Deutsches Theater Berlin https://die-deutsche-buehne.de/taxonomy/term/1494 de Moritz Rinke: Westend https://die-deutsche-buehne.de/kritiken/das-ende-der-westlichen-idylle <span>Moritz Rinke: Westend</span> <span><span lang="" about="/user/26" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Barbara Behrendt</span></span> <span>Fr., 21.12.2018 - 05:49</span> <div><p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=xIpSNMQZH9M">Haydns „Schöpfung“</a> dröhnt über die weiße, leere Bühne von Katja Haß – ein Kubus mit kreisrunder Öffnung gen Himmel. In dieser noch unmöblierten Villa im gut situierten Berliner Stadtteil „Westend“ wollen Eduard und Charlotte neu anfangen. Eduard, gespielt von Ulrich Matthes, ist Schönheitschirurg, der die Ängste der Menschen vor dem Altwerden zu behandeln meint. Charlotte, besetzt mit Anja Schneider, bereitet nach einer Stimmband-OP ihr Sopran-Comeback in Haydns Oratorium vor. In ihrer beider Leben platzt Eduards alter Studienkollege Michael (Paul Grill), der als Arzt in Afghanistan gearbeitet hat und nun bei ihnen Unterschlupf sucht. Mit Michael steht die Welt vor der Tür, die Eduard und Charlotte aussperren: Krieg, Leid, Tod, Flüchtlinge, Armut. Aber auch Charlottes alte Liebe ist zurück, die beiden waren früher mal ein Paar – wovon Eduard nichts weiß. Dann gibt es noch die Nachbarin Lilly (Linn Reusse), Medizinstudentin, die zweite Frau in diesem Vierergespann, mit der wiederum Eduard anbandelt.</p> <p>Einerseits entfacht Moritz Rinke ein Beziehungsgewirbel, das auf Goethes „Wahlverwandtschaften“ gründet – sogar die Figurennamen sind identisch. Andererseits ist „Westend“ Metapher für das Ende des westlichen Wohlstandslebens, das im Angesicht von globalen Krisen nicht fortführbar ist. Neu ist das nicht, aber durchaus legitim, uns, dem westlichen Publikum, die eigenen Widersprüche vorzuhalten. Das Stück lebt von der psychologischen Einfühlung, der Identifikation – doch gerade die fällt schwer, wenn die Figuren beinahe unter dem Gewicht der Welt, die sie symbolisieren, zusammenbrechen.</p> <p>Da ist etwa Eduard, der den Narzissmus zur westlichen Staatsform erklärt, der er selbst am konsequentesten folgt. Der es romantisch verklärt, Charlotte auf seiner eigenen, ersten Hochzeit kennengelernt und sofort geküsst zu haben. Hoch symbolisch dann auch die beiden Zinksärge, die im Haus und tatsächlich auch auf der Bühne stehen. Eduard sollte sie damals für zwei Kinderleichen zu Michael nach Afghanistan schicken, das ging schief – jetzt stehen sie hier als sichtbares Zeichen der Schuld.</p> <p>All das ist viel zu dick aufgetragen. Trotzdem: Ulrich Matthes und Anja Schneider sind zwei sehr gute Argumente <em>für </em>diesen Abend. Regisseur Stephan Kimmig hält sich zurück und lässt seine Schauspieler ihre Figuren erkunden, wie das bei einer Uraufführung eigentlich immer der Fall sein sollte. Wie Matthes herumtänzelt, seine bedeutungsschwangeren Sätze ganz nebenbei spricht, manchmal ironisch, immer verletzlich, wissend, trauernd – das lässt aus dieser Symbolfigur dann doch einen Menschen aus Fleisch und Blut werden. Und Anja Schneider legt so viel Lebenshunger, so viel Trotz und Verzweiflung in ihren Blick, dass man sie wortlos versteht.</p> <p>Anders bei Linn Reusse als Lilly und Paul Grill als Michael, ihre Worte klingen oft pathetisch, affektiert, aufgesetzt. Zu viel politische Botschaft, zu viel Weltanschauung will Rinke in seine Figuren pressen – und zusätzlich die „Wahlverwandtschaften“ neu erzählen. Das wirkt oft konstruiert, auf drei Stunden Länge (bei aller Pointen) auch mal zäh und erzeugt zu wenige wirklich berührende Momente auf der Bühne. </p> </div> <div> <div>Stück</div> <div>Westend</div> </div> <div> <div>Überschrift der Kurzkritik</div> <div>Das Ende der westlichen Idylle</div> </div> <div> <div>Autor/Komponist/Choreograf</div> <div>Moritz Rinke</div> </div> <div> <div>Premierendatum</div> <div><time datetime="2018-12-21T12:00:00Z">21.12.2018</time> </div> </div> <div> <div>UA/DE/DSE</div> <div>UA</div> </div> <div> <div>Regie</div> <div>Stephan Kimmig</div> </div> <div> <div>Stadt</div> <div><a href="/taxonomy/term/634" hreflang="de">Berlin</a></div> </div> <div> <div>Theater</div> <div><a href="/taxonomy/term/1494" hreflang="de">Deutsches Theater Berlin</a></div> </div> <div> <div>Genre</div> <div>Schauspiel</div> </div> <div> <div>Bild</div> <div><div> <div>Fr., 21.12.2018 - 05:49</div> <div><span lang="" about="/user/26" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Barbara Behrendt</span></div> <div> <img src="/sites/default/files/styles/thumbnail/public/24080_westend_0681__2_.jpg?itok=dxM7KRXl" width="100" height="65" alt="Thumbnail" title="Moritz Rinke: Westend" typeof="foaf:Image" /> </div> <div> <div>Bild-Datei</div> <div> <img src="/sites/default/files/styles/banner/public/24080_westend_0681__2_.jpg?itok=vOmPwyYy" width="1800" height="1200" alt="Eduard (Ulrich Matthes) und Charlotte (Anja Schneider) in &quot;Westend&quot;" title="Eduard (Ulrich Matthes) und Charlotte (Anja Schneider) in &quot;Westend&quot;" typeof="foaf:Image" /> </div> </div> <div> <div>Urheber/Copyright</div> <div>Arno Declair</div> </div> <div> <div>Beschreibung</div> <div>Eduard (Ulrich Matthes) und Charlotte (Anja Schneider) in &quot;Westend&quot;</div> </div> </div> </div> </div> Fri, 21 Dec 2018 04:49:33 +0000 Barbara Behrendt 11792 at https://die-deutsche-buehne.de nach Knut Hamsun / Henrik Ibsen: Hunger. Peer Gynt https://die-deutsche-buehne.de/kritiken/gymnastische-gruppenexerzitien <span>nach Knut Hamsun / Henrik Ibsen: Hunger. Peer Gynt</span> <span><span lang="" about="/user/145" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Reinhard Wengierek</span></span> <span>Sa., 20.10.2018 - 14:15</span> <div><p>Dunkel ist das Weltall, und dunkel ist’s im Deutschen Theater. Doch Nebel wallen (allerneueste Maschinerie mit speziellem Fluid). Dann glimmt ein Lichtlein. Dann tobt eine massige Figur in erstaunlicher Ekstase, in zeichenhaftem Auf- und Absturz über die leere Bühne. Bis zum Auftritt von Figur Zwei, die das Wort „Kuboaa!“ röhrt; so wie bei Hamsun der verwahrloste, verelendete, verhungernde, Gott und Welt abhanden gekommene Jungautor in seiner Einsamkeitszelle, der sich mit dieser Wortschöpfung eine neue, geheime, eigene Welt erschaffen will. So geht die Eröffnung von Sebastian Hartmanns dreistündiger Suche nach den „ungewöhnlichen, unterschiedlichen Energien“, die in Ibsens philosophisch-moralischem Drama einer Ich-Findung „Peer Gynt“ von 1867 stecken sowie in Hamsuns Erfolgsroman von 1890, der die Seelendelirien und den Weltekel eines tragikomischen Außenseiters beschreibt.