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Stempelkissen färbt aufs Leben ab

Felicia Zeller: Kaspar Häuser Meerc

Premiere: Theater: Nationaltheater Weimar
Regie: Maik Priebe 
Von Ute Grundmann am 30.04.2011

Ein riesiges Stempelkissen, der Deckel hochgeklappt, die Stempelfläche weich wie eine Turnmatte, die reichlich blaue Farbe von sich gibt. Und so wie sie sonst Stempel unter ihre Fälle setzen, färbt nun dieses Kissen auf die drei Sozialarbeiterinnen ab, Kindswohl und Bürokratie unter einen Hut zu bekommen. Ein starkes Bühnenbild von Susanne Maier-Staufen im Foyer III des Deutschen Nationaltheaters Weimar, wo Maik Priebe Felicia Zellers „Kaspar Häuser Meer“ inszeniert hat.

Anfangs stehen Anika (Nina Mariel Kohler, neu im Weimarer Ensemble), Barbara (Petra Hartung) und Silvia (Ulrike Knobloch) am Rand der farbigen Matte, doch mit Fortschreiten des Stücks färbt sie immer mehr auf die drei ab, auf Kleidung, Haut und Haar. Eines von wenigen starken Bildern, die Regisseur Maik Priebe für dieses Sprach- und Sprechkunststück braucht, mehr sind nicht nötig. Denn die drei Schauspielerinnen tragen dieses Stück, diesen kalkulierten, verzweifelten Wortschwall dreier Helferinnen, die zwischen Hilfs-Arbeit und Hilflosigkeit verzweifeln. Da enden Sätze im Leeren, aus Atemlosigkeit, aber auch weil die anderen zu gut wissen, was gemeint ist. Die Konstellationen, aber auch Koalitionen zwischen den drei Frauen ändern sich, mal sind sie gemeinsam gegen die da draußen, die sie zwingen, „zwischen Basis und Gesetz“ zu arbeiten. Mal geht es aber auch gegen eine der drei, wenn ein Alkoholproblem herablassend-fürsorglich angesprochen oder gegen die gestichelt wird, die ihre Tassen nicht ausspülen. Zwar sind die drei Frauen uniform in graue Hosen und weiße Shirts gekleidet, doch sie spielen und formen sehr genau die unterschiedlichen Konturen ihrer Figuren heraus, zwischen Selbstmitleid und Auflehnung, Verachtung für „selbsternannte Wachtmeister“ und der Angst, zu versagen und so einem Kind zu schaden. Ein kurzer, starker Theaterabend.

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