Fischers Streamingwoche: 2.Teil

Von Jens Fischer am 03.04.2020 • Bild: privat
Das Bild zeigt: Unser Autor Jens Fischer schreibt wöchentlich über die Streaming-Angebote der Theater

Die Zeit des Gedichtaufsagens und Rezepteausprobierens, der lustigen Videogrüße, Fitnessübungen, Yogaanleitungen und Hausmusikbeiträge neigt sich wohl bald dem Ende zu. Diese ersten spontanen Lebenszeichen-Clips der zwangsdaheim noch von ihrer Arbeitsfidelität zehrenden Theatermenschen vitalisieren zwar gerade all die Onlinekanäle der Bühnen, sind inhaltlich und ästhetisch aber schnell ausgereizt und wecken die Sehnsucht nach neuen Formaten, die Theater für Bildschirme, Displays, Monitore nochmal neu erfinden. Bis es in der Isolation ohne Infektion zur Inspiration kommt, goutieren wir erstmal abgefilmtes Theater: Haupt- und Generalproben aktueller Repertoire-Produktionen und Archivschätze historischer Aufführungsmitschnitte sind derzeit reichlich zu sehen. Ja, niemals zuvor war es wohl möglich, so viele Inszenierungen auf einmal kostenlos zu schauen – zumindest aus der ersten Reihe des Couch-Parketts.

Vorm abendlichen Theaterzapping aber kurz nochmal zur Arbeit. Also zum Thema der Woche, den Mundschutzmasken. Längst sind es nicht mehr Symbole panischer Nerds, sondern modisches Accessoires des guten Gewissens, fangen sie doch Coronaviren ab, bevor sie wie Kanonenkugeln aus Nase und Mund geschossen werden in ihrer Mission, Menschen zu kapern und zu töten. Ob Masken bald zur Bedingung werden, überhaupt nochmal das Haus verlassen zu dürfen? Aber wo sollen Exemplare für 83 Millionen Menschen in Deutschland herkommen, wo sie doch schon in Pflegeheimen und Krankenhäusern fehlen? „Andere arbeiten hart, um zu helfen und auch wir wollen nicht untätig sein“, dachte Viola Schütze, Leiterin der Kostümabteilung des Stadttheaters Bremerhaven. Daher nähten sie und ihr Team Tröpfchenschutzmasken. In Dutzenden weiteren Theatern tun es ihnen Ankleider, Schneider und Mitarbeiter der Kostümdirektion und aus dem Schuhfundus gleich – an ihrem Arbeitsplatz oder in Heimarbeit. Das Theater Bremen steigt geradezu in die industrielle Produktion ein. 9.000 Mundschutzmasken für den Corona-Krisenstab und einen Sozialdienst sollen hergestellt werden, teilt das Haus mit, dazu wurde die Flickenkammer der Kostümabteilung geplündert und zu Stoffspenden aufgerufen. Das Staatstheater Oldenburg hat zum Nachmachen, Hilfe zur Selbsthilfe, eine der Essener Feuerwehr entliehene Nähanleitung für Mundschutzmasken veröffentlicht.

Rheinisches Landestheater Neuss

Auch dort wurden bereits 50 Tröpfchenschutzmasken aus Materialresten hergestellt und an Obdachlose verschenkt. Zur Lage der eingesperrten Nation angesichts der frühlingshaft verlockenden Option Raus-aus-dem-Haus hat eine Mitarbeiterin aber auch einige Worte aufgenommen, die von Christian Morgensterns komponiert wurden – aus diesem Gefühl heraus, zur Schnecke gemacht worden zu sein: Entschleunigung mit Experten.

