Bye bye, Bayreuth

Von Detlef Brandenburg am 31.03.2020 • Bild: Jörg Schulze
Das Bild zeigt: Auf das Bayreuther Festspielhaus wartet ein trüber Sommer ohne Opern, ohne Gäste...

Nein, das kommt nun wirklich nicht plötzlich und unerwartet. Das Corona-Virus vagabundiert durch die Welt. Und während in dem einen Land die Infektionskurve gerade wieder abflacht, ploppt sie in einem anderen wieder hoch. Dieses unberechenbare Vagabundieren wird die Welt absehbar noch auf Monate in Atem halten – auch noch im Juli, wenn in Bayreuth und anderswo die Festspiele beginnen.

Dass sich in so einer Situation fast 2000 Menschen aus allen Winkeln der Welt dicht an dicht im Bayreuther Festspielhaus versammeln, dass sie sich an den Türen drängen, nach der Vorstellung trinken und feiern – wenn man ehrlich ist, muss man zugeben: Diese Vorstellung war eigentlich schon an jenem Freitag dem 13., an dem der Shutdown in Deutschland Konturen annahm, undenkbar geworden. Trotzdem ist mir heute doch nochmal der Schreck in die Glieder gefahren, als Katharina Wagner auf Bayern Klassik mit rauer Stimme, hörbar geschockt, die Absage der Festspiele 2020 verkündete. Sie ließ keinen Zweifel, dass diese Entscheidung nötig ist, denn: „Es geht um die Gesundheit der Menschen“.

Damit zerstiebt die Freude auf den weltweit mit Spannung erwarteten neuen „Ring“ des jungen Regisseurs Valentin Schwarz. Und mit dem Sommerprogramm 2020 fällt ein ganzes Kartenhaus dispositioneller Abhängigkeiten in sich zusammen. Auch 2021 wird deshalb der neue Ring nicht starten können, Katharina will prüfen, ob das dann wenigstens 2022 möglich sein wird. Sicher ist es nicht. Das letzte Mal wurden die Bayreuther Festspiele wegen des Zweiten Weltkriegs unterbrochen. Nun fordert das Virus seinen Tribut. Es tötet Menschen; es erzwingt die Einschränkung von Freiheiten; und es macht unsere Welt ärmer, nicht nur wirtschaftlich, sondern wahrlich auch kulturell…

Man muss kein Prophet sein, um Salzburg, Bregenz und anderen Festspielen das gleiche Schicksal vorauszusagen. Was auf dem Grünen Hügel undenkbar ist, wird an der Salzach oder anderswo kaum möglich sein. Auf uns alle, die wir die Oper und das Theater lieben, wartet ein trauriger Sommer.