Dabei ist die Bühne einfach nur schneeweiß. Zwischen einzelnen Würfeln stehen die fünf Tänzerinnen und Tänzer verloren herum, als sie ein Sturm zu ergreifen scheint. Eine fremde Kraft wirkt auf sie ein, gegen die sie sich verzweifelt stemmen. Verzweiflung, das ist das zentrale Stichwort bei „Impact“, auf Deutsch „Einschlag“, denn es geht um Katastrophen, um traumatische Ereignisse, wie sie die Menschheit immer wieder heimsuchen. Assoziationen werden in Bewegung gesetzt, Nebel erinnert an aufgewirbelten Staub, die Gesichter verzerren sich, aus den Mündern scheinen Schreie zu gellen. Dann wieder greifen sie sich an die Brust, als seien ihre Lungen verätzt und drohten sie zu ersticken.
Es sind starke, klare Bilder, die der israelische Choreograf Edan Gorlicki entwickelt hat. Er ist der künstlerische Direktor von Inter-Actions und versteht sich als Tanz-Aktivist. In „Impact“ dekliniert er verschiedene Schreckensszenarien durch, die man von Filmen, Fotos, Nachrichten kennt. Da wird die Bühne in orangefarbenes Licht (Beleuchtung: Ingo Jooß) getaucht wie bei einer Feuersbrunst oder geht die Musik von einem harten Hämmern über in das Jaulen von Sirenen. Und dann: Stille, während die Tänzer sich wie in Zeitlupe bewegen, traumwandlerisch und gelähmt vom Schock.
Dramaturgisch hat dieser Abend Schwächen, weil er allein auf die Aneinanderreihung verschiedener Katastrophenszenarien setzt und dabei durchaus Längen entwickelt. Und doch sind die einzelnen Szenen stark, die Körper scheinen bis zum Bersten gespannt, die Bewegungen sind intensiv, etwa, wenn zwei Frauen ihre Köpfe zusammenstecken, sie gegenseitig auf die Schulter der anderen drücken in einer verzweifelten, erschreckenden Geste. Beklemmend auch der Moment, als die Akteure japsen und hecheln, als seien sie dem Erstickungstod nahe. Da steckt zwar viel Pathos darin, aber die Bewegungen sind so konzentriert, entschieden und ausdrucksstark, dass sich doch die existenzielle Not vermittelt. Am Ende dieser vielen Kämpfe und Katastrophen, ob es Reaktorunglück oder Attentat gewesen sein mag, bleibt allein das Gefühl der enormen Verletzlichkeit des Menschen zurück, verbunden mit der Hoffnung, er möge unversehrt bleiben.