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Heiter sprühend

Manuel García: I tre gobbi - Die drei Buckligen

Premiere: Theater: Festival Rossini in Wildbad
Regie: Jochen Schönleber  Musikalische Leitung: Andrés Jesús Gallucci   Foto: Fabio Salmeri   
Informationen zum Festival 2019
Von Eckehard Uhlig am 14.07.2019

Das Ambiente des wieder hergestellten „Königlichen Kurtheaters“ in Bad Wildbad ist schon für sich wunderschön. Kommen Klangzauber und verspieltes Komödiantentum einer mit sprühender Belcanto-Kunstfertigkeit aufgeführten „Tonadilla“ hinzu, ist der kurzweilige Theaterabend perfekt. Die Premiere von Manuel Garcías spanisch-italienischer Salonoper „I tre gobbi“ (Die drei Buckligen) nach einem Carlo Goldoni-Libretto beim Wildbader Rossini-Festival war ein solcher gelungener Festspielabend.

Die Handlung des Stückes ist, wie meist bei solchen „Comedias“, inhaltlich eher banal. Die mit der Liebe freizügig umgehende, hübsche Madama Vezzosa nimmt drei bucklige ältere, zu kurz gekommene, aber sehr reiche Herren finanziell aus, mit vorgespielter Zuneigung und ziemlicher Chuzpe. Bis die Sache mit Aplomb auffliegt. Doch schlussendlich lassen sich die eifersüchtigen Galans mit dem großen Versprechen besänftigen: „Es lebe das schöne gemeinsame Lieben!“

Der volkstümlich-vordergründige Plot hat freilich eine hintergründig-ironische Seite. García, der nur nebenbei buffoneske Kurzopern komponierte, war zu seiner Zeit ein berühmter Rossini-Tenor an Opernhäusern in Neapel, London und Paris. Sangliche Staccato-Läufe und Ton-Gestammel, Tempo-Koloraturen und Belcanto-Schöngesang waren sein ureigenstes Metier. Alle diese musikalischen Farben treibt er mit seinen „Drei Buckligen“ satirisch in schier unglaubliche Höhen, dabei Goldonis spaßige Situationskomik bestens ausnutzend. Und Festivalintendant Jochen Schönleber, der hier auch Regie geführt und das Bühnenbild gestaltet hat, macht sich die Intentionen des weltläufigen Sänger-Komponisten mit großer Einfühlung zu eigen.

Die lustvolle Herangehensweise der Protagonisten ist ein weiterer Pluspunkt der Wildbader Inszenierung. Im multifunktionalen Bühnenraum, der mal ein Boudoir mit Schminktisch, mal einen vornehmen Salon mit Ohrsessel und Sitzbank, mal ein Musikzimmer vorstellt, nimmt ein kasperlhaft agierender Pianist hinter dem Flügel Platz, um mittels Klavierauszug die Oper zu intonieren und musikalisch zu leiten (klavieristisch exzellent: Andrés Jesús Gallucci). Auch geistert ganz kurz Schönleber über die Bühne – wie weiland Hitchcock in seinen Filmen. Über eine schmale Auftrittstreppe stolpert Eleonora Bellocci als die Madama und besagte Femme fatale zur Morgentoilette herab, mit Turban-Tuch auf dem Kopf, Bademantel (den sie bald fallen lässt) und imposanten Badelatschen (Kostümbild: Martin Warth). Schon in ihrer Introduktion zeigt die Sopranistin, dass sie mit Attacke und klarer Artikulation singen kann und immer wieder zu belcantistisch lockeren Bravour-Spitzen und Koloratur-Aufschwüngen, die wie Windstöße daher fegen, aufgelegt ist. Bald taucht ihr erster Liebhaber, der Marchese Parpagnacco, im Salon auf, den Javier Povedano als begriffsstutzigen, mit Buckelchen unterm bunten Hemd und Goldkettchen speziell ausgestatteten Möchtegern-Partylöwen mimt. Sein geläufiger Bass ist auffallend hell, geradezu jugendlich frisch, aber ohne tiefgründige Resonanz, und passt nicht immer zur gespielten Figur. Außerdem verströmt er offensichtlich anrüchigen Duft. Doch die Vezzosa hat es ohnehin nur auf seine Geldbörse abgesehen.

Mit dem Baron Macacco ist der zweite Verehrer zur Stelle. Emmanuel Franco gibt ihn als eine äffische Missgestalt, die sich über eine Banane im Etui freudig erregt. Mit offenem Mund und Entengewatschel erinnert er zudem an den Glöckner von Notre Dame. Er beherrscht den ihm vom Komponisten auferlegten, überschwänglich-baritonalen Stottergesang mit virtuoser Kunstfertigkeit und besitzt außerdem eine kaum zu übertreffende Bühnenpräsenz. Der Dritte im Liebhaber-Reigen ist Conte Bellavita. Tenor Patrick Kabongo, sowohl was Kleidung als auch was seine schwarze Hautfarbe betrifft: ein Schönling. Er posiert auf der Bühne als Siegertyp, der mit glanzvoll lyrischem Timbre für sich einnimmt. Ihm kann die Madama kaum widerstehen.

Schönleber präsentiert unterschiedlichste Charaktere mit quicklebendigem Komödienspiel. Gallucci hat die musikalischen Parts sinnfällig einstudiert, wenngleich alle ariosen Gesangsnummern in nahezu gleichförmigem Forte mit akustisch harter Kontur vorgetragen werden. Die beiden Aktschlüsse haben intensiv leuchtendes Stretta-Format, und als Gag besitzt Madama Vezzosa im Finale plötzlich ebenfalls einen Buckel. Klamaukige Übertreibungen gehören einfach zu Garcías Tonadilla: der kurzen, heiteren Intermezzo-Oper.

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