Iffland-Ring an Jens Harzer

Von Detlev Baur am 22.03.2019 • Bild: Monika Rittershaus
Das Bild zeigt: Jens Harzer in "Penthesilea"

Der Iffland-Ring geht an den Schauspieler Jens Harzer. Der österreichische Kulturminister Gernot Blümel (ÖVP) gab am 22. März den Namen bekannt. Die vielleicht höchste Auszeichnung für deutschsprachige Schauspieler geht auf den Burgheaterschauspieler und Theaterleiter August Wilhelm Iffland zurück. Sie wird gleichsam testamentarisch mit dem Tod des Inhabers weitergereicht, die Auswahl trifft eben der Vorgänger. Der Iffland-Preisträger vor Harzer war der Schweizer Schauspieler Bruno Ganz, der im Februar gestorben war.

Die Wahl des vergleichsweise jungen Jens Harzer, der 47 Jahre alt ist, spiegelt durchaus die persönliche Note der Auszeichnung. Denn Bruno Ganz nicht unähnlich ist Harzer ein ungemein sensibler und feiner Schauspieler, der eher in sich und die Figuren hineinhört, als dass er laut auftrumpfte. Nach der Ausbildung an der Münchner Otto-Falckenberg-Schule gehörte er viele Jahre zum Ensemble Dieter Dorns an den Münchner Kammerspielen und anschließend am Bayerischen Staatsschauspiel. 2009 wechselte er ans Hamburger Thalia Theater. Hier bekam seine Spielweise noch eine kräftigere Note; neben der menschlichen Zerbrechlichkeit zeigen Harzers Figuren längst auch eine größere Kraft und einen (hanseatischen) Humor.

Die Debatte um die Nachfolge von Bruno Ganz war in mancher Hinsicht bezeichnend für die aufgeregte Gegenwart. Nicht nur wurde sehr schnell nach dem Tod des Iffland-Ring-Trägers über Nachfolger spekuliert, auch mehrten sich die Stimmen, dass es an der Zeit sei, dass auch Frauen die traditionsreiche Auszeichnung erhalten sollten. Bruno Ganz hat mit Jens Harzer eine gleichsam diplomatische Wahl getroffen, als kluger und freundlicher Engel über der deutschsprachigen Theaterwelt. Denn Harzer selbst ist nicht nur in „Penthesilea” ein sensibler Versteher aller Menschen und Geschlechter. Jens Harzer ist als großer, ausdrucksstarker und dabei ruhiger Schauspieler, von dem wir alle viel lernen können, ein würdiger Ringträger.