Autos und ein nackter Körper. Warum auch immer. Mit anderen Worten: Nikitin hat als Autor und Regisseur bewusst arrangiert und Entscheidungen getroffen. Auf der Bühne die Theatermacher, im Saal die Zuschauer. Und dazwischen der Graben als symbolische Grenze.</p> <p>Trotzdem erwischt man sich im Verlauf der äußerst geschickt gemachten „Aufführung“ immer wieder bei der zwiespältige Gefühle auslösenden Frage, was denn hier nun eigentlich Fakt und was Fiktion ist. Wo der fantastisch agierende Malte Scholz in der Rolle eines Predigers aufhört und wo der ganz private Malte Scholz anfängt? Schließlich berichtet uns Scholz mit Mikro in der Hand detailliert vom langsamen Sterben seines eigenen Vaters, der an ALS erkrankt war und erst vor wenigen Monaten starb. Entledigt sich dabei sogar noch nach und nach seiner Alltagskleidung (Jeans und Batik-Shirt). Bis er schließlich splitternackt vor uns steht, liegt, sitzt. Also einen Striptease im doppelten Sinne hingelegt und auf diese Weise verschiedene Grenzen überschritten hat. Allen voran die Schamgrenze. Aber auch die, die regelt, wieviel Intimität im öffentlichen Miteinander zulässig ist. Wir werden, ob wir es wollen oder nicht, zu Voyeuristen.</p> <p>Doch nicht nur das. Scholz löst mit seiner Selbstentblößung etwas in einem aus. Was genau? Dies dürfte von Zuschauer zu Zuschauer variieren. Mögen die einen möglicherweise emotional berührt sein, kämpfen andere vielleicht mit Abwehrreaktionen, weil sie sich plötzlich mit der eigenen Sterblichkeit konfrontiert sehen. Das ist unangenehm. Schließlich ist die Frage nach dem Tod eine, die man im Westen nur allzu gerne verdrängt. Genau das aber kritisiert Scholz in seiner „gefälschten Predigt“ und plädiert mit Aristoteles dafür, dass wir alle wieder „das Sterben lernen müssen, um leben zu können“. Um seine Argumentation zu untermauern, bringt er das englische Wort „vulnerability“ für Verletzbarkeit ins Spiel. In dem Wort stecke die „ability“, also die Fähigkeit, sich verletzbar zu machen. Man kann „vulnerability“ aber auch mit Verwundbarkeit übersetzen, und spätestens ab da mag dem ein oder anderen klar werden, in welcher Traditionslinie sich Boris Nikitin stellt: Es ist die, die von Beuys? Environment „Zeige Deine Wunde“ über Heiner Müllers Ausspruch „Ihr habt das Sterben verlernt, deswegen seid Ihr zu keiner Revolution mehr fähig“ bis zu Christoph Schlingensiefs Fluxus-Oratorium „Eine Kirche der Angst vor dem Fremden in mir“ reicht.</p> <p>Seine körperlichen und seelischen Schwächen offen zu zeigen, würde Gemeinschaft stiften, erklärt Scholz weiter. Keiner wäre dann mehr alleine mit Krankheit und Tod. Zugegeben, ein schöner Gedanke, in dem man wohl das utopische Moment dieser „Aufführung“ zu sehen hat. Doch je länger man Malte Scholz zuhört, wie er mit ruhiger, einnehmender Stimme und Dackelblick erzählt und erzählt, desto mulmiger wird einem auch. Auf einmal fallen einem US-amerikanische Fernsehprediger ein und man beginnt sich zu fragen, ob man nicht hier und jetzt gerade auf perfide Weise manipuliert wird. Und hoffentlich erinnert man sich dann an die einleitenden Worte von Malte Scholz, die dieser in einer Art Prolog vielleicht ja wirklich noch als Privatperson und nicht als Predigt-Performer an uns gerichtet hat und in denen er uns gewarnt hat: „Predigt, meine Damen und Herren, bedeutet ja der Versuch, mit Mitteln der Rhetorik auf ein zuhörendes Publikum einzuwirken, so dass es sich verändert. Es geht darum, den Zuhörerinnen und Zuhörern mit Worten eine Botschaft zu übermitteln und sie dabei abzuholen, zu erheben und gleichzeitig in ihrem Alltagsleben zu bestürzen.