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Puppen-Schauspiel

Tomi Ungerer: Die drei Räuber

Premiere: Theater: Württembergische Landesbühne Esslingen
Regie: Hans-Jochen Menzel   Foto: Andreas Zamer 
Von Manfred Jahnke am 17.11.2014

Drei Räuber mit Donnerbüchse, Blasebalg und Beil verdienen sich ihren Lebensunterhalt damit, dass sie Kutschen überfallen. Eines Tages finden sie in einer solchen Kutsche nur ein Mädchen, Tiffany, deren Eltern gestorben sind und die nun zu einer wunderlichen Tante soll, zu der sie aber nicht will. Stattdessen bleibt sie bei den Räubern und bringt sie mit der Zeit dazu, dass sie ihr geraubtes Gut nicht mehr nur anhäufen, sondern nützlich anwenden, in dem sie Waisenhäuser gründen.  Die „Botschaften“ des einstigen Tabubrechers unter den Bilderbuchautoren, Tomi Ungerer, sind zweideutig. „Die drei Räuber“, das seit 1961 Generationen von Kindern begeisterte, hat so eine zwielichtige Moral, so etwas Dreigroschenopernhaftiges. Ein Nachteil für Dramatisierungen bleibt, dass die Handlung so knapp ist. Wie schon bei der Verfilmung des Stoffes 2007 durch Hayo Freitag muss auch die Bühnenfassung von Hans-Jochen Menzel, die nun an der WLB Esslingen aufgeführt wurde, neue Figuren und Handlungen hinzuerfinden.

Wo Räuber sind, da ist die Polizei (Daniel Elias Böhm) nicht weit. Und Schätze locken andere an wie Herrn Schloss (Martin Frolowitz), der schlau Polizei und Räuber überlisten will. Ja, und die wunderliche Tante (Sabine Christiane Dotzer) tritt auch persönlich auf. Auch, wenn diese drei Schauspieler auf einem hohen komödiantischen Niveau spielen, dramaturgisch lassen sich die hinzu erfundenen Handlungen nicht immer einleuchtend in den Text von Ungerer einfügen. Aber diese Inszenierung der „Drei Räuber“ hat andere Reize: Da ist nicht nur der Mut zu nennen, eine solche Geschichte auf die große Bühne als Weihnachtsmärchen zu bringen, sondern mehr noch, hier Schauspiel und Figurentheaterkunst zusammenzubringen und die Figurenspieler mit Studenten der beiden einzigen deutschen Ausbildungseinrichtungen – Ernst-Busch-Schule Berlin (an der Menzel auch arbeitet) und Hochschule für Musik und darstellende Kunst Stuttgart – zu besetzen. Um es vorweg zu nehmen: dieses Experiment ist hervorragend aufgegangen. Zum einen überzeugen die von Peter Lutz gebauten Puppen, die Eule und das Mädchen Tiffany, beide von Hanna Malhas und Lena Wimmer geführt, und die drei Räuber, von Sascha Bufe, Nico Parisius und Eike Schmidt gespielt, mit ihren Masken auf schwarzen Umhängen, die weit über deren Köpfen geführt wird. Sobald eine Kutsche überfallen wird, werden diese Masken übergestülpt, in der „Freizeit“ agieren die Drei ohne diese. Auch diese Drei spielen hochkomödiantisch, wie man überhaupt dieser Inszenierung von Hans-Jochen Menzel als in bestem Sinne komödiantisch nennen kann, voller Wortspiele, Situationsgags und Slapstick.

Katrin Buschnig hat dazu einen praktikablen Raum geschaffen, ein Rundhorizont aus lauter kleinen Streifen, die variabel geschlossen oder geöffnet werden können. Auch Videofilme können auf diese projiziert werden, so, wie die Kutschen, die überfallen werden, auf Tücher projiziert werden. Und natürlich wird auch gesungen und getanzt. So erfüllen „Die drei Räuber“ alle Ingredienzen eines „Weihnachtsmärchens“, parodieren diese und werden mehr als „Zerstreuung“, nämlich gute Unterhaltung, die auch noch Stoff zum Weiterdenken bietet.

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