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In Personalunion: Dirigent und Regisseur

Claudio Monteverdi: L'Orfeo

Premiere: Theater: Landesbühnen Sachsen Radebeul
Regie: Jan Michael Horstmann  Musikalische Leitung: Jan Michael Horstmann   Foto: Robert Jentzsch 
Von Ute Grundmann am 18.03.2013

Orpheus fesselt die Musiker mit blauen Tüchern. Wenn er aus Trauer um Eurydike nicht mehr singen mag, sollen sie auch keine Töne mehr erklingen lassen. Das ist, fast am Ende, eines der wenigen wirklich zwingenden Bilder in einer Inszenierung von Claudio Monteverdis „L’Orfeo“, mit der der Dirigent Jan Michael Horstmann an den Landesbühnen Sachsen in Radebeul sein Regiedebüt gegeben hat. Er lässt Musik und Spiel schon im Foyer beginnen, mit kleinen Auftritten von Chor und Ensemble, ehe es in den Saal geht. Dort steht auf der kleinen Bühne eine ansteigende Schräge, an den Seiten sind auf Stufen sieben Musiker platziert, zwei weitere sitzen auf der Vorbühne (Bühnenbild: Stefan Wiel). Regisseur und Dirigent Horstmann ist mit Cembalo und Regal allein im Orchestergraben, der für Auf- und Abgänge genutzt wird.

Auf der Bühne beginnt unter bunten Lampions das Freuden- und Hochzeitsfest der beiden Liebenden, mit dem Chor in quietschbunten Kostümen als Hochzeitsgästen, die Ball und Federball spielen, Orfeo bei seiner neuesten Komposition lauschen, die dann von Euridice (Miriam Sabba) „vom Blatt“ weitergesungen wird. Dafür wird sie von Apollo (Andreas Petzoldt) ein bißchen angehimmelt, der ansonsten als rauchender Rock’n’Roller den Spiel- und Spaßmacher gibt. So arrangiert Horstmann zu Beginn malerische, lebende Bilder und setzt im Folgenden immer wieder auf Raumklang und -effekt. Die Posaunisten sind in den Scheinwerfergassen an den Saalseiten positioniert, der Chor betritt die Bühne durch den Saal, Speranza (eindrucksvoll: Silke Richter) beginnt ihren Auftritt im Mittelgang und der Leichnam Euridices wird von der Bühne durch den Saal und wieder auf die Bühne getragen – viel zu lang.

Und wenn Orfeo und Caronte, letzeterer von Hagen Erkrath wunderbar düster gestaltet, von Streichern (hinten) und Cembalo (vorne) quasi eingekreist werden, ist auch dies zwar ein Raumklangeffekt, bleibt aber szenisch zu statisch und gerät zu lang. Ab jetzt mutet die Inszenierung mehr wie ein höfisches Zeremoniell denn wie Theater-Spiel an.

Weil man Originalsprache, aber keine Übertitelung wollte, hat man die Rolle der „La Musica“ (Anna Erxleben) über den Prolog hinaus in alle fünf Akte verlängert. Im feschen blauen Frack ist sie mit ihren deutschen Zwischentexten Kommentatorin, Moderatorin, Übersetzerin. Doch was anfangs eine hübsche Idee ist, hemmt den Spielfluss in den fast drei Stunden doch merklich, weil das, was gerade gesungen wurde, noch einmal sprechend verhandelt wird.

Musikalisch kann sich dieser „L’Orfeo“ durchaus hören lassen, wenn er auch ohne wirkliche Höhepunkte bleibt; mit einem eher dunkel gefärbten, melancholischen Orfeo, wie ihn Peter Diebschlag gibt. Bei den zwei möglichen Schlüssen (im Erstdruck des Librettos und im Erstdruck der Partitur) hat Horstmann sich für beide entschieden. Erst wird Orfeo von rot kostümierten Frauen mit schwarzen Kräuselperücken mit Stangen gemeuchelt – was eher putzig als bedrohlich wirkt. Dann aber holt Apollo ihn doch in den Himmel, wo er Euridice in den Sternen wiedersehen soll. Und wie um dieses Finale aus Tragik und Hoffnung doch noch zu einem Happy Ende zu führen, wird auf der Bühne, wie zu Beginn, noch einmal fröhlich gefeiert.

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