“ Will heißen: Das Format der Predigt ist alles andere als harmlos, sondern per se auf Suggestion aus. Und spätestens ab diesem Zeitpunkt kippt dieser hochspannende Abend, der eine Predigt re-inszeniert, um deren Wirkungsweise offenzulegen, ins Politische und neue Fragen tauchen auf. Zum Beispiel: Wie wird Realität hergestellt? Wie Glauben und Gefolgschaft? Was ist Predigt, was Propaganda?</p> </div> <div> <div>Stück</div> <div>Aufführung einer gefälschten Predigt über das Sterben</div> </div> <div> <div>Überschrift der Kurzkritik</div> <div>Sterben lernen</div> </div> <div> <div>Autor/Komponist/Choreograf</div> <div>Boris Nikitin, Malte Scholz</div> </div> <div> <div>Premierendatum</div> <div><time datetime="2018-10-28T12:00:00Z">28.10.2018</time> </div> </div> <div> <div>UA/DE/DSE</div> <div>UA</div> </div> <div> <div>Regie</div> <div>Boris Nikitin</div> </div> <div> <div>Stadt</div> <div><a href="/taxonomy/term/609" hreflang="de">Nürnberg</a></div> </div> <div> <div>Theater</div> <div><a href="/taxonomy/term/1831" hreflang="de">Staatstheater Nürnberg</a></div> </div> <div> <div>Genre</div> <div>Schauspiel</div> </div> <div> <div>Bild</div> <div><div> <div>Mo., 01.10.2018 - 09:37</div> <div><span lang="" about="/user/65" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Florian Welle</span></div> <div> <img src="/sites/default/files/styles/thumbnail/public/staatstheaternuernberg_2018_19_auffuehrung_einer_gefaelschten_predigt_02.jpg?itok=O3jn-eLW" width="100" height="67" alt="Thumbnail" title="Boris Nikitin, Malte Scholz: Aufführung einer gefälschten Predigt über das Sterben" typeof="foaf:Image" /> </div> <div> <div>Bild-Datei</div> <div> <img src="/sites/default/files/styles/banner/public/staatstheaternuernberg_2018_19_auffuehrung_einer_gefaelschten_predigt_02.jpg?itok=Vu4O_ISf" width="1800" height="1200" alt="Malte Scholz als (falscher?) Prediger" title="Malte Scholz als (falscher?) Prediger" typeof="foaf:Image" /> </div> </div> <div> <div>Urheber/Copyright</div> <div>Konrad Fersterer</div> </div> <div> <div>Beschreibung</div> <div>Malte Scholz als (falscher?) Prediger</div> </div> </div> </div> </div> Mon, 01 Oct 2018 07:37:58 +0000 Florian Welle 10664 at https://die-deutsche-buehne.de Bernd Alois Zimmermann: Die Soldaten https://die-deutsche-buehne.de/kritiken/im-strudel-der-zeitspirale <span>Bernd Alois Zimmermann: Die Soldaten</span> <span><span lang="" about="/user/149" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Sabine Weber</span></span> <span>So., 18.03.2018 - 17:22</span> <div><p>Im vierten Akt finden wir Zuschauer uns im muffigen Halbdunkel der Bühne wieder – also <em>hinter </em>dem geschlossenen Vorhang! Umzingelt von drei Schlagzeuggruppen mit jeweils mindestens sechs Pauken und von einer Menge an Lautsprechern drängeln wir uns umeinander wie in einem schwarzen Aquarium, blicken nach oben in den Bühnenturm, wo es bereits merkwürdig knarzt. Wir dürfen uns frei bewegen. Aber wohin? Am