Pfalztheater https://die-deutsche-buehne.de/taxonomy/term/1705 de Franz Schreker: Irrelohe https://die-deutsche-buehne.de/kritiken/maennliche-begierden <span>Franz Schreker: Irrelohe</span> <span><span lang="" about="/user/103" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Konstanze Führlbeck</span></span> <span>Mo., 09.03.2015 - 13:32</span> <div><p><span>In die Tiefen des psychoanalytisch aufgeladenen Verhältnisses von Mann und Frau begibt sich Franz Schrekers Oper „Irrelohe“ aus dem Jahr 1924 in der Erstaufführung des Pfalztheaters Kaiserslautern.</span></p> <p><span>Die „irre Lohe“ ist der völlig unkontrolliert ausbrechende, rauschhafte Geschlechtstrieb, der sich nur in Gewalt erfüllen kann und in Wahnsinn eskaliert. Etwa um das 30. Lebensjahr befällt er wie eine unheilbare Krankheit, ein „Fluch“ die Grafen von Irrelohe, die dann ein Mädchen aus dem Dorf vergewaltigen. Das letzte Mal ist das bei der Hochzeit der Schankwirtin Lola (Katja Boost) passiert, ihr Bräutigam Christobald (Uwe Eikötter) ließ es, entsetzt, untätig geschehen. Ihr Sohn Peter (Wieland Satter) ist der Halbbruder des jetzigen Grafen Heinrich von Irrelohe (Heiko Börner). Und die jungen Männer begehren beide die Försterstochter Eva (Adelheid Fink). Sie ist die einzige, die durch das freiwillige Bejahen ihrer Sexualität und ihre offen bekannte Liebe zu Heinrich den Fluch brechen kann. Ein dramatischer Showdown nimmt seinen Lauf. </span></p> <p><span>Was wie ein mit mittelalterlicher Schauerromantik im Stil von Verdis „Troubadour“ verbrämter Psychokrimi klingt, wird in der Inszenierung von Holger Müller-Brandes am Pfalztheater eine lose Folge von Bildern voller Assoziationen auf einer offenen Bühne von Thomas Dörfler, auf der hinten das Orchester platziert ist. Trotz stimmiger Personenführung im Detail mit berührenden Momenten voll packender Dramatik bleibt in dieser szenischen Reduktion die stringente Entwicklung des Dramas mit einer konsequenten Personenregie leider oft auf der Strecke: Die Handlung wird fragmentiert und auf die Innenschau der Protagonisten konzentriert, in der sich die Regie zu verlieren droht; die Spannung wird dann in erster Linie von der Musik getragen, in der sich das Drama entfaltet. </span></p> <p><span>Einen breiten Raum nimmt dabei das Verhältnis von Mann und Frau ein, vor allem das Verständnis der Frau als Objekt männlicher Projektionen und Begierden, fast schon überdeutlich veranschaulicht durch den catwalkmäßigen Auftritt junger Frauen in Modelkostümen und die Zerstückelung der Frauenkörper von Schaufensterpuppen. Dieses Schema durchbricht Eva, die selbst aus freien Stücken zu Heinrich geht – nicht zu dem Gutsherren, sondern zu dem Mann, den sie liebt. Doch um Eva zu retten, muss Heinrich seinen dem Fluch verfallenen Halbbruder Peter töten. </span></p> <p><span>Neben beeindruckenden sängerisch-darstellerischen Leistungen von Heiko Börner (Graf Heinrich), Wieland Satter (Peter) und Katja Boost (Lola) fällt Adelheid Fink (Eva) leider trotz spannender Gestaltung durch einige unüberhörbare Schärfen in der Höhe etwas ab. Der unbestrittene Star des Abends ist das Orchester des Pfalztheaters: Unter dem höchst differenzierten, ungemein nuancenreichen Dirigat von Uwe Sandner zaubert es Klangmomente von berührender Subtilität und Schönheit in den oszillierenden Harmonien von Franz Schreker, lässt aber auch hochdramatische Entwicklungen dieser reich schattierten, ganz in der Tradition der Spätromantik stehenden tonalen Partitur so lebendig werden, als ob es die Musik atmen würde.