Düsseldorfer Schauspielhaus https://die-deutsche-buehne.de/taxonomy/term/1501 de Lot Vekemans: Momentum https://die-deutsche-buehne.de/kritiken/polit-thriller-mit-anmerkungsapparat <span>Lot Vekemans: Momentum</span> <span><span lang="" about="/user/10" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Andreas Falentin</span></span> <span>Sa., 13.10.2018 - 09:35</span> <div><p>„Momentum“ ist das erste Stück der auf deutschen Bühnen sehr erfolgreichen Dramatikerin Lot Vekemans, das in deutscher Sprache uraufgeführt. Wieder hat sie, wie im Ehedrama <a href="http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/im-deutschen-theater-feiert-gift-von-lot-vekemans-premiere-a-932784.html" target="_blank">„Gift“</a>, wie im biblisch grundierten, aber brandaktuellen Monolog <a href="https://www.welt.de/print/wams/muenchen/article112043897/Psychogramm-eines-Verraeters.html" target="_blank">„Judas“</a> ein virulentes Thema hochspannend poetisch verdichtet.</p> <p>Meinrad ist erfolgreicher Regierungschef eines mitteleuropäischen Landes. Aber er gefährdet seine Macht zusehends, wird in den falschen Momenten aggressiv, zeigt mit dem Finger auf die falschen Leute. Seine Machtbasis, seine Beliebtheit bei Volk und Partei ist stark gefährdet. Muss er zurücktreten? Hat er noch den Willen zur Macht? Er scheint das berühmte „Momentum“ verloren zu haben. Seine Frau Ebba dagegen hat nach wie vor hohe Beliebtheitswerte. Die Ehe scheint glücklich. Als aber Dieter, der <em>Spin Doctor</em>, der langjährige Berater Meinrads vorschlägt, auf einem Fest solle sie statt ihm reden, um Pluspunkte für ihn zu sammeln, lehnt er ab. Man sieht, wie sehr das Paar von dem Leben, das es führt, gezeichnet ist. Er nimmt Anti-Depressiva, weil es ihm nicht gelingt, seine inhaltlichen Ziele politisch umzusetzen. Sie nimmt Amphetamine, um ihre Passivität und die Anstrengungen des Repräsentierens aushalten zu können. Es kommt zur Krise, Ebba fällt ins Koma. Als sie wieder bei sich ist, verlangt sie von Meinrad, sie bei ihrer eigenen Kandidatur für das Amt der Regierungschefin zu unterstützen, wie sie es viele Jahre lang für ihn getan hat. Er ist entrüstet. Das Ende bleibt offen.</p> <p>Wie Ebba von diesem Leben aufgefressen wird und es doch unbedingt haben will, wie Meinrad in all seinem glaubhaften Idealismus durch den unreflektierten, fast weinerlichen Umgang mit seinem Ego und vor allem durch die in seinem Kopf offenbar festgeklopften Geschlechterrollen limitiert wird, das zeigen Vekemans und ihr Uraufführungsregisseur Roger Vontobel in sehr differenzierten und glaubwürdigen Charakterstudien. Und Christian Erdmann und Jana Schulz erspielen das präzise und virtuos, geben ihren Figuren vor allem Leben und Seele. Wie dieser ganze Abend vor allem ein „Momentum“ der Schauspieler ist. Wie Kilian Land mit Künstlerknopfleiste am Sweat-Shirt sachlich den sich an seinen eigenen Skrupeln berauschenden, nur scheinunabhängigen Poeten gibt. Vor allem aber wie Wolfgang Michalek den <em>Spin</em> <em>Doctor</em> Dieter gibt, muss man einfach gesehen haben. Da ist jeder Satz, jede Wendung geschliffen, rund oder spitz, stützend oder angreifend, dabei immer zielbewusst. Dazu die aufdringliche Koks-Nase, der leicht durchscheinende Hedonismus. Da steht ein wissendes Arschloch auf der Bühne, das die Welt und ihre Abgründe kennt, darunter leidet und  doch in der Lage ist, uns dazu zu verführen, diese Welt durch seine Augen anzusehen.</p> <p>Bleibt das ungeborene Kind Ebbas. Andre Kaczmarczyk überführt die Rolle in eine Art Eitel-Tanz, zeigt ein Porträt des Schauspielers als selbstverliebter Poser vor. Man nimmt das mit, weil Kaczmarczyk ein außergewöhnlich begabter Schauspieler ist, aber die Stringenz von Vontobels Inszenierung fasert mit dieser Figur aus. Die dennoch benötigt wird. Das Kind liefert gleichsam den Anmerkungsapparat zu Stück, ist die z-Achse zum zweidimensionalen Koordinatensystem aus politischem Drama und privater Tragödie, enthüllt die Ängste und Erbärmlichkeiten unter der glanzvollen Oberfläche und versorgt das Publikum ausführlich mit Erläuterungen und Ideenfundament, was nicht an jeder Stelle notwendig erscheint. Spätere Regisseure werden mutmaßlich den einen oder anderen Wortschwall, nicht nur des Kindes, durch Striche portionieren und so aus einem sehr gut geschriebenen Theatertext einen herausragenden machen. Bei einer Uraufführung muss man sich naturgemäß stellen.</p> <p>Vontobel hat sich dafür von Klaus Grünberg einen Laufsteg mit parallel ausgerichteten Stühlen bauen lassen, der Assoziationen weckt: Modenschau – ausgestellt sein, Flugzeug – gefangen sein in einer Blase. Tina Kloempken kostümiert souverän und passgenau, vielleicht mit Ausnahme der Ledermontur für das zehnjährige Kind und Ebbas Nachthemd in der ansonsten in spannender Abstraktion gehaltener Krankenhausszene. Gelegentlich neigt die Inszenierung zu sanftem Aktionismus und hätte hier und da der Ausdruckskraft ihrer Schauspieler noch mehr vertrauen dürfen, statt  sie Stühle umstoßen oder sie sich über den Laufsteg kugeln zu lassen. Auch die Musik von Matthias Herrmann, die braven Piano-Riffs, die merkwürdigen Soundcollagen knapp oberhalb der Hörschwelle, erscheint kaum zwingend.</p> <p>Dennoch: eine sehr gute Aufführung eines sehr wesentlichen Stückes, dass nur da Schwächen hat, wo die Autorin ein wenig gewaltsam ihr <em>Play well made</em> macht. Dass Meinrad impotent ist, kann sein, aber muss deshalb ausgerechnet Dieter jene Fehlgeburt gezeugt haben? Nur weil kein anderer da ist? Auch dass das Kind in Ebbas Bewusstsein tritt, weil es einen Namen haben will, lassen wir uns als Existenzberechtigungsbehauptung gerne gefallen. Aber muss es deshalb einen kriegen? Und dann auch noch Felix? Ist unsere Welt wirklich noch so übersichtlich?</p> </div> <div> <div>Stück</div> <div>Momentum</div> </div> <div> <div>Überschrift der Kurzkritik</div> <div>Polit-Thriller mit Anmerkungsapparat</div> </div> <div> <div>Autor/Komponist/Choreograf</div> <div>Lot Vekemans</div> </div> <div> <div>Premierendatum</div> <div><time datetime="2018-10-12T12:00:00Z">12.10.2018</time> </div> </div> <div> <div>UA/DE/DSE</div> <div>UA</div> </div> <div> <div>Medialink</div> <div><a href="https://www.dhaus.de/programm/a-z/momentum/">Fotogalerie auf der Homepage des Düsseldorfer Schauspielhauses</a></div> </div> <div> <div>Regie</div> <div>Roger Vontobel</div> </div> <div> <div>Stadt</div> <div><a href="/taxonomy/term/629" hreflang="de">Düsseldorf</a></div> </div> <div> <div>Theater</div> <div><a href="/taxonomy/term/1501" hreflang="de">Düsseldorfer Schauspielhaus</a></div> </div> <div> <div>Genre</div> <div>Schauspiel</div> </div> <div> <div>Bild</div> <div><div> <div>Sa., 13.10.2018 - 09:35</div> <div><span lang="" about="/user/10" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Andreas Falentin</span></div> <div> <img src="/sites/default/files/styles/thumbnail/public/momentum_foto_sandra_then_mit_1658_1.jpg?itok=F7GKKP08" width="100" height="67" alt="Thumbnail" title="Lot Vekemans: Momentum" typeof="foaf:Image" /> </div> <div> <div>Bild-Datei</div> <div> <img src="/sites/default/files/styles/banner/public/momentum_foto_sandra_then_mit_1658_1.jpg?itok=xXAAZVSl" width="1800" height="1200" alt="Brillante Charakterstucie: Wolfgang Michalek als Spin Doctor Dieter" title="Brillante Charakterstucie: Wolfgang Michalek als Spin Doctor Dieter" typeof="foaf:Image" /> </div> </div> <div> <div>Urheber/Copyright</div> <div>Sandra Then</div> </div> <div> <div>Beschreibung</div> <div>Brillante Charakterstucie: Wolfgang Michalek als Spin Doctor Dieter. Im Hintergrund Jana Schulz als Ebba</div> </div> </div> </div> </div> Sat, 13 Oct 2018 07:35:42 +0000 Andreas Falentin 10678 at https://die-deutsche-buehne.de Philipp Löhle: Die Mitwisser https://die-deutsche-buehne.de/kritiken/gefangen-im-zwischennetz <span>Philipp Löhle: Die Mitwisser</span> <span><span lang="" about="/user/10" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Andreas Falentin</span></span> <span>So., 29.04.2018 - 10:17</span> <div><p>In seinem neuen Stück hat <a href="http://www.nachtkritik-stuecke08.de/stueckdossier1/portraet-philipp-loehle" target="_blank">Philipp Löhle</a> den Siri-Alexa-Komplex weitergedacht. Herr Kwant ist der neue, virtuelle<em> und</em> körperlich präsente ständige Begleiter, den sich jeder umsonst zulegen kann. Durch ihn und mit ihm dekliniert Löhle die gesellschaftlichen Entwicklungen, Absurditäten und Gefahren des digitalen Zeitalters durch. Sein Protagonist Theo Glass ist begeistert von Herrn Kwant, findet es unglaublich witzig, dass der sich laut Namensschild „Josef K.