Sebastien Jacobi als Herr Ritter in der Saarbrücker Don Quichote-Adaption für Kinder

Herr Ritters Kampf gegen den Windpark

Martin Bieri und Ariane von Graffenried : Donkey der Schotte und das Pferd, das sich Rosi nannte

Theater:Saarländisches Staatstheater, Premiere:14.11.2021 (UA)Vorlage:Don QuichoteAutor(in) der Vorlage:Miguel de Cervantes

Herrn Ritter (Sebastien Jacobi) ist ein pensionierter Deutsch- und Geschichtslehrer. Er vergräbt sich in seine Bücher und hat sich die Sagen um Don Quichotte immer mehr zu eigen gemacht. Manchmal hält er sich sogar für Don Quichotte – in seiner Altersdemenz ist (fast) nichts unmöglich. Aber nicht er erzählt seine Geschichte, sondern seine beiden Tiere – der Esel, genannt Donkey der Schotte (Thorsten Rodenberg) und das Pferd, das sich Rosi nannte (Laura Trapp), eine Anspielung an die literarische Tradition der Tierfabeln.

Donkey und Rosi fürchten ebenso um ihr Zuhause wie die aus Ex-Jugoslawien stammende Haushälterin und ehemalige Tierärztin Sancha Pancic (Eva Kammigan), als Herrn Ritters Tochter Antonia (Juliane Lang) und die Lokalpolitikerin Petra Girandola (Mirjam Kuchinke) ihn in die Seniorenresidenz schicken und sein Haus nebst Garten zu einem Park für Windräder umbauen wollen.  

Doch so einfach geht das nicht. Denn Herr Ritter hat keine Lust, die Kaufverträge zu unterschreiben und sich ins Altersheim abschieben zu lassen, auch wenn es noch so nobel als „Seniorenresidenz“ bezeichnet wird. Er reißt einfach aus! Zusammen mit seinen Tieren, seiner Haushälterin und seinen Büchern! Nur seine geliebte Katze Dulcinea, kurz Dulci, ist nicht mit von der Partie, er sucht sie ständig. Wie sein Vorbild Don Quichotte erleben Herr Ritter und seine Gefährten mancherlei Abenteuer. Sie treffen auf einen Zirkus und besiegen einen Drachen. Doch dann wird die muntere Truppe von Antonia und Frau Girandola eingeholt. Und Herr Ritter, den alle für nicht mehr ganz zurechnungsfähig halten, macht ihnen einen Strich durch die Rechnung, denn er vermacht sein Haus und seinen Garten seinen Tieren und seiner Haushälterin.

 

Der Kampf gegen den Windpark

Der schöne Traum vom gewinnbringenden Windpark ist damit geplatzt. Doch so verrückt ist Senior Ritter gar nicht, denn er hat eine Lösung parat, wie sowohl seine Tiere als auch die Politikerin zufriedengestellt werden können. Die Tiere behalten das Haus und statt einen Windpark zu bauen, kommt eine Biogasanlage her – zu deren Betrieb kann man die beachtlichen Fürze von Esel Donkey nutzen! Und so geht doch noch alles gut aus.

Martin Bieri und Ariane von Graffenried haben die Geschichte vom Ritter von der traurigen Gestalt mit aktuellen Themen wie Demenzerkrankungen, Umgang mit Senioren, Migration und Klimaschutz verbunden – auf eine kindgerechte und ungemein witzige Art, für Publikum ab 6 Jahre. An diese spielerischen Elemente knüpfen sowohl die Bühne von Elisabeth Vogetseder als auch Bettina Bruiniers Inszenierung an. Mit sicherem Gespür für Situationskomik baut die Regisseurin Slapsticks ein, ohne in Banalitäten abzudriften. Die Songs unter der musikalischen Leitung von Walfriec Böcker bringen eine unnachahmliche Leichtigkeit in die doch eigentlich sehr ernste Handlung.

 

Volle Spielfreunde

Thorsten Rodenberg als Donkey der Schotte und Laura Trapp als Pferd Rosi können voller Spielfreude die Möglichkeiten ihrer Rollen ausloten und offenbaren in ihrer Tiergestalt viele menschliche Schwächen. So liebt Donkey seine Ruhe und Rosi will unbedingt Karriere machen und berühmt werden. Und deshalb will sie auch zum Zirkus, vor allem nachdem sie dort den Löwen kennen gelernt hat. Auch Eva Kammigan hat als Haushälterin und Ex-Tierärztin Sancha Pancic viel Spielraum für komische Akzente.

Die Gratwanderung zwischen Realität und Wunschdenken meistert Sebastien Jacobi als Herr Ritter souverän. Scheint er im einen Moment noch völlig verrückt und in seine andere Welt abgedreht, so überrascht er im nächsten Augenblick durch messerscharf pointierte Aussagen, die so ganz und gar nicht verrückt sind. Aber sie stoßen halt alle vor den Kopf, weil sie nicht mehr damit gerechnet haben, dass er Situationen so klar erfasst. Doch schließlich geht alles gut aus – und sowohl die begeistert applaudierenden Kinder als auch die Erwachsenen gehen mit leuchtenden Augen nach Hause.