</p> <p>Hartmann suche jedoch kein Narrativ im Zusammenspann des Ibsen‘schen Ideendramas vom durch die Welt reisenden Peer mit der Psycho-Tour von Hamsuns Elends-Paranoiker ins Innere, die weit vor Proust oder Joyce in einem radikal subjektivem Bewusstseinsstrom erzählt wird. Vielmehr hinterfrage der Regisseur Instinkte, den Umgang von Liebe, Hass und Tod, so die Ansage. Also keine Story, kein Drama, keine Figuren, vielmehr zehn Spieler (genderkorrekt 50:50), die allerhand Textschnipsel (vor der Pause Hamsun, danach Ibsen) in überwiegend freilich gekonnt erregtem Gestus hersagen oder geheimnisumwölkt flüstern. Dabei war doch – wieder Hartmanns Verlautbarung – die einzige Vereinbarung, miteinander zu spielen sowie obendrein ein großformatiges Bild zu malen, für das Tilo Baumgärtel die Vorlage schuf.</p> <p>Doch das Zusammenspiel reduzierte sich in praxi auf gymnastische Gruppenexerzitien sowie kollektives Pinselschwingen (teils auf atemberaubend hoher Leiter), derweil man im Vordergrund monologisierte. Doch die Schnipsel, das Erregte oder Geflüsterte, die Schatten, der unentwegte Grummel-Säusel-Dröhn-Sound, die mit Video überblendete, immerhin hübsch anzuschauende, abstrakt verkleckerte Schwarz-Weiß-Malerei (changierend zwischen Idyllischem, Urwüchsigem und Apokalyptischem), das alles animierte das Publikum nicht zur gewünschten „Begegnung mit den Kräften und Abgründen, die unsere Existenz prägen, aber unserer Ratio entgehen“. Zusammenhanglos performative Wortakrobatik, Pinselartistik und effekthaschende Körperverrenkungen allein packen nicht wirklich, bleiben artifizielles oder krass gesagt anämisches Liebhaber-Entertainment. Wenn da auch von Wahnsinn, Verzweiflung, Scham, Liebessehnsucht, Hoffnung, Angst, Vertrauensverlust, Gottlosigkeit, Not und Einsamkeit knapp gefasst die Rede ist, sie zündet nicht. Versackt im rein Rhetorischen, in bloß räsonierender Behauptung. Zuweilen mit fatalen Einschlägen ins Esoterische, Bewegungs- und Maltherapeutische – angestrengt bedeutungshubernd aufgeladen. Leute, die womöglich weder Hamsun noch Ibsen kennen, mögen sich an diversen Effekten und Reizworten in der Wiederholungsschleife delektieren und sich dabei ein bisschen vorkommen wie bei einer Show im Berliner Großclub Berghain. Die Solisten von Adriana Braga Paretzki edel schwarz, gelegentlich in kostbar brautkleidweiß gewandet; unbedeckte Körperteile, abgesehen vom Gesicht, grandios tätowiert; die Maske provoziert den Neid jedes Tattoo-Studios.</p> <p>Hartmann, inzwischen 50, tapfer trotziger Romantiker aus Sachsen, ansonsten sympathisch verbissener Menschenverbesserer, gern dramatischer Berserker, gelegentlich auch opernpompöser Monumentalist neuerdings etwa als Verächter eines Theaters, das als Gefühlskraftwerk auftritt, ohne dabei der Denkfabrik abzuschwören? Früher brachte er beides überwältigend in eins. Ein besinnlicher Blick zurück nach vorn wäre anzuraten. Zum Schluss der arg länglichen Veranstaltung hockt ein Peer am Boden im Regen, sein Grab vermessend. Ein richtiges, ein schönes Bild, das aber diesen exquisit vernebelten Bühnenbetrieb mit beschränkter Kommunikation auch nicht mehr hochreißt.</p> </div> <div> <div>Stück</div> <div>Hunger. Peer Gynt</div> </div> <div> <div>Überschrift der Kurzkritik</div> <div>Gymnastische Gruppenexerzitien</div> </div> <div> <div>Autor/Komponist/Choreograf</div> <div>nach Knut Hamsun / Henrik Ibsen</div> </div> <div> <div>Premierendatum</div> <div><time datetime="2018-10-19T12:00:00Z">19.10.2018</time> </div> </div> <div> <div>Regie</div> <div>Sebastian Hartmann</div> </div> <div> <div>Stadt</div> <div><a href="/taxonomy/term/634" hreflang="de">Berlin</a></div> </div> <div> <div>Theater</div> <div><a href="/taxonomy/term/1494" hreflang="de">Deutsches Theater Berlin</a></div> </div> <div> <div>Genre</div> <div>Schauspiel</div> </div> <div> <div>Bild</div> <div><div> <div>Sa., 20.10.2018 - 14:15</div> <div><span lang="" about="/user/145" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Reinhard Wengierek</span></div> <div> <img src="/sites/default/files/styles/thumbnail/public/hunger_peer_arno__2_.jpg?itok=Wxqd_CCQ" width="100" height="64" alt="Thumbnail" title="nach Hamsun/Ibsen: Hunger. Peer Gynt" typeof="foaf:Image" /> </div> <div> <div>Bild-Datei</div> <div> <img src="/sites/default/files/styles/banner/public/hunger_peer_arno__2_.jpg?itok=fye2kimc" width="1800" height="1200" alt="Ensemble (Marcel Kohler, Manuel Harder, Almut Zilcher, Linda Pöppel, Elias Arens, Edgar Eckert, Linn Reusse, Cordelia Wege) in &quot;Hunger. Peer Gynt&quot; am DT Berlin" title="Ensemble (Marcel Kohler, Manuel Harder, Almut Zilcher, Linda Pöppel, Elias Arens, Edgar Eckert, Linn Reusse, Cordelia Wege) in &quot;Hunger. Peer Gynt&quot; am DT Berlin" typeof="foaf:Image" /> </div> </div> <div> <div>Urheber/Copyright</div> <div>Arno Declair</div> </div> <div> <div>Beschreibung</div> <div>Ensemble (Marcel Kohler, Manuel Harder, Almut Zilcher, Linda Pöppel, Elias Arens, Edgar Eckert, Linn Reusse, Cordelia Wege) in &quot;Hunger. Peer Gynt&quot; am DT Berlin</div> </div> </div> </div> </div> Sat, 20 Oct 2018 12:15:13 +0000 Reinhard Wengierek 10688 at https://die-deutsche-buehne.de Andres Veiel in Zusammenarbeit mit Jutta Doberstein: Let Them Eat Money - Welche Zukunft?! https://die-deutsche-buehne.de/kritiken/polit-gewurschtel <span>Andres Veiel in Zusammenarbeit mit Jutta Doberstein: Let Them Eat Money - Welche Zukunft?!</span> <span><span lang="" about="/user/123" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Michael Laages</span></span> <span>Fr., 28.09.2018 - 22:03</span> <div><p>Die Geschichte war und ist und bleibt speziell. Vor Jahresfrist hatte der Film- und Theater-Dokumentarist Andres Veiel internationale Expertinnen und Experten auf der einen und interessiertes Publikum auf der anderen Seite ins Deutsche Theater Berlin eingeladen, um über Zukunft zu diskutieren; und im speziellen nachzudenken über Szenarien, wie sie sich logisch und wie unvermeidlich aus der Gegenwart zu entwickeln scheinen, den Ist-Zustand also sozusagen hochzurechnen auf die nächsten zehn Jahre. Darauf folgte im Frühjahr ein Symposium, ausgerichtet vom <a href="https://humboldtforum.com/de">Humboldt Forum</a> und unter dem Titel <a href="https://humboldtforum.com/de/inhalte/welche-zukunft-der-naechste-staat-rethinking-state-symposium-und-workshops">„Der nächste Staat – Rethinking state“</a>; am Ende des Prozesses soll im Frühjahr übernächsten Jahres eine Konferenz stehen, die fragen soll, ob „die Katastrophe noch aufzuhalten“ sei; die eher finsteren Perspektiven also markieren weiterhin den Denkrahmen des Langzeitprojektes. Und so sieht nun auch das Theaterstück aus, das als Stufe Drei der Veranstaltung Premiere am Deutschen Theater feierte.