Bayerische Staatsoper München

Die Bayerische Staatsoper hielt am längsten aus in Deutschland, ließ noch bis Anfang April im Haus proben und immer montags streamte sie frisch erarbeitete Konzerte mit Liedgesang, Solo-Instrumentalisten sowie kammermusikalischen und tänzerischen Darbietungen. Auch „7 deaths of Maria Callas”, ein Opernprojekt von Marina Abramović, sollte zumindest zur Onlinepremiere gebracht werden, hatte Intendant Nikolaus Bachler doch gesagt: „Ein Theater, das nicht spielen darf, existiert nicht.“ Aber nachdem sich Mitarbeitende über Ansteckungsgefahren beschwert hatten, ruht nun auch in München der Betrieb. Um irgendwie doch noch zu existieren, werden Video-on-Demand-Specials online gestellt. Ab 4. April, 12 Uhr, bis zum 18. April, 11.59 Uhr, ist kostenlos verfügbar Gaëtano Donizettis „L’elisir d’amore“. Regisseur und Opern-Debütant David Bösch feierte damit 2009 einen schönen Erfolg, animierte er als Mann des Schauspiels doch Sänger zur darstellerischen Ausgestaltung ihrer Rollen und den Bühnenbildner zu surrealen Liebeslandschaften, nahm selbst das Stück in seiner Heiterkeit ernst und fand in seiner Inszenierung zu staunenswerter Detailfreude.

Gorki Theater Berlin

Die wöchentliche Dosis Gorki gibt es als Stream jeden Mittwoch, um 18 Uhr geht stets eine Gorki-Produktion für 24 Stunden online – zum Roma Day am 8. April ist „Roma Armee“ zu sehen, Yael Ronen hat den Text entwickelt mit einem Ensemble von sechs Roma aus Deutschland, Österreich England, Rumänien und Schweden sowie den Gorki-Schauspielern Mehmet Ateşçi und Orit Nahmias. „In einer Gegenwart, in der Europa droht in Neofaschismen abzudriften“, teilt das Gorki mit, „beansprucht eine Gruppe von Schauspielern eine schnelle Eingreiftruppe zum Kampf gegen strukturelle Diskriminierung, Rassismus und Antiziganismus, aber auch als Emanzipation aus einer internalisierten Opferrolle“ … laut cofinanzierender Bundeskulturstiftung ist der Abend „Manifest, Theaterstück, Selbstermächtigung und Angriff“.

Theater Kiel

Die Hauptstadt Schleswig-Holsteins geht online mit frisch produzierter Klangkunst. Das Philharmonische Orchester Kiel und Generalmusikdirektor Benjamin Reiners plus Gattin, Sopranistin Magdalene Harer, präsentieren am Montag, 6. April, ab 19.30 Uhr, anstelle des Corona-bedingt abgesagten 7. Philharmonischen Konzerts eine kammermusikalisch abgespeckte Version. Es wird auf dem Youtube-Kanal des Theaters Kiel gestreamt und ist anschließend für 24 Stunden dort abrufbar. Der 1. Kapellmeister Daniel Carlberg spielt mit Korrepetitor John Spencer an zwei Klavieren den ersten Satz von Peter Tschaikowskis „Manfred“-Sinfonie, die die Philharmoniker aufgeführt hätten. Solobratscher Hendrik Vornhusen, der mit Schnittkes Konzert für Viola Solist gewesen wäre, ist mit Auszügen aus J. S. Bachs Suite Nr. 1 in G-Dur zu erleben. „Die Aufzeichnung des Konzertes erfolgte unter Einhaltung aller aufgrund der aktuellen Risikosituation vorgeschriebenen Sicherheits- und Hygienemaßnahmen im Klaiberstudio des Opernhauses Kiel“, teilt das Orchester mit. 

Staatstheater Augsburg

Am heutigen Freitag, 3. April, bietet das Staatstheater Augsburg seinen ersten Theaterabend als Live-Stream an: „ananas@home“ soll laut Angaben des Hauses live aus der Brechtbühne im Alten Gaswerk gesendet werden. Es handele sich um eine „Kombination aus Quarantänekonzert, Talk, Quiz-Duell und Lesung“, es dürfe sich zudem das Publikum von zuhause aus beteiligen. Und Achtung: Das Video ist nur live auf der Theaterhomepage verfügbar, nach der Tagesschau um 20:15 Uhr, und kann im Nachhinein nicht abgerufen werden. „So einmalig wie nur ein Theaterabend sein kann“, heißt es in einer Mitteilung des Hauses. 

