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Die Leere (nicht nur) vor dem Fest

Gerda Knoche, Helga Lázár: Horror vacui

SchauspielPremiere:  (UA)   Theater: FITZ! Zentrum für Figurentheater
Regie: Anne Brüssau   Foto: gala goebel 
Von Manfred Jahnke am 17.12.2021

Die Angst vor der Leere, der Horror vacui, ist vor dem Fest der Nächstenliebe besonders hoch. Wie diese Erfahrung der Einsamkeit überwinden? Mit Liebe natürlich, und wenn es sein muss, mit Selbstliebe. In immer neuen Anläufen kreisen Gerda Knoche und Helga Lázár um dieses Grundthema und entwickeln dabei eine artifizielle Ästhetik der schönen Bilder. Mit ausgefeilten Choreografien, den Kampf mit Großobjekten wie einem Laufband oder im Wechsel von Live- und vorproduziertem Video wird das Sujet beleuchtet. Im Zentrum steht dabei der Körper, der trainiert werden will.

Chill-Out-Musik, Endlosschleifen, Sex Toys

Das Publikum bekommt zu Beginn Kopfhörer. „Chill-Out“-Musik läuft, dazu dreht sich im Video ein weißes Porzellanpferd, die perfekte Schönheit (ein Schelm, wer da an das Stuttgarter Rössle denkt). Der von Jessica Lipp erschaffene Bühnenraum schließt nach hinten mit einer Videowand und einem Vorhang aus roten Fäden ab. Der Spielboden wird von einem Sechseck aus roten Laufbahnen bedeckt, in der Mitte sind silbern glänzende Quadrate ausgelegt, die schnell in Unordnung gebracht werden. Dramaturgisch wird das Spiel aus der Grundsituation der Endlosschleife am Telefon entwickelt, also jener Situation, in der man auf das Warten vertröstet wird, bis eine Sprechstelle frei ist.

Das dramaturgische Prinzip der Endlosschleife ermöglicht es, den Horror vacui in immer neuen Situationen vorzuführen und jene Leere aufzufüllen. Vom Videobild, das die Aktricen unter einer Menge pinker Bälle begraben zeigt, über das selbstvergessene Spiel von Gerda Knoche mit Sex Tools, bis hin zum intensiven Training von Helga Lázár an einem Laufbandgerät wird dieser Versuch in eindrücklichen Bildern sinnlich. Anne Brüssau achtet in ihrer Regie darauf, dass die anfänglichen Posen der beiden Performerinnen in Bilder von Einsamkeit übergehen, so dass eine starke Empathie des Publikums mit den beiden entsteht. Anrührend, um ein Beispiel zu nennen, ist Knoches Spiel, wenn sie sich in Frotteemäntel einhüllt, um sich zum Verschwinden bringen. Hier gelingt es beispielhaft, mit großer Leichtigkeit in schönen Bildern Gefühle auszudrücken.

Starke Gefühle, Achtsamkeit, Einsamkeit

Am Ende behauptet sich das Ich mit seinen starken Gefühlen, ohne seine Einsamkeit auflösen zu können. Die beiden Performerinnen bleiben für sich, kommen nur in wenigen Situationen wirklich zusammen, auch, wenn ihr Spiel von einer großen Achtsamkeit geprägt wird. Das ist auch Domokos Kovács zu verdanken, der in seiner Choreografie das Nebeneinander durch ein gemeinsames Bewegungsrepertoire aufhebt. Auf der linken Bühnenseite hat der Musiker David Schuckart seinen Arbeitstisch, wo er nicht nur seine Musik elektronisch abmischt, sondern auch die Videos zuspielt.

Klar ist, um den „Horror vacui“ zu besiegen, um die Leere zu füllen, braucht es viele Anläufe. Das zeigt das Team gekonnt und ermöglicht durch die Schönheit seiner Bilder seinem Publikum, zumindest an diesem Abend genau diesem Schrecken zu entkommen.

 

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