Landshuter Theatertod?

Von Christian Muggenthaler am 15.11.2019 • Bild: Peter Litvai, © Landestheater Niederbayern
Das Bild zeigt: Im sechsten Jahr die Übergangsspielstätte des Theaters in Landshut - und kein Ende in Sicht

Das Landestheater Niederbayern spielt an seinem Standort Landshut seit fast sechs Jahren an einer tristen Übergangsspielstätte. Ein Ende dieses Provisoriums ist nicht in Sicht, wohl aber ein Ende des Theaters. Das Stadttheater Landshut fristet ein eher kümmerliches Dasein am Rand der Hauptstadt Niederbayerns – in einem großen Zelt in einem Gewerbegebiet am Rand eines Messeparkplatzes, plus improvisierte Probenbühne. Plus Verwaltung, Gewerke und Fundus in Containern. Der Umzug in dieses Provisorium war nötig geworden, weil das Stammhaus in der Innenstadt im Jahr 2014 geschlossen werden musste. Das hatte sich zwar lang angekündigt, aber Pläne für Renovierung oder Neubau gab es nie: Kein Geld da, hieß es refrainartig.

Deshalb war auch keine Lösung in Sicht, als der Theaterbetrieb nach einer längeren Diskussion um potentielle aus dem Ärmel geschüttelte Übergangs-Spielstätten, die alle nichts taugten, in eine Art Zirkusstadt übersiedeln musste, ein seltsames Improvisations-Stück, das manche an der Wertigkeit des Theaterspiels für die Kommunalpolitik zweifeln ließ. Die Landshuter Mitarbeiter des Landestheaters Niederbayern, dessen Schauspielproduktionen in Landshut einstudiert werden, dessen Musiktheaterabteilung in Passau zu Hause ist und das auch in Straubing gastiert, ertrugen alles ohne Murren.

Denn der Zeitplan versprach ein Ende der Zeltlösung im Jahr 2024. Jetzt aber haben Verwaltungsspitzen und Oberbürgermeister Ende Oktober einen Rückzieher gemacht: Aktuell sei nun doch kein Geld da, hieß es, nachdem noch bis vor kurzem viele von der gefundenen Neubau-Lösung begeistert waren. Oberbürgermeister Alexander Putz (FDP) hatte von einem „Meilenstein auf dem Weg zum zukünftigen Theaterstandort“ geschwärmt. Die Kosten wurden auf über 50 Millionen Euro geschätzt, der Freistaat Bayern fördert den Bau zu 75 Prozent. Dennoch zu viel für eine klamme Stadt mit ihren vielfältigen Aufgaben? Zwar habe er „große Bauchschmerzen“ bei der jetzigen gegenläufigen Entscheidung, sagt Putz, aber bei der momentanen konjunkturellen Eintrübung sei es „unmöglich, die Baukosten abzubilden“. Putzens Fazit: „Die Stadt kann das Problem im Moment nicht lösen.“

Genau das ist es, was die Theaterleute in Landshut im Dauerrhythmus gespiegelt bekommen: ein Problem zu sein. Und sich in einer permanenten Rechtfertigungssituation zu befinden, in der man sogar klarstellen muss, dass Garderoben und eine Probebühne kein Luxus sind. Die Arbeitsbedingungen in und um das Zelt, das, gebraucht besorgt, in die Jahre kommt und immer brüchiger wird, sind schlicht unzumutbar: kaum zu heizen im Winter, knallheiß im Sommer, Gestank von kaputten Wasserleitungen und verwesendem Kleingetier unterm Bretterboden, Lärm vom Parkplatz und einer großen Veranstaltungshalle nebenan. Wenn's stark regnet, müssen alle schreien. Die Akustik ist die Hölle. Auch für die Zuschauer: ein reines Glücksspiel. Die Landshuter unterschreiben jetzt fleißig eine Protestnote.

Die Tatsache, dass die Beteiligten nie gejammert haben, weil sie auf einen Neuanfang hofften, ist jetzt dem Gefühl gewichen, dass genau diese Geduld dreist ausgenutzt wird: Das Ensemble ist extrem verärgert. Ab jetzt sollen Proben unterbrochen werden, wenn die Zustände unzumutbar werden; er müsse seine Mitarbeiter beschützen, die Gewerkschaften liefen Sturm, sagt Intendant Stefan Tilch. Die Folge sei eine Abwärtsspirale: weniger Premieren, weniger Einnahmen, kaum mehr Möglichkeit, den gerade erst begonnenen „Ring“ weiterzuführen, noch weniger Einnahmen und ein absehbares Ende des Landestheaters Niederbayern, was auch die anderen Partner im Theaterverbund beträfe. Das örtliche Eishockeystadion ist übrigens kürzlich binnen kurzem aufwändig saniert worden. Dort hätte sonst ein Ende des Spielbetriebs gedroht.

Immerhin hat der örtliche Haushaltsausschuss jetzt empfohlen, wenigstens die Planungskosten fortzuschreiben. Damit eventuelle externe Geldgeber das Projekt unterstützen können.