</p> <p>Andres Veiel selbst und Ko-Autorin Jutta Doberstein haben hundert Theaterminuten mächtig auf- und letztlich überladen mit Problemstruktur – 2028 hat sich im Internet eine Art terroristischer Plattform etabliert, die sich „Let them eat money“ nennt, also „Lasst sie Geld fressen!“ fordert. Die Gruppe entführt Polit-Prominente, foltert und befragt sie wie in stalinistischen Schauprozessen. Über Schuld und Sühne sollen am Ende die „Follower“ im Netz entscheiden, nachdem es keine ordentliche Rechtsprechung mehr gibt. Denn die Staaten samt EU, nach dem Austritt Italiens bald geschrumpft zur „Nord-EU“, sehen sich einem alternativen Ordnungsmodell gegenüber – ein größenwahnsinniger Wirtschaftsmagnat mit wissenschaftlichen Schreckens-Projekten hat in den Meeren Inselstaaten gegründet, die wie Unternehmen funktionieren, weil deren Bewohner „shareholder“, also Anteilseigner sind. Erstaunlicherweise wurden auf diesen Inseln mehr Geflüchtete aufgenommen als je zuvor in der alten EU; und auch eine der zukunftsträchtigsten Polit- und Wirtschaftsstrategien, die des bedingungslosen Grundeinkommens, ist auf den Inseln zwar komplett durchgesetzt, damit aber auch pervertiert worden; denn über alles Einkommen verfügt ja die „Nova“-Gruppe des abgedrehten Wirtschaftsmonsters Tarp. Der war einst beruflich und privat liiert mit dem aktuellen EZB-Chef – der Kampf dieser beiden (um den möglichen Neustart Europas und gegen die privatwirtschaftlichen Inselstaaten) geht im Stück von Runde zu Runde, parallel zur Frage-Folter durch die Aktivisten.</p> <p>Ach ja: In Video-Projektionen flimmernde virtuelle „Butler“ gibt’s und automatisierte Befragungs-Computer, Tarps Firma hat den Menschen auch Chips implantiert, die jede Privatheit zerstören. Zudem grassiert eine Krankheit, die schlimmer wirkt als Alzheimer und Parkinson zusammen, und eine der EU-Funktionärinnen im Kreuzverhör ist von ihr schon genau so befallen wie eine der Rachegeister-Frauen aus dem Netz. Dann musste natürlich auch noch ein bisschen Liebe her: Innerhalb der Terror-Truppe (Frau mit neuem Freund und Tochter von früher), unter den schwulen Wirtschaftsbonzen und schließlich zwischen der EU-Frau und einem unbotmäßigen Gewerkschaftler. Was für motivisches Durcheinander! Wer da den Durchblick behalten möchte, hat wirklich viel zu tun.</p> <p>Und vor lauter Mühe mit diesen unentwirrbar in- und miteinander verstrickten Handlungsstrukturen scheint völlig aus dem Blick geraten zu sein, dass dies kein futurologischer Kongress, sondern ein Stück Theater sein sollte. Schon die brockig-hölzerne Sprache, aufgelockert durch gelegentliche Anfälle von Kitsch, wenn's irgendwie um Emotionen geht, verursacht nichts als gedanklichen Nebel auf der Bühne; und dass die bevorzugten Folterwerkzeuge der Netz-Terroristinnen lange Seile sind, die aus dem Bühnenhimmel herab hängen (die Opfer sind mal mehr, mal weniger schmerzhaft in ihnen vertäut), schafft zwar Arbeit für einen Spezialisten in „Luft-Akrobatik“ auf der Lohnliste der Produktion, sonst aber nichts; nicht mal ästhetischen Reiz. Auch optisch wird das Publikum eher mit der Bratpfanne behandelt: Das Terror-Trio ist ganz in Neopren-Schwarz gehalten, die befragten Funktionsträger eher in bunt, und die Wirtschaftslenker tragen – meine Güte! – Silber und Gold.</p> <p>Einziger Lichtblick im Polit-Gewurschtel: ein Paketdienst-Fahrer, der den Job verlor und nun die Entführungsfahrten erledigt, von früher und aus dem Osten aber auch noch Brechts <a href="http://erinnerungsort.de/lied/lob-des-kommunismus/">„Lob des Kommunismus“</a> kennt – „er ist das Einfache, das schwer zu machen ist.“ Ein Mensch wird hier sichtbar unter all den fürchterlichen Abziehbildern; einer wie wir. Auch er sieht aber eher so aus, als wäre ihm die Logik und Logistik dieser theatralischen Selbstüberhebung eher schnurz und piepe. Ob sich dieses ambitiös-wissenschaftliche Zukunftsprojekt wohl noch erholt von dieser Verirrung ins Theater?</p> </div> <div> <div>Stück</div> <div>Let Them Eat Money - Welche Zukunft?!</div> </div> <div> <div>Überschrift der Kurzkritik</div> <div>Polit-Gewurschtel</div> </div> <div> <div>Autor/Komponist/Choreograf</div> <div>Andres Veiel in Zusammenarbeit mit Jutta Doberstein</div> </div> <div> <div>Premierendatum</div> <div><time datetime="2018-09-28T12:00:00Z">28.09.2018</time> </div> </div> <div> <div>UA/DE/DSE</div> <div>UA</div> </div> <div> <div>Regie</div> <div>Andres Veiel</div> </div> <div> <div>Stadt</div> <div><a href="/taxonomy/term/634" hreflang="de">Berlin</a></div> </div> <div> <div>Theater</div> <div><a href="/taxonomy/term/1494" hreflang="de">Deutsches Theater Berlin</a></div> </div> <div> <div>Genre</div> <div>Schauspiel</div> </div> <div> <div>Bild</div> <div><div> <div>Fr., 28.09.2018 - 22:03</div> <div><span lang="" about="/user/123" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Michael Laages</span></div> <div> <img src="/sites/default/files/styles/thumbnail/public/let_them_eat_money_c_arno.jpg?itok=f1fxqCVs" width="100" height="67" alt="Thumbnail" title="Andres Veiel: Let Them Eat Money - Welche Zukunft?!" typeof="foaf:Image" /> </div> <div> <div>Bild-Datei</div> <div> <img src="/sites/default/files/styles/banner/public/let_them_eat_money_c_arno.jpg?itok=dXykvXCV" width="1800" height="1200" alt="&quot;Let Them Eat Money - Welche Zukunft?!&quot; am Deutschen Theater Berlin" title="&quot;Let Them Eat Money - Welche Zukunft?!&quot; am Deutschen Theater Berlin" typeof="foaf:Image" /> </div> </div> <div> <div>Urheber/Copyright</div> <div>Arno Declair</div> </div> <div> <div>Beschreibung</div> <div>&quot;Let Them Eat Money - Welche Zukunft?!&quot; am Deutschen Theater Berlin</div> </div> </div> </div> </div> Fri, 28 Sep 2018 20:03:14 +0000 Michael Laages 10659 at https://die-deutsche-buehne.de René Pollesch: Cry Baby https://die-deutsche-buehne.de/kritiken/am-besten-nichts-neues <span>René Pollesch: Cry Baby</span> <span><span lang="" about="/user/123" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Michael Laages</span></span> <span>So., 09.09.2018 - 12:11</span> <div><p>Wirklich neu für Berlin am neuen Pollesch ist die Optik. Die Bühnenbildnerin Barbara Steiner (die übrigens noch viel länger als Autor und Regisseur Pollesch zum harten Kern der alten Volksbühne gehörte) strebt munter heraus aus dem langen Schatten, den der verstorbene Bert Neumann ja noch postum und bis zum Finale an der Volksbühne über die Stücke von Partner Pollesch warf. Die extrem traditionelle Innenarchitektur vom Deutschen Theater ist in die Tiefe der Bühne hinein verlängert mit zusätzlichen Logen links und rechts; und in der Tiefe des Raumes steht unter bühnenhohen Vorhängen als einziges Requisit ein Bett. Darauf lümmeln sich unter- und übereinander ein Dutzend junger Frauen in ziemlich bunten Schlafanzügen – dieser Chor allerdings ist nicht so neu; seit Jahren stellt Pollesch den zentralen Figuren der Sprechspiele aus der eigenen Werkstatt Chöre gegenüber. Und Christine Groß, eine der allertreuesten Pollesch-Schauspielerinnen, ist ja auch eine profunde Chorleiterin; sie gehört zum Kern der Pollesch-Familie.