Schauspiel Leipzig

Auch das Schauspiel Leipzig bietet die Möglichkeit, sich das Theater in die eigenen vier Wände zu holen – und entwickelt tatsächlich etwas Eigenes, vielleicht Zukunftweisendes. Jedenfalls startet Hausregisseur Philipp Preuss mit „k.“ ein Internetprojekt nach Texten Franz Kafkas – parallel entwickelt zu den aktuellen gesellschaftlichen Veränderungen in unseren pandemischen Zeiten. Preuss sieht eine neue Spezies Mensch im Entstehen – „auf Videokonferenzplattformen tummeln sich Heimarbeiter, Partygänger, isolierte Existenzen auf der Suche nach einer Struktur, immer wieder unterbrochen durch Verbindungsschwankungen, Bildstörung, kommunikatives Stottern.“ Da kommt nun K. aus Kafkas „Schloss“ ins Spiel, sein „Irrlauf durch die Welt des Schlosses wird zu einer surrealen Parabel auf die neu entstandene hermetische Welt der Isolation. K. versucht, die Regeln der Fearology zu entschlüsseln, die die Medien der Stunde generieren“, teilt das Theater mit. Teil 1 des Projektes ist am 4., 6., 7., 8. April, jeweils ab 19 Uhr, auf zoom.com zu sehen, einer Plattform für Videokonferenzen. Maximale Zuschauerzahl: 40 Personen. Wer dabei sein möchte, benötigt eine gültige E-Mail-Adresse, muss den Zoom-Client auf seinem Computer oder Smartphone installieren und bis zum Sendetag, 16 Uhr, anmelden unter: besucherservice@schauspiel-leipzig.de 

Theater der Klänge Düsseldorf

1987 wurde das Theater der Klänge von Jörg Lensing als Musik- und Tanztheater in Düsseldorf gegründet, bis heute hat es 27 genreübergreifende Stücke mit Musikern, Komponisten, Schauspielern und Tänzern erarbeitet, die zum Teil seit Jahrzehnten nicht mehr gezeigt wurden. Verfilmungen werden nun auf einer Festplatte reaktiviert und jede Woche ist eine auf der Theater-Website als Video-on-Demand zugänglich. Gezeigt werden die Produktionen in der Reihenfolge ihres Entstehens, um in der Chronologie die Entwicklung der Kunst des Hauses nachvollziehbar zu machen. Noch bis Sonntag, 22 Uhr, ist die zweite Kreation des Theaters der Klänge zu sehen: „Die barocke Maskenbühne", entstanden 1988/1889. Regisseur Lensing versucht in einer halboffenen Wanderbühnenkonstruktion, bei Kerzenlicht, mit der Zusammenstellung von höfisch-barocken Tänzen, Volkstänzen, Tanzparodien, Maskenspielen und Commedia-dell’arte-Figuren ein Sittengemälde des spätbarocken Theaters zu zeichnen.

Burgtheater Wien

In ihrer Reihe „#MyHomeIsMyBurgtheater“ gibt Sarah Viktoria Frick einen prima Einblick, wie neben der Zahl der Coronainfizierten grundsätzlich auch der Stresspegel von Menschen derzeit konkret steigt, die Homeschooling und Home-Office vereinen müssen – trotzdem findet Frick zur poetischen Entschleunigung, indem sie eine wohlgesetzt rhythmisierte Wortcollage von all ihren Vertonungen befreit, und zwar hier.

Deutsche Oper Berlin

Die Deutsche Oper Berlin stellt uralte Produktionen im Netz vor, die sie bisher auch als DVD verkauft hat. Ein Höhepunkt ist dabei: Aribert Reimanns mit klangpsychologischem Feinschliff entwickelte Kammeroper „Gespenstersonate“, eine Aufnahme der Uraufführungsproduktion des Jahres 1984 aus dem Hebbel-Theater Berlin, Dirigent ist Friedemann Layer, inszeniert hat Heinz Lukas-Kindermann. Zu erleben vom 8. bis 10. April, jeweils von 15 bis 15 Uhr, auf der Opern-Homepage.