“ nennt, und weiß eigentlich nicht, was er mit ihm anfangen soll. Kwant speichert Glass‘ Leben in Datenform, steuert sein Konsumverhalten neu aus und verdrängt ihn schließlich aus Ehe und Beruf.</p> <p>„Die Mitwisser“ hätten eine bitterböse Boulevardkomödie werden können, sollen aber mehr sein, zumindest ironisches Aufklärungsstück. Und am Ende wird, zumindest in Theos großem, in der Uraufführungsinszenierung komplett ironiefreiem Videointerview am Schluss, zusätzlich der moralischen Zeigefinger gehoben. „Eine Idiotie“ nennt der Autor sein Stück im Untertitel und schreibt zusätzlich vor: „Dieses Stück Science Fiction spielt in der Vergangenheit“. So entfernt er seinen nicht eben sympathischen Jedermann-Protagonisten immer weiter von uns.</p> <p>Zumal die Inszenierung von Bernadette Sonnenbichler genau aus diesem Satz ihre Bildideen gewinnt. Martin Miotk hat eine Designbude ins Düsseldorfer Central gebaut, hübsch zusammengeramscht aus 40 Nachkriegsjahren. Die Kostüme und Frisuren von Tanja Kramberger schmiegen sich passgenau hinein. Und Sonnenbichler erzählt schlicht die Geschichte, lässt Herrn Kwant immer wieder in seine Aktentasche greifen und sein Allwissen aus analogen Quellen wie Heften und Mappen schöpfen. Die Figuren überziehen nach und nach die Bühne mit Dreck und Glass‘ Chef  quietscht perfekt getimt mit seinem Bürostuhl. Das ist alles nett, oft amüsant anzusehen – beginnt aber schnell, seinen Reiz zu verlieren. Zumal Sonnenbichler wenig Energie darauf verwendet, durch eigene Akzentuierungen Dringlichkeit herzustellen, sondern vor allem versucht, kleinere Baufehler in der Stückarchitektur zu korrigieren. So muss der undurchsichtige Nachbar an Herrn Kwant herumfummeln, um – und nur irgendwie – nachvollziehbar zu machen, warum er einerseits ganz planvoll die Herrschaft über das Paar Glass an sich reißt und ihm andererseits fast die Leitungen durchbrennen, wenn Anna Glass verlangt, dass er die Zahl Pi soweit als möglich aufsagt.</p> <p>Für die veränderte Gesellschaft, die Herrschaft der Kwants, findet Bernadette Sonnenbichler dann ein großes Bild. Sie lässt vier Kleindarsteller über das Netz laufen, das in der Düsseldorfer Ausweichspielstätte die Lichtinstallation ermöglicht und vor dem Herunterfallen schützt und entfernt per Technik die Stimme von ihrem Benutzer. So entsteht ein kraftvolles, vom Akustischen her gedachtes, schlagendes Bild für Fremdbestimmung, das die Szene zudem von ihrem offensichtlichen Vorbild, den „Grauen Herren“ aus Michael Endes „Momo“, fernhält. Aber dann geht es brav, wie gehabt, weiter bis zum Ende.</p> <p>Was bleibt, sind Kalauer (<a href="https://www.youtube.com/watch?v=xk0XY83eEuM" target="_blank">„Freier Wille? Ist das dieser Delphin?“</a>). Mit ihnen fettet Philipp Löhle sein Stück auf etlichen Ebenen an, übersetzt wesentliche, in den letzten 30 Jahren entstandene Anglizismen plan ins Deutsche zurück, spricht von „Gesichtsbuch“ und „Verfolger“, „Zwischennetz“ und „Pfeifenbläser“. Und Herr Kwant, alle Herr Kwants dürfen, müssen immer wieder „Gefällt mir!“ sagen. Und einmal sagt Kwant auf der Frage nach der Uhrzeit „19…84“. Und einmal bestellt ein Herr Huxley Blumen. Die, wie üblich in Düsseldorf, ausgezeichneten Schauspieler arbeiten sich hochprofessionell durch diesen Dschungel von Albernheit, Bedeutungshuberei und klugen Sottisen. Sebastian Tessenow lässt seinem Theo nach und nach Menschlichkeit zuwachsen, Florian Lange ist ein überraschend körperlicher und doch eleganter Kwant und Tanja Schleiff findet in Theos Frau Anna immer wieder die naturalistische Ausgangssubstanz, sozusagen einen Ibsen-Holzschnitt. Aber letztlich haben sie, wie Alexej Lochmann als herrlich qualliger Nachbar, Lou Strenger als lebenstüchtiges Dummchen, das als „Babsi Bunt“ YouTube-Karriere macht und Thomas Wittmann erst als freundlicher aber profithöriger Chef, dann als Kwants Verdopplung, keine Rollen. Sie sind Teil einer kleinteiligen, gleichzeitig Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft herbeizitierenden Beschreibungsmaschine, die uns umständlich vermittelt, was wir schon wissen.</p> </div> <div> <div>Stück</div> <div>Die Mitwisser</div> </div> <div> <div>Überschrift der Kurzkritik</div> <div>Gefangen im Zwischennetz</div> </div> <div> <div>Autor/Komponist/Choreograf</div> <div>Philipp Löhle</div> </div> <div> <div>Premierendatum</div> <div><time datetime="2018-04-28T12:00:00Z">28.04.2018</time> </div> </div> <div> <div>UA/DE/DSE</div> <div>UA</div> </div> <div> <div>Medialink</div> <div><a href="https://www.dhaus.de/programm/a-z/die-mitwisser/">Fotogalerie auf der Homepage des Düsseldorfer Schauspielhauses</a></div> </div> <div> <div>Regie</div> <div>Bernadette Sonnenbichler</div> </div> <div> <div>Stadt</div> <div><a href="/taxonomy/term/629" hreflang="de">Düsseldorf</a></div> </div> <div> <div>Theater</div> <div><a href="/taxonomy/term/1501" hreflang="de">Düsseldorfer Schauspielhaus</a></div> </div> <div> <div>Genre</div> <div>Schauspiel</div> </div> <div> <div>Bild</div> <div><div> <div>So., 29.04.2018 - 10:17</div> <div><span lang="" about="/user/10" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Andreas Falentin</span></div> <div> <img src="/sites/default/files/styles/thumbnail/public/mitwisser2.jpg?itok=2upntiT9" width="100" height="67" alt="Thumbnail" title="Philipp Löhle: Die Mitwisser" typeof="foaf:Image" /> </div> <div> <div>Bild-Datei</div> <div> <img src="/sites/default/files/styles/banner/public/mitwisser2.jpg?itok=BUx6-5gN" width="1800" height="1200" alt="Lesen im &quot;Gesichtsbuch&quot;..." title="Lesen im &quot;Gesichtsbuch&quot;..." typeof="foaf:Image" /> </div> </div> <div> <div>Urheber/Copyright</div> <div>Sandra Then</div> </div> <div> <div>Beschreibung</div> <div>Lesen im &quot;Gesichtsbuch&quot;... Lou Strenger (Sabrina David/Babsi Bunt) und Sebastian Tessenow (Theo Glass)</div> </div> </div> </div> </div> Sun, 29 Apr 2018 08:17:56 +0000 Andreas Falentin 10541 at https://die-deutsche-buehne.de Albert Camus: Caligula https://die-deutsche-buehne.de/kritiken/gedankenklar <span>Albert Camus: Caligula</span> <span><span lang="" about="/user/10" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Andreas Falentin</span></span> <span>So., 18.03.2018 - 08:31</span> <div><p>Camus‘ erstes abendfüllendes Stück ist ein merkwürdiger Zwitter, halb <em>Well Made Play</em>, halb philosophisches Pamphlet, fast nie beides gleichzeitig. Sebastian Baumgarten hat den Text offenbar sehr genau gelesen und erspart uns die Trumps, Erdogans, Putins und Orbans, die zur Zeit gefühlt in jeder zweiten Aufführung auf den Bühnen präsent sind, zumindest einer von ihnen. Wenn man dem formidablen Hauptdarsteller <a href="https://www.youtube.com/watch?v=LjXOdWiJpzE" target="_blank">Andrè Kaczmarczyk</a> genau zuhört und –sieht, erfährt man auch warum. Dieser<a href="https://www.welt.de/kultur/history/article108891024/Der-Kaiser-der-Roms-Adel-zur-Prostitution-zwang.html" target="_blank"> Kaiser Caligula</a> ist keinesfalls ein karrieregeiler, chauvinistischer Egomane, hier geht es nicht um „Roma prima“.</p> <p>Ausgelöst durch eine private Katastrophe, den Tod der inzestuös geliebten Schwester, stellt Caligula sich und das ganze System, in dem er lebt, in Frage. Durch willkürliche, brutale Eingriffe in dieses System bringt er gezielt jeden einzelnen und alle gemeinsam gegen sich auf, arbeitet sich ab an Wahrheitsbegriffen, jongliert mit der Erzeugung und Wirkung von Angst, will die Verdorbenheit von allem und jedem beweisen und so zeigen, dass zielgerichtetes Handeln unnötig, die Ausrichtung auf das Gemeinwohl eine Illusion ist.