</p> <p>Auch Sophie Rois (die 1992 mit und zu Frank Castorf an die Volksbühne kam und gerade wieder in Salzburg mit ihm gearbeitet hat) ist mitgewandert ans Deutsche Theater; das Publikum dort begrüßt die bewährt ruppig-rauhe, aber auch sehr komische Kratzbürste euphorisch. Interessanter aber ist das Ensemble neben ihr und Groß – in die mittlerweile sehr lange Liste von Meisterinnen und Meistern der Schauspielerei, die sich haben infizieren lassen von Polleschs Art zu schreiben und zu sprechen, treten nun auch Judith Hofmann und Bernd Moss ein. Und mit ihnen kommt ein durchaus konzentrierterer, weniger wie improvisiert wirkender Ton ins Spiel. Die Souffleuse Marion Rommel muss auch nicht mit auf die Bühne – das war in frühen Pollesch-Zeiten immer einer der liebenswertesten Effekte.</p> <p>Die wichtigste Frage aber bleibt wie immer bei Pollesch: Worum geht’s hier eigentlich? Das ist (wie ebenfalls immer) recht schwer zu beantworten. Im Bett zu Beginn lagert auch Rois mitten zwischen den Mädels – und gibt sich extrem erschöpft: Kunst neigt zur Ermüdung. Und mit Moss oben rechts in der Loge führt die schräge Diva später einen Dialog über den Wert des Theaters an sich, lange beschäftigen sich Autor und Ensemble mit dem Begriff des „Liebhaber-Theaters“. Geht’s da um Liebhaber an sich – oder bringen die Ensemblemitglieder Geld mit, um spielen zu dürfen? Speziell hier ist „Cry baby“ extrem pointensatt; gelegentlich gefällt sich Pollesch ja in der Rolle des Ober-Komödianten, des Emmanuel Striese sozusagen in der zeitgenössischen Theatermoderne.</p> <p>Gleich zu Beginn wehen aber auch reichlich Zitate aus Kleists „Prinz von Homburg“ durch den Text. Zudem wird immer wieder französisch getan, als seien wir in einer Gesellschaftskomödie von Flaubert oder Balzac. Die Choristinnen, zu Beginn revolutionär bewaffnet, um Rois zu exekutieren wie Maximilian von Mexiko, werden immer wieder zum kollektiven Partner in Frage- und Antwortspielen, ihnen gehört auch das Finale mit gleich literweise vergossenen Tränen, die den Titel des Abends bestätigen: „Cry baby“. Das „Heul doch“-Motto ist wie seit Anbeginn des Pollesch-Theaters einem schon recht betagten Pop-Song entlehnt. Wie überhaupt die Tonspur eine Menge Platz einnimmt in etwa 75 Spielminuten …</p> <p>Am besten also nichts Neues. Pollesch bleibt Pollesch, auch am Deutschen Theater, bewegt sich nicht zurück und nicht voran, lässt auf der Stelle rennen und wortreich Purzelbäume schlagen. Zwei ältere Damen, vor der Vorstellung belauscht im Foyer, womöglich Stammpublikum am neuen Haus und deutlich hörbar noch nicht vertraut mit Mitteln und Methoden der Marke Pollesch, haben sich sicher mitreißen lassen vom Jubel der Fans. Aber vielleicht haben sie einander hinterher auf dem Nachhauseweg ja auch gefragt: War da was? Und wenn da was war: was?</p> </div> <div> <div>Stück</div> <div>Cry Baby</div> </div> <div> <div>Überschrift der Kurzkritik</div> <div>Am besten nichts Neues</div> </div> <div> <div>Autor/Komponist/Choreograf</div> <div>René Pollesch</div> </div> <div> <div>Premierendatum</div> <div><time datetime="2018-09-08T12:00:00Z">08.09.2018</time> </div> </div> <div> <div>UA/DE/DSE</div> <div>UA</div> </div> <div> <div>Regie</div> <div>René Pollesch</div> </div> <div> <div>Stadt</div> <div><a href="/taxonomy/term/634" hreflang="de">Berlin</a></div> </div> <div> <div>Theater</div> <div><a href="/taxonomy/term/1494" hreflang="de">Deutsches Theater Berlin</a></div> </div> <div> <div>Genre</div> <div>Schauspiel</div> </div> <div> <div>Bild</div> <div><div> <div>So., 09.09.2018 - 12:11</div> <div><span lang="" about="/user/123" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Michael Laages</span></div> <div> <img src="/sites/default/files/styles/thumbnail/public/cry_baby.jpg?itok=T2DTHFKL" width="100" height="63" alt="Thumbnail" title="René Pollesch: Cry Baby" typeof="foaf:Image" /> </div> <div> <div>Bild-Datei</div> <div> <img src="/sites/default/files/styles/banner/public/cry_baby.jpg?itok=03Jxx26E" width="1800" height="1200" alt="&quot;Cry Baby&quot;-Ensemble mit Sophie Rois, Bernd Moss und Judith Hofmann" title="&quot;Cry Baby&quot;-Ensemble mit Sophie Rois, Bernd Moss und Judith Hofmann" typeof="foaf:Image" /> </div> </div> <div> <div>Urheber/Copyright</div> <div>Arno Declair</div> </div> <div> <div>Beschreibung</div> <div>&quot;Cry Baby&quot;-Ensemble mit Sophie Rois, Bernd Moss und Judith Hofmann</div> </div> </div> </div> </div> Sun, 09 Sep 2018 10:11:56 +0000 Michael Laages 10637 at https://die-deutsche-buehne.de Thomas Melle: Versetzung https://die-deutsche-buehne.de/kritiken/sprache-und-wirklichkeit <span>Thomas Melle: Versetzung</span> <span><span lang="" about="/user/173" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Ulrike Kolter</span></span> <span>Sa., 18.11.2017 - 11:09</span> <div><p>Ronald Rupp: Schon der Name ist ein kleines Sprachspiel, so wie das gesamte als <em>Drama</em> überschriebene Stück vor Wortkaskaden schäumt. Knackige, teils gereimte und überwiegend abgehackte Dialoge wechseln mit philosophischen, kontemplativen Monologen über kosmische Daseinszufälle – so wird Sprache gekonnt zum Spiegelbild einer inneren Welt völliger Zerrissenheit der Hauptfigur: Ronald Rupp ist bipolar wie auch der Stückautor Thomas Melle. Seine Lebenswirklichkeit besteht nur in Extremen.</p> <p>„Versetzung“, geschrieben als Auftragswerk fürs <a title="Deutsche Theater Berlin" href="https://www.deutschestheater.de" target="_blank">Deutsche Theater Berlin</a>, ist nach dem Roman „Die Welt im Rücken“ ein weiteres Stück Melles, in dem er die eigene Krankheit literarisch verarbeitet. Während „Die Welt im Rücken“ (uraufgeführt in einer Inszenierung von Jan Bosse am Wiener Burgtheater im März dieses Jahres) schonungslos offen die weltfremden, peinlichen Episoden von Manie und Depression ausbreitet, uns mit einem Scheitern bis zu Suizidversuchen und wiederkehrenden Psychiatrieaufenthalten konfrontiert, steht die Hauptfigur von „Versetzung“ an einem ganz anderen Lebenspunkt: Ronald Rupp (Daniel Hoevels) ist seit zehn Jahren episodenfrei, medikamentös gut eingestellt, als Lehrer geachtet von Schülern wie Kollegium und aufrichtig geliebt von seiner Ehefrau und ewig strahlenden Glückskursgeberin Kathleen (Anja Schneider). Als Krönung steht Ronald die Beförderung zum Rektor und ­die erste Vaterschaft bevor. Wenn da nicht die Vergangenheit wäre...