Fischers Streamingwoche: 3.Teil

Von Jens Fischer am 10.04.2020 • Bild: privat
Das Bild zeigt: Unser Autor Jens Fischer schreibt wöchentlich über die Streaming-Angebote der Theater

Ostern, Fest der Auferstehung – es wird dieses Jahr allein zu Haus gefeiert mit der großen Sehnsucht oder kleinen Hoffnung auf das Ende des Kontaktverbots. Auf ein Zurück zur kulturellen Praxis! Aber sollte öffentliches Leben wieder erlaubt, Social Distancing weiterhin Verhaltensmaßgabe sein, dürfte beispielsweise ein Opernhaus mit 900 Plätzen nur jeden dritten Platz verkaufen und müsste jede zweite Sitzplatzreihe freilassen, keine 200 Menschen würden sich dann im Theater verlieren. Ein Anfang? Noch leerer wäre es dort allerdings, wenn die Corona-Risikogruppe der Ü-60-Menschen weiterhin die Öffentlichkeit und damit auch Opern-Aufführungen meiden soll … also erstmal weiter online gucken, was geht:

Deutsches Schauspielhaus Hamburg

Ganz vorsichtig hat sich Deutschlands größte Schauspielbühne an die Situation herangetastet, kein Theater mehr spielen zu dürfen. Die sonst kaum an die Öffentlichkeit tretende Intendantin Karin Beier lädt jetzt ihre Schauspieler zu Gespräch und Lesung ins Maskenstudio. Anzumerken ist diesen „SchauSpielHausBesuch“-Videos die Unsicherheit. Derart ungewohnt scheint die Situation, dass Charly Hübner sogar total vergessen hat, ein Buch zum Vorlesen mitzubringen. Lockerer kommt das Team in den „Corona Diaries“ herüber, wild zusammengeschnittene Selbstinszenierungen aus den Home-Offices. Ostern starten nun auch Streaming-Angebote. Für die Einladung zum Berliner Theatertreffen 2015 hat das ZDF die Aufführung „John Gabriel Borkman“ von Henrik Ibsen in der Regie von Karin Henkel aufgenommen und nun für die Ausstrahlung zur Verfügung gestellt – für Ostersamstag, 11. April, ab 18 Uhr, anschließend ist der Stream 24 Stunden abrufbar. Henkel modelliert alptraumhaft grotesk mit einem fantastischen Ensemble das Monströse hinter der bürgerlichen Fassade heraus.

Schauspielbühnen Stuttgart

Ein Klassiker der Krimispannung, von Eva Hosemann premierenfertig inszeniert, dann der Corona-Shutdown für die gesamte En-suite-Spielzeit von „Misery“ nach dem Bestseller von Stephen King am Alten Schauspielhaus. Kammerspielklassisch sehen die Pressefotos aus für die geplante Premiere am Freitag, den 13. März. So sollte die Probenarbeit zumindest zu Gehör gebracht werden, hat das Ensemble beschlossen und einen gruselklassisch intimen Umgang mit dem Stoff  gewählt – er wurde in erlesener Hörspiel-Diktion als Podcast aufgenommen. Diese Fassung von „Misery“ ist ab sofort und kostenlos in viele Folgen zerteilt abrufbar auf der Theater-Website.

Theaterakademie August Everding München

Wie gestaltet sich ein Theaterabend, der ohne physischen Kontakt allein in Isolation entstanden ist? Welchen Einfluss hat die aktuelle Krisensituation auf ein Stück, in dem die Figuren von einer Krise in die nächste gestoßen werden? Wo vereinen sich theatrale Fiktion und Realität? Und inwieweit profitiert der Stoff vielleicht sogar von dieser ganz speziellen und neuartigen Form des Theatermachens? Das sind die Fragen, mit denen sich der Abschlussjahrgang Schauspiel der Theaterakademie August Everding für die Online-Premiere seiner Inszenierung des 1942 von Thornton Wilder geschriebenen Stücks „Wir sind noch einmal davongekommen“ beschäftigt hat. Geht es bei Wilder doch um den Kampf ständiger Neuanfänge der von Katastrophen geplagten Menschheit, so klingt das heute höchst aktuell. Zeitgemäß zudem der Probenprozess. Das Team erarbeitet den Stücktext unter Einbeziehung der aktuellen Ausnahmesituation über Videokonferenzen. Das Ergebnis wird am 16. April, ab 19.30 Uhr, live in den einzelnen Wohnungen der Schauspieler gespielt und über den Youtube-Kanal der Theaterakademie gestreamt.

