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Ein Lustspiel

Simon Stephens: Heisenberg

Premiere:  (DSE)   Theater: Düsseldorfer Schauspielhaus
Regie: Lore Stefanek   Foto: Thomas Rabsch 
Von Detlev Baur am 21.10.2016

Bei Goethes Beziehungsroman „Die Wahlverwandtschaften“ handelt es sich um eine Übertragung naturwissenschaftlicher Erkenntnisse auf menschliches Zusammenleben. Auch der englische Dramatiker Simon Stephens hat sich nun physikalische Theorien, nämlich die des namensgebenden deutschen Physiker Werner Heisenberg, als Anregung für ein Stück genommen. Seine deutschsprachige Erstaufführung fand nun im Central, der Übergangsspielstätte des gebeutelten Düsseldorfer Schauspielhauses statt. Diese soll nach dem Willen des Oberbürgermeisters, so bekundete er nur wenige Stunden vor der Premiere, auch das Stammhaus ersetzen, weil er das Schauspielhaus, dieses vielleicht schönste Schauspielhaus des Landes, an Investoren verscherbeln will. Die Antwort des Theaters war die Premiere mit diesem stillen, kleinen Stück – in großer Besetzung.

Burghart Klaußner spielt den stillen, reichen und denkfreudigen Metzger Alex. Dieser 75-Jährige wird von der über dreißig Jahre jüngeren Georgie, gespielt von Caroline Peters, an einem Londonder Bahnhof unvermittelt in den Nacken geküsst. Auf diese dubiose Peinlichkeit folgen weitere verbale Ausrutscher der gesprächigen Frau, die den einsamen Mann immer weiter zum Auftauen bringt, bis er ihr die erfragten 15.ooo Pfund bringt. Ist diese Beziehung also nichts anderes als eine mehr oder weniger verbrämte hinterlistige Ausbeutung von Gefühlen und Geld?

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In der folgenden Szene sind die beiden in der Heimat der Frau, in den USA, auf den Spuren ihres entlaufenen Sohnes. Und beginnen vorsichtig ein neues Leben –gemeinsam. Was dubios begann, führt zum Happy-Ending. Auch in der deutschen Übersetzung von Barbara Christ entsteht aus diesem immer ungefähren, aber nie unberührenden Konversationsstück, ein zuweilen erschreckendes, lustiges Spiel mit verhaltenem guten Ende. Ein Lustspiel eben. Ganz anders als in der amerikanischen Kult-Serie „Breaking Bad“, in der sich die Hauptfigur des Pseudonyms „Heisenberg“ bedient, wird hier eben nicht alles immer schlimmer. Das Ende lässt zumindest Raum für Hoffnung: Breaking Better.

Peters und Klaußner sind ein wundervolles Schauspielerpaar voll ambivalenter Abgründe, das von der Schauspielerin und Regisseurin Lore Stefanek souverän in Szene gesetzt wird. Klaußner zeigt einen Mann, der immer mehr auftaut und aufblüht; Peters eine gewandte, beredte Selbstdarstellerin, die zunehmend mehr Brüche zeigt – und dennoch am Ende auch gewinnt. Die Welt dieses zauberhaften kleinen Stücks um den kleinen Sinn des Lebens und zwei Menschen, die in einer neuen Verbindung womöglich die Chance auf ein besseres Leben finden, wird auf Janina Audicks abstrahierender Bühne zum Ende hin bis ins Universum erweitert: Das Ergebnis ist spannendes und unterhaltsames Theater: oft komisch, nicht unbedingt emotional ergreifend, aber Denken und Fühlen anregend.

Die Inszenierung ist also ein ruhiges, und dabei deutliches Ausrufungszeichen für ein Menschenhaus, in einer Welt und einer Stadt, in der nicht nur Schein und Scheine zählen müssen.

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