Rande werden Klappstühle aufgestellt für die, die sitzen müssen... Die Idee des „runden Klangtheaters“ greift der alte Regie-Revoluzzer Peter Konwitschny hier in klaustrophobisch gesteigerter Form auf. In einer freien Weiterdeutung der Idee einer „Kugelgestalt der Zeit“, wie Bernd Alois Zimmermann sie in diesem bahnbrechenden Bühnenwerk Ende der 1950er, Anfang der 1960er erdacht und in Partitur gebracht hat. Die Zuhörer werden also in Nürnberg dem Zimmermann’schen Klangstrudel unmittelbar ausgesetzt, herausgerissen aus der Sicherheit plüschiger Theatersessel.</p> <p>Bernd Alois Zimmermanns Musiktheater „Die Soldaten“ ist bis auf den heutigen Tag ein visionärer Monolith im Opernspielplan geblieben. Und für jedes Opernhaus eine enorme Herausforderung. Die klangliche Umsetzung erfordert vier Pauker und insgesamt 21 Schlagzeuger, die, zum Teil auf Probebühnen spielend, live zugeschaltet werden müssen. Allein das große Orchester füllt den Graben bereits vollständig aus. Eine Orgel spielt im Nebenraum, dazu ein großes Ensemble auf der Bühne mit Solopartien, die eigentlich (laut Michael Gielen) alle eine Quart zu hoch sind und den Sängern mit ihren Zwölftonkoloraturen inklusive bizarrer Intervallsprünge das Äußerste abverlangen... Obendrein verlangt Zimmermann komplizierteste Simultanszenen, die Vergangenheit und Zukunft in eine surreale Gegenwart zwingen – eine ungeheure Anforderung für jede Regie! Trotz dieser aufführungspraktischen Zumutungen hat sich in den letzten Jahrzehnten aber eine Aufführungstradition etabliert, die zuletzt 2010 in Amsterdam, 2013 in Zürich/Berlin, 2014 an der Bayerischen Staatsoper oder auch 2016 am Staatstheater Wiesbaden fortgeführt wurde. Als erste Aufführung des 21. Jahrhunderts brachte David Pountney das Werk bei der Ruhrtriennale 2006 in der Bochumer Jahrhunderthalle heraus.</p> <p>In Nürnberg gleiten scherenschnittartige Bühnenbilder von oben herunter – eines nach dem anderen. Grüne, rote, gelbe oder goldene Wände mit Fenster- oder Türausschnitten deuten Räume an. Grün ist die Farbe von Maries Zimmer, jener Bürgerstochter, die sich lebenshungrig und in der Hoffnung auf sozialen Aufstieg von einem Baron verführen lässt, danach von ihm fallen gelassen wird und als Bettlerin endet. Papp-Bäume dekorieren eine Fußballwiese, wo sich die Offiziers-Herren mit dem Ball amüsieren und hochtrabende Philosophien über das „herrliche“ Menschsein loslassen, garniert mit abfälligen Bemerkungen über Frauen. Zwischen Tischen mit Laptops gleiten die Herren in Glanzanzügen, wie sie Banker wohl tragen, in eine Lotterparty ab und reißen alkoholisiert Löcher in die Papierwände. Die Bühnenbilder hat Helmut Brade geliefert, Konwitschnys langjähriger Bühnenbildner bereits zu DDR-Zeiten. Fußballtor, Sessel oder Bett werden hereingetragen oder -geschoben. An die Unterbrechungen des Umbaus auf offener Bühne muss man sich gewöhnen.