Nobelpreis an Peter Handke

Von Andreas Falentin am 10.10.2019 • Bild: Wild&team-Agentur
Das Bild zeigt: Peter Handke 2003 bei der Verleihung der Ehrendoktorwürde an der Universität Salzburg

Der Literaturnobelpreis 2019 geht an Peter Handke und damit, zumindest ein bisschen, auch an die deutschsprachige Theaterlandschaft, die diesem besonderen Autor seit über 50 Jahren die Treue hält. Am Anfang stand die „Publikumsbeschimpfung“ 1966 am Theater am Turm in Frankfurt, einer der großen Theaterskandale des deutschen Nachkriegstheaters. Der bisher letzte große Erfolg des Dramatikers Handke, „Immer noch Sturm“, widmet sich mit großem epischem Atem den Partisanenkämpfen in Handkes Heimat, dem heutigen Grenzgebiet von Österreich und Slowenien. Die Uraufführungsinszenierung, erarbeitet 2011 von Dimiter Gotscheff am Hamburger Thalia Theater, erlebte ihre Derniere erst im März diesen Jahres. Zehn Inszenierungen folgten, aktuell probt das Landestheater Linz das Stück.

Der 1942 geborene Peter Handke gilt als schwieriger Autor. Fast alle seine Texte fordern viel vom Publikum, vom lesenden wie vom zuschauenden, beschenken den, der sich ihnen aussetzt, aber reich. Nach frühen Bucherfolgen wie „Die Angst des Tormanns beim Elfmeter“ oder „Die linkshändige Frau“ wurden Handkes Texte ab den 80er-Jahren zunehmend poetischer, der Autor rang mit seiner von subtilen Schönheiten wimmelnden Sprache um Genauigkeit und Freiheit. Bisweilen überwucherte die Ästhetik den Inhalt, was Leser bekanntlich gerne abschreckt. Dazu wurde Handke zusehends konservativer, was in bizarren Auftritten während der Balkankrise gipfelte. In diesem Zusammenhang erscheint es doch sehr interessant, das ausgerechnet „Kaspar“, Handkes großes Stück über den Missbrauch von und den Mangel an Sprache, sein bis heute meistgespieltes Stück ist (Jan Philipp Gloger bereitet gerade eine Inszenierung am Staatstheater Nürnberg vor).

Immer wieder hat Handke besondere Entwürfe beschert wie „Die Stunde, da wir nichts voneinander wussten“ (uraufgeführt 1992, aktuell zu sehen in Klagenfurt), wo man zwei Stunden Menschen dabei beobachten kann, wie sie einen Platz überqueren; oder das schwerelos feine, aber durchaus haltungsstarke Sprachgespinst „Spuren der Verirrten“ (uraufgeführt 2004). Er ist ein Autor, der das Medium Theater genau kennt, der weiß, wie es strahlt und was man ihm zumuten kann. Und tut genau das seit 53 Jahren immer wieder.

Glückwunsch zur Preisverleihung!