Aus der Redaktion: Covershooting mit Hasti Molavian

Von Detlef Brandenburg am 11.01.2021 • Bild: Detlef Brandenburg
Das Bild zeigt: Titelshooting in Coronazeiten: Hasti Molavian durfte sich ohne Maske bewegen. Aber bei Unterschreitung des Mindestabstandes hieß es für unseren Fotografen Tobias Kruse von der Berlin Agentur Ostkreuz: Maske hoch! Auch wenn ihm dadurch dauernd der Sucher beschlug…

In diesen Tagen, in denen wir Redakteure im Teil-Homeoffice arbeiten und kaum noch auf Reisen gehen, weil es im Lockdown ja keine lohnenden Reiseziele – sprich: keine Premieren und kaum Begegnungsmöglichkeiten – mehr gibt, ist man ja froh, wenn man überhaupt mal rauskommt. Und wenn der Anlass dann sogar ein Covershooting ist, was ohnehin immer viel Freude macht, weil unsere Titelkünstler sich die Location selbst aussuchen und dann natürlich viel darüber erzählen, was sie mit diesem Ort verbinden… Ja, dann ist das ein richtiges Highlight, nicht nur in der Lockdown-Tristesse, aber dann um so mehr! Diesmal hatte ich das große Los gezogen und traf mich mit unserer März-Titelkünstlerin, der Mezzosopranistin Hasti Molavian, und unserem Titelfotografen Tobias Kruse von der Berliner Agentur Ostkreuz in der Bochumer Jahrhunderthalle.

Wahrzeichen der Bochumer Jahrhunderthalle: die beiden Wassertürme 
Wahrzeichen der Bochumer Jahrhunderthalle: die beiden Wassertürme

Auch diese großartige Industrie-Kathedrale, die durch die Veranstaltungen der Ruhrtriennale weltweit bekannt wurde, liegt ja im Corona-Schlaf – aber nicht ganz. Denn in einer Nebenhalle tagt, architektonisch reizvoll und mit weitem Sicherheitsabstand, gelegentlich der Bochumer Stadtrat.

Hier tagt, unter müheloser Einhaltung des seuchenhygienischen Sicherheitsabstandes, der Bochumer Stadtrat 
Hier tagt, unter müheloser Einhaltung des seuchenhygienischen Sicherheitsabstandes, der Bochumer Stadtrat

Dass Hasti Molavian gerade hier fotografiert werden wollte, hat einen besonderen Grund: Hier nämlich kam sie als Mitwirkende bei mehreren Ruhrtriennale-Produktionen zwischen 2010 und 2013 mit dezidiert avantgardistischer Musiktheater-Kunst in Berührung, nachdem sie Teheran, wo sie 1988 geboren wurde, verlassen hatte, um in Deutschland Operngesang zu studieren.

Auch der Bochumer Westpark, dessen Zentrum die Jahrhunderthalle bildet, bietet reizvolle Fotomotive
Auch der Bochumer Westpark, dessen Zentrum die Jahrhunderthalle bildet, bietet reizvolle Fotomotive

Wobei sie am Operngesang aber nicht allein der Gesang, sondern mindestens ebenso das Theater interessiert. In Teheran hatte sie kaum eine Vorstellung von Oper, denn die gab es nach der Kulturrevolution im Iran nicht mehr. Sie kannte aber deutsches Schauspiel und dachte, Oper in Deutschland sei halt Schauspiel mit Musik. Als sie dann hier erste konventionelle Opernvorstellung sah, war sie fast enttäuscht, denn das war nicht unbedingt das, was sie als Sängerin interessierte.

Gelegentlich ist bei so einem Titelshooting auch Bodenturnen gefragt
Gelegentlich ist bei so einem Titelshooting auch Bodenturnen gefragt

Das aber fand sie dann aber in Bochum, in der Jahrhunderthalle, wo sie unter anderem in Samir Odeh-Tamimis „Leila und Madschnun“, Carl Orffs „Prometheus“ in der Regie von Lemi Ponifasio und Helmut Lachenmanns „Mädchen mit den Schwefelhölzern“ in einer Inszenierung von Robert Wilson mitwirkte. Von 2015 bis 2020 war sie dann Ensemblemitglied am Theater Bielefeld.

Die mit dem Fotografen tanzt
Die mit dem Fotografen tanzt

Allerdings hätte es noch einen anderen Ort gegeben, an dem Hasti Molavian sehr gern fotografiert worden wäre: das frisch renovierte Wiener Volkstheater, wo der vormalige Dortmunder Schauspiel-Intendant Kay Voges sich anschickt, ein spartenübergreifendes Labor für zeitgenössisches Theater zu etablieren. Genau die Art von Theater also, die Hasti Molavian interessiert. Darüber, dass sie nun im Ensemble von Kay Voges mitmachen darf bei diesem Unternehmen, ist sie überglücklich. Das ist genau die Art von Theater, die sie interessiert, und es gibt bereits ein schönes Video vom Volksthetaer mit ihr. Nur war unter dem Diktat von Corona ein Fotoshooting in Wien für uns leider nicht möglich.

Viel Platz für den nötigen Sicherheitsabstand… 
Viel Platz für den nötigen Sicherheitsabstand…

Aber natürlich wird auch Voges‘ Start in Wien durch Corona massiv beeinträchtigt. Um den Corona-Leerlauf zu überbrücken, hat Hasti Molavian gemeinsam mit ihrem Mann, dem Opernregisseur Paul-Georg Dittrich, ein iranisch-europäisches Musiktheater-Projekt entwickelt: „Ich bin Carmen“, in dessen interkultureller Konzeption sich ihre Biographie widerspiegelt. Seit Dezember bringen wir in unserer Print-Ausgabe einen Werksattbericht über dieses Projekt.

Auch Tanzposen aus ihrem Opernprojekt „Ich bin Carmen“ bot Hasti Molavian unserem Fotografen Tobias Kruse an 
Auch Tanzposen aus ihrem Opernprojekt „Ich bin Carmen“ bot Hasti Molavian unserem Fotografen Tobias Kruse an

Die letzte Folge des Werkstattberichts erscheint im Märzheft, in dem Hasti Molavian unsere Titelkünstlerin sein wird, mit einem der Fotos, die Tobias Kruse in der Jahrhunderthalle geschossen hat. Und so Corona denn gnädig ist, wird „Ich bin Carmen“ am 11. März am Theater Bremen Uraufführung haben.

Fotoshootings mit Tobias Kruse sind immer auch sportliche Leistungen!

Fotoshootings mit Tobias Kruse sind immer auch sportliche Leistungen!

Welches Foto dann auf unserer Titelseite sein wird, das entscheidet sich bei unserem nächsten Layoutmeeting Ende Januar – nach ausführlicher und manchmal durchaus temperamentvoller Diskussion mit unserer Art Direktorin Almut Moritz und unserem Verlagsberater Andreas Möller. Wir sind selbst sehr gespannt darauf, auf welches Bild die Wahl dann fallen wird!