</p> <p>Das dichterische Wort der von Jakob Michael Reinhold Lenz 1776 veröffentlichten Theaterkomödie gleichen Titels hat Zimmermann unverändert ins Libretto übernommen, er hat nur die Szenenfolge gleichsam kondensiert. Konwitschny allerdings nimmt in Nürnberg eine entscheidende Umdeutung vor. Sie betrifft die Begegnung des Barons Desportes mit Marie. Zimmermann sieht hier drei Simultanszenen vor, bei deren einer sich Marie am Ende dem Baron hingibt. Parallel dazu wird Marie in einer Szene mit ihrem Verlobten Stolzius und seiner Mutter als Soldatenhure beschimpft, das wiederum wird in dritter Ebene überlagert von einer Soloszene der Mutter. Konwitschny dagegen stopft die Beteiligten der drei Szenen kurzerhand in ein Bett, wo Stolzius, nun unmittelbarer Zeuge von Maries Fehltritt, alle umbringt, zuletzt Marie. „Sie ist es nicht mehr, sie ist dieselbe nicht mehr!“, ruft er aus. „Ich glaube, du phantasierst schon!“, entgegnet die Mutter... In der Tat: Alles Folgende ist also ein Traum.</p> <p>Der Beginn des 4. Aktes  – Kulminationspunkt dieser Oper, wo Zimmermann sogar in drei eingespielten Filmen nebst Lautsprechern alle bisherigen Schauplätze gleichzeitig vergegenwärtigt wissen wollte mit allen Darstellern auf der Bühne, Tätern und Opfer zugleich – mündet dann in die eingangs beschriebene Bühnensituation. Das Opernensemble steht oben auf den Umgängen im Bühnenturm und liest die Texte vom Blatt, einzeln und im Chor: ein starker Verfremdungseffekt mit einem etwas didaktischen Beigeschmack. Die vorgesehene Tragik dieses Moments des menschlichen Scheiterns wird so konterkariert. Aber die Szenen danach gewinnen wieder an Intensität. Stolzius rächt seine Marie durch Vergiftung des Desportes bei einem Tête-à-tête-Dinner mit Hauptmann Mary im Balkon des Zuschauerraums. Dann kommt Marie doch noch einmal und bettelt das Publikum an, trifft auf ihren Vater, der sie nicht erkennt und von sich stößt. Währenddessen singt ein Priester das Vaterunser aus dem leeren Theaterraum, Militärtrommeln donnern los, kommen über Lautsprecher von hinten und rollen bis über den Orchestergraben hinweg. Die Musiker dort halten sich die Ohren zu. Dann flimmern auf den Bildschirmen der Übertitel, zur Bühne gedreht, EKG-Frequenzen, werden zur Linie: Exitus!</p> <p>Die unter den Zuschauern auf der Bühne, die zum Orchestergraben hin stehen, konnten der Staatsphilharmonie Nürnberg quasi bei der Arbeit zuschauen, und auch dem GMD Marcus Bosch vor der enorm dicken Partitur, der diesen ganzen Apparat samt Zuspielungen aus dem Off mit einer Seelenruhe koordiniert – eine unglaubliche Leistung! Bernd Alois Zimmermans Musik bleibt ein großes Ereignis. Das ganze Werk hat Zimmermann seriell durchdacht, nicht nur in Bezug auf Tempo und Rhythmusschichten oder Tonhöhen, sondern auch die Formanlage. Und dennoch ist er ein unorthodoxer Pluralist geblieben. Er webt einen Bachchoral ein oder zitiert das „Dies irae“ und Jazzelemente. Das Sängerensemble ist in Nürnberg zu einer hervorragenden Ensembleleistung zusammengewachsen, unterstützt von einer, das darf man bei Konwitschny bewundern, intensiven Personenregie. Beispielhaft erwähnt sei das großartige Damenterzett mit Susanne Elmark, die in der Rolle Maries bereits mehrfach geglänzt hat, mit Solgerd Islav als Schwester Maries und Sharon Kempton als Gräfin de la Roche. Oder Antonio Young als Feldpriester. Besonders beeindruckend blieb Uwe Stickert als überragender Desportes in Erinnerung, der dieser mörderisch hohen, buchstäblich exaltierten Tenorpartie sogar einiges an Schönheit abgewinnen konnte.