Junges Ensemble Stuttgart

Geradezu überquellend voll mit Geschichten ist eine Produktion, die Sibel Polat, Faris Yüzbaşıoĝlu und Gerd Ritte vom Jungen Ensemble Stuttgart unter der Regie von Anne Wittmiß entwickelt haben für Menschen ab acht Jahren. Ausgangspunkt sind die Fragen: Was macht eigentlich eine Geschichte zur besten Geschichte, die wir jemals gehört haben? Und ist deine beste Geschichte auch meine beste Geschichte? „Musik und Poesie, Humor und Tiefgang, Sinn und Unsinn, Zartheit und Action“ verspricht das Theater für das deutsch-türkische Ensemblestück „Die beste Geschichte –En iyi hikâye“ – es ist hier am heutigen Freitag, 3. April, zu sehen

Theater Freiburg

Ein unkommentierte Aneinanderreihung von Notizen aus den erweiterten Home-Offices stellt das Theater Freiburg jeden Tag zusammen, recht insiderische Verweise auf die Produktionen des Repertoires, aber fast durchweg kauzig bis skurril ins Videoformat gezwängt, das atmet vielfach wirklich Theatergeist und bedient nicht nur wie viele Clips anderer Theater geradezu klischeehaft die Social-Media-Formate mit inszenierter Authentizität – die Freiburger Videos sind bei Youtube gespeichert.

Staatsoper Unter Den Linden Berlin

Richtig schön old school ins lineare Fernsehprogramm wurde die Berliner Staatsoper eingeladen. Am 5. April, 22.15 Uhr, kann das Publikum zu Hause Verdis „Macbeth“ erleben – in der Glotze oder per Stream. Zum Ensemble zählen unter anderem Anna Netrebko, Kwangchul Youn, Fabio Sartori und der ja gerade wegen seiner Infektion mit dem Coronavirus in Quarantäne befindliche, nach Verwürfen sexueller Übergriffe vom Konzert- und Opernbetrieb eher ausgeschlossene Plácido Domingo. Die Produktion, die 2018 ihre Premiere feierte, war die letzte Inszenierung von Harry Kupfer an der Berliner Staatsoper vor seinem Tod am 30. Dezember 2019 in einem Berliner Krankenhaus.

Theater Osnabrück

Ein Klassiker als Groteske. Eine partysüchtige Gesellschaft ergibt sich tanzbar totaler Musikbeschallung, verliert völlig den Kontakt zum zivilisatorischen Ernst jenseits dieser Sound-Isolation und verfällt archaischem Verhalten. „Die Familie Schroffenstein“ von Heinrich von Kleist hat Daniel Foerster am Theater Osnabrück als rasendes Poptheater hergerichtet. Die letzte Vorstellung der Produktion musste Corona-natürlich entfallen. Das animierte die Schauspieler Katharina Kessler, Julius Janosch Schulte, Philippe Thelen und Filmerin Hannah Walther, eine Video-Dernière zu inszenieren – hier geht's zur wilden Abschiedsfeier einer wilden Kleist-Sause.

Theater an der Rott / Pandora Pop

Der Wilde Westen ist näher als man denkt, „High Noon“ daher das mahnende Endzeit-Western-Spektakel betitelt, das im Rahmen der Doppelpass-Kooperation des Stadttheaters Fürth mit dem Theater an der Rott und der freien Gruppe Pandora Pop entstand. Statt in der der Premiere im Kulturforum Fürth ist es heute und morgen hier online zu erleben. Ein (leider nur mau abgefilmter) wilder Ritt durch viral derzeit aktualisierte Themen: besorgte Bürger und ein unbekannter Virus erschweren den Bewohnern einer Kleinstadt irgendwo in Niederbayern das Leben, Konsumgüter und Nahrung sind rar, die Konfrontation mit den eigenen Ängsten und die Sehnsucht nach Normalität treiben die Überlebenden in die Arme von Quacksalbern und Populisten. Sie schotten sich ab. Eine Mauer muss her …