</p> <p>Johanna Pfau hat auf die Bühne der <em>Kammerspiele</em> ein hängendes, blaues Plateau gebaut, mit Aquarium drauf und einem Holzquader zum Sitzen. Wie herbeidelegierte Spielfiguren kommen alle und gehen wieder in der rastlosen Regie von Brit Bartkowiak: Wer grad nichts zu sagen hat, verschwindet auf Stühle im hinteren Bühnendunkel. Neben dem Lehrerpaar Ronald und Kathleen besteht das Kollegium aus ziemlichen Klischeefiguren: die steife, überkorrekte Inga mit Strickweste (köstlich: Judith Hofmann), der dicke Falckenstein (Christoph Franken) als erklärter Naturwissenschaftler, ewig frustriert und neidisch auf Ronalds Erfolg bei Frauen – und schließlich Rektor Schütz als gütiger Philanthrop am Ende seiner (Lebens-)Laufbahn (herausragend: Helmut Mooshammer). Auch die beiden Schüler Sarah (Linn Reusse) und Leon (Caner Sunar) sind nur Exempel für die beiden Pole Streber- und Außenseiterdasein.</p> <p>Als dann Manu (Birgit Unterweger), die Mutter von Sarah, zum Elterngespräch bei Ronald aufkreuzt, überschlagen sich die Dinge; verbale Provokationen und wilde Grapschereien inklusive Wasserschlacht folgen. Wer mit wem früher mal was hatte, bleibt unklar, aber Ronald, dem der Makel von Therapie und Krankheit sowieso gerüchteweise anhängt, wird schnell zum gewalttätigen Sündenbock erklärt. Vor allem, als noch Problemschüler Leon durchdreht, mit dem sich Ronald zuvor verbündet hatte, weshalb dessen Vater und Arzt Mollenhauer (gekünstelt schleimig: Michael Goldberg) versucht, Ronald zu erpressen.</p> <p>Wie zu erwarten, zerbricht Ronald Rupp an all dem, wird paranoid und rasend. Wie sich Daniel Hoevels in dessen zunehmende Manie reinsteigert, körperlich rastlos die Melleschen Sprachexzesse durchsteht, verdient höchste Anerkennung. Trotzdem bleibt man am Ende seltsam unberührt, bleibt das Spiel nur artifizielles Sprachspiel. Brit Bartkowiak inszeniert nah am Text, der das auch verdient hat mit seiner fast Wittgenstein’schen Bedeutungssuche („Die Welt ist das Wort, mehr nicht.“) Für mehr Authentizität und Empathie gegenüber Ronald Rupp wünscht man dem Stück noch weitere Inszenierungsversuche. </p> </div> <div> <div>Stück</div> <div>Versetzung</div> </div> <div> <div>Überschrift der Kurzkritik</div> <div>Sprache und Wirklichkeit</div> </div> <div> <div>Autor/Komponist/Choreograf</div> <div>Thomas Melle</div> </div> <div> <div>Premierendatum</div> <div><time datetime="2017-11-17T12:00:00Z">17.11.2017</time> </div> </div> <div> <div>UA/DE/DSE</div> <div>UA</div> </div> <div> <div>Regie</div> <div>Brit Bartkowiak</div> </div> <div> <div>Stadt</div> <div><a href="/taxonomy/term/634" hreflang="de">Berlin</a></div> </div> <div> <div>Theater</div> <div><a href="/taxonomy/term/1494" hreflang="de">Deutsches Theater Berlin</a></div> </div> <div> <div>Genre</div> <div>Schauspiel</div> </div> <div> <div>Bild</div> <div><div> <div>Sa., 18.11.2017 - 11:09</div> <div><span lang="" about="/user/173" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Ulrike Kolter</span></div> <div> <img src="/sites/default/files/styles/thumbnail/public/kk_schau_berlin_dt_versetzung.jpg?itok=SwCIBR4X" width="100" height="63" alt="Thumbnail" title="Thomas Melle: Versetzung" typeof="foaf:Image" /> </div> <div> <div>Bild-Datei</div> <div> <img src="/sites/default/files/styles/banner/public/kk_schau_berlin_dt_versetzung.jpg?itok=-Q6A5kzL" width="1800" height="1200" alt="Daniel Hoevels als Ronald Rupp mit Ehefrau Kathleen (Anja Schneider)" title="Daniel Hoevels als Ronald Rupp mit Ehefrau Kathleen (Anja Schneider)" typeof="foaf:Image" /> </div> </div> <div> <div>Urheber/Copyright</div> <div>Arno Declair</div> </div> <div> <div>Beschreibung</div> <div>Daniel Hoevels als Ronald Rupp mit Ehefrau Kathleen (Anja Schneider)</div> </div> </div> </div> </div> Sat, 18 Nov 2017 10:09:15 +0000 Ulrike Kolter 10407 at https://die-deutsche-buehne.de Nolte Decar: Der neue Himmel https://die-deutsche-buehne.de/kritiken/weltreise-nach-grossbritannien <span>Nolte Decar: Der neue Himmel</span> <span><span lang="" about="/user/58" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Elena Philipp</span></span> <span>Sa., 27.06.2015 - 13:25</span> <div><p><span>In sechs Szenen um die Welt: Kolumbien und Kaschmir, der nigerianische Regenwald und das ewige Eis – eine Mischung aus Reisekolportage, ethnologisch bewusstem James-Bond-Jetset und grotesker Krimikomödie hat das Autorenduo Nolte Decar mit „Der neue Himmel" entworfen. Aus Zürich reist Sebastian Kreyers Uraufführung zu den Berliner Autorentheatertagen; das Stück hatte die diesjährige Jury als einen von vier neuen Theatertexten zur Inszenierung ausgewählt. Motto der Short-Cuts-Dramaturgie, die vom Bühnen- und Kostümbildner Matthias Nebel ordentlich mit Exotik gewürzt wird: Dick drauf auf jede Pointe. </span></p> <p><span>Ein Rundhorizont zeigt die Stationen der Weltreise, Expeditionszelte im Schnee, ein Andendorf, Südseepalmen oder eine Moschee im Himalaya. Rund geht's auch bei der Bühnenaktion: Als Zwergflusspferdforscherin auf Dschungelexpedition darf die komödiantisch begabte Miriam Maertens den berüchtigten „Afrika"-Schlager von Ingrid Peters schmettern, mit 80er-Macken wie schmissigem Kopfwackeln und Mikrofonjonglage. Der Voodoo-Master ruft, die Trommeln dröhnen und „mein Herz schlägt schneller / Unter meiner weißen Haut" zu bravem Durchschnittsbeat – ein gelungen überzeichnetes Bild westlicher Kolonialresiduen. Bunt geht es weiter: Die Teenies aus Alaska, die alles Mögliche „cool" oder „krass" finden und sich im ereignislosen Juneau mit Softdrinks und Skateboard die Langeweile verkürzen, tanzen mit den übrigen vier Ensemblemitgliedern eine Bollywood-Choreographie, als Überleitung zur nächsten Episode. </span></p> <p><span>Setting, Musik und Kleidung, alles wird hier mit großem Aufwand globalisiert: Die Kaschmiris, die in einer Hoteltoilette um die Klobrille streiten, auf der eben noch ein Filmstar gesessen haben soll, tragen Lunghi und Turban; der Maoriboss Macky Tutu, der von der eigens eingeflogenen Kommissarin zu einer angeblich explodierten Yacht befragt wird, ist mit Tattoos, Bastrock und Gesichtsbemalung ausstaffiert. Pseudochinesisch palavert der „Paps", der auf der chinesischen Antarktisstation mit seinem Sohn über den ersten Satz von „Anna Karenina" streitet – an politisch Korrekte wendet sich dieser „neue Himmel" sicher nicht. </span></p> <p><span>Was die globalen Szenen unter dem Titel „Algorithmen von atemberaubender Schönheit und Gewalt" eint? Die Explosion am Ende. In Stücke gerissen der kolumbianische Bus, in dem sich Gabo und Carla gerade näher kommen. Eine