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Orwell ohne Punkt

Roland Mernitz: Die Wahrheit über die Farm der Tiere

Premiere:  (UA)   Theater: Deutsch-Sorbisches Volkstheater Bautzen
Regie: Ronald Mernitz 
Von Ute Grundmann am 17.02.2018

Die revoluzzende Journalistin Nettig spielt auch die Eselin. Das kann kein Zufall sein. Auch dass am Ende das Schwein Napoleon die (Tier-)Welt beherrscht, scheint zwangsläufig. Mit solchen Kniffen versucht Ronald Mernitz, George Orwells Weltsicht von 1948 mit unserer, mehr und mehr dem Populismus zugeneigten Gegenwart zusammenzubringen. Entstanden ist so sein Stück „Die Wahrheit über die Farm der Tiere“, jetzt als reizvolle Mischung aus Schauspiel und Puppentheater für Jugendliche und Erwachsene uraufgeführt am Deutsch-Sorbischen Volkstheater in Bautzen.

Die Idee ist ja erst mal nicht schlecht. Da ist Orwells bitterböse Fabel von der „Farm der Tiere“, die sich aus der Knechtschaft der Menschen befreien, um am Ende doch wieder in, nun tiergemachten, Zwängen und Machtstrukturen zu enden, geschrieben in der Zeit der Kommunisten-Angst des Kalten Krieges. Und da sind die heutigen Vereinfacher, die für alles eine schnelle Lösung, flinke Parolen und hauptsächlich Angst vor allem Fremden haben. So einer ist auch der „Chef“ (Andreas Larraß), der, im rosa Anzug, zur Talkshow geladen hat. Den Journalisten Stramm (Moritz Trauzettel) und Nettig (Katja Reimann) will er klar machen, dass das so auf Orwells Farm gar nicht gewesen sein kann.

Christof von Büren hat dafür auf der Bühne des Burgtheaters aus bläulichen Kisten die Tierställe aufgestapelt, davor stehen drei rote Sessel aus dem Foyer für das Fernsehgespräch. Von Büren hat auch die zauberhaften Tier-Klappmaulpuppen geschaffen, die sich wie Handschuhe überstülpen lassen und später ins Spiel kommen.

Denn erst mal ziehen die Talker routiniert ihr Geschäft durch: Stramm als spröder, sprücheklopfender Reaktionär, der gegen wahlberechtigte Dödel und nicht funktionierende Demokratie zu Felde zieht. Nettig gibt die plakative Revolutionärin mit pädagogischem Zeigefinger und geballter Faust, auch als sie schon mit Eselinkopf in der Tierwelt gelandet ist.

Denn der Mittelpunkt von Stück und Inszenierung ist eben doch Orwells Parabel, hier aber weder sarkastisch oder zuspitzend, sondern sehr moralisierend vorgespielt. Die Szenen von Schaf, Huhn und Eselin (mit offen agierenden Spielern mit Tierkopfhänden) sind mal putzig, mal anrührend, mal tragikomisch – etwa beim Versuch, mit Klappmäulern Schaufel und Harke zu meistern, um Futter anzubauen.

Doch Autor und Regisseur in Personalunion kommen nicht wirklich auf den Punkt; da wird weder der Blick geschärft, noch wirklich eine These entwickelt, auch wenn mal das Stichwort „Fake News“ fällt. Stattdessen gibt es modische Neckigkeiten: Schafdarsteller Jan Schneider macht Selfies und findet alles „geil“, die Herren singen „Ich wollt‘, ich wär ein Huhn“, eben das (Annekatrin Weber) kennt nur das Gedicht „Edel sei der Mensch“ und „Alle Menschen werden Brüder“ gibt’s als E-Gitarrenriff. Derweil liegt Orwells Buch unbeachtet auf einem der Gesprächs-Sessel – auch kein Zufall.

Und der Talkshow-Einstieg ist am Ende nur noch Staffage: Nettig wird rauskomplimentiert, Chef-Napoleon und Stramm gehen an die Börse. Wirklich revoltiert nur eine: Die Technikerin (Anna Gabrysz), „befristete“ Polin, die am Ende des ersten Teils aus Protest das Licht ausmacht und am Schluss George Orwells Botschaft vorliest.

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