Thalia Theater Hamburg

Einfach nicht ausfallen darf eine Ode an die Freiheit in diesen Tagen. Und so haben Regisseur Antú Romero Nunes und sein Team kurz vor der Schließung des Theaters einfach ihre Proben mit Kamerabegleitung fortgesetzt. „Maria Stuart“, der erste Teil des geplanten Schiller-Triptychons, kam als „Probe am Thalia Theater Hamburg in unvollständiger Ausstattung“ zur Online-Premiere, unsere Autorin Barbara Behrendt war begeistert, heute, 3. April, ist die Wiederholung des königlichen Streits von Barbara Nüsse (Elisabeth) und Karin Neuhäuser (Maria Stuart) ab 19 Uhr, und dann für 24 Stunden, zu erleben. Morgen, Samstag, 4. April, ab 19 Uhr steht die Erstaufführung des zweiten Teils im Netz: „Wilhelm Tell“ – zu sehen sind beide Teile hier. Der 3. Teil wartet auf Realisierung in der Freiheit nach Corona.

Theater Kosmos Wien

„Schwieriges Thema“ ist das Ergebnis der Stückentwicklung programmatisch betitelt, schließlich geht es um ein Feuerwerk der Peinlichkeiten, also die Pubertät, Sturm und Drang im Hirn, Herz und Unterleib. Den pubertierenden Körper aber auch zärtlich als Modell für die fundamentale Erfahrung des Unpassend-Seins thematisieren Regisseurin Milena Michalek und ihr Wiener Ensemble. Noch irritierender werden die Leibesverwandlungen, da sie wie in Kafkas „Die Verwandlung“ insektenartige Ausmaße annehmen – ganz im Sinne des gegenaufklärerisch-aufklärerisch Denkens der feministischen Wissenschaftshistorikerin Donna Haraway, ihrer Ansicht nach sollten wir unsere DNA mit Genfolgen aus der Botanik oder Zoologie anreichern, so dass wir empathischer auch für die Lebensumstände der Pflanzen und Tiere und daher für deren Erhalt kämpfen würden. Auf nachtkritik.de ist die gerade erst im Februar uraufgeführte Produktion zu sehen am 8. April, 18 Uhr, und dann 24 Stunden verfügbar.

Landestheater Niederösterreich

Das Landestheater Niederösterreich ist seit dem Beginn der Koronamaßnahmen über „#theatertagebuch“ mit Lesungen, Hörspielen, Bastelworkshops, Fortsetzungsgeschichten und so weiter online, wagt sich nun aber auch mit aktuellen Produktionen ins Licht der digital gefütterten Bildschirme dieser Welt. „Italienische Nacht“ von Ödön von Horváth ist in der Inszenierung Alia Luques am Samstag, 4. April, ebenso ab 16 Uhr zu sehen wie „Die Nibelungen“ nach Friedrich Hebbel, Inszenierung Mathias Spaan, am Donnerstag, 9. April, für Menschen ab 12 Jahren. Die Aufzeichnungen der jeweiligen Generalproben hat Filmemacher Johannes Hammel realisiert, als Online-Stream sind sie auf www.landestheater.net jeweils für 24 Stunden ohne Anmeldung frei verfügbar. Am heutigen Freitag, 3. April, eröffnet dort zudem die Ausstellung „Theaterräume“ mit Fotografien von Tilman Rose, das Ensemblemitglied hat während der Proben, vor den Auftritten auf der Hinter- und Seitenbühne, in der Maske, in der Garderobe und beim Pendeln ins Theater einige persönliche Momente mit den Kollegen festgehalten.

Theater Chemnitz

Theater-Leben findet trotz allem auch Chemnitz statt: Zuhause am Schreibtisch auf Reisen durch die Welt der Fantasie. Unter „#BuehneZuhause“ bespielen die Künstler mit kleinen Geschichten, individuellen Erlebnissen und Mitmachabenteuern den digitalen Raum, besonders hübsch: Puppenspieler Tobias Eisenkrämer produziert kleine Trickfilme mit Origami-Pinguinen als Hauptdarsteller – kann man auf der Facebookseite des Theaters mal reinschauen. 

