Halles GMD Ariane Matiakh: Rückzug nach wenigen Monaten

Von Detlef Brandenburg am 04.02.2020 • Bild: TOOH/Borggreve
Das Bild zeigt: Kaum da, schon wieder weg: Halles Generalmusikdirektorin Ariane Matiakh

Nun ist es also amtlich, was wir vor wenigen Tagen nur als Spekulation verkünden konnten: Ariane Matiakh, Generalmusikdirektorin der Theater, Oper und Orchester GmbH Halle (TOOH), gibt dieses Amt nach nur sechs Monaten bereits wieder auf. Laut einer Pressemitteilung der TOOH sei man übereingekommen, den Dienstvertrag zum 31.01.2020 „auf Wunsch von Frau Matiakh einvernehmlich aufzuheben“. Sie werde dem Publikum in Halle aber „erhalten bleiben, da sie alle mit ihr als Dirigentin angekündigten und geplanten Sinfoniekonzerte in der laufenden und kommenden Spielzeit dirigieren wird.“ Welch ein schaler Trost dafür, dass sich die Dirigentin ansonsten aus der Verantwortung für eine Institution stiehlt, der sie sich laut Vertrag bis zum Sommer 2024 verpflichtet hatte. Über die Gründe der Vertragsaufhebung ist zwischen den Parteien Stillschweigen vereinbart worden.

Der Vorgang selbst spricht dennoch eine deutliche Sprache. Er ist eine Blamage für den Aufsichtsrat der TOOH und deren Geschäftsführer Stefan Rosinski. Der Aufsichtsrat hatte es offenbar versäumt, Frau Matiakh angemessen auf die Aufgaben zu verpflichten, die sie in Halle erwarten. Stattdessen sprach das Aufsichtsgremium – Gerüchten zufolge, die in Halle öffentlich kolportiert werden, auch unter dem Einfluss von Frau Matiakh – die Nicht-Verlängerung des sehr erfolgreichen und überregional hochgelobten Opernintendanten Florian Lutz aus. Aber auch Stefan Rosinski, der Geschäftsführer und starke Mann der TOOH, hat es offenbar nicht vermocht, Frau Matiakh zu einem größeren Engagement im Opernhaus zu bewegen. Im Konzertbereich war ihr Name in den ersten Monaten präsent, in der Oper aber musste man ihn mit der Lupe suchen. Rosinskis Name dagegen tauchte zuletzt im Zuge der Querelen zwischen der Geschäftsführung und den Intendanten von Oper und Schauspiel immer wieder in der Öffentlichkeit auf. Demnächst muss der Aufsichtsrat über die Verlängerung seines Vertrages befinden. Man darf gespannt sein, wie die Entscheidung ausfällt.

Frau Matiakh wird weiterziehen, Halle wird auf ihrem mutmaßlichen Weg zum internationalen Erfolg eine Episode bleiben. Für Halle selbst aber ist diese Episode im Leben einer Dirigentin ein Schlag ins Kontor. Die Stadt ist einer großen Hoffnung beraubt; die Staatskapelle, ein großartiges Orchester, bleibt vorerst auf einer Leerstelle in der künstlerischen Leitung sitzen; und die TOOH steht als düpiert da. Wer übernimmt die Verantwortung dafür?