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Die Mannschaft von „Motor Eppelstädt“

Steffen Mensching/Michael Kliefert: Der Aufstieg der Amateure

SchauspielPremiere: Theater: Thüringer Landestheater Rudolstadt
Regie: Herbert Olschok   Foto: Peter Scholz 
Von Ute Grundmann am 04.06.2012

So sehen Fußballkneipen aus. Dunkles Holz für Wände und Tische, ein Tresen mit ein paar Pokalen drauf, ein Fernseher. Nur dass in diesem Vereinslokal, das Alexander Martynow auf die Rudolstädter Bühne gebaut hat, im Hinterzimmer auf staubigem Rasen wirklich Fußball gespielt wird. Mit Elfer und Eigentor, Blutgrätsche und Pferdekuss. Schließlich geht es für die Mannschaft von „Motor Eppelstädt“ um den Einzug ins Pokalfinale, von der 6. Liga ins Berliner Olympiastadion. Um ein solches, im Sport gern David-gegen-Goliath-Spiel genanntes, Treffen haben Intendant Steffen Mensching und Dramaturg Michael Kliefert einen „Fußballkrimi mit Pauken und Trompeten“ geschrieben. Und Herbert Olschok hat „Der Aufstieg der Amateure“ mit viel Fankurven-Atmosphäre inszeniert.

Denn die Motor-Anhänger haben keine Karten mehr fürs Stadion gekriegt und so müssen sie beim Kneipier Utz Anrichte (Matthias Winde) ihre Sprüche und Gesänge loslassen und das Spiel am Fernsehen erleiden. Da wird dann immer wieder gerne auf „Glory, Glory, Halleluja“ die Vereinshymne „Motor, Motor, du musst laufen, andere schlucken, nur wir saufen“ angestimmt. Da reimt sich „rustikal“ auf „DFB-Pokal“, bekommt der Kommentator (Maximilian Claus) die üblichen „Schweres Spiel, alles geben“-Sprüche ins Mikro. Doch nicht nur der TV-Mann, der immer wieder auf seinem Spickzettel nachgucken muss, wo er eigentlich ist, tritt aus dem angedeuteten Spiel in Hintergrund nach vorne ins Kneipen-Ambiente. Manager Willi Winkler (Markus Seidensticker) kramt sein schlimmstes Schulenglisch raus, um den neuen Sponsor „in our sportsbar“ zu begrüßen. Denn alle hoffen natürlich nicht nur auf den Sieg, sondern auch, dass es endlich aufwärtsgeht in Eppelstädt, selbst der dickliche Ersatz-Stürmer Dettmann (Benjamin Griebel) träumt auf der Bank von ManU. Und natürlich darf die Angst des Torwarts vorm Elfmeter nicht fehlen.

Das ist in seinen Klischees und Worthülsen von Fußball-Treibenden und –Fans gut beobachtet und bietet den Schauspielern in blauen Trikots und mit Fanschals jede Menge Steilvorlagen. Aber Stück und Inszenierung bedienen diese Klischees eher als sie zu hinterfragen oder auch nur anzukratzen. Dass es im Ort 15 Prozent Arbeitslosigkeit gibt, rutscht als Nebensatz durch. Dass Beate (Ute Schmidt), Fast-Ex-Frau des auch nicht mehr jungen Spielers Springer, sich fragt, wie sie mit Ende Vierzig in diesem Kaff, wo ihr Haus steht, noch einen Job finden soll, bleibt eine Kurzszene.

Lieber lassen Stück und Regie drei Frauen über die Abseitsregel diskutieren, als ob das noch ein Gag wäre. Und der Sponsor heften den Spielern angebissene grüne Äpfel auf die Trikotbrust. Zur Halbzeit steht es 1:1 und es gibt noch einige Gelegenheiten zu „Das Tor ist drin“-Gesang und Fußball-Ballett zu „Spiel mir das Lied vom Tod“. Der Endstand sei hier nicht verraten, nur soviel, dass der Pokalkrimi deutlich länger als neunzig Minuten dauert und auch in diesem Fan-Theater zur Fußball-EM der Ball rund ist.

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