</p> <p>Barbara Steiner hat dafür eine Art Stationenbühne errichtet. Geisterbahnfronten mit exotischen Motiven rahmen die Spielfläche ein, die zu Beginn der pausenlosen zwei Stunden von einer rosa Riesenmatratze, später von einem Podest mit Thron und Lichtgestell beherrscht wird.  Links kann eine weiße Gardine einen vielfältig nutzbaren intimen Raum verhüllen und so auch als Projektionsfläche dienen. Rechts gibt es einen gewaltigen Trichter, der immer wieder wie ein Bildmegaphon, ein Textverstärker eingesetzt wird, und in dem am Ende der einsame Caligula endgültig dem Wahnsinn anheimfällt.</p> <p>Die Vorstellung beginnt, als befänden wir uns in einem Historienfilm. Ein Text läuft von oben nach unten über eine Leinwand, wild und augenzwinkernd simulierte spätromantische Filmmusik wabert darüber hin, eine Karte zeigt die Ausdehnung des römischen Reiches. Die klug und rationell eingesetzten, kantenscharfen Videos von Hanna Dörr dienen vor allem als Distanzmittel wie auch die Kostüme von Christina Schmitt – ein angenehm anzusehender, farbiger, fast augenzwinkernder Mix von einst und jetzt, stilisierte Kittel und Kunststoffmäntel über heutiger Couture und Alltagskleidung.</p> <p>So wird Camus‘ abgezirkelte, komplexe, aber nie verschwurbelte Sprache frei, kann und muss man seine messerscharfen Gedanken nachvollziehen. Was funktioniert, weil wir einem herausragenden Ensemble bei der Arbeit zusehen und der Regisseur die Gedankenklarheit und das Grobschnitthafte dieser Sprache meisterhaft disponiert. André Kaczmarczyk führt Caligulas Besessenheit, die geradewegs in die Selbstzerstörung führt, absolut glaubwürdig vor, durch viele Kostüm- und subtile Haltungswechsel hindurch. Immer wieder scheinen da Zitate, Anspielungen in der Luft zu liegen, greift der Zuschauer nach ihnen, sind sie aber längst vorbei. Irgendwann kommt eine rote Gardine heruntergefahren und Caligula tanzt, mit schwarz-weiß geschminktem Gesicht und  dem – vorher umgebrachten – Patricius (Markus Danzeisen) auf dem Arm einen Totentanz vor seinen lebenden Opfern. Hier findet sich Baumgartens Inszenierung ganz, in einem intensivsten Moment absurder Poesie.</p> <p>Und doch bleiben Camus‘ Figuren uns letztlich fremd, wirken wie virtuos geführte, aber nicht wirklich mehrdimensionale Typen, was in keiner Weise an den herausragenden Düsseldorfer Schauspielern liegt. Der loyale Ex-Sklave von Ben Daniel Jöhnk, der verzweifelt liebende, dennoch bekennend freigeistige Dichter von Jonas Friedrich Leonardi, der um Handlungskraft ringende Intellektuelle von Miguel Abrantes Ostrowski, der Politiker von Rainer Philippi, dem man sein Fundament aus Saturiertheit, Korruption und der Macht der Rhetorik entzieht und das zunehmend skrupulöse It-Girl von Yohanna Schwertfeger: sie alle machen das großartig. Und bleiben Behauptungen. Ihr Text, Camus‘ Drama schafft es nicht ganz bis zu uns ins Jahr 2018. Vielleicht deshalb lässt Sebastian Baumgarten André Kaczmarczyks monologisches Ankommen im Wahnsinn von einem von Yohanna Schwertfeger live gesungenen Pop-Song überlagern und verbannt die Sprache ausgerechnet am Schluss einmal in die zweite Reihe. Eine bekennende, melancholische Kapitulation vor Stoff und Text. So etwas trauen Regisseure sich selten.</p> </div> <div> <div>Stück</div> <div>Caligula</div> </div> <div> <div>Überschrift der Kurzkritik</div> <div>Gedankenklar</div> </div> <div> <div>Autor/Komponist/Choreograf</div> <div>Albert Camus</div> </div> <div> <div>Premierendatum</div> <div><time datetime="2018-03-17T12:00:00Z">17.03.2018</time> </div> </div> <div> <div>Medialink</div> <div><a href="https://www.dhaus.de/programm/a-z/caligula/">Fotogalerie auf der Homepage des Düsseldorfer Schauspielhauses</a></div> </div> <div> <div>Regie</div> <div>Sebastian Baumgarten</div> </div> <div> <div>Stadt</div> <div><a href="/taxonomy/term/629" hreflang="de">Düsseldorf</a></div> </div> <div> <div>Theater</div> <div><a href="/taxonomy/term/1501" hreflang="de">Düsseldorfer Schauspielhaus</a></div> </div> <div> <div>Genre</div> <div>Schauspiel</div> </div> <div> <div>Bild</div> <div><div> <div>So., 18.03.2018 - 08:31</div> <div><span lang="" about="/user/10" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Andreas Falentin</span></div> <div> <img src="/sites/default/files/styles/thumbnail/public/caligula_foto_sandra_then_blh_2600_1.jpg?itok=WSEehiOB" width="100" height="66" alt="Thumbnail" title="Albert Camus: Caligula" typeof="foaf:Image" /> </div> <div> <div>Bild-Datei</div> <div> <img src="/sites/default/files/styles/banner/public/caligula_foto_sandra_then_blh_2600_1.jpg?itok=aR7UbuPa" width="1800" height="1200" alt="Das Ensemble im Trichter" title="Das Ensemble im Trichter" typeof="foaf:Image" /> </div> </div> <div> <div>Urheber/Copyright</div> <div>Sandra Then</div> </div> <div> <div>Beschreibung</div> <div>Das Ensemble im Trichter. in der Mitte André Kaczmarczyk (Caligula)</div> </div> </div> </div> </div> Sun, 18 Mar 2018 07:31:44 +0000 Andreas Falentin 10502 at https://die-deutsche-buehne.de David Bowie/Enda Walsh: Lazarus https://die-deutsche-buehne.de/kritiken/kuehle-perfektion <span>David Bowie/Enda Walsh: Lazarus</span> <span><span lang="" about="/user/123" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Michael Laages</span></span> <span>So., 04.02.2018 - 09:32</span> <div><p>Bei Notfällen wie diesem ist das Show-Talent des Regisseurs <a href="https://www.dhaus.de/programm/a-z/lazarus/matthias-hartmann/" target="_blank">Matthias Hartmann</a> kaum zu toppen – wenn er eigentlich nur („nur“!) um Nachsicht bitten will für die akute Bronchitis gleich zweier wesentlicher Stimm-Stars im Ensemble, im gleichen Atemzug aber ein Plädoyer hält für das Düsseldorfer Schauspielhaus, in dessen Renovierungsbaustelle „<a href="https://www.youtube.com/watch?v=y-JqH1M4Ya8" target="_blank">Lazarus</a>“ entstanden ist, das Musical mit den Songs von David Bowie und dem Text des Iren Enda Walsh. Drei Probenwochen über, sagt Hartmann, hätten alle die Presslufthämmer mindestens genau so im Ohr gehabt wie Bowies Musik. In Düsseldorf und mit dem Bowie-Spektakel hat Hartmann jedenfalls geschickt am eigenen Image gewienert; speziell im Schlussapplaus mit Standing Ovations, wo er die Mitglieder vom Leitungsteam mit ulkigen pantomimischen Miniaturen vorstellte - als Entertainer ist Hartmann allen voraus.</p> <p>Was bei „Lazarus“ durchaus keine einfache Aufgabe gewesen sein mag – Bowies Musical, noch zu Lebzeiten des Rock-Stars in New York uraufgeführt, sortiert einen repräsentativen Querschnitt von frühen bis zu den letzten, von bekannteren bis zu weniger vertrauten Songs aus mehr als vier Jahrzehnten Karriere. Es schreibt im übrigen die Fabel aus Nicolas Roegs Film „Der Mann, der vom Himmel fiel“ aus dem Jahr 1976 fort. Mister Newton (im Kino damals von Bowie gespielt) gilt als Außerirdischer, der nicht zurück kehren kann in die heimische Fremde; als modern leidender „Lazarus“ wird er nun von Alpträumen heimgesucht: von einem Freund aus Jugendtagen, einem Liebespaar, das bald heiraten wird, und von einer von Newtons Charisma besessenen Assistentin, der der entrückte Chef längst wichtiger ist als der eigene Ehemann. Auch ein junges Mädchen schneit bei Newton herein – noch so eine verlorene Seele, eine Untote womöglich, die verspricht, eine Rakete zu bauen für Newtons erlösende Heimkehr. Aber auch ein androgyner Killer mit riesigem Messer schwebt durch die Story – sieht aus wie Bowie/Newton als junger Mann und tötet fast alle Figuren aus der Vergangenheit. Tatsächlich überleben Newton und das Mädchen, heben ab mit der Raumschiff-Kuppel, die von Beginn an <a href="https://www.dhaus.de/programm/a-z/lazarus/volker-hintermeier/" target="_blank">Volker Hintermeier</a>s Bühne prägt – das „alter ego“ aber bleibt gebrochen zurück.</p> <p>Die Story ist absichtsvoll rätselhaft. Walshs Text treibt sie nicht voran, segmentiert sie eher in Episoden, die nur sehr lose miteinander zusammenhängen. Das Musical besitzt sehr wenig „flow“, entfesselt wenig Sog – und zeigt Kraft eigentlich immer nur in den mehr oder weniger kompakten Teilen des Puzzles. Der Fokus liegt auch deshalb immer auf den Songs – wer „Lazarus“ eher als inszeniertes Konzert wahr nimmt, tut der Aufführung kein Unrecht.