Stefan Bachmann

Stefan Bachmann

© Foto: Paul Leclaire
Zwischenruf

Für die Scheidung von Privatem und Theater

von Detlev Baur
Die jüngsten Vorwürfe gegen den Kölner Schauspielintendanten und seine Frau legen einen neuen Umgang mit Familienverbindungen im Theater nah

Machtmissbrauch und Mobbing am Kölner Schauspiel? Verweist der Artikel vom 25. Mai im Spiegel wirklich auf „das Symptom einer schwelenden Stadttheater-Krise“, wie anschließend in der taz zu lesen war? Oder ist er nicht eher Anzeichen einer zunehmenden Hysterie, die sich aus persönlichen Unzufriedenheiten nährt, und in der voyeuristischer, nicht genau recherchierter Journalismus betrieben wird? Denn natürlich sind Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in diesen Traumfabriken zuweilen unzufrieden oder werden ungerecht behandelt. Das hat aber weniger mit den Strukturen am Theater zu tun, sondern eher mit zwischenmenschlichen Konflikten, wie sie auch in Redaktionen oder Kindergärten (unter den Erzieherinnen und Erziehern) auftauchen. Nach unreflektierter Abwehr im ersten Moment hat Schauspielintendant Stefan Bachmann sehr gut daran getan, eine externe Mediatorin für die Konflikte am Haus einzusetzen. Schließlich ist er selbst als Ehemann und Theaterleiter von der Affäre betroffen. 

Doch einmal abgesehen von Schuld- und Therapiefragen im „Kölner Fall“: Die Theater sind gerade dabei, sich einen wertebasierten Verhaltenskodex zu geben, als Folge der #MeToo-Debatte und nach den öffentlich diskriminierten, schlechten Beispielen des ehemaligen Burgtheater-Intendanten Matthias Hartmann und des Film- und Theaterregisseurs Dieter Wedel. Mit dieser Selbstverpflichtung soll die klare Trennung zwischen Privatpersonen einerseits und Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern andererseits gewährleistet werden. Dafür wäre es aber konsequenterweise notwendig, dass auch Familienverhältnisse im Theaterbetrieb grundsätzlich überdacht werden.

Es ist nicht unüblich, dass Theaterleute untereinander liiert sind. Das liegt unter anderem am mangelnden Privatleben außerhalb des Theaters. Liebe und Familienbande im Theater sollen auch keineswegs verdammt werden; allerdings dürften auch hier ein paar klare Regeln notwendig sein. Dass Theaterleiter ihren Partner bzw. ihre Partnerin am Haus beschäftigen, sollte besser unterbleiben, sonst sind Unterstellungen Tür und Tor geöffnet. Denn an Stadt- oder Staatstheatern darf der Anschein von Nepotismus erst gar nicht aufkommen.

Großartigen Theaterfamilien wie der Familie Thalbach, aber auch zahlreichen anderen (die dank unterschiedlicher Nachnamen nicht immer erkennbar sind) verdankt das Theater viel Qualität. Das familiäre Zusammenspiel auf der Bühne muss bei entsprechender Qualität immer möglich sein. Wenn es aber um Macht und Verantwortung geht, sollten Ehe- oder Liebesverbindungen vom Theaterberuf getrennt werden.