</span></p> </div> <div> <div>Stück</div> <div>Irrelohe</div> </div> <div> <div>Überschrift der Kurzkritik</div> <div>Männliche Begierden</div> </div> <div> <div>Autor/Komponist/Choreograf</div> <div>Franz Schreker</div> </div> <div> <div>Premierendatum</div> <div><time datetime="2015-03-07T12:00:00Z">07.03.2015</time> </div> </div> <div> <div>Medialink</div> <div><a href="http://pfalztheater.de/cms/?f=2&amp;id=528&amp;p=293&amp;s=pt_schedule">Fotostrecke auf der Homepage des Pfalztheaters</a></div> </div> <div> <div>Regie</div> <div>Holger Müller-Brandes</div> </div> <div> <div>Stadt</div> <div><a href="/taxonomy/term/703" hreflang="de">Kaiserslautern</a></div> </div> <div> <div>Theater</div> <div><a href="/taxonomy/term/1705" hreflang="de">Pfalztheater</a></div> </div> <div> <div>Musikalische Leitung</div> <div>Uwe Sandner</div> </div> <div> <div>Genre</div> <div>Musiktheater</div> </div> <div> <div>Bild</div> <div><div> <div>Mo., 09.03.2015 - 13:32</div> <div><span lang="" about="/user/103" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Konstanze Führlbeck</span></div> <div> <img src="/sites/default/files/styles/thumbnail/public/irrelohe_10.jpg?itok=iw8XUPU-" width="100" height="67" alt="Thumbnail" title="Franz Schreker: Irrelohe" typeof="foaf:Image" /> </div> <div> <div>Bild-Datei</div> <div> <img src="/sites/default/files/styles/banner/public/irrelohe_10.jpg?itok=TWOZoiGK" width="1800" height="1200" alt="Franz Schrekers &quot;Irrelohe&quot; am Pfalztheater" title="Franz Schrekers &quot;Irrelohe&quot; am Pfalztheater" typeof="foaf:Image" /> </div> </div> <div> <div>Urheber/Copyright</div> <div>Stephan Walzl</div> </div> <div> <div>Beschreibung</div> <div>Franz Schrekers &quot;Irrelohe&quot; am Pfalztheater. Adelheid Fink (Eva), Heiko Börner (Heinrich)</div> </div> </div> </div> </div> Mon, 09 Mar 2015 12:32:46 +0000 Konstanze Führlbeck 9681 at https://die-deutsche-buehne.de Nina Büttner: Schafinsel https://die-deutsche-buehne.de/kritiken/mit-nori-ist-nicht-zu-spassen <span>Nina Büttner: Schafinsel</span> <span><span lang="" about="/user/22" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Annette Poppenhäger</span></span> <span>Mo., 25.03.2013 - 16:53</span> <div><p>Das macht sie ziemlich gut: jung, stolz, schön steht sie da. In silbernen Stiletto-Stiefeln, kurzem Rock und bauchfreiem Top lockt sie mit herrlichem Schmollmund die Theatergänger beim Einlass, geht neben ihnen her, sucht ihre Aufmerksamkeit. Annalena Loretta Müller als Nutte Nori gurrt, sirrt und wenn das alles nicht hilft, zischelt sie auch noch böse. Die verblüfften Herren, darunter der Schauspieldirektor des Theaters, der ehemalige Kultureferent von Kaiserslautern oder Pfalztheater-Intendant Urs Häberli reagieren je nach Gemüt, mal kecker, mal verschämter auf die direkte Anmache. Das Publikum jedenfalls ist gewarnt: Mit Nori ist nicht zu spaßen, das ist bei aller Heiterkeit schnell klar.</p> <p>Unterschichts-Prekariat trifft auf Mittelschicht in Nina Büttners "Schafinsel". Das mit dem Else-Lasker-Schüler-Stückepreis 2012 ausgezeichnete Drama hatte jetzt in Kaiserslautern in der Regie und Ausstattung von Philipp Preuss seine gelungene Uraufführung. Schon Büttners Text spielt mit den Klischees vom prolligen Zuhälter und seinem schönen Mädchen, der versoffenen Mutter und dem stotternden, aber liebenswürdig-schüchternen Abiturienten Henning sowie dessen ehrpusseliger Mutter. Lyrische Passagen prallen auf Prolo-Sprech, Klischees auf Wahrhaftiges. Die Inszenierung schlägt daraus Funken: Wenn Nori sich eine Zigarette anzündet, dann macht sie es wie die Kinder, sie tut so als ob. Wenn Toni