„Betriebsklima-Katastrophe in Halle“

Von Detlef Brandenburg am 08.04.2019

Der Vorwurf, dass am Theater Halle die Mäuse auf den Tischen tanzen und die Geschäftsführung auf einigen künstlerischen Abteilungen des Hauses herumtrampelt, ist inzwischen ja ein offen diskutiertes Geheimnis. Die Parteigänger des Geschäftsführers Stefan Rosinski haben das bislang aber immer so gedreht, dass alle, die die Zustände kritisierten, diese gar nicht beurteilen können, weil es erstens halt Leute von außen sind, die sowoeso keine Ahnung haben, und weil sie zweitens als Parteigänger eines vermeintlichen Großkulturkartells agieren, die alle miteinander und mit dem Opernintendanten Florian Lutz und seiner Mannschaft innig verschworen sind. Sogar die Verleihung des Deutschen Theaterpreises DER FAUST an Sebastian Hannaks Raumbühne HETEROTOPIA wurde auf diese Weise diskreditiert. Diese Verschwörungslegende, die fatal ans das „Systemparteien“-Dogma der AfD erinnert, wird beim neusten offenen Brief an den Aufsichtsrat zur „Betriebsklima-Katastrophe“ am Theater Halle schwerlich anwendbar sein. Denn der kommt aus dem inneren das Hauses selbst, vom Ensemble des Neuen Theaters und des Thalia Theaters. Wir zitieren im Wortlaut:

 

„Offener Brief des Ensembles NEUES THEATER und THALIA THEATER zur Betriebsklimakatastrophe

1. Wir möchten den Fokus der öffentlichen Wahrnehmung schärfen.

2. Wir möchten der geführten Debatte unsere Perspektive hinzufügen.

3. Wir arbeiten nunmehr im 8. Jahr unter der Leitung von Matthias Brenner.

4. Diese Zusammenarbeit öffnet kreative Räume und menschliche Vielfalt.

5. Wir erfreuen uns eines extrem hohen Publikumszuspruchs.

6. Unsere Zusammenarbeit gewährleistet ein integriertes Ensemblemodell und den

Erhalt des einzigen Kinder- und Jugendtheaters in Sachsen-Anhalt.

7. Unsere Zusammenarbeit vermittelt seit Jahren Schauspielstudent*innen an die

Bühnen des deutschsprachigen Theaterraumes.

8. Wir zeigen uns massiv irritiert über das destruktive Potenzial der

Geschäftsführung.

9. Wir zeigen uns massiv irritiert über den öffentlichkeitswirksamen

Schulterschluss mit einer mutmaßlich bloßgestellten Mitarbeiterin,

nachdem in anderen Fällen mehrere Mitarbeiterinnen von der

Geschäftsführung verklagt oder entlassen worden sind.

10. Wir möchten das Votum des Aufsichtsrates für Matthias Brenner

und sein Ensemble in eine konstruktive Zukunft überführen.

11. Unsere Zusammenarbeit wird destabilisiert durch das belastende

Verhalten der Geschäftsführung.

12. Wir fordern den Deutschen Bühnenverein auf, eine unabhängige

und schlichtende Instanz einzusetzen, um zwischen Geschäftsführung,

künstlerischer Leitung und Aufsichtsrat der TOOH zu vermitteln.

Halle, den 8. April 2019“