</p> <p>Insgesamt also eine überzeugende Leistung der Staatsphilharmonie Nürnberg und des Opernhauses, wenn auch die Regie am Beginn des 4. Aktes für Irritationen sorgte. Das Publikum zeigte sich begeistert von dieser ersten Neuinterpretation im Jubiläumsjahr zum 100. Geburtstag des Komponisten. In Köln und Madrid wird es weitere Aufführungen geben – man darf gespannt sein!</p> </div> <div> <div>Stück</div> <div>Die Soldaten</div> </div> <div> <div>Überschrift der Kurzkritik</div> <div>Im Strudel der Zeitspirale</div> </div> <div> <div>Autor/Komponist/Choreograf</div> <div>Bernd Alois Zimmermann</div> </div> <div> <div>Premierendatum</div> <div><time datetime="2018-03-17T12:00:00Z">17.03.2018</time> </div> </div> <div> <div>Regie</div> <div>Peter Konwitschny</div> </div> <div> <div>Stadt</div> <div><a href="/taxonomy/term/609" hreflang="de">Nürnberg</a></div> </div> <div> <div>Theater</div> <div><a href="/taxonomy/term/1831" hreflang="de">Staatstheater Nürnberg</a></div> </div> <div> <div>Musikalische Leitung</div> <div>Marcus Bosch</div> </div> <div> <div>Autor der Vorlage</div> <div>Jakob Michael Reinhold Lenz</div> </div> <div> <div>Genre</div> <div>Musiktheater</div> </div> <div> <div>Bild</div> <div><div> <div>So., 18.03.2018 - 17:22</div> <div><span lang="" about="/user/149" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Sabine Weber</span></div> <div> <img src="/sites/default/files/styles/thumbnail/public/unknown-2.jpeg?itok=rnJIqi88" width="100" height="67" alt="Thumbnail" title="Bernd Alois Zimmermann: Die Soldaten" typeof="foaf:Image" /> </div> <div> <div>Bild-Datei</div> <div> <img src="/sites/default/files/styles/banner/public/unknown-2.jpeg?itok=lWXcdD9P" width="1800" height="1200" alt="unknown-2.jpeg" title="unknown-2.jpeg" typeof="foaf:Image" /> </div> </div> <div> <div>Urheber/Copyright</div> <div>Ludwig Olah</div> </div> <div> <div>Beschreibung</div> <div>Traum oder Wirklichkeit? Die Protagonisten im Bett versammelt, bevor Marie sterben muss: Susanne Elmark, Leila Pfister, Jochen Kupfer, Uwe Stickert und Helena Köhne in der Inszenierung von Peter Konwitschny am Staatstheater Nürnberg.</div> </div> </div> </div> </div> Sun, 18 Mar 2018 16:22:08 +0000 Sabine Weber 10505 at https://die-deutsche-buehne.de Wolfgang Borchert: Draußen vor der Tür https://die-deutsche-buehne.de/kritiken/beckmann-back <span>Wolfgang Borchert: Draußen vor der Tür</span> <span><span lang="" about="/user/52" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Dieter Stoll</span></span> <span>So., 25.02.2018 - 15:08</span> <div><p>Knapp vor dem Finale, wenn die Anrechte auf letzte Worte verteilt werden, schaut er doch noch persönlich vorbei, der vorher im allgemeinen Elend so sehr vermisste „liebe Gott“. Lieb? Naja! Der bärtige Opa schlurft mit handgebasteltem Kruzifix und „Je suis Jesus“-Shirt unter dem lumpigen Bademantel herbei, kämpft flüsternd um Restbestände von Autorität oder wenigstens das  Mikrophon und weist die ungläubige Menschheit darauf hin, dass er es schließlich gewesen sei, der die Pop-Musik nebst dem Videobeamer erfunden habe. Was, wie der Zuschauer unmittelbar zuvor zwei pausenlose Stunden lang persönlich erleben durfte, zur allzeit einsatzbereiten Grundausstattung des zeitgenössischen Theaters gehört.