Ohnsorg Theater Hamburg

„Ohnsorg för tohuus“ bietet das Hamburger Traditionstheater. Kurzgeschichten und Gedichte werden gelesen, ein Platt-Crash-Kurs angeboten, das Lied „An de Eck steiht en Jung mit en Tüdelband“ chorisch dargeboten … neben solchen Schmankerln gibt es jetzt auch den Stream eines der besten Stücke der letzten Jahre: „Middenmang – Ein Sprachkonzert“ ist am Ostermontag, 13. April, von 10 bis 24 Uhr zu sehen. Warum die Aufführung so toll ist, habe ich zur Premiere vor einem Jahr hier formuliert.

Ensemble Modern

Aufgrund der derzeitigen Bestimmungen sei die Anzahl beteiligter Musiker eines Konzertes auf ein bis zwei begrenzt, „auch bei den Film- und Tonaufnahmen werden selbstverständlich die behördlichen Vorgaben eingehalten“, teilt das Ensemble Modern über ihre gestern gestartete digitale Live-Konzertreihe mit. Diese finden an jedem Donnerstag und Montag, jeweils ab 20.30 Uhr, mit Solo- und Duowerken Neuer Musik im Dachsaal des Ensemble-Domizils im Frankfurter Ostend statt, werden live gestreamt und sind im Anschluss als Video-on-Demand abrufbar.

Tanztheater: Dresden, Berlin, Braunschweig, Lüneburg

Tanz ist Bewegung, Tanz kennt keinen Stillstand. Und die Tänzer haben, wie in der Coronakrise online zu sehen ist, mehr Humor als viele Choreographien vermuten lassen. Die Ensembles zelebrieren Alltag als Spitzentanz, ihre Home-Office-Isolation als Inspiration oder nutzen den Garten als Bühne. Das ist popfidel, wenn das Semperoper-Ballett loslegt.

Und das Staatsballett Berlin zeigt seine Klasse in der Stakkato-Choreografie ihrer individuellen Bewegungssequenzen „From Berlin with love“, 45 Compagnie-Mitglieder tanzen zum Trauermarsch aus Beethovens 7. Sinfonie op. 92. Mit fast 13.000 Aufrufen der mit Abstand erfolgreichste Beitrag des Staatsballetts in den sozialen Netzwerken!

Das Tanztheater am Staatstheater Braunschweig hat eine teeniescheue, pubertätsneugierige und herzig mutige Etüde des Verliebens ermöglicht. Den Auszug aus der „Grauzonen“-Choreographie von Henrietta Horn haben Anna Degen und Georges Hann zwischen Bühne, Staatstheater und dem Park an der Oker inszeniert, mit betörender Klarheit wurde es gefilmt, zart umtönt und die Entwicklung vom ersten Blick zum Ineinanderfinden der Hände mit klaren Schnitten strukturiert – viel besser als die übliche Art von Trailern. Hier läuft das Video.

Raus aus dem Theater, rein in die Gartennatur: Tänzerin Rhea Gubler vom Theater Lüneburg zeigt eine wunderlich humorvolle Tanzimprovisation zwischen Bank, Frühlingsblüten, Holztisch und Schmuckgestein.

Theater Osnabrück

Durch ständige Covid-19-Statistiken ist der Tod präsent diese Tage wie selten. Die Auseinandersetzung mit der Endlichkeit ergänzt das Theater Osnabrück, indem es toten Tanz wiederbelebt – mit einer Rekreation von Mary Wigmans 1917 uraufgeführtem „Totentanz I“. Der gilt als Pioniertat der Mutter des Ausdruckstanzes. Glücklicherweise ist die Choreografie notiert überliefert und die dazugehörige Musik bekannt: Camille Saint-Saëns’„Danse macabre“. Kein expressiver Akt der Befreiung wird gezeigt, sondern ein Fallen, Trippeln, Stolzieren und Toben, ein gespenstisch stummes Jauchzen und lustvoll groteskes Spuken. Unerlöste Wiedergänger sollen das da auf der Bühne sein, grabfrei haben sie bekommen, um ungelebtes Leben nachzuholen. Nach dem 1. Weltkrieg und der Influenza-Pandemie, der Spanischen Grippe, nahm Mary Wigman die Choreografie übrigens wieder in ihr Programm auf. Henrietta Horns Osnabrücker Rekonstruktion „Totentanz I“ hat das Theater um eine Einführung aus dem Home-Office der Tanzdramaturgin Patricia Stöckmann ergänzt.

