Meinung: Bundesverdienstkreuz für Horst Johanning

Von Detlef Brandenburg am 23.04.2021 • Bild: Sascha Engst/Bundesstadt Bonn
Das Bild zeigt: Die Bonner Bürgermeisterin Melanie Grabowy und Horst Johanning

Nun hat also Horst Johanning, der Chef und die Seele des Bonner Contra-Kreis-Theaters, das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen bekommen, formell von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, aber übergeben hat es ihm die Bonner Bürgermeisterin Melanie Grabowy im Alten Rathaus, im kleinsten Kreis. So ist das halt in diesen vogelwilden Zeiten. Ich habe mich wirklich gefreut, für und mit diesem vielerfahrenen Theatermann, und wir würden sicher bald mit einem Glas Sangiovese darauf anstoßen, wenn nur eben diese Zeiten nicht wären.

Seit 1980 und über lange Jahre gemeinsam mit Katinka Hoffmann als Partnerin ist Johanning künstlerischer Leiter und Geschäftsführer dieses wunderbaren kleinen Theaters, das immerhin doch Bonns größtes und ältestes seiner Art ist. Mit seinem Haus verkörpert Johanning alles, was am Genre Privattheater liebenswert ist: die Zugewandtheit gegenüber dem Publikum, die durch die hautnahe, fast intime Spielsituation noch betont wird; das warmherzige Verhältnis zu seinen Künstlern; und diesen leisen Touch des gewandten Impresarios, der geschickt vermittelt zwischen der Kunst und dem Publikum, dem Geschäftlichen und dem „Höheren“. Das ist ja eine Geschicklichkeit, die jeder braucht in dieser Theaterform, die eben nicht in erster Linie von öffentlicher Förderung lebt, sondern vom geschäftlichen Einsatz der Eigentümer. Es muss stimmen an der Kasse. Sonst kann so ein Haus auch mal pleite gehen.

Horst Johanning steht dafür, dass es nicht nur an der Kasse, sondern auch auf der Bühne stimmt. Er ist mit Leib und Seele Theatermann, nicht nur im Contra-Kreis. Es gibt vermutlich kaum ein namhaftes Privattheater in Deutschland, Österreich oder der Schweiz, auf dessen Bühne Johanning nicht schon mal zugange gewesen wäre: als Schauspieler oder als Regisseur. Auf mehr als 200 Inszenierungen bringt er es laut Contra-Kreis-Homepage, manche davon schafften es sogar bis ins Fernsehen. Er hat sich aber auch weit über seine eigene künstlerische Arbeit hinaus stark gemacht für diese Theaterform. Im Deutschen Bühnenverein war er über viele Jahre Vorsitzender der Privattheatergruppe. Und von 2001 bis 2017 hat er diesen Verband als Vizepräsident mehrfach durch turbulente Zeiten geführt. Der Bühnenverein ist ja der Herausgeber der DEUTSCHEN BÜHNE. Mir als deren Chefredakteur war Horst Johanning sowohl als Vizepräsident wie auch als Vertreter der Privattheater stets ein kritischer, aber fairer und sehr solidarischer Partner. Ein integrer Ansprechpartner für alle Theaterfragen ist er mir bis heute. Und gern auch immer wieder mal für Weinfragen.