</p> <p>Zumal unbedingt unter muskalischen Leitung von <a href="https://www.dhaus.de/programm/a-z/lazarus/heinz-hox/" target="_blank">Heinz Hox</a> (und trotz Bronchitis!) eindrucksvoll gesungen wird: von Lieke Hoppe als erlösungsfähigem „Girl“ und dem Norweger Hans Petter Melø Dahl als Held, der nicht leben und nicht sterben kann. Den meisten Jubel aber holt sich zweifellos André Kaczmarczyk ab. Newtons mörderisches „alter ego“ setzt als Nachtmahr die gefährlichsten Phantasien frei. Wie Kaczmarczyk gehört auch Rosa Enskat zum Düsseldorfer Ensemble – mit ihrer grandios facettenreichen Stimme ist das Top-Quartett der Stimmen komplett. Drei starke Choristinnen, außerdem Marie Jensen und Stefan Gorski als junges Paar, Thomas Wittmann als Hippie-Freund von früher und Christian Erdmann als verschüchterter Gatte der Assistentin Elly komplettieren das starke Ensemble.</p> <p>Kostüme (<a href="https://www.dhaus.de/programm/a-z/lazarus/su-buehler/" target="_blank">Su Bühler</a>)und Bilder, Video (<a href="https://www.dhaus.de/programm/a-z/lazarus/stephan-komitsch/" target="_blank">Stephan Komitsch</a>, <a href="https://www.dhaus.de/programm/a-z/lazarus/roman-kuskowski/" target="_blank">Roman Kuskowski</a>) und Choreographie (<a href="https://www.dhaus.de/programm/a-z/lazarus/bridget-petzold/" target="_blank">Bridget Petzold</a>) glänzen und funkeln – in kühler Perfektion gewinnt die Show. Die Story nicht; sie bleibt wirr, gar nicht „typisch Musical“. Insofern war es durchaus mutig, „Lazarus“ und Bowie in Düsseldorf zu beschwören.</p> <p><span> </span></p> </div> <div> <div>Stück</div> <div>Lazarus</div> </div> <div> <div>Überschrift der Kurzkritik</div> <div>Kühle Perfektion</div> </div> <div> <div>Autor/Komponist/Choreograf</div> <div>David Bowie/Enda Walsh</div> </div> <div> <div>Premierendatum</div> <div><time datetime="2018-02-03T12:00:00Z">03.02.2018</time> </div> </div> <div> <div>UA/DE/DSE</div> <div>DSE</div> </div> <div> <div>Medialink</div> <div><a href="https://www.dhaus.de/programm/a-z/lazarus/">Fotogalerie auf der Homepage des Düsseldorfer Schauspielhauses</a></div> </div> <div> <div>Regie</div> <div>Matthias Hartmann</div> </div> <div> <div>Stadt</div> <div><a href="/taxonomy/term/629" hreflang="de">Düsseldorf</a></div> </div> <div> <div>Theater</div> <div><a href="/taxonomy/term/1501" hreflang="de">Düsseldorfer Schauspielhaus</a></div> </div> <div> <div>Genre</div> <div>Crossover</div> </div> <div> <div>Bild</div> <div><div> <div>So., 04.02.2018 - 09:32</div> <div><span lang="" about="/user/123" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Michael Laages</span></div> <div> <img src="/sites/default/files/styles/thumbnail/public/3795_lazarus_foto_lucie_jansch_2018laz0126w30.jpg?itok=kgGS_xNQ" width="100" height="63" alt="Thumbnail" title="David Bowie/Enda Walsh: Lazarus" typeof="foaf:Image" /> </div> <div> <div>Bild-Datei</div> <div> <img src="/sites/default/files/styles/banner/public/3795_lazarus_foto_lucie_jansch_2018laz0126w30.jpg?itok=mvkuQlDd" width="1800" height="1200" alt="Der Kosmos David Bowies, erstmals in Musicalform auf einer deutsche Bühne" title="Der Kosmos David Bowies, erstmals in Musicalform auf einer deutsche Bühne" typeof="foaf:Image" /> </div> </div> <div> <div>Beschreibung</div> <div>Der Kosmos David Bowies, erstmals in Musicalform auf einer deutsche Bühne. Thomas Wittmann (l.), Hans Petter Melø Dahl (David Bowie)</div> </div> </div> </div> </div> Sun, 04 Feb 2018 08:32:05 +0000 Michael Laages 10467 at https://die-deutsche-buehne.de Erich Kästner: Fabian oder der Gang vor die Hunde https://die-deutsche-buehne.de/kritiken/zwiespaeltiger-tanz-auf-dem-vulkan <span>Erich Kästner: Fabian oder der Gang vor die Hunde</span> <span><span lang="" about="/user/10" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Andreas Falentin</span></span> <span>So., 15.10.2017 - 09:19</span> <div><p>Die erste halbe Stunde ist ein großer Genuss. Das hervorragende Ensemble des Düsseldorfer Schauspielhauses formuliert für uns mit ausgelassenen Körpern den berühmten ‚Tanz auf dem Vulkan‘, angesiedelt irgendwo zwischen „Blauer Engel“ und „Linie 1“. Dieses Berlin der späten Weimarer Jahre verweist bewusst auf unsere heutige Hauptstadt. Es kommt rau daher, kaum fassbar, mit wenigen Tabus, vielen Unterströmungen und noch mehr Klischees. Ständig passiert auf allen Ebenen mehr, als man aufnehmen kann und will, wummert untergründig ein kaum dechiffrierbarer Soundtrack. Und mittendrin André Kaczmarczyk als Kästners Titelheld, charmant, intelligent und schlagfertig, sensibel und extrem verletzlich. Vom ersten Moment an, in dem er zur Musik des den ganzen Abend über auf der Bühne präsenten Schlagzeugers Nico Stallmann tanzt, mögen wir ihn, sind wir bereit, die Welt durch seine Augen zu sehen.</p> <p>In dieser ersten halben Stunde spielt die Regisseurin Bernadette Sonnenbichler, die auch die Spielfassung erstellt hat, ihre großen Stärken aus. Sie kann so erzählen, dass jeder Zuschauer ohne jede Lektüre oder sonstige Vorbereitung alles versteht – und das in stimmigem, geradezu musikalischem, ungeheuer leichtfüßigem Rhythmus. Aber nach diesem überwältigenden Beginn wird es schwieriger. Und das liegt an der Vorlage. „Fabian oder der Gang vor die Hunde“ drängt sich nicht gerade nach der Bühne. Die drei Komponenten dieses Zeitromans, das satirisch überglänzte Großstadtpanorama, die diskussionswürdige Haltung der Hauptfigur und ihr Ringen um eben diese und der deutlich durchscheinende autobiographische Subtext fügen sich nur mit Mühe und vielen Perücken und Brillen, falschen Bärten und vertauschten Geschlechtern zum Theaterabend. Da scheint vieles nur aufzutauchen, weil es im Buch steht. Professor Kohlrepp etwa, einen Erfinder von Maschinen, der seinen Glauben an den Fortschritt verloren und dafür seine Mitmenschlichkeit entdeckt hat, braucht man, weil er sich verplappert, wodurch Fabians Geliebte Cornelia von Fabians Arbeitslosigkeit erfährt. Ansonsten hat er in der Erzählung dieses Abends eigentlich keinen Ort. So bringt ihn Markus Danzeisen in der Maske eines kultivierten, akademischen Wirrkopfes einfach auf hohem Niveau hinter sich. Aber er hinterlässt nichts. Noch eklatanter zeigt sich dieses dramaturgische Problem am Geschehen um Fabians Freund Labude, dem tatkräftigen, zumindest tatwilligen Idealisten, der unbedingt handeln, keinesfalls zusehen will. Sebastian Tessenows große Szene mit André Kaczmarczyk ist ein Höhepunkt des Abends. Hingerissen sieht man einer glaubwürdigen Freundschaft zu. Dann verschwindet Labude aus dem Stück, wird hinterher tot am Strick heruntergelassen und sein Vater, sein Professor und sein Assistent, die als Figuren nicht existieren, müssen gemeinsam mit Fabian die Ursache des Selbstmordes aufklären. Immerhin gewinnt Sonnenbichler aus diesem theatralisch kaum relevanten Moment die Struktur für ihr sehr kraftvolles Schlussbild.</p> <p>Wolfgang Menardis durch Dreh- und Schiebetüren begehbarer Kasten in Laufstegform weitet sich zum Raum. Zwischen Fabian und den anderen Figuren entsteht eine Schlucht, in die sich André Kaczmarczyk am Ende fallen lässt. Und wir sind ein wenig traurig. Die Skrupel, in einer erodierenden, implodierenden Gesellschaft durch Handeln Spuren zu hinterlassen, den schrecklichen Schock der eigenen Arbeitslosigkeit erspielt er so nachvollziehbar wie intensiv. Die große Freundschaft zu Labude, die vielleicht noch größere Bindung an die Mutter rühren an. Die Beziehung zu den Frauen allerdings bleibt Behauptung. Von jener Leidenschaft, mit der Fabian für Cornelia Battenberg entflammt und die auch Sehnsucht nach Geborgenheit und, später getäuschte, Ahnung einer verwandten Seele ist, zeigt uns die Inszenierung nichts, delegiert sie an die einzige über dem Bühnenraum angesiedelte Szene, die aber arg kultiviert bleibt. Judith Bohle arbeitet sich souverän durch ihren Text. Ihr Dilemma, die Tatsache, dass die Karriere im Filmbusiness vielleicht schon vor 85 Jahren nur über irgendeinen Harvey Weinstein möglich war, berührt jedoch kaum.