Zwischenruf: Berliner Intendanzen

Von Andreas Falentin am 06.11.2020 • Bild: Lupi Spuma
Das Bild zeigt: Iris Laufenberg, die zukünftige Intendantin des Deutschen Theaters in Berlin

Relativ geräuschlos stellt die Stadt Berlin ausgerechnet in der ersten Lockdown-Woche die Weichen für die Zukunft von zwei ihrer wesentlichen Schauspielhäuser. Wie gestern bekannt wurde, wird Oliver Reese das Berliner Ensemble bis mindestens 2027 leiten, eine Entscheidung, für die neben der künstlerischen Seite sicher Reeses seriöses, teilweise sogar innovatives Management der Corona-Krise an seinem Haus eine Rolle gespielt hat.

Heute verlautet nun, dass Iris Laufenberg ab der Spielzeit 2023/24 als Nachfolgerin des dann 72-jährigen Ulrich Khuon Intendantin des Deutschen Theaters wird. Damit wird sie die erste Frau an der Spitze des Traditionshauses. Laufenberg war nach ihrem Studium der angewandten Theaterwissenschaft in Gießen Schauspieldirektorin in Bern und leitet seit 2015 das Schauspielhaus in Graz. Vorher leitete sie von 2003 bis 2011 das Berliner Theatertreffen, kennt also die Stadt gut, in der sie nun in einen großen Intendantenschatten tritt. Laufenberg denkt Theater explizit in europäischen Zusammenhängen. Ihre Spielpläne werden von neuer und neuester Dramatik dominiert, was im besten Fall Kontinuität und Aufbruch für das DT verspricht. Obwohl sich der eine oder die andere sicher einen prominenteren Namen für das Haus vorgestellt hat.