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Und alles wäre gut gewesen

Jonathan Safran Foer: Extrem laut und unglaublich nah

Premiere: Theater: Landestheater Burghofbühne
Regie: Mirko Schombert   Foto: Landestheater Burghofbühne 
Von Maike Grabow am 12.01.2019

Ein Roman wird auf der Bühne zum Leben erweckt. Bei einer solchen Transformation geht einiges verloren. Wie viel verloren gehen kann, sieht man bei der Inszenierung von „Extrem laut und unglaublich nah“ auf der Burghofbühne Dinslaken unter der Regie von Mirko Schombert. Gerade bei diesem Roman von Jonathan Safran Foer ist es schwierig, die gesamte Typografie, den variantenreichen und raffinierten Umgang mit Fotos, die den Text begleiten, sowie die zentralen Motiv- und Themenkomplexe in ein szenisches Spiel umzusetzen. Schombert reduziert und kürzt, bis von dem poetischen und ästhetischen Werk ein bloßes Jugendtheaterstück inklusive Mitmachspielen zurückbleibt. Doch einige Aspekte schafft selbst die Inszenierung nicht zu verdrängen.

Wir erleben die Suche des neunjährigen Oskar Schell nach einem unbekannten Ziel. Sein Vater kam am 11. September beim Einsturz des World Trade Centers ums Leben und sein Tod belastet Oskar sehr. Als er in den Hinterlassenschaften seines Vaters in einer blauen Vase einen Schlüssel mit einem Zettel, auf dem „Black“ steht, findet, macht er sich auf die Suche nach seinem toten Vater. Er will alle Menschen, die in New York leben und „Black“ mit Nachnamen heißen, finden, um das Geheimnis zu entschlüsseln. Neben diesem Schicksal spielt auch die Vergangenheit seiner Großeltern eine Rolle. Sie erlebten die Bombardierung Dresdens mit und trafen sich in Amerika wieder. Belastet von den Ereignissen der Vergangenheit verschwand der Großvater, als die Großmutter mit Oskars Vater schwanger war. Nun kommt er zurück in die Stadt, auf der Suche nach Vergebung und einer Familie. Und so finden die zwei Suchenden zueinander. Am Ende bekommt Oskar zwar nicht seinen Vater und der Opa nicht seinen Sohn zurück, aber Enkel und Großvater kommen sich näher.

Diese beiden Geschichten hat der Regisseur geschickt miteinander verknüpft. Da in dem Stück alles reduziert wird, wird auch die Anzahl der Schauspielenden verkürzt. Christiane Wilke verkörpert sowohl die Oma als auch die Mutter und Jan Exner den Opa sowie den Vater. Durch diese Rollenverteilung gelingt es, die Parallelen zwischen den jeweiligen Personen erkennbar zu machen sowie die Unterschiede zu verdeutlichen. Oskars Mutter zieht sich in ihrer Trauer zurück, doch behält immer ein Auge auf ihren Sohn. Die Großmutter kann aufgrund ihrer vorherigen Verluste besser mit dem Tod ihres Sohnes umgehen und blüht in ihrer fürsorglichen Rolle als Oma auf. Julia Sylvester scheint vollkommen in ihrer Rolle aufzugehen und spielt den wissbegierigen, naiven und manchmal etwas seltsamen Oskar überzeugend, wenn auch überspitzt.

So stimmt seine freudige Art selten mit der schwermütigen Musik, die unter allen Szenen liegt, überein. Die restlichen Rollen wie die Figuren der Blacks übernehmen Philip Pelzer und Malte Sachtleben. Wieso diese beiden manchmal gemeinsam mit Julia Sylvester Oskar auf der Bühne spielen, bleibt ein ungelöstes Rätsel, denn es ist weder inszenatorisch noch inhaltlich schlüssig. Auch nicht eindeutig interpretierbar sind die Motive und Metaphern, die in der Inszenierung verwendet werden. Sie ziehen sich nicht stringent durch den Abend und verlieren plötzlich an Bedeutung oder widersprechen sich. Einmal hält Oskar der Mutter die Ohren zu, als es um sein Geheimnis geht, das nächste Mal nicht. Und kurz taucht am Rande das Fallen auf, das im Roman eine große Rolle spielt. Oskar trifft es am Ende am besten, als er sagt: „Alles wäre gut gewesen.“ Und es wäre alles gut gewesen, wenn sich das Stück auf einige Aspekte konzentriert und diese gut ausgearbeitet hätte.

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