AGM-114-Hellfire-Luft-Boden-Rakete zerfetzt einen nigerianischen Jeep, auf dem kaschmirischen Klo landet ein Blindgänger. Das Christlich-Apokalyptische klingt im Titel schon an: Der neue (westliche) Himmel entsendet seine Raketen in die hintersten Ecken der Welt. „Nirgends ist man mehr sicher", sagt aber ausgerechnet die britische Lady, auf deren Landsitz bei Whitby alle Handlungsfäden zusammenlaufen. Kammerspiel statt Episodenreigen: Jakob Nolte und Michel Decar wechseln das Genre im zweiten Teil zur englischen Krimikomödie. </span></p> <p><span>Lady Grimshaw (Miriam Maertens) triezt ihre Bedienstete Miss Lissy (Julia Kreusch), die die Bühne mit Standuhr, Sofa, Beistelltischchen zum Salon aufmöbeln muss. Ebenso genüsslich betreibt sie exaltierte Konversation mit ihrem stummen Gast: Brigitte Roquette (Lisa-Katrina Mayer) ist ein stählernes Geschöpf zwischen Nazibraut und Domina, das sich zu gleichen Teilen Tarantino, Pynchon und Fritz Lang zu verdanken scheint. Reglos lässt sie das Lady-Geplauder an sich abtropfen, bewegt sich allein, um das von Miss Lissy bereitgestellte Kännchen Kerosin in ihren Tee zu kippen. Mortimer Grimshaw (Johannes Sima), ein schwuler Exzentriker, schäkert mit dem unbedarften, Pralinen futternden Richter Warwick (Benedict Fellmer) – bis Inspektor Nordt (Ludwig Boettger) im Sherlock-Outfit die gelangweilte Sonntagsgesellschaft unterbricht. Er recherchiere da einen Fall von Korruption auf der örtlichen Luftwaffenbasis sowie den Mord am Chauffeur, der eigentlich ein verdeckt recherchierender kanadischer Journalist gewesen sei... </span></p> <p><span>Schnell wird klar, dass Brigitte Roquette, die Stumme mit dem sprechenden Namen, für alle bisherigen Tode in „Der neue Himmel" verantwortlich ist, doch die Dialoge schleppen sich weiter hin, von Regisseur Kreyer und dem Ensemble mit schlüpfrigen Zoten aufgepeppt. Jede Marotte der britischen Oberschicht wird endlos ausgewalzt – der Eineinhalbstünder hat deutliche Längen. Komik ist ein anspruchsvolles Handwerk, das lässt sich an „Der neue Himmel" gut studieren. Dick drauf auf jede Pointe trägt dramaturgisch nur begrenzt; das Publikum lacht zwar immer wieder, in wechselnden Konstellationen, aber es klingt oft eher unterdrückt-schuldbewusst. Dem englischen Teil hätten Raffungen und Auslassungen sowie Tempowechsel, seitens der Autoren wie der Regie, sehr viel besser getan. So bleibt: gepflegte Langeweile, als Brigitte einen nach der anderen mordet, mit Messer, per Pistole, von Hand oder in Götterspeise. Zum Schluss darf die durchgedrehte Drohne dann noch ein Kunstlied trällern, Schumanns „Mondnacht". Und auf ihrer Pilotenhaube dreht sich der Propeller zum Heiligenschein: die Mörderin als Madonna. </span></p> <p> </p> </div> <div> <div>Stück</div> <div>Der neue Himmel</div> </div> <div> <div>Überschrift der Kurzkritik</div> <div>Weltreise nach Großbritannien</div> </div> <div> <div>Autor/Komponist/Choreograf</div> <div>Nolte Decar</div> </div> <div> <div>Premierendatum</div> <div><time datetime="2015-06-26T12:00:00Z">26.06.2015</time> </div> </div> <div> <div>UA/DE/DSE</div> <div>UA</div> </div> <div> <div>Medialink</div> <div><a href="https://www.deutschestheater.de/spielplan/der_neue_himmel/">Fotostrecke auf der Homepage des Deutschen Theaters</a></div> </div> <div> <div>Regie</div> <div>Sebastian Kreyer</div> </div> <div> <div>Stadt</div> <div><a href="/taxonomy/term/634" hreflang="de">Berlin</a></div> </div> <div> <div>Theater</div> <div><a href="/taxonomy/term/1494" hreflang="de">Deutsches Theater Berlin</a></div> </div> <div> <div>Genre</div> <div>Schauspiel</div> </div> <div> <div>Bild</div> <div><div> <div>Sa., 27.06.2015 - 13:25</div> <div><span lang="" about="/user/58" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Elena Philipp</span></div> <div> <img src="/sites/default/files/styles/thumbnail/public/bild_1.jpg?itok=gLNCtboY" width="100" height="64" alt="Thumbnail" title="Nolte Decar: Der neue Himmel" typeof="foaf:Image" /> </div> <div> <div>Bild-Datei</div> <div> <img src="/sites/default/files/styles/banner/public/bild_1.jpg?itok=AWZ914qY" width="1800" height="1200" alt="&quot;Der neue Himmel&quot; von Nolte Decar bei den Autorentheatertagen" title="&quot;Der neue Himmel&quot; von Nolte Decar bei den Autorentheatertagen" typeof="foaf:Image" /> </div> </div> <div> <div>Urheber/Copyright</div> <div>Tanja Dorendorf/ T+T Fotografie</div> </div> <div> <div>Beschreibung</div> <div>&quot;Der neue Himmel&quot; von Nolte Decar bei den Autorentheatertagen</div> </div> </div> </div> </div> Sat, 27 Jun 2015 11:25:58 +0000 Elena Philipp 9770 at https://die-deutsche-buehne.de Maxim Gorki: Wassa Schelesnowa https://die-deutsche-buehne.de/kritiken/faszinierender-schrecken <span>Maxim Gorki: Wassa Schelesnowa</span> <span><span lang="" about="/user/34" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Bettina Weber</span></span> <span>Mo., 19.05.2014 - 10:31</span> <div><p>Es gibt sie allenthalben, diese Strippenzieher-Mütter. Wassa Schelesnowa ist so eine. Jahrelang hat sie Familie und Familienbetrieb aufrecht erhalten. Nun steht beides vorm Ruin. Und irgendwie kann sich keines der anderen Familienmitglieder entscheiden, ob er sie für all das hassen oder lieben soll. Wassa selbst liebt vor allem die Idee der Familie, nicht aber die Familie selbst. Ihre Kinder und deren Partner sind abgedriftet in Manie, Wahnsinn und Trägheit, sind so wenig lebensfähig, dass es zum Verzweifeln ist. Der eine säuft, der andere schreit, der Vater stirbt. Hier schwankt das ganze Familiengebäude, mit marodem ökonomischem Gerüst und einer Fassade, die längst abgebröckelt ist. Prügeleien und Streitereien als lautes Schreitheater sind in Stephan Kimmigs Inszenierung am Deutschen Theater Berlin die Folge, aber nur manchmal: Meistens wird hilflos, teils wortlos abgewartet. Während laut-leise die Uhr tickt, versammelt sich das, was hier alle gern eine Familie nennen möchten, um den Esstisch oder zum Umziehen an den Kleiderstangen, die metallisch-kühl den Raum formen (Bühne: Katja Haß). Es gibt Frühstück, es wird Mittag, es kommt der Abend. Doch all das bleibt toter Alltag, während sich für den Sterbenden niemand zu interessieren scheint. Weil Wassa nun mal der Chef ist, liegt der erst siechende und später tote Vater und offizielle Firmenboss auch bloß irgendwo „da unten“ zum Sterben, ist Abwesender. Sein Tod ist lediglich Auslöser dafür, dass Wassa endlich zugibt, was eigentlich jeder weiß: Dass der Bankrott vor der Tür steht. Nur Tochter Anna, die nach der Trennung von ihrem Mann zur Familie zurückkehrt, hat Optimismus und einen klaren Blick, sie nimmt die Zügel vorsichtig, aber zielsicher aus Wassas Hand.