</p> <p>In der Nürnberger Neufassung von Wolfgang Borcherts  Kriegsheimkehrer-Drama „Draußen vor der Tür“, die Regisseur Sascha Hawemann auf großzügig berechneter Sicht-Distanz zum Original von 1946 auf großer Bühne am Schauspielhaus umsetzte, gibt die Klangspur von Live-Musiker Xell den Ton an, lange bevor die Kunstblutkonserve spritzt. Ein Pausenzeichen wie aus dem Volksempfänger verbreitet zu Beginn trügerisch portionierte Stille, dann wummert es am hereingefahrenen Schlagwerk, bearbeitet vom wild drummenden Solisten, dessen Knalleffekt-Sog (Ohrenstöpsel bitte bei den Logenschließern abholen) zwei Techno-Fans mit zuckender Körpersprache folgen. Die drei Herren sind, wie alsbald zu erfahren ist, eigentlich einer – die dreifaltige Ausgabe jenes Beckmann, der nach russischer Kriegsgefangenschaft bei der Heimkehr in den Ruinen von Hamburg vergeblich die Spuren seiner früheren Existenz, wenigstens den Sinn des Überlebens sucht. Bühnenbildner Wolf Gutjahr hat den Bühnenboden mit Blumenerde aufgeschüttet und mit Technik umstellt. Beleuchtungskörper schwingen in die Szene, Lautsprecher-Boxen sind auch bespielbare Kletter-Parcours, überall stehen Wasserflaschen bereit für die kleine Schlammschlacht zwischendurch.</p> <p>Dass in diesem Stück womöglich nahezu alle Beteiligten Opfer sind, haben schon frühere Regisseure erkannt, sofern sie den Text nicht als historisierendes Leidens-Hochamt verstanden, aber die Verteilung des Elends auf drei Schultern gibt neue Rätsel auf. Ist da doch „Ein Beckmann“ (Julian Keck, der allein jene Not-Brille trägt, auf die im Dialog so oft Bezug genommen wird) neben dem „anderen Beckmann“ (Stefan Willi Wang mit den elektrisierenden Emotionsausbrüchen im Nervenkrieg) und dem „jungen Beckmann“ (Frederik Bott, der seine wütenden Gefühle so lange nur über die Percussion-Schlägel regelt, dass ihn der Partner beim späten ersten Wort erstaunt mit „Oh, er kann reden“ kommentiert), die beim Kuscheln für Momente zur eindrucksvollen Großaufnahme zusammenwachsen. Aber dieses Bild, das er da konstruierte, ist dem Regisseur selber nicht geheuer, weshalb er sich immer wieder demonstrativ absetzt von der ihn offenbar sehr schreckenden Gefahr der Betroffenheit, und auf Randbezirke für satirische Szenen-Schlachten ausweicht. Drei Personen umfassen die eine Rolle, drei weitere teilen sich zehn andere Figuren.</p> <p>Das ist, manchmal mit dem Text und manchmal gegen ihn, hier überwiegend Personal aus dem Panoptikum. Angefangen mit einer grell ausstaffierten Transvestiten-Schnauze, die mit Gold im Haar und Blech in der Kehle als „die Elbe“ den Selbstmord-Kandidaten, obwohl er keine Familie mehr finden kann, schroff zurückweist in seine Jedermann-Existenz. Stefan Lorch, der auch den mampfenden Oberst und den jammernden Allmächtigen mit komödiantischen Schwingern bearbeitet, ist ebenso mit für die wunderliche Verlängerung des Stückes ins damals noch ferne Wirtschaftswunderland zuständig. Herr und Frau Kramer, die es sich bereits gemütlich familiär eingerichtet haben in der neuen Gesellschaft, drehen gutgelaunt Schnellrunden durch deutsche Schlager-Lyrik der Aufbaujahre, was nach dem schiefen Zitat aus „Wir Wunderkinder“ auf eine geträllerte Schnipseljagd samt Hommage an Caterina Valente hinausläuft.