sie wieder mal prügelt, dann stehen sie weit auseinander und am Bühnenrand klatschen die anderen Schauspieler mit jedem Schlag in die Hände. Haben die beiden Sex miteinander, läuft das ähnlich drastisch ab. Sie sitzt mit gespreizten Beinen auf der Sofalehne, er ganz hinten im Raum auf einem Stuhl. Sie stöhnt und juchzt in den schönsten Tonlagen, er müht sich redlich ab. Theater ausgestellt als Theater: Muss Mutter Palm sich übergeben, kippt sie am Bühnenrand Wasser von einem Eimer in den anderen. Das ist so verblüffend einfach wie akustisch überzeugend. Ist Noris Mutter wieder mal so betrunken, dass sie kaum mehr gehen kann, wird das zur Slapstick-Nummer à la Herbert Fritsch. Der Abend hat die Lacher auf seiner Seite. Und dennoch stimmen die zarteren Tonlagen: Zunächst traut sich keiner im Zuschauersaal, über Hennings Stottern, auch das ausgestellt bis an die Schmerzgrenze, zu lachen. Denn der schüchterne Abiturient wird für Nori zur Projektionsfigur für eine gemeinsame Flucht nach Irland, auf die "Schafinsel". Das ausgerechnet er zum Mörder an seiner Mutter wird, ist eine böse Pointe der Autorin. In Szene gesetzt als wilder Lauf Hennings mit erst einem, dann zwei Stühlen um die Spielfläche herum. Der ohrenbetäubende Krach der schleifenden Stuhlbeine ist kaum auszuhalten.</p> <p>Auf der Werkstattbühne des Pfalztheaters ist mit glänzend aufgelegtem Ensemble ein kurzweiliger Theaterabend zu erleben. Marina Matthias und Susanne Ruppik liefern als alternde, absturzgefährdete Mütter gelungene Kabinettstücke. Und auch die beiden Jungs (Markus Penne, Daniel Mutlu) wandern sicher auf dem schmalen Grat zwischen Abziehbild und Mitmensch. Eine Tragikomödie, herrlich albern, dabei doch poetisch und berührend. Eine Uraufführung, wie sie sich die Autorin eigentlich nur träumen kann.</p> </div> <div> <div>Stück</div> <div>Schafinsel</div> </div> <div> <div>Überschrift der Kurzkritik</div> <div>Mit Nori ist nicht zu spaßen</div> </div> <div> <div>Autor/Komponist/Choreograf</div> <div>Nina Büttner</div> </div> <div> <div>Premierendatum</div> <div><time datetime="2013-03-22T12:00:00Z">22.03.2013</time> </div> </div> <div> <div>UA/DE/DSE</div> <div>UA</div> </div> <div> <div>Regie</div> <div>Philipp Preuss</div> </div> <div> <div>Stadt</div> <div><a href="/taxonomy/term/703" hreflang="de">Kaiserslautern</a></div> </div> <div> <div>Theater</div> <div><a href="/taxonomy/term/1705" hreflang="de">Pfalztheater</a></div> </div> <div> <div>Genre</div> <div>Schauspiel</div> </div> <div> <div>Bild</div> <div><div> <div>Mo., 25.03.2013 - 16:53</div> <div><span lang="" about="/user/22" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Annette Poppenhäger</span></div> <div> <img src="/sites/default/files/styles/thumbnail/public/kk_s_kaisersl_schafinsel.jpg?itok=_xHNXhRf" width="100" height="67" alt="Thumbnail" title="Nina Büttner: Schafinsel" typeof="foaf:Image" /> </div> <div> <div>Bild-Datei</div> <div> <img src="/sites/default/files/styles/banner/public/kk_s_kaisersl_schafinsel.jpg?itok=DGZ6Y3cf" width="1800" height="1200" alt="&quot;Die Schafinsel&quot; am Pfalztheater Kaiserslautern" title="&quot;Die Schafinsel&quot; am Pfalztheater Kaiserslautern" typeof="foaf:Image" /> </div> </div> <div> <div>Urheber/Copyright</div> <div>Isabelle Girard de Soucanton</div> </div> <div> <div>Beschreibung</div> <div>&quot;Die Schafinsel&quot; am Pfalztheater Kaiserslautern. Annalena Loretta Müller (Nori), Markus Penne (Toni Müller)</div> </div> </div> </div> </div> Mon, 25 Mar 2013 15:53:37 +0000 Annette Poppenhäger 9068 at https://die-deutsche-buehne.de