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Treffer versenkt

Albert Dietrich: Robin Hood

Premiere: Theater: Theater Erfurt
Regie: Jürgen R. Weber  Musikalische Leitung: Johannes Pell 
Von Joachim Lange am 29.04.2011

Opernausgrabungen sind verdienstvoll. In Erfurt gehören sie zum Programm. Sie sind aber auch riskant, denn manchmal hat die Operngeschichte Recht, wenn sie ein Werk ins Vergessen versenkt. Die Robin-Hood-Oper des langjährigen Oldenburger Hofkapellmeisters Albert Dietrich ist so ein Fall. Das 1879 in Frankfurt uraufgeführte Werk ist nämlich nicht gerade ein bislang zu Unrecht übersehenes Prachtgewächs, sondern gehört eher zum Unterholz des romantischen deutschen Musikwaldes. Die Robert-Schumann-Bewunderung ihres Schöpfers und die Wagnerübermacht seiner Zeit sind allzu deutlich heraus zu hören. Bei dieser musikalischen Meterware rankt sich die Musik brav um einen Text, bei dem man besser auch nicht so genau hinhört. Reinhard Mosen hat den Plot um den mythischen Rächer der Enterbten weichgespült und auf eine Lovestory mit Hindernissen zwischen Robin (Markus Petsch) und Marian (Ilia Papandreou) eingedampft. Ohne das Potenzial an sozialer Verbindlichkeit, das dem Stoff in seinem vor allem cineastischen Nachleben mittlerweile zugewachsen ist. Eins zu eins vom Blatt inszeniert wäre das Ganze nicht auszuhalten.

Zum Glück ist Jürgen R. Weber kein Mann für historische Ehrfurcht. Der Götz Friedrich-Schüler und Fernsehserien-erfahrene Regisseur macht Robins strumpfbehoster Truppe, Peter Schönes schmuck uniformiertem Richard Löwenherz und den Nottinghamer Spießbürgern aus dem Geiste Monty Pythons Beine. Er spielt gekonnt und geradezu übermütig mit den Klischees des Mythos und mit der großen Operngeste, verpasst nicht nur dem König einen schwulen Tuch, lässt Übertitel weg, mischt sich dafür aber mit flotten Sponti-Sprüchen ins Geschehen ein. Und mit einem Video, bei dem er sich im Kilt mit einem „Robin free“ Schild unter eine Erfurter Kundgebung gemischt hatte. Diese gekonnte Opernshow auf gutem musikalischem Niveau (mit Johannes Pell am Pult) macht Spaß. Die Oper rettet sie nicht, den Abend in Erfurt aber schon.

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