</p> <p>So hinterlässt dieser „Fabian“ einen zwiespältigen Eindruck. Immer wieder erfreuen choreographische Kleinigkeiten und kostbare schauspielerische Momente wie die schwerelos sich einbrennende Charakterstudie von Michaela Steiger als geliebte Mutter, die hundsgemeinen Bürgerstudien von Alexej Lochmann, besondes die faszinierend in sich ruhende Künstlichkeit von Torben Kessler, aber der große Bogen wirkt bemüht und die Haltung der unterhaltsamen Inszenierung erscheint weit weniger klar als die Haltung des Protagonisten.</p> </div> <div> <div>Stück</div> <div>Fabian oder der Gang vor die Hunde</div> </div> <div> <div>Überschrift der Kurzkritik</div> <div>Zwiespältiger Tanz auf dem Vulkan</div> </div> <div> <div>Autor/Komponist/Choreograf</div> <div>Erich Kästner</div> </div> <div> <div>Premierendatum</div> <div><time datetime="2017-10-14T12:00:00Z">14.10.2017</time> </div> </div> <div> <div>Medialink</div> <div><a href="https://www.dhaus.de/programm/spielplan/fabian-oder-der-gang-vor-die-hunde/1311/">Fotogalerie auf der Homepage des Düsseldorfer Schauspielhauses</a></div> </div> <div> <div>Regie</div> <div>Bernadette Sonnenbichler</div> </div> <div> <div>Stadt</div> <div><a href="/taxonomy/term/629" hreflang="de">Düsseldorf</a></div> </div> <div> <div>Theater</div> <div><a href="/taxonomy/term/1501" hreflang="de">Düsseldorfer Schauspielhaus</a></div> </div> <div> <div>Genre</div> <div>Schauspiel</div> </div> <div> <div>Bild</div> <div><div> <div>So., 15.10.2017 - 09:19</div> <div><span lang="" about="/user/10" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Andreas Falentin</span></div> <div> <img src="/sites/default/files/styles/thumbnail/public/fabian_foto_sandra_then.jpg?itok=Ryz3T4XM" width="100" height="67" alt="Thumbnail" title="Erich Kästner: Fabian oder Der Gang vor die Hunde" typeof="foaf:Image" /> </div> <div> <div>Bild-Datei</div> <div> <img src="/sites/default/files/styles/banner/public/fabian_foto_sandra_then.jpg?itok=GTPdXf7P" width="1800" height="1200" alt="Tanz auf dem Berliner Vulkan - einst wie jetzt?" title="Tanz auf dem Berliner Vulkan - einst wie jetzt?" typeof="foaf:Image" /> </div> </div> <div> <div>Urheber/Copyright</div> <div>Sandra Then</div> </div> <div> <div>Beschreibung</div> <div>Tanz auf dem Berliner Vulkan - einst wie jetzt?</div> </div> </div> </div> </div> Sun, 15 Oct 2017 07:19:59 +0000 Andreas Falentin 10373 at https://die-deutsche-buehne.de Nach Fatma Aydemir: Ellbogen https://die-deutsche-buehne.de/kritiken/intensiv-glaubwuerdig <span>Nach Fatma Aydemir: Ellbogen</span> <span><span lang="" about="/user/24" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Antonia Ruhl</span></span> <span>Mo., 18.09.2017 - 09:48</span> <div><p>Ein Fleischmesser, abgeschnittene schwarze Locken, später ein Schädel und eine Blutlache: Das ist Hazalia. So sieht es tief in der Seelenlandschaft der Protagonistin aus, und wir schauen zwei Stunden ungeniert hinein. Ein Kosmos der Gewalt? Hazal, fast achtzehn, Deutschtürkin, ist in Berlin aufgewachsen – und dort nicht wirklich beheimatet. Ihr Leben spielt sich zwischen Jobsuche, Kiffen mit den Freundinnen und harten Konflikten in der Familie ab. Soweit die Ausgangssituation von Fatma Aydemirs erstem Roman „Ellbogen“: ein komplexes Gefüge, das Robert Koall für die Uraufführung im Central, Interimsspielstätte des Düsseldorfer Schauspielhauses, in eine romannahe und geschmeidige Theaterfassung transferiert hat.</p> <p>Den ersten und umfangreicheren Teil des Abends bestreiten die vier jungen Schauspielerinnen (Cennet Rüya Voß, Lou Strenger, Tabea Bettin, Florenze Schüssler) gemeinsam. Es wären auch Stimmen und Figuren da für die dreifache Anzahl an Spielern, aber mit einem kleinen Ensemble lässt sich eine umso höhere Intensität erzeugen. Chorische Arbeit beherrschen sie nahezu perfekt, meisterlich sind sie darin, Stimmungen zu produzieren und zu transportieren. Sie alle können mit wenigen, gekonnt gesetzten Akzenten in eine Figur schlüpfen (sehr präzise: Lou Strenger) oder eine kollektive Hazal darstellen (also Hazalia). Letzteres geht Hand in Hand mit den bei Romanadaptionen naheliegenden, jedoch auffallend vielen Erzählpassagen.</p> <p>Ganz im Dienst der Intensität steht in Jan Gehlers Inszenierung der schlichte, aber markant gestaltete Bühnenraum (Bühne: Sabrina Rox): Auf und vor einer übermenschengroßen Plattform aus Lautsprechern, die immer wieder wirksam vibrieren, werden in loser Szenenfolge und hohem Tempo drastische Bilder von Hazals Alltag entworfen. Da ist die Auseinandersetzung mit dem Ladendetektiv (purer Alltagsrassismus); da ist die emanzipierte Tante Semra; da sind die strengen Eltern, hilflos erstarrt im Weddinger Wohnzimmer; und da sind die so unterschiedlichen Freundinnen Elma, Gül und Ebru, die doch alle die Ziellosigkeit eint (und der a cappella gesungene Rihanna-Song „Umbrella“). Cennet Rüya Voß macht ihre Hazal trotz scheinbarer Abgebrühtheit zur Unsichersten, vielleicht Verletzlichsten im Bunde. Am achtzehnten Geburtstag dann der Bruch: Erst, in der Warteschlange vor dem Club, wird noch hemmungslos die vierte Wand durchbrochen (und ein Zuschauer beinahe abgeknutscht), dann, nachdem ihnen der Zutritt verwehrt worden ist, liegt ein Student tot auf dem Bahngleis. Und eine wutgeladene Hazal ist plötzlich Täterin – und findet sich in Istanbul bei Skype-Freund Mehmet wieder. Die drei Mitspielerinnen sind nach dieser Szene, die schon wieder als statisches Chorensemble bewerkstelligt wird, weg. Man ahnt, dass sie so bald nicht wiederkommen.</p> <p>Im zweiten Teil eine fast leere Bühne, die Istanbul nur durch einen farbenwechselnden Leuchtkugel-Vorhang im Hintergrund andeutet: Hier ist Hazal wirklich allein – und Cennet Rüya Voß startet einen aufgewühlten Monolog zwischen Erinnerungsfetzen an ihre Bluttat (die Hazal oberflächlich locker wegsteckt), ein bisschen Verliebtheit sowie erstem Blick auf die Sehnsuchtsstadt Istanbul. Da ist es unerträglich heiß, während es in Berlin regnet. Aber die Welten sind sich doch zu nah: Hazal wird Hazalia nicht los. Deshalb gibt es dann einen gewaltigen Schrei-Ausbruch, es bleibt bei dem einen, dafür zieht er sich minutenlang.</p> <p>Emotionaler und dichter ist das anschließende Streitgespräch mit Tante Semra (Tabea Bettin), welches scheitert – und so findet sich die einzige Tür, die sich in dieser Inszenierung öffnet, ausgerechnet inmitten der Putschwirren, deren eingeblendete Geräusche sich mit „Umbrella“ zu mischen scheinen… Am Ende steht überdeutlich die Ungewissheit. Demgegenüber die Gewissheit über sich selbst: Selbstfindung und Emanzipation durch Gewalt?</p> <p>Mit „Ellbogen“ findet ein neuer Romantext auf die Bühne und beweist in Koalls Fassung unprätentiös seine Theatertauglichkeit: ein Stoff, dessen Aktualität nicht aufdringlich-plakativ, sondern eher subtil daherkommt. Grund dafür ist die wenig politisierte Wahrnehmung Hazals, die ziemlich naiv von ihrem mit Erdogan sympathisierenden Vater genervt und von Mehmets Abschiebung gerade einmal merkwürdig berührt ist. Diese Perspektive ist glaubwürdig und obendrein erfrischend. Dank des Textvertrauens, einer zurückhaltenden und doch genauen Regie sowie der Energie des Ensembles gelingt daher ein beklemmender, auch belustigender, sehr ambivalenter Abend.