</p> <p>Wo Gorki sich durch die gescheiterte erste Russische Revolution und den Kapitalismus inspiriert sah, sucht Stephan Kimmig das überzeitlich Gültige. Es ist das Ausharren vorm Ruin wie in Tschechovs „Kirschgarten“, die sich auflösende Familie wie bei den „Buddenbrooks“. Während der Zerfall von außen droht, verrottet in Wahrheit bereits alles im Inneren. In Kimmigs Inszenierung gerät eben diese Familientragödie zu etwas, an dem man sich nicht sattsehen kann: Er entlarvt den Zuschauer als Voyeur im eigentlichen Sinne. Mit all den Intrigen, Feindseligkeiten, Verzweiflungsakten und dem unerfüllten Wunsch nach Frieden offenbart sich diese Familie nämlich nicht nur als abschreckendes Beispiel, sondern zeigt sich auch als Faszinosum, ausgestellt in einer gefängnisartigen, eckigen Bühne, aus der sie nicht heraus kann. Dabei ist die Stille genauso symptomatisch wie der Tobsuchtsanfall, es ändert nichts, es gibt kein Entkommen. </p> <p>Jede Figur stellt der Regisseur aus, und jeder Spieler gibt dafür alles her: Corinna Harfouchs Wassa ist eine beeindruckend leise, aber harte Mächtige, die am Ende zerbricht. Alexander Khuons Pawel ein brutal-debiler Depressiver, Katharina Marie Schuberts Ljudmilla ein naives Kind. Und Franziska Machens' Anna (Wassas Tochter) schließlich ist eine magisch schlichte Nachfolgerin Wassas, die langsam, aber sicher ihre eigene Mutter vom Thron stößt. Sie soll die Familie wieder aufrichten, aber sie entlarvt diese als bürgerliches Ideal, das nach vielen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Umbrüchen nicht mehr ohne weiteres aufrecht zu erhalten ist. Mit Wassa lotet Anna die Möglichkeiten zur Rettung von Familie und Firma aus. Gemeinschaft sei gut, aber nur mit den richtigen Beteiligten, sagt Anna. Egoismus? Machtgier? Kapitalistisches Kalkül in der Familie? Am Ende verlassen die anderen die Familie und mit ihr die Bühne, Anna bleibt als Letzte. Ein düsteres Bild, in dem die Familie ausgedient hat und der Egoist das Ruder übernimmt.</p> </div> <div> <div>Stück</div> <div>Wassa Schelesnowa</div> </div> <div> <div>Überschrift der Kurzkritik</div> <div>Faszinierender Schrecken</div> </div> <div> <div>Autor/Komponist/Choreograf</div> <div>Maxim Gorki</div> </div> <div> <div>Premierendatum</div> <div><time datetime="2014-05-16T12:00:00Z">16.05.2014</time> </div> </div> <div> <div>Regie</div> <div>Stephan Kimmig</div> </div> <div> <div>Stadt</div> <div><a href="/taxonomy/term/634" hreflang="de">Berlin</a></div> </div> <div> <div>Theater</div> <div><a href="/taxonomy/term/1494" hreflang="de">Deutsches Theater Berlin</a></div> </div> <div> <div>Genre</div> <div>Schauspiel</div> </div> <div> <div>Bild</div> <div><div> <div>Mo., 19.05.2014 - 10:31</div> <div><span lang="" about="/user/34" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Bettina Weber</span></div> <div> <img src="/sites/default/files/styles/thumbnail/public/kk_s_berlin_dt_wassa.jpg?itok=R9d5guSa" width="100" height="67" alt="Thumbnail" title="Maxim Gorki: Wassa Schelesnowa" typeof="foaf:Image" /> </div> <div> <div>Bild-Datei</div> <div> <img src="/sites/default/files/styles/banner/public/kk_s_berlin_dt_wassa.jpg?itok=0OMLI4bF" width="1800" height="1200" alt="Ein beeindruckend düsteres Bild zeichnet &quot;Wassa Schelesnowa&quot; am DT in Berlin" title="Ein beeindruckend düsteres Bild zeichnet &quot;Wassa Schelesnowa&quot; am DT in Berlin" typeof="foaf:Image" /> </div> </div> <div> <div>Urheber/Copyright</div> <div>Arno Declair</div> </div> <div> <div>Beschreibung</div> <div>Ein beeindruckend düsteres Bild zeichnet &quot;Wassa Schelesnowa&quot; am DT in Berlin. V. li. n. re.: Franziska Machens (Anna), Corinna Harfouch (Wassa), Marcel Kohler (Alexander, Assistent von Wassa)</div> </div> </div> </div> </div> Mon, 19 May 2014 08:31:23 +0000 Bettina Weber 9433 at https://die-deutsche-buehne.de Maria Milisavljevic: Brandung https://die-deutsche-buehne.de/kritiken/trautes-missverstehen <span>Maria Milisavljevic: Brandung</span> <span><span lang="" about="/user/50" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Detlev Baur</span></span> <span>Do., 06.06.2013 - 11:39</span> <div><p>Ein etwa fünf mal drei Meter großes Gitterfenster steht im Hintergrund der Bühne. Die zahlreichen tellergroßen Scheiben bestehen zum großen Teil aus Eis und schmelzen während der anderthalbstündigen Vorstellung. Die so einfache wie vieldeutige Bühnenkonstruktion (Jonathan Metz) ist in vielfacher Hinsicht ideal für das Stück. „Ich“, „Er“ und „Sie“ berichten von der Gegenwart, die sich immer auf einen kriminalistischen Fall vor einigen Tagen bezieht, geben also Bruchstücke der Vergangenheit frei. Eines nicht fernen Tages ging ihre Freundin Karla zum Einkaufen und kam nie zurück; dann wird sie tot im aufgetauten Fluss gefunden; zuerst erscheint es wie ein Selbstmord, dann wie ein Mord oder auch wie ein Unfall.</p> <p>„Brandung“ von Maria Milisavljevic ist eine Vierecksgeschichte, Unterschichtendrama, Jugend- und Heimatstück, ein Thriller und einfach ein großes lust- und schmerzvolles Geschichtenerzählen. Formal erscheint es sowohl als eine heterogene Textfläche voll epischer Elemente wie auch als verbindliches Figurenporträt voll starken Vertrauens in die Kraft der Sprache. Sie ist einfach und dabei poetisch-präzise gestaltet, die Themen sind weit gefächert und doch kunstvoll und sinnreich miteinander verknüpft. Das mit dem Kleist Förderpreis 2013 ausgezeichnete Stück (siehe DDB 3/2013) ist also im besten Sinne eine multikulturelle Mischung aus angelsächsischem well made play und deutschem Kunststück. Maria Milisavljevic promovierte über das Royal Court Theatre in London und ist zudem Hausautorin am Tarragon Theatre in Toronto; sie wurde in Westfalen geboren, studierte in Passau, arbeitete in der freien Szene und inszenierte am Landestheater Niederbayern.</p> <p>Von „Gestern, vorgestern, seit 3 Tagen“ bis „Gestern, vorgestern, vor 41 Tagen“ berichten die Drei im Sprung zwischen Gegenwart, jüngerer Vergangenheit und Vorgeschichten von Karla und sich. Ganz langsam wird deutlich, dass Ich und Er (Vlado) eigentlich ein Paar sind, Karla aber auch Vlados Freundin war. Christopher Rüping verteilt in seiner Uraufführungsinszenierung des Deutschen Theaters Berlin, die bei den Ruhrfestspielen Premiere hatte, die Rollen ziemlich eindeutig und verzichtet damit auf zusätzliche Brechungen zwischen den Figuren. Den Anfang macht jedoch der Musiker Christoph Hart, der im Kostüme einer Seejungfrau an die Verschwundene und im Fluss aufgefundene Karla erinnert, zum Ende wieder auf die inzwischen nasse Bühne watschelt und ansonsten hinter der Glasscheibe stimmungsfördernde Keyboardmusik macht. Natalie Belitski dominiert in der Hauptrolle Tempo und Emotionen des Geschehens, Benjamin Lillie als Vlado und Geliebter Jo sowie Barbara Heynen als ihre Schwester bleiben etwas blasser. Die unter dem Eis brodelnden Beziehungsschwankungen wirken so eher angedeutet als emotional ausgespielt. Aber auch so hat diese „Brandung“ noch eine starke spielerische und sprachliche Kraft.