Schlosstheater Moers

In Zeiten, in denen die vertrauten Koordinaten der Welt aus dem Gleichgewicht geraten, erleben literarische Klassiker eine Renaissance. Im September 2019 nahm das Schlosstheater Moers prophetisch „Die Pest" von Albert Camus ins Programm. In seinem Roman erzählt der französische Existenzialist von einer Stadt im Ausnahmezustand, Quarantäne für die Gesunden, Isolation für die Kranken, auseinandergerissenen Familien und Menschen, die aufs Öffnen der Tore der Stadt warten … „auch wenn unsere Inszenierung vor allem als Kommentar auf die zunehmende Abschottung und Nationalisierung in Europa gedacht war, wird der Text von 1946 in der Coronakrise zum Stück der Stunde“, teilt das Theater mit. Da es live nicht gespielt werden darf, entschlossen sich die beteiligten Künstler, die Inszenierung für die Zeit der Corona-Quarantäne als visuelle Lesung zu adaptieren. Das sechsköpfige Ensemble sitzt (mit Sicherheitsabstand) im Bühnenbild, das aus einem Quarantänezelt besteht, und spricht den Text, der von Ausschnitten aus der Inszenierung durchbrochen wird. Das ist am 12. April, ab 18 Uhr, auf Facebook mit Live-Chat zu erleben und von 18 bis 24 Uhr auf der Theaterhomepage.

Staatstheater Mainz

Boris C. Motzki hat nun, ach, Theaterwissenschaft und Deutsche Philologie an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz durchaus studiert, ist Regisseur, Autor, Dozent und seit der Spielzeit 2018/2019 Dramaturg am Staatstheater Mainz. Und ein Vorleser, der mit humorvoller Leidenschaft und einer Überdosis Marcel Reich-Ranicki sowie Dialekten und Akzenten weiterer Prominenter den einen und anderen Klassiker vitalisiert. Einfach mal reinhören in Schillers „Bürgschaft“ …

Junges Theater Regensburg

Der Shutdown des Vorstellungs- und Probenbetriebs ließ das Theater Regensburg nicht ruhen. Die Proben für Kristo Šagors philosophisch raffiniert erzähltes Jugendtheaterstück „Patricks Trick“ liefen daheim weiter. Daraus entstand die Idee, das Experiment einer Online-Inszenierung zu wagen, in der die beiden Schauspieler Peter Blum und Michael Zehentner via Videochat in ihren verschiedenen Rollen die Geschichte von Patrick und seinem noch ungeborenen Bruder erzählen. Zwei Aufführungen sind als Live-Stream im Online-Spielplan auf dem Youtubekanal des Hauses angesetzt: am 15. und 18. April, jeweils 16 bis 16.45 Uhr. 

Hamburg Ballett

Jetzt reagiert auch das Hamburg Ballett auf die anhaltende Vorstellungspause. Es kommen nun einstmals für Fernsehen, Kino, DVD produzierte Mitschnitte von John-Neumeier-Balletten als Video-on-Demand kostenlos ins Internet. Zum Start ist noch heute und morgen die „Matthäus-Passion“ zu sehen, für die eigentlich Live-Aufführungen am Gründonnerstag und Karfreitag in der Hamburgischen Staatsoper vorgesehen waren. Im Netz zu sehen ist eine Einspielung aus dem Jahr 2005, bei der John Neumeier im Festspielhaus Baden-Baden ein letztes Mal die Hauptrolle des Jesus interpretierte.

HAU Berlin

Da das Performance-Kollektiv Gob Squad ihre neuen Produktionen nicht in Berlin zeigen können, hat das HAU einen ihrer Klassiker bei Youtube eingestellt: die Kurzfilmversion der Live-Performance „Room Service“, die ursprünglich sechs Stunden durch die Nacht führte, im Jahr 17 vor Corona, als Menschen noch in Flugzeugen um die Welt düsten, in Hotels lebten. Vielleicht erinnert sich noch jemand an die glorreiche Zeit dieser heutzutage längst stillgelegten Übernachtungspaläste, in denen Menschen ihre Bedürfnisse befriedigten. „Room Service“ ist ein traurig buntes Porträt dieser Zeit ohne Smartphones, in der Einsamkeit und Langeweile ganz anders verbreitet war als heute.