Stuttgart Ballett

„StuttgartBallet@Home“ erfreut die Fans mit dem zeitgenössischen Ballettabend Creations I – III, der ab sofort bis zum 7. April, 22 Uhr, online abrufbar ist. Es handelt sich um Uraufführungen dreier Tänzer als Nachwuchschoreografen. Fabiao Adorisio realisiert nach seinem neoklassischen „Or Noir“ (2018) sein zweites Werk für die Compagnie. Roman Novitzky habe sich „mit kurzweiligen, oftmals lustigen Stücken einen Namen gemacht, die entlang einer Handlung Einblicke in unser heutiges Leben gewähren“, heißt es auf der Website des Balletts. Andreas Heise, bis vor Kurzem Solist des Norwegischen Nationalballetts, choreografiert zum ersten Mal für das Stuttgarter Ballett.

Schauspielhaus Zürich

In Zürich hielten sich Schauspielchef Nicolas Stemanns und seinem Team erstmal zurück nach dem Shutdown, da „ein medialer Overload einsetzte, der ihnen verdächtig vorkam“, wie es in einer Mitteilung des Hauses heißt. „Das Theater der Ko-Präsenz und des Livemoments lässt sich nicht so einfach in den digitalen Raum übersetzen. Das kann und wird nicht funktionieren – natürlich aber werden ganz andere Dinge entstehen.“ Und so versucht Stemann nun mit einem Projekt die Coronaviren zu vertreiben wie es den Oberammergauern mit der Pest gelang. Schworen sie doch 1633, ein Theater zu gründen und auf ewig alle zehn Jahre ein Passionsspiel aufzuführen, wenn der schwarze Tod besiegt sei. „Sofort war die Pest beendet und fortan kein Toter mehr zu beklagen. Der Schwur wurde eingelöst – bis zu diesem Jahr, da die Passionsspiele erstmalig seit ihrer Gründung nicht stattfinden können - ironischerweise ausgerechnet aufgrund einer Pandemie“, sagt Stemann, „vielleicht kann Theater also mehr ausrichten als man denkt.“ Als schreibt, komponiert und inszeniert er „Corona Passionsspiele“. Bisher gibt es nur Ideen zu Liedern, aber ein Stück soll an den aktuellen Umständen entlang geschrieben und von Emma-Lou Herrmann gefilmt werden. Die Schaumstoffknautschpuppenspieler von Das Helmi und Musiker Burkhard Niggemeier sind eingeladen zum Work in Progress, der anhand von Videoclips zu verfolgen ist – erste Impressionen gibt es hier.

Staatsoper Stuttgart

Die Staatsoper Stuttgart setzt das kostenlose Opernprogramm „Oper trotz Corona“ auf ihrer Website fort, am heutigen Freitag, 3. April, startet um 17 Uhr John Adams‘ Oper „Nixon in China“ als Live-Aufzeichnung einer Aufführung. Englisch wird gesungen, deutsche Untertitel sind zu sehen – eine Woche lang auf der Website der Staatsoper Stuttgart. Dort hatte das Werk in der Inszenierung von Marco Štorman am 7. April 2019 Premiere. Es dirigiert André de Ridder. Unsere Rezension dazu gibt es hier.

Theater Krefeld Mönchengladbach

Mitglieder des Spamalot-Ensembles des Monty-Python-Musicals animieren, sich auch jetzt den Spaß nicht verbieten zu lassen: Always look on the bright side of life. ☀💋🎉

 

Liebe Theatermenschen, wer neue Online-Aktivitäten welcher Art auch immer ankündigen oder darauf hinweisen möchte, was schon (und bis wann noch) im Internet zu sehen ist – ich freue mich, wenn Sie einfach eine Mail schreiben mit Daten, Infos und Links an Jens Fischer unter coronatheater@aol.com