</p> </div> <div> <div>Stück</div> <div>Ellbogen</div> </div> <div> <div>Überschrift der Kurzkritik</div> <div>Intensiv glaubwürdig</div> </div> <div> <div>Autor/Komponist/Choreograf</div> <div>Nach Fatma Aydemir</div> </div> <div> <div>Premierendatum</div> <div><time datetime="2017-09-15T12:00:00Z">15.09.2017</time> </div> </div> <div> <div>UA/DE/DSE</div> <div>UA</div> </div> <div> <div>Regie</div> <div>Jan Gehler</div> </div> <div> <div>Stadt</div> <div><a href="/taxonomy/term/629" hreflang="de">Düsseldorf</a></div> </div> <div> <div>Theater</div> <div><a href="/taxonomy/term/1501" hreflang="de">Düsseldorfer Schauspielhaus</a></div> </div> <div> <div>Genre</div> <div>Schauspiel</div> </div> <div> <div>Bild</div> <div><div> <div>Mo., 18.09.2017 - 09:48</div> <div><span lang="" about="/user/24" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Antonia Ruhl</span></div> <div> <img src="/sites/default/files/styles/thumbnail/public/2531_ellbogen_foto_lucie_jansch_klein.jpg?itok=o3ffuyxj" width="100" height="67" alt="Thumbnail" title="Nach Fatma Aydemir: Ellbogen" typeof="foaf:Image" /> </div> <div> <div>Bild-Datei</div> <div> <img src="/sites/default/files/styles/banner/public/2531_ellbogen_foto_lucie_jansch_klein.jpg?itok=EDegXTV-" width="1800" height="1200" alt="Cennet Rüya Voß und Tabea Bettin in &quot;Ellbogen&quot;" title="Cennet Rüya Voß und Tabea Bettin in &quot;Ellbogen&quot;" typeof="foaf:Image" /> </div> </div> <div> <div>Beschreibung</div> <div>Cennet Rüya Voß und Tabea Bettin in &quot;Ellbogen&quot;</div> </div> </div> </div> </div> Mon, 18 Sep 2017 07:48:23 +0000 Antonia Ruhl 10344 at https://die-deutsche-buehne.de Aischylos: Die Orestie https://die-deutsche-buehne.de/kritiken/orestutopie <span>Aischylos: Die Orestie</span> <span><span lang="" about="/user/50" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Detlev Baur</span></span> <span>Fr., 15.09.2017 - 10:17</span> <div><p>Der Anfang wirkt eher bieder, ja medioker: Ein Wächter, der über einen flimmernden Fernseher alter Schule die Nachricht vom brennenden Troja erhält. Ein Chor in Schlafanzügen, der mit dem Wächter zum Volk verschmilzt und einen Agamemnon mit Aktentasche (Thomas Wittmann) empfängt. Eine ganz sachlich die unschöne Zukunft beschreibende Kassandra (Claudia Hübbecker) und eine eher beiläufig männermordende Gattin Klytaimnestra (Minna Wündrich). Doch dann kommen die Toten ins Spiel ­ ­- und die auf knapp zwei Stunden konzentrierte „Orestie“ im Central, der Übergangsspielstätte des Düsseldorfer Schauspielhauses, wird lebendiger.</p> <p>Beim Erscheinen der vom Vater für den Krieg geopferten Tochter Iphigenie lässt sich langsam ahnen, dass es in diesem zweistündigen Stück (das ungekürzt eine mehrstündige Trilogie wäre) um viel, wenn nicht alles geht. Auch Aigisths (Stefan Gorski) üble Vorgeschichte deutet an, dass die fernen Geschichten der alten Griechen uns heute wieder näher sein könnten, als uns eigentlich lieb ist. Und als dann der Hipster Orest (Jonas Friedrich Leonhardi) auftaucht und er von einem trauernden Hasschor und einem sprechenden Vaterleichnam zum Muttermord aufgepeitscht wird, da gewinnt Simon Solbergs Inszenierung weiter an Dichte und Verbindlichkeit. Das Bühnengerüst (Ansgar Prüwer-LeMieux und Simon Solberg), das anfangs ein Staatsschiff als Schlafraum andeutete, sich dann nach Drehung als hohles Gerüst erwies, bricht nun auseinander und zeigt einen vereinzelten Muttermörder wie auf einer treibenden Eisscholle.</p> <p>Im knappen Ende dann zeigt Robert Koalls entschiedene und ziemlich mutige Textfassung (basierend auf Peter Steins ausgewogener Übersetzung) die erschreckende Nähe aus dem Chor der Trauernden (im zweiten Teil der „Orestie“) und dem der Rachegöttinen (aus dem dritten Teil der Trilogie) mit Wutbürgern, die schnell zu ausgrenzendem Pöbel werden. Doch die schon zuvor außergewöhnlich milde Mordsschwester Elektra (Lieke Hoppe) übernimmt die Rolle, die im Originaltext die Göttin Athene erfüllt. Sie ruft zum Volksentscheid über die Schuld des gerechten Muttermörders auf und integriert die unterlegenen Hassfreunde schließlich zum demokratischen Mitherrscher um. Die tote Schwarzseherin Kassandra schließlich darf milde und zuversichtlich in die Zukunft blicken. Wir alle können, wenn wir denn endlich aus dem Leiden lernen, an einer friedlichen Weltgemeinschaft mitwirken, so prophezeit sie. Das mag etwas naiv sein, ist aber in seiner Konsequenz sehr erfrischend. Die Düsseldorfer „Orestie“ wird zur Utopie. Für die neue Spielzeit ist das ein Versprechen auf ein Theater, das auch aus einem 2500 Jahre alten Stück mehr als feines Kunstgewerbe schaffen kann, nämlich anregendes, ja aufrüttelndes, sehr ernsthaftes Spiel.</p> </div> <div> <div>Stück</div> <div>Die Orestie</div> </div> <div> <div>Überschrift der Kurzkritik</div> <div>Orestutopie</div> </div> <div> <div>Autor/Komponist/Choreograf</div> <div>Aischylos</div> </div> <div> <div>Premierendatum</div> <div><time datetime="2017-09-14T12:00:00Z">14.09.2017</time> </div> </div> <div> <div>Regie</div> <div>Simon Solberg</div> </div> <div> <div>Stadt</div> <div><a href="/taxonomy/term/629" hreflang="de">Düsseldorf</a></div> </div> <div> <div>Theater</div> <div><a href="/taxonomy/term/1501" hreflang="de">Düsseldorfer Schauspielhaus</a></div> </div> <div> <div>Genre</div> <div>Schauspiel</div> </div> <div> <div>Bild</div> <div><div> <div>Fr., 15.09.2017 - 10:17</div> <div><span lang="" about="/user/50" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Detlev Baur</span></div> <div> <img src="/sites/default/files/styles/thumbnail/public/2499_orstie_probe_rabsch_9080107.jpg?itok=5CBfOMmE" width="100" height="76" alt="Thumbnail" title="Aischylos: Die Orestie" typeof="foaf:Image" /> </div> <div> <div>Bild-Datei</div> <div> <img src="/sites/default/files/styles/banner/public/2499_orstie_probe_rabsch_9080107.jpg?itok=jqkA3GhF" width="1800" height="1200" alt="Agamemnon (Thomas Wittmann) erzählt vom Krieg, der Chor ist betroffen – die &quot;Orestie&quot; am Düsseldorfer Schauspielhaus" title="Agamemnon (Thomas Wittmann) erzählt vom Krieg, der Chor ist betroffen – die &quot;Orestie&quot; am Düsseldorfer Schauspielhaus" typeof="foaf:Image" /> </div> </div> <div> <div>Urheber/Copyright</div> <div>Thomas Rabsch</div> </div> <div> <div>Beschreibung</div> <div>Agamemnon (Thomas Wittmann) erzählt vom Krieg, der Chor ist betroffen – die &quot;Orestie&quot; am Düsseldorfer Schauspielhaus</div> </div> </div> </div> </div> Fri, 15 Sep 2017 08:17:53 +0000 Detlev Baur 10340 at https://die-deutsche-buehne.de Bov Bjerg: Auerhaus https://die-deutsche-buehne.de/kritiken/egal-nicht-egal <span>Bov Bjerg: Auerhaus</span> <span><span lang="" about="/user/173" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Ulrike Kolter</span></span> <span>Fr., 06.01.2017 - 11:54</span> <div><p>Ja, es werden so einige bewährte Klischees der frühen 80-iger in dem Roman „Auerhaus“ von Bov Bjerg dargestellt: die erste große Freiheit im WG-Alltag, der gelebte Baader-Meinhof-Kult, die fixe Idee von der Flucht vor Musterung und Wehrdienst nach Berlin. Und natürlich erinnert der Ausbruch zweier (Außenseiter-)Freunde aus ihrem tristen Alltag hinein ins wilde Leben an den Jugendroman „Tschick“, dessen Theaterfassung von Robert Koall bereits ein Jahr nach Veröffentlichung zu den meistgespielten Jugendstücken deutschsprachiger Bühnen gehörte. Nun spekuliert man zur Uraufführung am Düsseldorfer Schauspielhaus im Foyer in allen Ecken, ob und wie bald „Auerhaus“, ebenfalls eine Dramatisierung von Robert Koall, dieses Erbe antreten wird. Immerhin stehen noch in dieser Spielzeit Neuinszenierungen in Wiesbaden, Augsburg, Hannover, Dresden, Darmstadt und Berlin an. Kann der Text diesen Erwartungen gerecht werden?</p> <p>Da ist zunächst Höppner (<a href="http://www.dhaus.de/programm/a-z/auerhaus/kilian-land/">Kilian Land</a>), der Ich-Erzähler kurz vorm Abitur, der die Geschichte seines suizidalen Oberstufen-Freundes Frieder (<a href="http://www.dhaus.de/programm/a-z/auerhaus/alexej-lochmann/">Alexej Lochmann</a>) erzählt. Nicht chronologisch, sondern beginnend mit dieser skurrilen Episode, als Frieder Heiligabend den Weihnachtsbaum des Dorfplatzes fällt. Stromausfall überall, und große Belustigung im „Auerhaus“. Weil Frieder nach einem gescheiterten Suizidversuch und langem Psychiatrie-Aufenthalt nicht wieder zu den Eltern ziehen soll, gründet er mit Höppner, dessen Freundin Vera (<a href="http://www.dhaus.de/programm/a-z/auerhaus/hanna-werth/">Hanna Werth</a>) und der strebsamen Cäcilia (<a href="http://www.dhaus.de/programm/a-z/auerhaus/adrienne-leijko/">Adrienne Lejko</a>) eine WG im „Auerhaus“, Namensgebung angelehnt an den Madness-Song „Our house“, der ständig aus einem alten Kassettenrekorder auf dem Küchentisch dröhnt. Später ziehen noch Frieders Psychiatrie-Freundin, die Brandstifterin Pauline (<a href="http://www.dhaus.de/programm/a-z/auerhaus/rebecca-seidel/">Rebecca Seidel</a>), sowie der schwule Hasch-Dealer Harry (<a href="http://www.dhaus.de/programm/a-z/auerhaus/andre-kaczmarczyk/">André Kaczmarczyk</a>) mit ein. Man redet, kocht, raucht, feiert und verfeinert mit Frieders Hilfe die Technik des Lebensmittel-Klauens, um den WG-Kühlschrank zu füllen. Vor allem aber ist das erklärte Ziel der Freunde, Frieder von einem neuen Selbstmord-Versuch abzuhalten. Nicht ganz uneigennützig, denn jeder der Abiturienten hat andere gute Gründe, von daheim auszuziehen.