Spekulationen über Rückzug von Halles GMD Ariane Matiakh

Von Detlef Brandenburg am 31.01.2020 • Bild: Bühnen Halle/Borgreve
Das Bild zeigt: Halles Generalmusikdirektorin Ariane Matiakh

Wenn es stimmt, was der MDR glaubt, recherchiert zu haben, dann wäre die Demission von Ariane Matiakh, der erst vor ein paar Monaten ins Amt gestarteten Generalmusikdirektorin der Bühnen Halle, ein Schlag ins Kontor für die Kulturszene der Stadt. Seit Florian Lutz dort Opernintendant wurde, hat DIE DEUTSCHE BÜHNE dessen künstlerisches Wirken an der Saale intensiv begleitet. Im Zuge dieser Berichte hat insbesondere der Oberbürgermeister Bernd Wiegand immer wieder seine Solidarität mit Lutz’ innovativer Opernarbeit bekundet und betont, dass ein zeitgemäßes, überregional beachtetes Kulturprofil hervorragend zum Image dieser vitalen, weltoffenen Stadt passe. So zuletzt im Themenheft „Musik-(Stadt-)Theater der Zukunft“, das wir zusammen mit den Bühnen Halle herausgegeben haben. Nachdem dann aber die Mehrheit des Aufsichtsrats der Theater, Oper und Orchester GmbH Halle (TOOH) unter den Augen einer breiten und ziemlich kritischen Öffentlichkeit gegen die Vertragsverlängerung des inzwischen überregional hochgelobten Opernintendanten votiert hatte und die Berufung von Walter Sutcliffe als Nachfolger nicht allzu viele Hunde hinter dem Ofen hervorlocken konnte – nach alledem befände sich die Kultur in Halle, falls Ariane Matiakh wirklich hinwirft, nicht etwa im Sink-, sondern im Sturzflug in die Provinz.

Über die Gründe wird noch spekuliert. Die Mitteldeutsche Zeitung zitiert die TOOH mit der Formulierung, man befinde sich „im Prozess zu Vertragsanpassungen mit Frau Matiakh“ und bitte um Verständnis, dass man sich zum laufenden Vorgang nicht äußern möchte. Zum laufenden Vertrag von Frau Matiakh dagegen müsste man schon einiges fragen. Denn den hat sie schließlich unterschrieben. So war beispielsweise zu Saisonbeginn das Erstaunen darüber, dass man ihren Namen im Opernspielplan mit der Lupe suchen musste, doch ziemlich groß. Der MDR vermutet jetzt, sie wolle sich „offenbar neuen Aufgaben widmen“. Das ist eine befremdliche Konstellation. Wenn Ariane Matiakh tatsächlich „neue Aufgaben“ interessanter findet als die in Halle, hätte sich dort nicht binden dürfen. Oder erlegt ihr dieser Vertrag keine Verpflichtungen in der Oper auf?

Pikant ist zudem, dass die Mitteldeutsche Zeitung darauf verweist, Ariane Matiakh habe noch vor ihrem Amtsantritt ein Votum gegen eine Vertragsverlängerung von Florian Lutz abgegeben. Hat sich der Aufsichtsrat davon beeindrucken lassen? Ist er ihr gefolgt, statt der designierten GMD klarzumachen, dass sie sich doch besser auf die in jedem Fall noch verbleibende einjährige Zusammenarbeit mit Lutz einstellen sollte? Dann könnten sich die politischen Lenker der TOOH jetzt aber mal ordentlich gegenseitig auf die Schulter klopfen: Florian Lutz haben sie aus der Stadt gewiesen (er fand inzwischen neue Aufgaben als Generalintendant des Staatstheaters Kassel, die er allerdings im Gegensatz zu Frau Matiakh erst nach Erfüllung seines Vertrags in Halle angeht). Und Ariane Matiakh macht Anstalten, sich freiwillig zurückzuziehen. Nur einer bleibt: Stefan Rosinski, der Geschäftsführer der TOOH, der vor allem dadurch von sich reden gemacht hatte, dass er sich sowohl mit dem Schauspielintendanten Matthias Brenner wie auch mit Florian Lutz bizarre Streit- und Intrigen-Kabalen geliefert hat. So bekommt der Aufsichtsrat das Theater, das er verdient. Der Stadt Halle aber wäre Besseres zu wünschen.