Barrie Kosky hört als Intendant auf

Von Detlef Brandenburg am 29.01.2019 • Bild: Thomas M. Jauk

Durch die Berliner Medien geistern seit gestern Berichte, die Anlass zur Sorge geben: Barrie Kosky, Intendant der Komischen Oper, will seinen Vertrag nicht über 2022 hinaus verlängern. Die Nachrichtenlage ist bislang noch diffus. Es gibt wenig offizielle Statements, aber viele Vermutungen, warum das so ist. Kosky hatte von Anfang an gesagt, dass für ihn nach zehn Jahren Schluss sein sollte. 2012 hatte er angefangen, also… Außerdem steht ab 2022 die Sanierung des Hauses bevor; die Aussicht, dann im Schillertheater zu spielen, dürfte der umtriebige Entertainer-Künstler Kosky als nicht besonders rosig empfinden. Es gibt auch Spekulationen, dass er dem Haus irgendwie verbunden bleibt, vielleicht als Chefregisseur, zumindest für regelmäßige Gast-Inszenierungen. Aber dass er aufhört, scheint klar zu sein.

Und das gibt Anlass zur Sorge. Wer die Jahre vor 2012 erlebt hat, erinnert sich lebhaft, wie sich die drei Berliner Opernhäuser mit ihren dramaturgischen Profilen und Spielplan-Doubletten permanent ins Gehege kamen. Sogar über Fusionen wurde schon mal nachgedacht. Dass sich das entzerrt hat, liegt an dem besonderen Profil, das Kosky der Komischen Oper gegeben hat: ein Haus, das für kluges Entertainment steht, zugleich aber auch für ambitioniertes Musiktheater in außergewöhnlichen Regie-Handschriften. Plötzlich war die Komische Oper sozusagen die lachende Dritte, auch das Publikum amüsierte sich prächtig, folgte Kosky dann aber auch zu ambitionierten Abenteuern des Opern-Erlebens. Und es war nicht zuletzt auch seine Regiehandschrift, die – vom „Ball im Savoy“ bis „Moses und Aron“ – das Fundament legte für das Profil des Hauses. Kosky ist Kult. Und die „Komische“ auch.

Es ist schwer vorstellbar, dass dieses Profil ohne hin durchzuhalten ist. Und man darf auch unterstellen, dass die sanierungsbedingte Vertreibung aus dem Stammhaus zu Einbrüchen beim Publikum führt. Wenn dann – wann auch immer, das weiß man ja bei Sanierungen nie so genau – die Rückkehr an die Behrenstraße ohne Kosky ansteht, muss sich Berlins Opernlandschaft neu sortieren. Das, so darf man prophezeien, kann heikel werden.