Wer ist Elias?
Vollends aufzugehen in seiner Titelrolle scheint auch der Koreaner Kihun Yoon, dessen schöner Bassbariton nur gelegentlich zu sehr die Muskeln spielen lässt. Als Prophet hadert er nicht nur mit dem Schicksal des Volkes Israels, sondern auch mit seinem eigenen. Die vom Bibeltext vorgegebene Wundertat, ein totes Kind wieder zum Leben zu erwecken, gelingt ihm nicht, und auch das extremklimagebeutelte Volk kann er mit seinen monotheistischen Glaubenssätzen nur kurzzeitig auf seine Seite ziehen. Ohnehin wirken er und sein treuer Begleiter Obadjah (Mark Serdiuk) in ihren Business-Outfits wie Fremdkörper im Geschehen, in dem mit drei Engeln auf dem Fahrrad und einem neckischen Teufelchen-Quartett auch der Witz nicht fehlt. Eine Haftpflichtversicherung würde man den beiden abkaufen, aber kein Glaubenssystem.
So bleibt die Rolle des Elias unklar. Ist er ein esoterischer Verführer, der die wissenschaftlichen Fakten des Klimawandels für seine religiös-spirituellen Zwecke instrumentalisiert? Dafür ist das Identifikationsangebot mit seiner Figur zu groß. Am Ende scheitert der Prophet. Für die Ankunft des Messias, den das Oratorium feiert, findet Anthony Pilavachi ein ernüchterndes Bild: Der vermeintliche Erlöser entpuppt sich als skrupelloser General (Johannes Leander Maas), der das Königspaar ermordet, um seine eigene Diktatur zu etablieren. Ein bitterer, aber musikalisch und szenisch mitreißender Blick auf die Versprechen der Bibel, den das Publikum am Premierenabend mit langanhaltendem Jubel quittiert.