Nachfolger Bachmanns gekürt

Von Detlev Baur am 24.01.2019 • Bild: Ute Boeters
Das Bild zeigt: Carl Philip von Maldeghem

Carl Philip von Maldeghem wird Nachfolger Stefan Bachmanns als Intendant des Schauspiels Köln. Das gab heute die Stadt Köln bekannt. Am Vormittag haben Oberbürgermeisterin Henriette Reker und Kulturdezernentin Susanne Laugwitz-Aulbach, unterstützt vom ehemaligen Geschäftsführenden Direktor des Deutschen Bühnenvereins Rolf Bolwin, den künftigen Intendanten vorgestellt.

Der 49-jährige von Maldeghem ist promovierter Rechtsphilosoph. In Köln und überhaupt nördlich des Weißwurst-Äquators dürfte er weitgehend unbekannt sein. Nach dem Studium in Passau und den USA war er persönlicher Referent Gerard Mortiers bei den Salzburger Festspielen, auch Mitarbeiter Peter Steins und Hausregisseur am Badischen Staatstheater Karlsruhe. Von 2002 bis 2007 leitete er die Schauspielbühnen Stuttgart, ein großes privates Sprechtheater. Hier wirkte er durchaus innovativ mit neuen Formaten (eine englischsprachige Sparte) und vernetzend (mit der DEUTSCHEN BÜHNE veranstaltete er ein Symposion zur Theaterkritik).

Seit 2007 ist von Maldeghem Intendant des Salzburger Landestheaters. Das Mehrspartenhaus wurde in dieser Zeit, auch durch Produkionen an alternativen Spielstätten, sichtbar in der Stadt verankert. Dabei bewegte sich der Intendant lokal auch auf den Spuren Max Reinhardts, den von Maldeghem im Interview mit der DEUTSCHEN BÜHNE mal als vorbildlich beschrieb in seinem künstlerischen Streben mit stetigem Blick aufs Publikum.

Carl Philip von Maldeghem arbeitet auch als Regisseur; als „innovativ“ ist er dabei zwar der Kölner Oberbürgermeisterin, weniger aber der Fachpresse aufgefallen. Eher verkörpert der künftige Kölner Schauspielchef den Typus des Managerintendanten, der international gut vernetzt ist und zugleich lokale Anknüpfungspunkte sucht. Erfahrungen mit „großem“ Schauspiel hat er bislang eigentlich nicht. Insofern ist die überraschende Wahl auch sehr mutig.

Er wird auf unbestimmte Zeit noch in der Übergangsspielstätte agieren müssen. Als Katastrophen-Manager könnte der bedächtige und zugleich energische von Maldeghem eine gute Wahl sein. Künstlerisch hat das Schauspiel – unter schwierigen äußeren Bedingungen – in den letzten Jahren an Profil verloren. Allerdings muss Stefan Bachmann hoch angerechnet werden, dass er die Spielstätte hervorragend im türkisch dominierten Stadtteil Mülheim integrierte und zugleich das Publikum von der „richtigen“ Rheinseite (da, wo der Dom ist) weiterhin ins Theater lockte.

Bachmann hatte vor anderthalb Jahren erklärt, seinen der Dauerbaustelle geschuldeten Dauervertrag bis 2021 zu begrenzen. Er musste seit Amtsantritt 2013 in der Übergangsspielstätte ausharren. Dass die Wiedereröffnung des sanierten Theaters in der Stadt weiterhin in den Sternen steht, ist ein grandioser Bauskandal, unter dem vor allem Bachmann und seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu leiden hatten und haben. Einen neuen Höhepunkt der für den amtiernden Intendanten unerfreulichen Behandlung durch die schludrige Stadt stellte die Vorbereitung der heutigen Pressekonferenz dar. Nachdem zunächst von der Vorstellung einer „neuen Intendanz“ die Rede war, war laut Kölner StadtAnzeiger der Eindruck entstanden, Bachmann solle womöglich vorzeitig abgelöst werden. Bachmann äußerte sich entrüstet, auch weil er offenbar überhaupt nicht über die Bekanntgabe seines Nachfolgers informiert worden war.

Gerade auf der riesigen Bühne der Ausweichspielstätte braucht das Kölner Schauspiel ein starkes Ensemble. In Frank Castorfs Dostojewski-Inszenierung wurde jüngst deutlich, welche Chancen hier liegen. Möge der als Theaterleiter erfahrene, als Leiter eines großen Schauspielhauses aber wenig geübte designierte Intendant hier wie in der Zusammenstellung einer klugen Dramaturgie mit kraftvollen Regisseurinnen und Regisseure glücklich agieren. Im Zusammenspiel mit der Stadt bleibt ohnehin vermutlich eher das stoische Erdulden.