Neumarkt Zürich

Am 2. April sollte Premiere der internationalen Koproduktion „Nouvelle Nahada“ sein, an der seit Sommer 2019 künstlerische Kollaborateure zwischen Beirut und dem Neumarkt Zürich arbeiten. Trotz Absage der Aufführungen blieben die Fragen und Auseinandersetzungen, teilt das Theater mit und listet auf: Was bedeutet es heute, in unserer Welt – in Zeiten der Pandemie – Künstler zu sein? Was bedeutet es, die gesellschaftsverändernde Kraft der Kunst wiederzuerwecken, aus dem Geiste der Nahda (Arabisch: Erwachen) und als revolutionäre Potenz in Richtung einer Zukunft, die man aktiv mitgestalten möchte? Sechs Dialoge über Revolution, Renaissance, Kunst und so weiter sind als Vorab-Material für die auf unbestimmte Zeit verschobene Premiere online auf Englisch zu verfolgen – auf der Theater-Homepage.

Landesbühne Niedersachsen Nord 

In Wilhelmshaven hat das Theater eine Idee des Oberbürgermeisters aufgegriffen: Wenn das Theater schon nicht spielen darf, sollte es doch von den Bürgern für ihre Performances genutzt werden. So steht die Studiobühne „TheOs“ als Spielstätte samt technischem Equipment und Betreuung aus Corona geschuldetem Abstand für Live-Streaming zur Verfügung. Gezeigt werden sollen „künstlerische und gesellschaftlich relevante Beiträge“.  Jeder darf sich anmelden zu diesem offenen Online-Kanal, sagen wir: Bürgerfernsehen. Gestartet wurde zwar mit unsäglichen Versuchen, Rockklassiker zu covern, folgen sollen Live-Gottesdienste, Küsten-Yoga-Work-out, die VHS-Theaterwerkstatt, A-cappella-Gesang und Stefan Zweigs „Joseph Fouché – Bildnis eines politischen Menschen“ als „performative Lesung“. Einiges ist zum Nachschauen bei Youtube gespeichert.

Schauspiel Hannover

Herausragend aktiv auf den Online-Spielwiesen ist das Schauspiel Hannover. Zu den Streamings aktueller Aufführungen, Lesungen, Hörspiele, Podcasts und der Video-Reihe über das abendlich ausfallende Programm, „#wieesgewesenwäre“, sollen sich interaktive Formate gesellen wie auch Online-Soaps, Workshops und Speeddatings, Theater-Yoga sowie Interviews, Essays und kleine Reportagen. Ein geradezu vorbildlich übersichtlicher digitaler Spielplan zeigt verlinkt für jeden Tag, was wann und wo zu erleben ist. Am morgigen Samstag, 11. April, ab 19.30 Uhr, und dann für 24 Stunden, etwa Philip K. Dicks „Zeit aus den Fugen“. Mit dieser Inszenierung hatte Regisseurin Laura Linnenbaum im September 2019 die Spielzeit eröffnet und versucht, die dystopischen Schlussfolgerungen der 1950er-Jahre-Analyse des Autors in unsere Gegenwart zu übersetzen – und kritisiert dabei die Sehnsucht nach schönen-heilen Vergangenheiten, die es bekanntlich nie gegeben hat.

Grips Theater Berlin

Pünktlich zu Ostern geht das Grips unter dem Motto „Wir sind zu. Aber wir sind da!“ mit einem Blog online – zum Start liegt der Schwerpunkt der Beiträge bei Kindern und Familien, in den nächsten Wochen soll das Programm für Jugendliche und Erwachsene erweitert werden. Am heutigen 10. April, 18 Uhr, wird „Pünktchen trifft Anton“ für Menschen ab neun Jahren hochgeladen, eine Woche online soll Volker Ludwigs laut Grips „zeitgenössische Adaption des Romans von Erich Kästner“ zu sehen sein. Zeitgenössische Adaption? Pünktchen ist ein wohlstandsverwahrlostes Mädchen, lebt in einer Grunewalder Villa, und Anton ein aus Weißrussland stammender Flaschensammler … 

Komische Oper Berlin

Statt der Wiederaufnahme im Theater – Premiere des Online-Streamings. Und jetzt kostenlos für jedermann zu schauen: „Pelléas et Mélisande“ von Claude Debussy, in französischer Sprache mit englischen Untertiteln. „Die Inszenierung von Barrie Kosky aus dem Jahr 2017 besticht durch ihren Minimalismus, in der die spannungsreiche Psychologie des Werkes durch eine ausgefeilte Personenregie zu einem musikalischen Kammerspiel wird“, teilt die Komische Oper mit. 