</p> <p>Maximilian Lindner hat den sechs Freunden einen alten Golf auf die kleine Bühne des <em>Central</em> gestellt, dazu der WG-Tisch, einige Lampen und jede Menge Laub auf dem Boden, was im Winter zwar wenig Sinn macht, aber gut zu bespielen ist und ein treffliches Bild für die allgegenwärtige Vergänglichkeit abgibt. „Birth – School – Work – Death“, singt man das drohende Lebensmuster wie ein Mantra im Dauernebel der Bühne, aber so richtig zum Kern führt das alles kaum. Auch nicht, wie in dieser Partystimmung immer wieder Frieders Grundzweifel an der Sinnhaftigkeit des Großen Ganzen anklingen.</p> <p>Robert Koalls Theaterfassung von „Auerhaus“ ist klug verdichtet, verteilt den Erzählerpart auf alle Beteiligten, schiebt Episoden ineinander und kürzt damit den ohnehin knappen Roman, der knapp ist in der Sprache wie der Erkenntnis. Kaum ein Satz hat mehr als ein Dutzend Wörter. „Egal“ oder „Nicht egal" sind die Lieblingskommentare Höppners. Und genau so knackig setzt der junge Regisseur Robert Gerloff das Stück in Szene, mit gut getimten Licht- und Musikwechseln, die die einzelnen Episoden aneinanderreihen. Kilian Land als jugendlich naiver Höppner deklamiert vortrefflich den Großteil des Textes ins Publikum, der Frieder von Alexej Lochmann zeigt die krassen Brüche seiner Figur, zwischen Psychopharmaka-gedopter Euphorie zu Silvester (mit beeindruckender Breakdance-Einlage trotz Körperfülle) und der zweifelnden Einsamkeit eines Depressiven, der <em>es</em> jederzeit wieder tun würde. Vor allem aber ist der Harry des André Kaczmarczyk die Entdeckung des Abends: Grandios, wie er mit wenigen Gesten abwechselnd die übrigen Romanfiguren ausfüllt, vom buckligen Nachbarn der WG über den verhassten Lehrer „Turnschuh“ bis hin zum albernen Dorf-Polizisten.</p> <p>Es gibt viele gelungene Szenen, etwa wenn alle sechs mit Pistolenattrappe im Golf sitzen zur Verfolgungsjagd mit einem Dorfpolizisten, oder wenn Höppner mit Frieder allein auf dem Autodach sitzt, den entscheidenden Augenblick vorm Selbstmord durchdekliniert, und beim Öffnen der stets präsenten Flasche Imiglykos-Wein zur Verwunderung beider wieder der Song „Our house“ ertönt. Aber der Flaschengeist der heilen WG-Welt ist zur Flüchtigkeit verdammt, so wie das gemeinsame WG-Jahr der Freunde bis zum Abi.</p> <p>Frieder packt es nicht, das Leben. Die letzten Male, in denen er und Höppner sich treffen in dessen Berliner Zimmer, Monate nach dem vergeigten Abi, inszeniert Gerloff angenehm unspektakulär. Frieder legt sich einfach ins Laub, dreht sich um, ganz müde. Zu seiner Beerdigung spielt Cecilia leise Keyboard im Hintergrund, Vera und Harry sind sichtlich mitgenommen. Heikel ist das, und doch gelingt die Gratwanderung bei der Uraufführung, was vor allem dem hervorragenden Ensemble zu danken ist. Und dem Kerngedanken von „Auerhaus“, jenseits aller Klischees: Sie ist nunmal so beschissen entscheidend und vergänglich, diese Lebensphase der Selbstfindung 18-Jähriger.</p> </div> <div> <div>Stück</div> <div>Auerhaus</div> </div> <div> <div>Überschrift der Kurzkritik</div> <div>Egal. Nicht egal.</div> </div> <div> <div>Autor/Komponist/Choreograf</div> <div>Bov Bjerg</div> </div> <div> <div>Premierendatum</div> <div><time datetime="2017-01-07T12:00:00Z">07.01.2017</time> </div> </div> <div> <div>UA/DE/DSE</div> <div>UA</div> </div> <div> <div>Regie</div> <div>Robert Gerloff</div> </div> <div> <div>Stadt</div> <div><a href="/taxonomy/term/629" hreflang="de">Düsseldorf</a></div> </div> <div> <div>Theater</div> <div><a href="/taxonomy/term/1501" hreflang="de">Düsseldorfer Schauspielhaus</a></div> </div> <div> <div>Genre</div> <div>Schauspiel</div> </div> <div> <div>Bild</div> <div><div> <div>Fr., 06.01.2017 - 11:54</div> <div><span lang="" about="/user/173" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Ulrike Kolter</span></div> <div> <img src="/sites/default/files/styles/thumbnail/public/kk_schau_dd_auerhaus.jpg?itok=eEj7DNOE" width="100" height="66" alt="Thumbnail" title="Bov Bjerg: Auerhaus" typeof="foaf:Image" /> </div> <div> <div>Bild-Datei</div> <div> <img src="/sites/default/files/styles/banner/public/kk_schau_dd_auerhaus.jpg?itok=_oY8Hoss" width="1800" height="1200" alt="WG-Leben im Auerhaus." title="WG-Leben im Auerhaus." typeof="foaf:Image" /> </div> </div> <div> <div>Urheber/Copyright</div> <div>Thomas Rausch</div> </div> <div> <div>Beschreibung</div> <div>WG-Leben im Auerhaus.</div> </div> </div> </div> </div> Fri, 06 Jan 2017 10:54:10 +0000 Ulrike Kolter 10163 at https://die-deutsche-buehne.de Simon Stephens: Heisenberg https://die-deutsche-buehne.de/kritiken/ein-lustspiel <span>Simon Stephens: Heisenberg</span> <span><span lang="" about="/user/50" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Detlev Baur</span></span> <span>Fr., 21.10.2016 - 10:02</span> <div><p><span>Bei Goethes Beziehungsroman „Die Wahlverwandtschaften“ handelt es sich um eine Übertragung naturwissenschaftlicher Erkenntnisse auf menschliches Zusammenleben. Auch der englische Dramatiker Simon Stephens hat sich nun physikalische Theorien, nämlich die des namensgebenden deutschen Physiker Werner Heisenberg, als Anregung für ein Stück genommen. Seine deutschsprachige Erstaufführung fand nun im Central, der Übergangsspielstätte des gebeutelten Düsseldorfer Schauspielhauses statt. Diese soll nach dem Willen des Oberbürgermeisters, so bekundete er nur wenige Stunden vor der Premiere, auch das Stammhaus ersetzen, weil er das Schauspielhaus, dieses vielleicht schönste Schauspielhaus des Landes, an Investoren verscherbeln will. Die Antwort des Theaters war die Premiere mit diesem stillen, kleinen Stück – in großer Besetzung.</span></p> <p><span>Burghart Klaußner spielt den stillen, reichen und denkfreudigen Metzger Alex. Dieser 75-Jährige wird von der über dreißig Jahre jüngeren Georgie, gespielt von Caroline Peters, an einem Londonder Bahnhof unvermittelt in den Nacken geküsst. Auf diese dubiose Peinlichkeit folgen weitere verbale Ausrutscher der gesprächigen Frau, die den einsamen Mann immer weiter zum Auftauen bringt, bis er ihr die erfragten 15.ooo Pfund bringt. Ist diese Beziehung also nichts anderes als eine mehr oder weniger verbrämte hinterlistige Ausbeutung von Gefühlen und Geld? </span></p> <p><span>In der folgenden Szene sind die beiden in der Heimat der Frau, in den USA, auf den Spuren ihres entlaufenen Sohnes. Und beginnen vorsichtig ein neues Leben –gemeinsam. Was dubios begann, führt zum Happy-Ending. Auch in der deutschen Übersetzung von Barbara Christ entsteht aus diesem immer ungefähren, aber nie unberührenden Konversationsstück, ein zuweilen erschreckendes, lustiges Spiel mit verhaltenem guten Ende. Ein Lustspiel eben. Ganz anders als in der amerikanischen Kult-Serie „Breaking Bad“, in der sich die Hauptfigur des Pseudonyms „Heisenberg“ bedient, wird hier eben nicht alles immer schlimmer. Das Ende lässt zumindest Raum für Hoffnung: Breaking Better.</span></p> <p><span>Peters und Klaußner sind ein wundervolles Schauspielerpaar voll ambivalenter Abgründe, das von der Schauspielerin und Regisseurin Lore Stefanek souverän in Szene gesetzt wird. Klaußner zeigt einen Mann, der immer mehr auftaut und aufblüht; Peters eine gewandte, beredte Selbstdarstellerin, die zunehmend mehr Brüche zeigt – und dennoch am Ende auch gewinnt. Die Welt dieses zauberhaften kleinen Stücks um den kleinen Sinn des Lebens und zwei Menschen, die in einer neuen Verbindung womöglich die Chance auf ein besseres Leben finden, wird auf Janina Audicks abstrahierender Bühne zum Ende hin bis ins Universum erweitert: Das Ergebnis ist spannendes und unterhaltsames Theater: oft komisch, nicht unbedingt emotional ergreifend, aber Denken und Fühlen anregend. </span></p> <p><span>Die Inszenierung ist also ein ruhiges, und dabei deutliches Ausrufungszeichen für ein Menschenhaus, in einer Welt und einer Stadt, in der nicht nur Schein und Scheine zählen müssen.