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Kammerspiel mit großem Chor

Gottfried von Einem: Dantons Tod

Premiere: Theater: Theater Magdeburg
Regie: Karen Stone  Musikalische Leitung: Kimbo Ishii   Foto: Kirsten Nijhof   
Fotos, Video und weitere Informationen auf der Homepage des Theaters Magdeburg
Von Ute Grundmann am 22.01.2018

Flammend, wohltönend, aber nicht uneitel preist Danton seinen Anteil an der Französischen Revolution, aus seiner Sicht: seine Heldentaten. Dabei steht er auf dem Käfig, in dem man ihn gefangen hält – deutlich unter seinen Richtern. Das ist eine der eindringlichsten Szenen beim Versuch einer Wiederbelebung: 50 Jahre nach der DDR-Erstaufführung hier in Magdeburg widmet man sich am Theater erneut Gottfried von Einems Literaturoper „Dantons Tod“, Premiere war vier Tage vor seinem 100. Geburtstag. Der eindeutige Star des kurzen Abends aber ist der Magdeburger Opernchor.

Intendantin Karen Stone hat das 1947 uraufgeführte Werk als zumeist unterkühltes Kammerspiel inszeniert. Das beginnt schon im quietschbunten Café „Liberté“: Hoch oben auf einem Podest (Bühne und Kostüme: Ulrich Schulz) diskutieren die Revolutionäre bei Wein und Kartenspiel über den Staat und sich selbst. Und schon hier scheint Dantons Sentenz „Wir wissen so wenig voneinander“ über allem zu stehen: Es sind Vereinzelte, Einsame, die auf Distanz zueinander stehen, keine Nähe kennen.

Das bleibt auch so, als die Szenerie auf das blanke Podest wechselt, an dem zwei abgeschlagene Köpfe hängen. Die Herren Danton (Peter Bording), Desmoulins (Amar Muchhala) und Hérault (Robert Bartneck) – in heutiger Kleidung, mit langen, offenen Haaren – disputieren über Freiheit, Revolution, Gegner, Gefahren, doch das Ganze bleibt ziemlich akademisch. Unterkühlte Standbilder zeigt Karen Stone hier, während das Orchester unter GMD Kimbo Ishii von Einems vielfältige Musik mal flink und flirrend, mal dunkel-treibend, gerne auch mal jazzig klingen lässt.

Doch die erste Hälfte der gerade mal sechs Szenen, die Boris Blacher (von Einems Kompositionslehrer) und der Komponist aus einem Viertel des Büchner-Dramas und einigen Briefzitaten gefügt haben, bleibt seltsam blass. Die große Auseinandersetzung mit Nazi-Herrschaft und Diktatur, die diese Oper auch sein soll(te), lässt sich aus dem mal klaren, mal verrätselten Text nur schwer herauslesen, und die Inszenierung befördert sie auch nicht. Da erscheint nur die blutrote Schrift „Egalité mort!“, da wird Danton fast unbemerkt unter dem Podest von zwei Ledermantel-Typen abgeführt. Bewegung kommt in die Szenen nicht durch Aktion, sondern nur durch die Stimmen – und das vor allem im zweiten Teil. Da erst, in der Gefangenschaft, scheint Danton, nun im Gehrock, zum Leben zu erwachen – und Peter Bording singt und spielt großartig einen eitlen Machtmenschen, der allein sein Maßstab ist.

Da aber ist der Chor längst in die Hauptrolle geschlüpft: Erst ist Danton der Held, dann der Verräter, und Robespierre wird gefeiert, mal bösartig, mal begeistert. Grandios, was Martin Wagner mit seinen Sängerinnen und Sängern einstudiert hat – da wird denunziert und deklamiert, schrill gescholten und sarkastisch kommentiert. Das dauernde Fäusteballen bräuchte es nicht, viel eindrucksvoller ist es, wenn ein Teil des Chors mit triumphierend gereckten Armen, der größere Teil aber mit gesenkten Köpfen, aus der Szene schleicht.

Am Ende wird es erst plakativ, dann intensiv: Über das asymmetrische Schild „Liberté, Egalité, Fraternité“ strömt das Blut, die Revolutionäre werden erschossen. Die Henker zünden sich eine Zigarette an, klauen einem Toten die Armbanduhr – und schließlich erscheint Lucile (wunderbar: Noa Danon) wie ein Geist in weißem Kleid, vom Schmerz ver-rückt.

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