Theater Kiel

Da sich andeutet, dass uns die aktuelle Corona-Politik nicht nur die allabendliche Präsentationen aus dem Repertoire der Stadttheater verbietet, auch Sommerfestivals unmöglich macht, geht das Theater Kiel in die Offensive und streamt schon einmal Sommertheaterproduktionen. Am 11. April läuft ab 19.30 Uhr die Oper „Aida“ von Giuseppe Verdi – Open-Air-Produktion 2019, inszeniert von Generalintendant Daniel Karasek, angepriesen als „Blockbusterkino im Opernformat. Rasende Leidenschaft trifft auf brutale Politik, faszinierende Historie auf menschliches Drama“. Eine Woche später, am Samstag, 18. April, ebenfalls ab 19.30 Uhr, das Musical „Die Räuber“ nach Friedrich Schiller mit Musik von Marcus Wiebusch und Reimer Bustorff von der Band Kettcar – Open-Air-Produktion 2016, Karasek führte auch damals Regie und inszenierte die revoltierende Bande als Räuber Armee Fraktion (RAF), Karl Moor ist sozusagen Ulrike Meinhof und Spiegelberg der Andreas Baader. Beide Mitschnitte präsentiert das Theater Kiel nach der Freischaltung jeweils für 24 Stunden auf seinem Youtube-Kanal sowie auf Facebook.

Thalia Theater

Gerade an Feiertagen wird es geschätzt, wenn Traditionen aufrechterhalten werden. So gehören  Ostersonntag und Ostermontag wie in jedem Jahr am Hamburger Thalia Theater den beiden preisgekrönten Teilen des Goethe‘schen „Faust“ von Nicolas Stemann aus dem Jahr 2011, jeweils ab 19 Uhr und danach für 24 Stunden verfügbar. Die neunstündige Produktion, so hieß es in der Einladung zum Berliner Theatertreffen, sei „eine dezidierte Text-Befragung – und zwar mit allen Ingredienzien des postdramatischen Theaters.“ Statt festgelegter Rollen gibt es ein sechsköpfiges Ensemble, das Motive des Dramas, Sekundärdiskurse und Metaebenen so lässig, lustig, schlau durchforstet, dass es ein großes Vergnügen ist.

Landestheater Schwaben

Toll, ein richtiges Online-Festival veranstaltet das in Memmingen beheimatete Landestheater Schwaben am 13. April als Kick-off für ein vielfältiges Online-Programm auf ihrer Website. Der Tag beginnt um 10.30 Uhr mit Sprech- und Atemübungen für Kinder, gefolgt von einem Theaterquiz und der Lesung einer Sage, die anschließend eine Theaterpädagogin mit Kindern via Zoom-Konferenz nachspielt. Ab 11.45 Uhr erzählen Gastspieleinkäufer der Partnerbühnen etwas über die Geschichte ihrer Theater. Nach der Mittagspause ist ein Schauspiel-Workshop angesetzt. Wer dann noch fit ist, kann an einer virtuellen Führung durchs Theater teilnehmen. Schon lockt das Abendangebot. Nach einer Einführung ist „Der Reisende“ zu streamen, deutsche Erstaufführung der Adaption des 1938 erschienenen Romans von Ulrich Alexander Boschwitz. Intendantin Kathrin Mädler inszenierte die Geschichte des jüdischen Kaufmanns Otto Silbermann, der durch die nationalsozialistischen Novemberpogrome sein Zuhause, seine Familie und schließlich seine Identität verlor. Der Memminger Theatertag endet mit einem Nachgespräch zur Aufführung – und Entspannungsübungen.

Opernhaus Zürich

Heute bis morgen, Samstag, 11. April, 24 Uhr, steht Verdis „Messa da Requiem“ auf dem Online-Spielplan des Opernhauses Zürich. Der Totenmesse widmeten sich Ballettdirektor und Chefchoreograf Christian Spuck sowie Generalmusikdirektor Fabio Luisi. Die Produktion wurde im Dezember 2016 mit 36 Tänzern, Chor und Zusatzchor des Opernhauses, der Philharmonia Zürich und vier Solisten live aufgezeichnet. Auch wenn die Choreographie jetzt zu Ostern auf den Spielplan gesetzt wurde, geht es darin nicht um religiöse Ausdeutung des liturgischen Textes, sondern um die üblichen Themen des Tanztheaters – „Gefühle wie Angst, Zorn, Schmerz, Trauer und die Sehnsucht nach Erlösung“, lässt das Ballett Zürich wissen.

Puppentheater Magdeburg

Die Sache mit den seit drei Wochen geschlossenen Salons der Figaros nimmt so ganz nebenbei langsam haarige Formen an: Deutschland einig Hippiemähnenland. Dieses brisante Thema interpretieren die Magdeburger Puppenspieler aus der Perspektive einer krautig zugewachsenen Sellerieknolle als Gruseldrama – zu sehen hier.