Stephan Zilias wird neuer Generalmusikdirektor in Hannover

Von Andreas Falentin am 11.02.2020 • Bild: Simon Pauly/Staatsoper Hannover
Das Bild zeigt: Stephan Zilias

Die Verpflichtung von Stephan Zilias als neuer Generalmusikdirektor der Staatsoper Hannover ist nicht nur ein echter Coup, sondern vor allem ein wirkliches programmatisches Signal. Denn der 1986 geborene Dirigent steht für vieles, aber nicht für die Einhaltung konservativer Repertoiregrenzen.

Schon sein erstes professionelles Operndirigat galt „Wozzeck“, an der Deutschen Oper Berlin, wo Zilias aktuell erster Kapellmeister ist, führte er in der letzten Spielzeit Detlev Glanerts Fontane-Oper „Oceane“ zur Premiere – und erneut Bergs „Meisteroper“. Aktuell probt er „Antikrist", das wiederentdeckte Meisterwerk des dänischen Spätestromantikers Rued Langgaard.

Was den Dirigenten Stephan Zilias auszeichnet, ist eine großartige Mischung aus akribischer Arbeit und einem Enthusiasmus gerade für schwierige, komplexe Musiktheaterwerke, den er versteht, produktiv und vor allem hörbar zu machen. Hier scheinen sich die vielen unterschiedlichen Einflüsse auszuzahlen, denen Zilias sich als Student und unmittelbar danach bewusst ausgesetzt hat: Die der Moderne und dem musikalischen Experiment verpflichteten Pianisten Pierre-Laurent Aimard und Tamara Stefanovich, der Orchesterbefeuerer und Repertoire-Schatzgräber Thomas Hengelbrock, der in der klassischen Moderne wurzelnde britische Dirigent Edward Gardner, der fanatische Belcanto-Vitalisierer Gianluigi Gelmetti und Bernard Haitink der Grandseigneur der großen Bögen in der romantischen Sinfonik.

Vielleicht auch, weil er auf seinem bisherigen Weg viele Impulse aufgenommen und trotzdem eine sehr eigene künstlerische Identität entwickelt hat, verlief seine bisherige Karriere sehr grade: Assistent bei Markus Stenz in Köln, Repetitor und Kapellmeister in Mainz, erster Kapellmeister in Lüneburg, dann in Bonn und schließlich in Berlin.

In Bonn habe ich Stephan Zilias mehrfach erlebt und war von der oben beschriebenen Mischung, die offensichtlich auch beim Beethoven Orchester extrem gut ankam, eigentlich immer begeistert. Geradezu umwerfend fand ich persönlich sein Dirigat von Philip Glass' „Akhnaten“, was nicht nur mit der ungewöhnlichen Inszenierung von Laura Scozzi zu tun hatte und diese wunderbar stützte. Es gelang Zilias, diese nur scheinbar einfach zu spielende Musik präzise zu artikulieren, und er hauchte ihr ein geradezu ins Publikum spritzendes Leben ein.

Jetzt wird der echte Theaterdirigent Stephan Zilias, der bezeichnenderweise seinen vorherigen Wirkungsstätten Berlin und Bonn als Gastdirigent erhalten bleibt, mit gerade 34 Jahren seine erste Leitungsstelle antreten. Die Erwartungen in Hannover werden groß sein. Mit Recht.