Wie einst im politisch inkorrekten Mai...

Wie einst im politisch inkorrekten Mai...

Andiswa Makana (Solea) und Carlos Moreno (Stierkämpfer) in der Rarität "El Gato Montés" in Kaiserslautern

© Foto: Pfalztheater Kaiserslautern
Musiktheaterkritik

Liebe über den Tod hinaus

von Konstanze Führlbeck

Manuel Penella: El Gato Montés

Premiere: 26.05.2018
Pfalztheater Kaiserslautern
Homepage: www.pfalztheater.de

Regie: Alfonso Romero Mora
Musikalische Leitung: Rodrigo Tomillo

Eine Frau zwischen zwei Männern – diese Konstellation ist der dramatische Motor der Oper „El Gato Montes“ („Die Wildkatze“) – des spanischen Komponisten Manuel Penella (1880-1939) aus dem Jahr 1917, die das Pfalztheater Kaiserslautern als deutsche Erstaufführung in einer Inszenierung von Alfonso Romero Mora zeigt. 

Die Zigeunerin Solea (Andiswa Makana) wird von dem erfolgreichen Stierkämpfer Rafael (Antonio Carlos Moreno) umworben, der sie von der Straße geholt und ihr ein Zuhause gegeben hat. Heimlich liebt sie aber Juanillo (Daniel de Vicente), der ihretwegen zum Banditen El Gato Montes geworden ist. Sie kann sich nicht zwischen den beiden Männern entscheiden – bis Rafael nach düsteren Prophezeiungen und Drohungen in der Stierkampfarena stirbt und sie dort ebenfalls den Tod sucht.

Alfonso Romero Mora setzt in seiner Inszenierung auf klare, aussagekräftige Symbole und eine stringente, psychologisch stimmige Personenführung. Die dominierenden Farben auf der Einheitsbühne von Ricardo Sanchez Cuerda sind rot und schwarz, so wie sich auch die Handlung zwischen den Polen Liebe und Tod bewegt. Während die Protagonisten farbenprächtige Trachten tragen, hat Kostümbildnerin Rosa Garcia Andujar die Dorfgemeinschaft beziehungsweise das Volk in der Arena in einfache, doch bunte Kostüme gekleidet. 

Die Handlung setzt naturalistisch im Haus von Rafaels Mutter Frasquita (Polina Artsis) ein. Hier steht ein großer Tisch auf einem leicht schräg gekippten Kreis, über dem eine große Dornenkrone hängt. Die Besucher gruppieren sich außerhalb dieser exponierten Fläche. Hier wird der siegreiche Torero Rafael von seinen Freunden und Padre Anton (Bartolomeo Stasch) gefeiert, hier umwirbt er Solea, hier trifft er mit Juanillo zusammen, hier prophezeit ihm eine Zigeunerin (Rosario Chavez) den Tod bei seinem nächsten Kampf. 

Hier findet auch der tödliche Stierkampf statt – ein von Elena Iglesias Galan stilisiert durchchoreografierter Todestanz zwischen Rafael auf der einen, einem Tänzer und einer Tänzerin auf der anderen Seite; große leuchtend rotgelbe Speere, die sich in die Szene herabsenken, unterstreichen die Gefahr. Der bruchlose Wechsel von der naturalistischen zur symbolischen Regie ist eine der Stärken dieser Inszenierung. 

Die Welt als Bühne, der Kreis des Lebens – Romero Mora greift Symbole des Barocktheaters auf. Denn auch der dritte Protagonist findet hier seinen Tod. Die Gräber von Rafael und Solea liegen auf diesem Kreis, und vor Soleas Grab bricht Juanillo in einer zutiefst ergreifenden Szene zusammen. Hier lässt er sich von seinem Gefolgsmann Caireles (Radoslaw Wielgus) erschießen, um seiner Gefangennahme zu entgehen und wenigstens im Tod mit Solea vereint zu sein. 

Nicht nur das Stierkämpfermilieu, sondern vor allem auch die Musik verorten „El Gato Montes“ im Verismo, ein spanischer Zwilling von Pietro Mascagnis „Cavalleria Rusticana“. Die Kraft, Frische und Farbigkeit dieser Musik fängt das Orchester des Pfalztheaters Kaiserslautern unter dem schwungvollen, packenden Dirigat von Rodrigo Tomillo hervorragend ein. Auch die Hauptdarsteller brillieren, allen voran die junge Südafrikanerin Andiswa Makana, deren mühelos strömender Sopran lyrische Feinheit mit dramatischer Kraft verbindet und die als echte Entdeckung an die junge Michele Crider erinnert. Carlos Morena als Rafael steuert einen kraftvollen Heldentenor mit leuchtender Höhe bei. Darstellerisch wie musikalisch facettenreich reiht sich Bariton Daniel de Vicente als Juanillo in das Sängertrio ein. Chor und Kinderchor des Pfalztheaters runden ein stimmiges Ensemble in dieser spannenden Neuentdeckung ab.