</p> </div> <div> <div>Stück</div> <div>Brandung</div> </div> <div> <div>Überschrift der Kurzkritik</div> <div>Trautes Missverstehen</div> </div> <div> <div>Autor/Komponist/Choreograf</div> <div>Maria Milisavljevic</div> </div> <div> <div>Premierendatum</div> <div><time datetime="2013-06-05T12:00:00Z">05.06.2013</time> </div> </div> <div> <div>UA/DE/DSE</div> <div>UA</div> </div> <div> <div>Regie</div> <div>Christopher Rüping</div> </div> <div> <div>Stadt</div> <div><a href="/taxonomy/term/729" hreflang="de">Recklinghausen</a></div> </div> <div> <div>Theater</div> <div><a href="/taxonomy/term/1494" hreflang="de">Deutsches Theater Berlin</a></div> </div> <div> <div>Genre</div> <div>Schauspiel</div> </div> <div> <div>Bild</div> <div><div> <div>Do., 06.06.2013 - 11:39</div> <div><span lang="" about="/user/50" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Detlev Baur</span></div> <div> <img src="/sites/default/files/styles/thumbnail/public/kk_s_reckl_brandung.jpg?itok=RDqKnuiQ" width="100" height="67" alt="Thumbnail" title="Maria Milisavljevic: Brandung" typeof="foaf:Image" /> </div> <div> <div>Bild-Datei</div> <div> <img src="/sites/default/files/styles/banner/public/kk_s_reckl_brandung.jpg?itok=DQO-i0Yr" width="1800" height="1200" alt="Barbara Heynen, Natalia Belitski und Benjamin Lillie in der Uraufführung von &quot;Brandung&quot;." title="Barbara Heynen, Natalia Belitski und Benjamin Lillie in der Uraufführung von &quot;Brandung&quot;." typeof="foaf:Image" /> </div> </div> <div> <div>Urheber/Copyright</div> <div>Arno Declair</div> </div> <div> <div>Beschreibung</div> <div>Barbara Heynen, Natalia Belitski und Benjamin Lillie in der Uraufführung von &quot;Brandung&quot;.</div> </div> </div> </div> </div> Thu, 06 Jun 2013 09:39:45 +0000 Detlev Baur 9123 at https://die-deutsche-buehne.de Stephen Belber: Tape https://die-deutsche-buehne.de/kritiken/interpretation-von-vergangenheit <span>Stephen Belber: Tape</span> <span><span lang="" about="/user/58" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Elena Philipp</span></span> <span>Do., 16.06.2011 - 18:09</span> <div><p>Zwei Männer, eine Frau. Vor zehn Jahren, in der High School, war Vince mit Amy zusammen, aber Jon hat auf einer Party betrunken mit ihr geschlafen. Vince, der freiwillige Feuerwehrmann und Drogendealer, hat diese Niederlage immer noch nicht verwunden. Vor Jons großem Tag, der Präsentation seines Autorenfilms beim Lansing Film Festival, konfrontiert er ihn im Motel mit dem Vorwurf der Vergewaltigung - und mit Amy, die als Mitarbeiterin des Oberstaatsanwalts in Lansing lebt. </p> <p>“Tape” von Stephen Belber ist ein konzise konstruiertes Stück über die Interpretation von Vergangenheit. Während Vince Jon zu einem Geständnis bringt, das er auf Band aufzeichnet, ist für Amy auf der Party nichts weiter passiert, als dass sie für Jon schwärmte. Wo kein Kläger, da kein Verbrechen, ist ihre Maxime. Unversehens entwindet sie Vince die Regie und bringt ihn mit einem vorgeblichen Anruf bei der Polizei dazu, seinen Drogenvorrat im Klo zu versenken. </p> <p>Stefan Pucher inszeniert das psychologische Kammerspiel am Deutschen Theater Berlin in muffigen Motelkulissen. Die Ereignisse des Abends werden chronologisch erzählt - wie in Stephen Belbers Drehbuch, das Richard Linklater mit Ethan Hawke und Uma Thurman verfilmte. Prolog und Epilog, die in die High School-Vergangenheit zurück- und in die Zukunft vorblenden, sind gestrichen. </p> <p>Video-Standbilder zeigen Bett, Nachttisch und Aschenbecher unberührt - ein Stilleben, das den Psycho-Kampf der beiden Männer bildlich negiert. Nur an einer Stelle dynamisiert sich die Kamera und filmt eine verbale Auseinandersetzung von Vince (Felix Goeser) und Jon (Bernd Moss) im Schuss-Gegenschuss-Verfahren. Der Handlung haben die Videobilder nichts hinzuzufügen. An drei dramaturgisch entscheidenden Stellen darf jeder der Protagonisten einen Song anstimmen - ein Zoom in die High School-Vergangenheit. </p> <p>Langweilig ist das nicht. An manchen Stellen kitzelt Pucher im Vergleich zu Linklaters Film noch die ein oder andere psychologische Nuance aus der Vorlage heraus. Doch inspiriert ist das auch nicht. Nur Felix Goeser hat einen Draht zu seiner Figur gefunden, ist der verbissene Kindskopf, der auf späte Rache lauert. Bernd Moss sagt seinen Text auf und spielt ohne größere Modulation. Nina Hoss - mit brauner Pagenkopfperücke - wirkt hölzern, obwohl ihre kühl-überlegene Figur die schillerndste der drei ist. Ihr Lachen am Ende der Aufführung - Amys Freude über den Sieg oder die Distanzierung der Schauspielerin von der Rolle?</p> </div> <div> <div>Stück</div> <div>Tape</div> </div> <div> <div>Überschrift der Kurzkritik</div> <div>Interpretation von Vergangenheit</div> </div> <div> <div>Autor/Komponist/Choreograf</div> <div>Stephen Belber</div> </div> <div> <div>Premierendatum</div> <div><time datetime="2011-06-11T12:00:00Z">11.06.2011</time> </div> </div> <div> <div>Regie</div> <div>Stefan Pucher</div> </div> <div> <div>Stadt</div> <div><a href="/taxonomy/term/634" hreflang="de">Berlin</a></div> </div> <div> <div>Theater</div> <div><a href="/taxonomy/term/1494" hreflang="de">Deutsches Theater Berlin</a></div> </div> <div> <div>Genre</div> <div>Schauspiel</div> </div> <div> <div>Bild</div> <div><div> <div>Do., 16.06.2011 - 18:09</div> <div><span lang="" about="/user/58" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">Elena Philipp</span></div> <div> <img src="/sites/default/files/styles/thumbnail/public/kk_schau_berlin_tape.jpg?itok=iG1vzQcQ" width="100" height="66" alt="Thumbnail" title="Stephen Belber: Tape" typeof="foaf:Image" /> </div> <div> <div>Bild-Datei</div> <div> <img src="/sites/default/files/styles/banner/public/kk_schau_berlin_tape.jpg?itok=Zo6y5dNb" width="1800" height="1200" alt="Bernd Moss (Jon), Felix Goeser (Vince) und Nina Hoss (Amy) in &quot;Tape&quot; an den Kammerspielen des DT Berlin." title="Bernd Moss (Jon), Felix Goeser (Vince) und Nina Hoss (Amy) in &quot;Tape&quot; an den Kammerspielen des DT Berlin." typeof="foaf:Image" /> </div> </div> <div> <div>Urheber/Copyright</div> <div>Arno Declair</div> </div> <div> <div>Beschreibung</div> <div>Bernd Moss (Jon), Felix Goeser (Vince) und Nina Hoss (Amy) in &quot;Tape&quot; an den Kammerspielen des DT Berlin.</div> </div> </div> </div> </div> Thu, 16 Jun 2011 16:09:09 +0000 Elena Philipp 8538 at https://die-deutsche-buehne.de