Ernst von Siemens Musikpreis 2019 für Rebecca Saunders

Von Detlef Brandenburg am 17.01.2019 • Bild: EvS Musikstiftung
Das Bild zeigt: Rebecca Saunders erhält den Ernst von Siemens Muikpreis 2019, der am 7. Juni im Münchner Prinzregenttheater verliehen wird.

Rebecca Saunders erhält den Ernst von Siemens Musikpreis 2019. Das teilte die Ernst von Siemens Musikstiftung heute mit. Die Auszeichnung ist mit 250.000 Euro dotiert, die Preisverleihung findet am 7. Juni 2019 im Münchner Prinzregententheater statt.

In der Theaterwelt erregte die britische Komponistin gleich mit ihrem ersten Bühnenwerk großes Aufsehen, mit „insideout“, einer 90-minütigen Kollage für eine choreographierte Installation, die sie in Zusammenarbeit mit Sasha Waltz schuf. Das Werk wurde inzwischen weltweit über einhundertmal aufgeführt. 2017 schrieb sie für das Ensemble Musikfabrik, Donatienne Michel-Dansac und Enno Poppe „Yes“, eine 80-minütige räumliche Kompositionsinstallation, die für die architektonisch außergewöhnlichen Räume der Berliner Philharmonie und der Kathedrale St. Eustache (Paris) konzipiert ist.

Die 1967 in London geborene Komponistin beschrieb ihre Arbeit einmal als einen Versuch, Klänge aus einer Oberfläche scheinbarer Stille zu lösen und zu formen. Bislang schuf sie über 60 Werke nahezu aller Gattungen, die von international renommierten Musikern und Ensembles aufgeführt wurden. Die Siemens Musikstiftung schreibt über sie: „Seit den ersten Erkundungen einzelner Klänge hat sie mit jedem Stück einen weiteren Schritt gewagt und beispiellos ihre eigene Klangsprache weiterentwickelt. Das Kuratorium der Ernst von Siemens Musikstiftung zeichnet Rebecca Saunders für ein kompositorisches Werk aus, das durch seine produktive Widersprüchlichkeit, die Vielfalt klangfarblicher Nuancen und eine unverwechselbare Klangsprache ,sichtbare‘ und bedeutende Spuren in der Musikgeschichte der Gegenwart hinterlässt.“

Saunders wuchs in einem musikalischen Umfeld auf, beide Eltern waren Pianisten. Sie selbst spielte Violine, insbesondere Werke von Johann Sebastian Bach. Ein Konzert mit Wolfgang Rihms „Chiffren“-Zyklus, dessen Musik sie durch ihre tiefe Sinnlichkeit und lebensbejahende Kraft zutiefst beeindruckte, führte sie zum Studium nach Karlsruhe und ebnete den Weg zur eigenständigen Komponistenpersönlichkeit. Beinahe obsessiv, so die Siemens Musikstiftung, habe sich Saunders mit den Schriften Samuel Becketts befasst: Der Pressetext zitiert sie mit den Worten: „Ich finde seine Werke hypnotisierend und äußerst inspirierend – die Vielfalt der Bedeutungen von Stille, die quasi Wiederholungen, die immer zum selben Ausgangspunkt wiederkehrenden Wortlabyrinthe. Und dann gibt es eine Art von Stille, die Ungewissheit, das Warten – Becketts Unwort, das Nichtgesagte, das Schwebende zwischen den Worten.“

Am 7. Juni wird Peter Ruzicka, Vorsitzender des Stiftungsrates der Ernst von Siemens Musikstiftung, im Prinzregententheater München den Preis an Rebecca Saunders überreichen. Das Ensemble Musikfabrik, mit dem Saunders seit vielen Jahren eng zusammenarbeitet, spielt unter der Leitung von Enno Poppe ihr Stück „Skin“ (2016) für Sopran und 13 Instrumente. Zudem verleiht die Ernst von Siemens Musikstiftung drei Förderpreise an junge, vielversprechende Komponisten. Deren Namen werden Ende Februar bekanntgegeben.