Zwischenruf: Sehr starke Mülheimer Stücke

Von Detlev Baur am 11.02.2020 • Bild: Ute Langkafel MAIFOTO
Das Bild zeigt: „In my Room“ von Falk Richter und Ensemble ist Teil der Mülheimer Stücke 2020

Die Auswahl für die Mülheimer Stücke, die vom 16. Mai bis zum 6. Juni stattfinden, wurde gerade veröffentlicht. Gesehen habe ich keine der Inszenierungen, gelesen ein paar der Stücktexte und dazu noch Kritiken der Uraufführungen; sie alle machen Lust  auf Stück und Aufführung. Das Programm für die Mülheimer Stücke 2020 zeigt auf den ersten Blick einen sehr starken Jahrgang, bei dem schwer vorherzusagen ist, wer am Ende das Rennen machen wird:  

Sivan Ben Yishai
LIEBE/ Eine argumentative Übung
Nationaltheater Mannheim
 
Caren Jeß
Bookpink
Schauspielhaus Graz
 
Thomas Melle
Ode
Deutsches Theater Berlin
 
Ewald Palmetshofer
Die Verlorenen
Residenztheater München
 
Bonn Park
Das Deutschland
ETA Hoffmann Theater Bamberg
 
Falk Richter
In My Room
Maxim Gorki Theater Berlin
 
Kevin Rittberger
IKI. radikalmensch
Theater Osnabrück
 
Felicia Zeller
Der Fiskus
Staatstheater Braunschweig

Auch wenn die Männer in der Überzahl sind, sind es eher jüngere Autoren und Autorinnen, die nominiert sind, denn selbst Thomas Melle und Ewald Palmetshofer sind keine lange etablierten Dramatiker. Der älteste ist Regisseur Falk Richter, im Nebenberuf Dramatiker, mit seiner Stückentwicklung „In My Room“ vom Berliner Maxim Gorki Theater. Die Mülheim-erfahrenste ist meiner ungeprüften Einschätzung nach Felicia Zeller.

Allen Unkenrufen zum Trotz, scheint das Drama zu leben, womöglich in dieser Spielzeit sogar aufzuleben. Fürs Theater sind schlechte Zeiten ohnehin gute, zumindest spannende Zeiten. Und auch jenseits der großen Theaterstädte (Berlin ist einmal dabei, München einmal) wird , das legt diese Auswahl nahe, spannendes Gegenwartstheater gemacht. Ich bin gespannt auf die Mülheimer Stücke 2020. Erstmals gibt es in diesem Jahr auch eine StückeWerkstatt, bei der vier neue Texte und ihre Werkstattaufführungen, in der konkreten Zusammenarbeit durch Autor/Autorin und Regie, eng miteinander verzahnt werden sollen.

Für die KinderStücke sind folgende fünf uraufgeführten Stücke nominiert.

Anah Filou
Am Hafen mit Vogel
Hessisches Landestheater Marburg
 
Finn-Ole Heinrich / Dita Zipfel
Zonka und Schlurch
Junge WLB Esslingen
 
Tina Müller
Schokolade
Theater Fallalpha, Zürich
 
Jens Raschke
Wer nicht träumt, ist selbst ein Traum
Theater an der Rott, Eggenfelden
 
Holger Schober
Familie auf Bestellung
Junges Nationaltheater Mannheim


Bislang bewegt sich dieser Wettbewerb ein wenig im Windschatten der „großen“ Stücke. Wie berechtigt oder unberechtigt das ist, kann nur entscheiden, wer möglichst viel davon besucht.