</span></p> </div> <div> <div>Stück</div> <div>Heisenberg</div> </div> <div> <div>Überschrift der Kurzkritik</div> <div>Ein Lustspiel</div> </div> <div> <div>Autor/Komponist/Choreograf</div> <div>Simon Stephens</div> </div> <div> <div>Premierendatum</div> <div><time datetime="2016-10-21T12:00:00Z">21.10.2016</time> </div> </div> <div> <div>UA/DE/DSE</div> <div>DSE</div> </div> <div> <div>Regie</div> <div>Lore Stefanek</div> </div> <div> <div>Stadt</div> <div><a href="/taxonomy/term/629" hreflang="de">Düsseldorf</a></div> </div> <div> <div>Theater</div> <div><a href="/taxonomy/term/1501" hreflang="de">Düsseldorfer Schauspielhaus</a></div> </div> <div> <div>Genre</div> <div>Schauspiel</div> </div> <div> <div>Bild</div> <div><div> <div>Fr., 21.10.2016 - 10:02</div> <div><span lang="" about="/user/50" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Detlev Baur</span></div> <div> <img src="/sites/default/files/styles/thumbnail/public/758_heisenberg_burghart_klaussner_caroline_peters_foto_thomas_rabsch_009.jpg?itok=H77CABBb" width="100" height="67" alt="Thumbnail" title="Simon Stephens: Heisenberg" typeof="foaf:Image" /> </div> <div> <div>Bild-Datei</div> <div> <img src="/sites/default/files/styles/banner/public/758_heisenberg_burghart_klaussner_caroline_peters_foto_thomas_rabsch_009.jpg?itok=SAKrJ8eb" width="1800" height="1200" alt="758_heisenberg_burghart_klaussner_caroline_peters_foto_thomas_rabsch_009.jpg" title="758_heisenberg_burghart_klaussner_caroline_peters_foto_thomas_rabsch_009.jpg" typeof="foaf:Image" /> </div> </div> <div> <div>Urheber/Copyright</div> <div>Thomas Rabsch</div> </div> <div> <div>Beschreibung</div> <div>Caroline Peters und Burghart Klaußner in &quot;Heisenberg&quot;</div> </div> </div> </div> </div> Fri, 21 Oct 2016 08:02:50 +0000 Detlev Baur 10109 at https://die-deutsche-buehne.de Raoul Schrott: Gilgamesh https://die-deutsche-buehne.de/kritiken/theater-als-ausgrabung <span>Raoul Schrott: Gilgamesh</span> <span><span lang="" about="/user/50" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Detlev Baur</span></span> <span>Fr., 16.09.2016 - 21:12</span> <div><p>Die Intendanz von Wilfried Schulz am Düsseldorfer Schauspielhaus beginnt im Zelt am Ende des Edelboulevards Königsallee; und zwar mit der Adaption des „ältesten Epos der Menschheit“, also einer Art Romanbearbeitung für Anfänger. Die fragmentarisch überlieferten Geschichten um den teils göttlichen Menschen und König von Uruk, um dieses starke Mannsbild, das nach dem Tod seines innigen Freundes Enkidu an der Endlichkeit des Menschseins verzweifelt, sind ein ziemlich ungeschliffener Theaterstoff. Zumal das Ur-Epos aus Uruk, also aus dem heutigen Irak (ähnlich wie das indische „Mahabarata“) nichts von intellektueller Bewältigung von existenziellen Urfragen in der Differenziertheit griechischer Philosophie oder auch vom tragischen Theater der Polis weiß. Es stellte sich also vor der Premiere durchaus die Frage, ob der ferne „Gilgamesh“ in Raoul Schrotts Übertragung dem Schauspiel der Stadt Düsseldorf neuen Schwung bieten konnte.</p> <p>Die Regie Roger Vontobels interessiert sich nicht für die beträchtliche Ferne der Textvorlage vom Menschsein im Dorf an der Düssel. Auf der erdigen Bühne von Claudia Rohner wird Enkidu ganz organisch aus dem Schoss dieser Erde geboren, Gilgamesh ist zunächst in jeder Beziehung einfach potent, das Ungeheuer Humbaba wird organisch aus einem Bewegungschor gebildet; vor allem zu Beginn wird die Erzählung im Bericht der führenden Männer, aber auch durch den Chor und die im Hintergrund führenden Frauen – die Göttin und Gilgamesh-Mutter Ninsun (Michaela Steiger) und die Hure Shamhat (Minna Wündrich) – vorangetrieben. Diese "Gilgamesh"-Inszenierung nutzt das Epenfragment als Spielmaterial.</p> <p>Und dennoch ist dieser zweistündige Abend in sich stimmig und überzeugend. Zunächst einmal wegen der körperlich sehr präsenten und gut choreographierten Darsteller, die zugleich sprachlich die epischen Passagen überzeugend bewältigen. Der Spielstätte gemäß hat nicht nur der Bühnenboden, sondern auch die musikalische Begleitung durch die drei Musiker (Murena Murena) circensische Qualität, eröffnet aber auch eine Art Country-Blues-Atmosphäre. Angeführt von Takao Baba wirbeln zwei Tänzer und sieben Darsteller im Bühnenhalbrund umher, verbinden die Erzählung mit starker körperlicher und rhythmischer Präsenz. Christian Erdmann als Gilgamesh variiert zwischen den schlichten Heldenposen, auch komischen Partien auf der Reise mit Enkidu, so wenn er bei der Suche nach Wasser in der Wüste ein von ihm selbst verlegte Wasserflasche im Bühnenerdloch findet; Ängstlichkeit und Verzweiflung ob des Todes seines engen Freundes Enkidu gewinnen dann die Oberhand.</p> <p>Dieser erdgeborene Tiermensch ist eigentlich im ersten Teil die Hauptfigur. Von Takao Baba und André Kaczmarczyk sich gegenseitig ergänzend dargestellt, bewegt und gesprochen, erinnert diese gezähmte Kreatur an die Kaspar Hauser-Gestalt. Dabei gelingt es auch André Kaczmarczyk die so simple wie sich rasant entwickelnde Gestalt vielschichtig und dennoch wiedererkennbar zu zeigen. Auf der Heldenreise nach Libanon übernimmt Enkidu die Führung vor dem teils zögerlichen Gilgamesh. Mit dem Sterben Enkidus konzentriert sich das Spiel zunächst als Kammerspiel der beiden Protagonisten. Nach dem Tod Enkidus – der durch eine extra billige Trauermusik der kurz wieder eingezogenen Kapelle untermalt wird – verzweifelt Gilgamesh am begrenzten Erdenleben und sucht nach seinem Freund und der Unsterblichkeit. Am Ende findet er unter der erzählerischen Regie seiner göttlichen Mutter zur Einsicht in die Begrenztheit seiner Kräfte und den Wert jeden Lebenstages. Da öffnen sich die Zeltwände hinter der Bühne zur abendlichen Königsallee hin, der halbnackte Held geht in die Stadt. Dabei ist er vielleicht nicht schlauer, durch seine „Geschichten“ aber erfahrener als zuvor.</p> <p>Roger Vontobel und sein Team gemeinden „Gilgamesh“ also erfolgreich in anspruchsvolles Unterhaltungstheater ein.  Abgerundet wird dieser gelungene Intendanzstart durch die Öffnung des Abends zur Stadt hin – Gilgameshs Weltreise endet in Düsseldorf. Ein Anfang für ein starkes, geerdetes Schauspielhaus ist gemacht.</p> </div> <div> <div>Stück</div> <div>Gilgamesh</div> </div> <div> <div>Überschrift der Kurzkritik</div> <div>Theater als Ausgrabung</div> </div> <div> <div>Autor/Komponist/Choreograf</div> <div>Raoul Schrott</div> </div> <div> <div>Premierendatum</div> <div><time datetime="2016-09-15T12:00:00Z">15.09.2016</time> </div> </div> <div> <div>Regie</div> <div>Roger Vontobel</div> </div> <div> <div>Stadt</div> <div><a href="/taxonomy/term/629" hreflang="de">Düsseldorf</a></div> </div> <div> <div>Theater</div> <div><a href="/taxonomy/term/1501" hreflang="de">Düsseldorfer Schauspielhaus</a></div> </div> <div> <div>Genre</div> <div>Schauspiel</div> </div> <div> <div>Bild</div> <div><div> <div>Fr., 16.09.2016 - 21:12</div> <div><span lang="" about="/user/50" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Detlev Baur</span></div> <div> <img src="/sites/default/files/styles/thumbnail/public/222_gilgamesh_christian_erdmann_andre_kaczmarczyk_fotothomas_rabsch_004.jpg?itok=sB4-LaNe" width="100" height="67" alt="Thumbnail" title="Raoul Schrott: Gilgamesh" typeof="foaf:Image" /> </div> <div> <div>Bild-Datei</div> <div> <img src="/sites/default/files/styles/banner/public/222_gilgamesh_christian_erdmann_andre_kaczmarczyk_fotothomas_rabsch_004.jpg?itok=Hb_lMJNH" width="1800" height="1200" alt="Zwei Freunde im Schlamm (André Kaczmarczyk, vorne, und Christian Erdmann)" title="Zwei Freunde im Schlamm (André Kaczmarczyk, vorne, und Christian Erdmann)" typeof="foaf:Image" /> </div> </div> <div> <div>Urheber/Copyright</div> <div>Thomas Rabsch</div> </div> <div> <div>Beschreibung</div> <div>Zwei Freunde im Schlamm (André Kaczmarczyk, vorne, und Christian Erdmann)</div> </div> </div> </div> </div> Fri, 16 Sep 2016 19:12:11 +0000 Detlev Baur 10083 at https://die-deutsche-buehne.de