</p> <p>Starkstrom-Satirikerin Nicola Lembach, die Frau an der Seite, ist aber auch autonom unterwegs. Als Charity Lady verbiegt sie sich im Abendkleid am gekrümmten Mikroständer für einen „wichtigen Text“, nicht ohne vorher mit ihren edlen Schuhen im Humus-Haufen etwas Freiraum plattgetreten zu haben – denn, so sagt sie, was heute nötig sei ist der sichere „Standpunkt“. Wenig später kehrt sie umdekoriert als „Theaterdirektor“ wieder, als der Prinzipal, der das Stückchen Wahrheit aus Dichter-Mund seinem Publikum nicht zumuten will. Da taucht also ein zappelig hysterischer Gründgens-Mephisto in vollem Kostüm &amp; Schminke-Ornat auf, überschwemmt die Bühne mit schwadronierendem „Kunst“-Geplapper und bringt neben Flickenschildt und der Schaubühne samt Edith Clever sogar die Jelinek im Wortschwall unter. Womit geklärt wäre, dass fürs Theater nichts so interessant ist wie das Theater. Für die andere, die näher liegende und in der Ankündigung zur Inszenierung aufgeworfene Frage nach dem Kriegsopfer von heute, dem auf den akuten Flüchtlingsrouten, bleibt kaum Platz. Wolfgang Borcherts Aktualität? Klar, man trägt Radler-Leggings und weist darauf hin.</p> <p>„Beckmann is back“, bringt der Heimkehrer grade noch unter, der Regisseur kennt halt das RTL-Programm, und während vorne an der Rampe, wo drei malerisch aufgebaute Schnapsflaschen lange auf ihren Einsatz warten mussten, noch um philosophische Abrundung des Abends gerungen wird, beginnt im Hintergrund bereits das Vorglühen zur Premierenfeier. Mephisto spendiert für Gott und die Welt einen Kasten Wege-Bier und die Schauspieler vereinigen sich nahtlos zum ersten Schluck zur Serie von Verbeugungen. War ja alles nur Theater, das applaudierende Publikum nimmt es dankbar zur Kenntnis.  </p> </div> <div> <div>Stück</div> <div>Draußen vor der Tür</div> </div> <div> <div>Überschrift der Kurzkritik</div> <div>Beckmann is back</div> </div> <div> <div>Autor/Komponist/Choreograf</div> <div>Wolfgang Borchert</div> </div> <div> <div>Premierendatum</div> <div><time datetime="2018-02-24T12:00:00Z">24.02.2018</time> </div> </div> <div> <div>Regie</div> <div>Sascha Hawemann</div> </div> <div> <div>Stadt</div> <div><a href="/taxonomy/term/609" hreflang="de">Nürnberg</a></div> </div> <div> <div>Theater</div> <div><a href="/taxonomy/term/1831" hreflang="de">Staatstheater Nürnberg</a></div> </div> <div> <div>Genre</div> <div>Schauspiel</div> </div> <div> <div>Bild</div> <div><div> <div>So., 25.02.2018 - 15:08</div> <div><span lang="" about="/user/52" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Dieter Stoll</span></div> <div> <img src="/sites/default/files/styles/thumbnail/public/kk_schau_nuernberg_draussen.jpg?itok=uGjJJrv1" width="100" height="65" alt="Thumbnail" title="Wolfgang Borchert: Draußen vor der Tür" typeof="foaf:Image" /> </div> <div> <div>Bild-Datei</div> <div> <img src="/sites/default/files/styles/banner/public/kk_schau_nuernberg_draussen.jpg?itok=pTr7hiKK" width="1800" height="1200" alt="Szene mit Frederik Bott, Stefan Willi Wang, Julian Keck und Svetlana Belesova" title="Szene mit Frederik Bott, Stefan Willi Wang, Julian Keck und Svetlana Belesova" typeof="foaf:Image" /> </div> </div> <div> <div>Urheber/Copyright</div> <div>Marion Bührle</div> </div> <div> <div>Beschreibung</div> <div>Szene mit Frederik Bott, Stefan Willi Wang, Julian Keck und Svetlana Belesova</div> </div> </div> </div> </div> Sun, 25 Feb 2018 14:08:05 +0000 Dieter Stoll 10485 at https://die-deutsche-buehne.de